Schnappt sie euch alle

Neben der Pokémon-Reihe beteiligten sich bereits viel andere Franchises an dem Monsterwahnsinn. Ob YO-KAI WATCH, Spectrobes oder Digimon – alle verbindet sie die Faszination, gemeinsam mit liebenswerten Kreaturen auf Reisen zu gehen. Dabei ist es umso weniger überraschend, dass sich auch Indie-Entwickler am Genre versuchen und trotz des großen Aufwands eigene Welten mit neuen Lebewesen erstellen. Monster Sanctuary geht in eine vergleichbare Richtung und kombiniert das altbekannte Monstersammelgefühl mit Metroidvania-ähnlichen Elementen, um etwas frischen Wind ins Geschehen zu bringen. Ob der ungewöhnliche Mix aber Sinn ergibt oder nicht ganz zusammenpassen möchte, erfahrt ihr in unserem Spieletest.


Ganz wie in traditionellen Metroidvania-Ablegern erkundet ihr eine verbundene Spielwelt.

© Moi Rai Games

Monster fangen, trainieren und bekämpfen – nur die Wenigsten hatten vermutlich noch nie in ihrem Leben Berührungspunkte mit dem klassischen Spielprinzip dieser oftmals taktischen Rollenspiele. In ihrem Fundament funktionieren sie nämlich fast alle gleich: Ihr schnappt euch die hiesigen Monster, baut eine Verbindung mit ihnen auf und bereist eine unerforschte Spielwelt mit allerlei Entdeckungen. Wo sich die Spreu vom Weizen trennt, liegt häufig an der Fokussierung der jeweiligen Spiele. Ob es eher darum geht, so viele Kreaturen wie möglich zu schnappen oder sie gegeneinander antreten zu lassen, hängt von Fall zu Fall ab und führt trotz des grundsätzlich gleichen Prinzips zu völlig unterschiedlichen Erfahrungen. Während diese Unterschiede manchmal erst bei genauerem Betrachten erkenntlich werden, sticht Monster Sanctuary schon allein aufgrund seiner zweidimensionalen Perspektive hervor.


Obwohl die Ansicht für das Genre alles andere als gewöhnlich ist, teilt sie dennoch die grundlegende Ähnlichkeit, dass noch immer eine große Welt erkundet wird. In dieser Dimension naheliegend, ist die Struktur eines klassischen Metroidvania-Ablegers, wo sämtliche Bereiche nahtlos miteinander verknüpft sind und althergebrachte Levelauswahlbildschirme nichts zu suchen haben. Normalerweise definieren Upgrades oder zusätzliche neue Fähigkeiten den Fortschritt – was hier bis zu einem gewissen Grad durchaus auch zutrifft, im Großen und Ganzen aber nur nebensächlich erscheint. So erlaubt ein Doppelsprung ohne Frage das Erreichen höher liegender Orte, allerdings sind solche Power-ups nur der Untersatz der eigentlichen Idee. Wie der Titel verraten sollte, stehen die Monster im Mittelpunkt des Geschehens und nehmen in der Spielwelt eine zentrale Rolle ein. Jedes Wesen besitzt (gelegentlich) mehrere Kräfte, die beim Erforschen einen wesentlichen Vorteil bieten und Geheimnisse offenbaren, die ansonsten versteckt blieben.


Nutzt die Fähigkeiten eurer Partner, um neue Gebiete zu entdecken.

© Moi Rai Games

Dabei ist es wichtig zu betonen, dass nicht jedes Monster individuelle Kräfte aufweist. Häufig überschneiden sich die Fähigkeiten in gewisser Weise und lassen sich meistens schon auf den ersten Blick feststellen. Gefiederte Kreaturen halten euch für einen kurzen Moment in der Luft und feurige Monster verbrennen mit ihrer Hitze Ranken – schon das bloße Aussehen gibt Auskunft darüber, mit welcher Befähigung ihr es zu tun bekommen werdet. Wer jetzt glaubt, alle Begabungen auf einmal einsetzen zu können, den muss ich leider enttäuschen, denn es kann euch immer nur ein Begleiter auf der Spielwelt unterstützen. Glücklicherweise läuft der Wechsel zwischen euren Kumpanen per Schultertaste schnell und ohne langweilige Menüführungen ab, sodass der Spielfluss niemals unterbrochen wird. Da viele Schätze und geheime Truhen an die Fähigkeiten von Monstern gebunden sind, fallen die Belohnungen aufgrund dieser optionalen Natur oftmals etwas unzufriedenstellend aus.


Schließlich kann das Spiel nicht immer davon ausgehen, dass ihr jedes erhältliche Monster auch fangt und platziert somit gewissermaßen wertlose Gegenstände, die sich entweder erwerben oder woanders finden lassen, gelegentlich in versteckten Kisten. Deswegen kann es wiederholt vorkommen, dass ihr Geheimnisse lokalisiert, aber wegen eines fehlenden Monsters nicht erreichen könnt und es euch daher im Hinterkopf behaltet. Zunächst mag dies nicht weiter tragisch wirken – immerhin ist es ein Markenzeichen des Genres, in alte Gebiete wiederzukehren, um den verpassten Geheimnissen auf den Grund zu gehen. Leider markiert Monster Sanctuary jedoch fast keinerlei Informationen auf der Karte und teilt euch letztendlich auch nicht mit, an welchem Punkt ihr womöglich etwas verpasst habt, weswegen Backtracking, also ein bereits erforschtes Gebiet wieder besuchen, um verpasste Items zu finden, in Kombination mit den dürftigen Schätzen weder Spaß macht noch wirklich sinnvoll ist.


Das Kampfgeschehen im Detail


Das Herzstück bleibt aber ohnehin das rundenbasierte Kampfsystem, wo ihr entweder gegen eine Gruppe von bis zu drei Monstern gleichzeitig antretet oder gegen andere Charaktere Kämpfe ausfechtet. Mit einem Team von insgesamt sechs Partnern könnt ihr im Kampfgeschehen flexibel die Aufstellung eurer Gruppe variieren und an die Situation anpassen. Achtet hierbei besonders auf die elementaren Schwächen des Gegners, welche sich unter dem Reiter „Gegnerinfo“ jederzeit nachlesen lassen. Genauso besitzt jeder Angriff eine spezifische Eigenschaft und richtet beispielsweise Feuer-, Wasser-, Wind- oder auch ganz einfach neutralen Schaden an. Die richtige Wahl des passenden Angriffs sollte stets bedacht und mit dem richtigen Zeitpunkt verknüpft werden, da Spezialattacken an einen Energievorrat gebunden sind und bei Übernutzung ihre Effektivität sowie Durchschlagskraft verlieren.


Das Kampfsystem ist einfach gestrickt und schnell verinnerlicht.

© Moi Rai Games

Ist dies der Fall, müsst ihr auf einen herkömmlichen Standardangriff ausweichen, dessen Stärke von der ausgewählten Ausrüstung abhängt. Es ist nämlich möglich, alle Monster mit Ausrüstungsgegenständen auszustatten, die einfache Attribute verbessern oder hilfreiche Statusboni gewähren. Ebenso wichtig ist der Talentbaum einer jeden Kreatur, der neue Spezialangriffe freischaltet oder das jeweilige Monster lediglich verstärkt. Anders als in anderen Rollenspielen verbessert ein Level-up jedoch nicht per se die Kraft eures Monsters, sondern verleiht ihnen Skill-Punkte, die wiederum im Talentbaum ihren Einsatz finden. Was das Spiel hierbei besonders gut versteht, ist die Tatsache, dass neu gefangene Monster nicht mühsam trainiert werden müssen, um erst die einzelnen Skills freizuschalten. Jede Kreatur besitzt beim Fang die Menge an Skill-Punkten, die es normalweise ab dem jeweiligen Level sowieso zur Verfügung hätte und kann kämpferisch gleich angepasst werden. Dies wird auch nötig sein, da Grinding gerade im späteren Verlauf des Spiels dennoch etwas an Überhand gewinnen kann und die Spielzeit von etwa 20 Stunden künstlich streckt.


Gerade Auseinandersetzungen mit anderen Trainern beweisen diesen Umstand jedes Mal aufs Neue und wirken häufig wie ein Stoppschild, das euch zum Grinding auffordert. Nichtsdestotrotz bringen sie die nötige Abwechslung in das sonst so monotone Kampfgeschehen, da wilde Monster niemals wirklich eine ernsthafte Herausforderung darstellen und das Spiel generell nur in Ausnahmesituationen anspruchsvoll ist. Eine dieser Ausnahmen sind die Champions – ausgesprochen starke, seltene Monster, die gewissermaßen als Bosskämpfe fungieren und durch ihre hohe Ausdauer bestechen. Obwohl sie eine angenehme Herausforderung darstellen, liegt der Reiz hier vielmehr im Fangen der Kreatur. Im Grunde genommen ist das „Fangen“ im Zusammenhang mit Monster Sanctuary übrigens nicht ganz akkurat. Schneidet ihr nämlich in einem Kampf besonders gut ab, erhaltet ihr die Chance, am Ende die Eier der erlegten Wesen zu erhalten. Im Iteminventar könnt ihr diese dann ganz einfach ausbrüten und sofort eurem Team hinzufügen.


Im Monsterglossar ist jedes gefangene Wesen verzeichnet.

© Moi Rai Games

Die Unkompliziertheit dieses Vorgangs ist nur ein Beispiel und zeigt die vermutlich größte Stärke des Spiels: die Simplizität des Gameplays. Es dauert nur wenige Probekämpfe, bis das Kampfgeschehen verinnerlicht ist, und der grobe Spielverlauf ist niemals wirklich kompliziert aufgebaut, wodurch man jederzeit wieder in Monster Sanctuary einsteigen kann, ohne sich verloren vorzukommen. Tiefgründige Informationen lassen sich nur im Monsterbuch finden, wo alle Bestien mit interessanten Berichten verzeichnet sind und euch Auskunft über ihre Stärken und Schwächen geben. Während die Handlung auf den ersten Blick ebenfalls relativ ereignislos und lasch erscheint, fällt die Lore sehr viel umfangreicher aus. Im Detail bedeutet dies lediglich, dass sich viele optionale Hintergründe zur Spielwelt verstecken und ihr sie eigenhändig aufdecken müsst – oder auch einfach ignoriert. Der rote Faden besteht nämlich aus dem einfachen Ziel, ein erachtenswerter Monsterhüter zu werden, was die Handlung nicht unnötig aufbläht und weitere Spieldurchläufe dank dem schnellen Einstieg ins Spiel erleichtert


Grafisch orientiert sich Monster Sanctuary am mittlerweile gewohnten Pixel-Look und macht dabei nur wenig falsch. Die Monster sind charmant animiert und die einzelnen Settings heben sich durch klare farbliche Trennungen ausreichend voneinander ab. An dieser Stelle wird es geschmacksabhängig, doch hätte ich mir etwas ausgefallenere Orte gewünscht. Dunkle Höhlen und verlassene Ruinen sieht man zuhauf in anderen Spielen, weswegen etwas mehr Mut zu Neuem nicht verkehrt wäre. Ähnlich blass sieht es beim Soundtrack aus, der das Geschehen zwar unterstützt, aber niemals wirklich nennenswert aufwertet. Kämpfe gegen Champions oder andere Trainer besitzen einfach nicht die angemessene Energie und klingen etwas zu entspannt. Mehr als einmal hatte ich den Eindruck, dass sich der Komponist mit Musikstücken, welche die Umgebung atmosphärisch unterstreichen, sehr viel wohler fühlt und dieses Verhalten sich in spannenderen Momenten leider ein wenig widerspiegelt.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Kevin Becker

Monster Sanctuary liefert einen interessanten Mittelweg zwischen komplex sowie simpel und nimmt dabei einige Abstriche in Kauf. Erkundungen laufen größtenteils eigenständig ab und profitieren von speziellen Monsterfähigkeiten, die sich übergangslos der Spielgeschwindigkeit fügen, aber etwas tief greifender im Gameplay verankert sein könnten. Der Metroidvania-Aspekt fällt dadurch etwas zu kurz aus, was in Kombination mit der informationsarmen Karte umso stärker beweist, wie viel Potenzial in diesem Gesichtspunkt ungenutzt bleibt. Das Kampfgeschehen bereitet aber selbst nach zahlreichen Spielstunden noch immer Freude und obwohl Gefechte gegen wilde Monster auf Dauer etwas bescheiden und strapaziös wirken könnten, bilden Bosskämpfe gegen andere Trainer oder Champions den nötigen anspruchsvollen Kontrast. Damit verbunden ist Grinding leider eine nicht unerhebliche Komponente des Spiels und beeinflusst die eigentlich angenehme Spielzeit zu einem großen Teil mit. Glücklicherweise lässt sich die zusätzliche Zeit dazu nutzen, umfangreiche Hintergrundinformationen in Form von Monsterberichten oder geheimen Texten aufzusaugen, die den Charakter und den Charme der Spielwelt ausmachen. Solange Monster Sanctuary schlussendlich erkennt, woran das Spielprinzip noch hapert und wie viel Potenzial in diesem unverbrauchten, harmonierenden Genremix steckt, hat das Gameplay mehr als genug Freiraum, um neue Höhen zu erreichen.
Mein persönliches Highlight: Die schiere Menge an verschiedenen Monstern.

Meinung von Maik Styppa-Braun

Monster Sanctuary war für mich persönlich trotz seiner Schwächen ein Überraschungstitel. Dank der interessanten Kombination aus Metroidvania und dem Sammeln und Trainieren der unzähligen Monster, verbrachte ich Stunden damit, mein Team nach meinen Bedürfnissen anzupassen. Nicht von der Hand zu weisen ist jedoch, dass sich im Verlauf immer mehr Monotonie in das Gameplay einschleicht, wenngleich versucht wird, dies durch neue Fähigkeiten und Gebiete zu verschleiern. Im Kern erhält man jedoch frisches Futter für seine Nintendo Switch, wenn man mal wieder auf der Suche nach etwas Neuartigem ist.
Mein persönliches Highlight: Die gute Integration der Fähigkeiten der Monster in die Spielwelt.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 3

  • Yuuen

    Turmheld

    Für mich ist Monster Sanctuary eine glatte 10/10!


    Eine in sich schlüssige und liebenswerte Welt, tolle Charaktere und eine packende Story.

    Dazu an die 100 Monster zum sammeln und außerdem individuellen Fähigkeiten, um die ganze Map zu erkunden.

    Das Kampfsystem und die Team-Zusammenstellung machen auch richtig Spaß!


    Ich habe mich komplett in dem Spiel verloren und kann es nur jedem ans Herz legen.

    Für mich jetzt schon ein Top-Favorit dieses Jahrzehnts! <3

  • justpixel

    Turmheld

    Kann das Grinding Argument leider überhaupt nicht nachvollziehen, Monster aus neu geschlüpften Eiern befinden sich 2 Level unter dem aktuellen Monster mit dem maximalen Level, Level-Abzeichen werden einem regelrecht hinterher geworfen und sind käuflich erhältlich.


    Wer sich eingehend mit Team-Building in diesem Spiel befasst, muss auch nicht mit einer Übermacht von 10+ Leveln in den Bosskampf, sondern kann auch leicht unterlevelt mit einem Sieg raus. Gerade die letzten NPC-Kämpfe im Spiel verlangen gut durchdachte und abgestimmte Strategien von einem ab, Synergien und Combos müssen sinnvoll im voraus geplant sein.

    Champions kann man allerdings eigentlich immer mit passivem Schaden+Heilung ausstallen.


    Durch sehr gute und früh erhältliche Team-Builds braucht man quasi 0 Grinding und spielt das Spiel mit einem 3er Gespann mehr oder weniger ohne große Hindernisse durch, wie z.B.:

    reddit-Beitrag

    Man wird regelrecht für gutes Team-Building in Form der Kampfwertung mit besonderen Gegenständen belohnt.


    Es ist halt definitiv kein Pokémon, wo ein One-Monster Team leicht überlevelt durch die ganze Spielstory rushed :)

  • Kimsn

    Turmritter

    Hab das Spiel im Game Pass angespielt und bin noch nicht durch. Zocke immer in Etappen, weil mich das Spiel irgendwie schlaucht, bin permanent mit Optimierung meines Teams beschäftigt :D

    Aber genau das ist auch extrem belohnend. Am Anfang mag das alles ein wenig überfordern, aber nach ein wenig Einarbeitung ist es einfach nur mega geil zu sehen, wenn eine Teamidee aufgeht und man mit 5 Sternen aus den Kämpfen geht. Die Metroidvania-Elemente begeistern mich nicht so doll, aber kann ich akzeptieren. Da ich in Etappen zocke muss ich mich oftmals erstmal wieder in die Karte reinfuchsen. Glaube aber, dass Monster Santuary mir auf der Switch durch den mobilen Faktor mehr Spaß gemacht hätte, da man schneller wieder reinhoppen kann.

    Im gesamten definitiv ein interessantes Spiel und ich hoffe, dass da in Zukunft ein Nachfolger kommt und noch ein bisschen mehr gepolished ist, würde ich definitiv wieder spielen :)