Brettert mit Vollgas durch die Wildnis

Rennspiele haben ihren ganz eigenen Charme. Während viele meiner Verwandten oftmals die Augen verdreht haben, wenn ich mit Link Monster bezwungen habe, so ist das Interesse deutlich höher, wenn man mit einem realistisch aussehenden Auto über die Strecke rast. Manchmal wollen die betreffenden Personen es sogar selbst probieren, auch wenn das meistens mit dem Kommentar „Ein echtes Auto lässt sich einfacher fahren.“ endet. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das selbst einmal über ein Videospiel sagen würde, doch hier sind wir. Viel Spaß beim Lesen meines Spieletests zu WRC 9 FIA World Rally Championship.


Ein Rennen durch die Wüste.

© Nacon

Während die meisten Rennspiele auf regulären Strecken spielen, ist WRC 9 FIA World Rally Championship das offizielle Lizenzspiel der World Rally Championship. Statt gut gepflasterter Straßen rast ihr also auch durch vereiste Tundren, Wüsten und mehr. Das stellt eine Herausforderung und damit eine komplett andere Spieleerfahrung dar. Ihr selbst startet als Anfänger eine neue Karriere und tretet einem echten Rennstall wie beispielsweise Ford bei. Zu Beginn stehen euch nur wenige Autos zur Verfügung. Wählt ihr das Tutorial aus, das ich euch dringend empfehle, lernt ihr schnell die zum Teil komplexen Mechaniken.


Bevor ihr euch hinter das Steuer begebt, müsst ihr in eurem Terminkalender eure Events planen. Neben einfachen Rennen, bei denen ihr eure Reputation bei eurem Team steigert, gibt es auch die namensgebenden Rallys. Dort tretet ihr gegen andere Fahrer an und versucht, den ersten Platz zu erreichen. Sind normale Rennstrecken zumeist in sich geschlossen, habt ihr in WRC 9 FIA World Rally Championship Abschnittsstrecken. Diese sind in einzelne Segmente unterteilt und geben euch einen Überblick, wie gut ihr momentan in der Zeit liegt. Die dritte Art von Event sind Historische Rennen. Dort werden euch Fahrzeug, Ausrüstung und Strecke vorgeben. Wie der Name schon vermuten lässt, fahrt ihr in diesem Modus echte Rennen nach.


Habt ihr ein Rennen abgeschlossen, geht es zurück in die Werkstatt. Dort stehen euch eine Vielzahl an Optionen zur Verfügung. Im Laufe eurer Karriere sammelt ihr Fähigkeitspunkte. Diese könnt ihr einsetzen, um bestimmte Talente in einem Talentbaum freizuschalten. Diese sind aufgeteilt in den Kategorien Team, Leistung, Crew und Zuverlässigkeit. Die Effekte sind dabei komplett unterschiedlich. So hilft euch ein Talent, bei nassen Strecken weniger Probleme mit dem Fahren zu haben. Wollt ihr mehr Erfahrung nach dem Gewinn einer Rally haben, solltet ihr den Bereich Crew investieren, um diesen Punkt freizuschalten. Insgesamt 78 Talente könnt ihr freischalten.


Fahrt über Eis, Schlamm und Wüstensand.


Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Crew-Management. Darunter gibt es Mechaniker, Agenten, Meteorologen oder Physiotherapeuten. Ein Meteorologe beispielsweise hilft euch, das Wetter beim nächsten Rennen zu bestimmen, damit ihr eure Ausrüstung wie Reifen vorher anpassen könnt. Crew-Mitglieder sind nach einiger Zeit jedoch ausgebrannt und brauchen eine Ruhepause. Ihr könnt sie dann mit einem anderen Mitarbeiter austauschen, solltet ihr welche in Reserve haben. Umso erfolgreicher ihr seid, desto mehr Mitarbeiter werden euch zur Verfügung gestellt.


Vor einem Rally-Rennen erhaltet ihr diverse Informationen und könnt unter anderem die Räder auswechseln.

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Um auf dem neusten Stand zu bleiben, könnt ihr auch eure Mails lesen. Während viele lediglich zum World Building bestimmt sind, müsst ihr mit bestimmten Nachrichten interagieren. Darunter fallen beispielsweise Kosten für Reparaturen. Um motiviert zu bleiben, habt ihr verschiedene Arten von Ziele. Neben Saisonzielen habt ihr auch kurz- und mittelfristige Teamziele, die ihr erreichen müsst, um Belohnungen wie Geld oder Erfahrungspunkte einzustreichen. Im selben Menü seht ihr zudem eure Reputation beim Hersteller. Solltet ihr keine Leistung erbringen, kann es sein, dass ihr euch einen neuen Rennstall suchen müsst.


Kommen wir nun zum Herzstück von WRC 9 FIA World Rally Championship und zugleich der größten Schwäche: Die Rennen an sich. Neben den bisherigen Rallys wie beispielsweise in Schweden oder Italien bietet der neueste Ableger drei weitere Rally-Orte. Diese spielen in Japan, Neuseeland und Kenia. Jede Region hat dabei mehrere Strecken, sodass ihr auf über 100 verschiedene Pisten kommt. Aufgrund der COVID-19-Pandemie konnten viele der Rennen im echten Leben nicht bestritten werden. Das typische Nachfahren der Rallys fällt in diesem Jahr damit aus. Startet das Rennen, könnt ihr sofort merken, warum der Titel für die Nintendo Switch ungeeignet ist. Es fehlen analoge Schultertasten. Das bedeutet, ihr gebt entweder maximal Gas oder betätigt das Pedal überhaupt nicht. Das gleiche gilt auch beim Bremsen, sei es regulär oder mit der Handbremse. Was bei Mario Kart kein Problem ist, stört den Spielspaß bei einem realistisch gestalteten Spiel wie WRC 9 FIA World Rally Championship ungemein. Fahrt ihr über vereiste Strecken und berührt den Joy-Stick nur ganz leicht, schlägt euer Wagen schon aus. Um dem entgegenzuwirken, könnt ihr ganz sanft für einen Bruchteil einer Sekunde Gas geben, um zumindest etwas Kontrolle zurückzugewinnen. Damit gewinnt ihr aber kein Rennen.


Auf Schotterpisten ist das Ganze nicht ganz so dramatisch, da das Tutorial aber auf eine Eisstrecke setzt, ist der Ersteindruck katastrophal. Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass ich den Schwierigkeitsgrad auf das absolute Minimum gesetzt habe, ABS und TCS aktiviert habe und sogar die Starthilfe eingeschaltet ist. Den Schaden habe ich deaktiviert. Immerhin könnt ihr die Belegung der Tasten komplett eigenständig einstellen. WRC 9 FIA World Rally Championship unterstützt auch die HD-Vibration. Diese musste ich jedoch auf 10 % Intensität reduzieren, weil mir sonst die Konsole fast aus der Hand gefallen wäre. Die Anzahl an Optionen dürfte gerade Anfänger erschlagen, es ist daher sinnvoll, die Option Teststrecke auszuwählen, um das ideale Setup zu finden. Diese bietet euch verschiedene Straßenbelage, sodass ihr Reifen, Fahrzeuge und mehr nach Belieben ausprobieren könnt.


Glücklicherweise sind nicht alle Streckenabschnitte in der kalten Tundra ungepflastert.

© Nacon

Startet ihr euer erstes Rennen, merkt ihr gleich, dass ihr einen Beifahrer habt, der euch ununterbrochen volltextet. Er gibt euch Tipps, welchen Hindernissen ihr ausweichen müsst und in welche Richtung die Strecke verläuft. Dabei wird die gleiche Kurzsprache verwendet, die auch in echten Rennen genutzt wird, was auf den ersten Blick verwirrend sein kann. Sollte euch das Ganze stören, könnt ihr den Beifahrer auch stumm schalten. Symbole auf dem Bildschirm geben euch die gleichen Hinweise.


Technisch ist WRC 9 FIA World Rally Championship ein zweischneidiges Schwert. Das Spiel kann zwar fast durchgehend die 30 FPS halten, dafür sind die Strecken jedoch relativ detailarm. Noch mehr stört mich das Aufpoppen von Elementen. Gerade beim Generieren von Schatten hat das Spiel extreme Probleme. Das ist schade, denn gerade Rally-Spiele sollen ja mit ihren visuell beeindruckenden Umgebungen glänzen. Zwar ist die Nintendo Switch nicht die leistungsstärkste Konsole, aber wir haben bereits bei anderen Titeln gesehen, was die Hybridkonsole leisten kann.


Während der Fokus des Spiels eindeutig auf dem Karrieremodus liegt, möchte ich nicht unterschlagen, dass es auch andere Modi gibt. So könnt ihr euch bestimmten Herausforderungen stellen oder an einer Saison teilnehmen, ohne euch um das Crew-Management zu kümmern. Einen Mehrspielermodus, sei es offline oder online, gibt es nicht, was gerade bei einem Rennspiel schade ist. Aufgrund der technischen Probleme, auf die ich weiter oben eingegangen bin, ist dies aber vielleicht auch besser so.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Niels Uphaus

Im Bereich Rally-Rennen hat WRC 9 FIA World Rally Championship auf der Nintendo Switch so gut wie keine Konkurrenz. Seid ihr Fans des Genres, führt an dem Titel kein Weg vorbei. Die vielen Optionen, wie das Ausfüllen eures Talentbaums, das Crew-Management und mehr, geben dem Titel eine gewisse Tiefe. Leider sind die Rennen an sich aufgrund ihrer überempfindlichen Steuerung weniger gelungen. Während manche Strecken gefühlt unfahrbar sind, kann man gerade mit etwas Erfahrung dem Problem entgegenwirken. Die fehlenden analogen Schultertasten der Nintendo Switch schaden Spielen dieser Art jedoch enorm. Hier wäre es wünschenswert, wenn der Nintendo GameCube-Controller unterstützt werden würde. So bleibt WRC 9 FIA World Rally Championship nur ein Titel für Fans. Solltet ihr ein simples Rennspiel suchen, werdet ihr mit dem Rally-Abenteuer nicht glücklich.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 9

  • Kero84

    Bürostuhl Akrobat

    Kann da jeden Rush Rally 3 empfehlen. Läuft flüssig und super Fahrgefühl für kleines Geld.

  • Nischenliebhaber

    Turmheld

    Rush Rally 3 ist auf der Switch der Genre-König. Ein unfassbar gutes Fahrgefühl!

  • Vigy-luigi091016

    danke für den Tipp, schau doch gleich mal nach diesem Rush Rally.Habe Wrc 8 aber fand es auch sehr schwer zusteuern.Da kenne ich anderes von Colin McRae 2.0 was bis heute mein Lieblings Rally Game ist.Daher denke passe ich bei WRC9 und schaue mal bei diesem Rush Rally rein

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    Kommen wir nun zum Herzstück von WRC 9 FIA World Rally Championship und zugleich der größten Schwäche: Die Rennen an sich.“


    Wenn Sätze töten :D:thumbup:

  • Herropon

    Turmknappe

    Fehlende Analogsticks? :ugly:


    Du meinst wohl fehlende analoge Schultertasten / Trigger.

  • nec3008

    Turmbaron

    Es ist wirklich schade, das Nintendo der Switch keine analogen Schultertasten spendiert hat. Bei der Größe der Joy-Cons kein leichtes Unterfangen, das ist verständlich aber nicht unmöglich. Razer zeigt mit dem Kishi (Smartphonehalterung/Controller) ja, das man die so klein bauen kann und trotzdem gut zu kontrollieren sind. Keine Ahnung, ob HD-Rumble vielleicht zu viel "Platz wegnimmt", um die Tasten richtig unter zu bringen. Ist zumindest das einzige, was der Kishi nicht hat.

    WRC sollte sich ein Beispiel an Grid nehmen, was Steuerungsmethoden angeht: Rein digital mit Knöpfen, GameCube Controller, Gas/Bremse über Analogstick (Erinnerungen an Gran Turismo mit dem ersten Dual Shock werden wach), Hori Mario Kart Racing Wheel Pro Deluxe und sogar Nintendo Labo Lenkrad wird unterstützt.

  • Knusel

    Turmbaron

    nec3008


    Ich denke nicht das es ein Platz problem ist... Schon die Wii u und auch die Wii hatten keine analogen schultertasten mehr...


    Nintendo interessiert sich nicht dafür was die anderen Entwickler programmieren...

    Sie brauchen keine für ihre Spiele, dann braucht es auch sonst niemand.


    Hauptsache ein infrarot sensor mit Gesten Erkennung....

    Und HD rumbled, das niemand nutzt.

  • nec3008

    Turmbaron

    Knusel Stimmt wohl Nintendo ist da doch sehr engstirnig. Der GameCube war wirklich die einzige Konsole von denen mit analogen Schultertasten. Ich geb zu, das die auch hauptsächlich für Rennspiele interessant sind und sonst meist nicht genutzt werden, außer bei manchen Shootern, wo ein halbes Drücken einen speziellen Modus aktiviert.


    Der Infrarotsensor ist wirklich nur eine Spielerei bisher... bei der Wii war der noch für den Pointer notwendig und dementsprechend auch wichtig bzw. sehr gut für Ego Shooter zu nutzen.


    HD-Rumble ist leider ziemlich untergegangen, dabei hat 1-2-Switch gut gezeigt, was damit möglich ist. Denke vor allem auch, das HD-Rumble der Denkanstoß für Sonys haptisches Feedback beim Dual Sense war.

  • Niels Uphaus

    You shall be as gods...

    Herropon Haha, da hast du natürlich recht. Ich habe mich so in Rage geschrieben, dass ich es im Fazit falsch benannt habe. Ist korrigiert. Danke!