Eine Anthologie aus den 10 besten Neo Geo Pocket Color-Spielen?

Die stationäre Konsole Neo Geo MVS bzw. AES von SNK hatte es sich Anfang der Neunziger zur Aufgabe gemacht, das Arcade-Automaten-Feeling in die heimischen vier Wände zu bringen. Um auch unterwegs einige Ableger der Spiele des großen Bruders genießen zu können, hat SNK knapp ein Jahrzehnt später den Neo Geo Pocket und kurze Zeit danach den Neo Geo Pocket Color veröffentlicht – zumindest in Japan. Dort als Konkurrent zum Game Boy Color an den Marktstart gegangen, wurde die Farbvariante des Handhelds mit einigen guten Titeln bedient und trotz fehlendem westlichen Absatzmarkt sind viele davon auch in einer englischen Sprachversion erschienen. Zehn der beliebtesten und besten Titel hat SNK nun in einer Collection zusammengefasst. Ob sich die Anschaffung der emulierten 16-Bit-Spiele lohnt und sie euch an den Bildschirm eurer Nintendo Switch fesseln können oder sich die Sammlung eher an Nostalgiker und generell an Retrospiele interessierte Individuen richtet, das erfahrt ihr in den nachfolgenden Zeilen.


Emuliert, aber oho?!


Eins sollte euch vor der Anschaffung direkt klar sein: Die Spiele haben bedingt durch ihre Handheld-Herkunft eher wenig Tiefgang, bieten eine nur sehr piepsige Midi-Tonausgabe, sind sehr niedrig aufgelöst und haben nur einen begrenzten Farbraum. Kennern dürfte das bewusst sein, doch es soll nicht unerwähnt bleiben. Was nicht direkt ersichtlich ist, ist die Frage der Emulation. Hier gibt es bis auf zwei Ausnahmen nichts zu meckern.


Die Einstellungsmöglichkeiten im Emulator sind vielfältig – sogar an eine Funktion zum Zurückspulen wurde gedacht.

© SNK Corporation / CAPCOM Co., Ltd. / CAPCOM U.S.A., Inc.

Abermals ist, schon wie bei Fatal Fury First Contact oder The Last Blade: Beyond the Destiny, das Team von Code Mystics für die Umsetzung verantwortlich. Bis auf die beiden in der Sammlung enthaltenen Metal Slug-Teile kam es bei keinem der Spiele während meines Tests zu Rucklern oder gab Verzögerungen bei der Eingabe. Auch der Ton hallte jederzeit fehlerfrei aus den Lautsprechern der Nintendo Switch. Bei Metal Slug: 1st Mission und Metal Slug: 2nd Mission kam es während des Spielens aber immer wieder zu seltsamen Einbrüchen in der Bildrate und damit einhergehend einer Verzögerung bei der Eingabe. Gerade im zweiten Teil ging reproduzierbar bei jedem Aufsammeln eines Gegenstandes die Framerate in die Knie. Wer sich also gerade wegen dieser beiden Spiele die NeoGeo Pocket Color Selection Vol. 1 zulegen möchte, dem rate ich direkt vom Kauf ab.


Startet ihr eines der Spiele, dann wird euch das Spielgeschehen zunächst von einem hochauflösenden Neo Geo Pocket Color-Overlay umrahmt. Sollte euch das Bild in Briefmarkengröße zu klein sein, dann könnt ihr in den Einstellungen jederzeit nahtlos herein- und herauszoomen, eine andere Farbvariante des Handhelds wählen oder den Rahmen sogar ganz entfernen. Bedingt durch das damalige 4:3-Format des Originals verbleiben jedoch immer links und rechts große schwarze Balken. Einen angepassten Breitbild-Modus gibt es nicht. Einen Filter, welcher euch ein Gitter zwischen die einzelnen Pixel zaubert und damit das Spielgefühl von damals näher bringt, könnt ihr ebenfalls über das Bild legen. Zudem könnt ihr zwischen farbiger und monochromer Bildausgabe wählen. Ein nicht selbstverständliches Feature: Je nachdem in welcher Sprachversion ihr das Spiel aus dem Hauptmenü heraus startet, könnt ihr das damalig beiliegende Handbuch in Originalsprache aufrufen. Eine hilfreiche Rückspulfunktion ist zudem auch mit integriert. Das Button-Layout dürft ihr jederzeit in den Optionen des Emulators frei belegen – was zu empfehlen ist, denn die A- und B-Taste ist bei dem Neo Geo Pocket Color genau andersherum als bei der Nintendo Switch angeordnet.


Jedes der 10 enthaltenen Spiele liegt in englischer und japanischer Sprache vor und kann in einer 3D-Ansicht angeschaut werden.

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Schön umgesetzt ist auch der in den Spielen vorhandene Zweispieler-Modus. Startet ihr diesen aus einem Spiel heraus, dann wird das Bild zweigeteilt und jeweils um 90° gedreht. Setzt ihr euch gegenüber voneinander hin, dann hat jeder von euch das gesamte Geschehen als eigenen Bildschirm angezeigt vor sich. Jeweils einen der Joy-Con in die Hand und schon kann der Spielspaß zu zweit losgehen. Ausgenommen sind hier allerdings Metal Slug: 1st Mission und Metal Slug: 2nd Mission, welche nur den Einzelspieler-Modus inkludiert haben.


Ein paar zusätzliche Schmankerl bietet euch das Hauptmenü, aus dem ihr die Spiele heraus startet. Nicht nur das die Spiele im japanischen Original und in der jeweiligen englischen Übersetzung vorliegen, sondern ihr bekommt bei der Auswahl der Sprachversion auch das entsprechende Spielmodul, das Handbuch sowie auch die Verpackung angezeigt. Alles davon könnt ihr euch auch in einer hübsch aufgemachten 3D-Ansicht anzeigen lassen, stufenlos drehen, rein- und rauszoomen und die Verpackung lässt sich sogar mit einer Animation versehen, öffnen. Für das darin enthaltene Spielmodul und dessen transparenten Hülle gilt dasselbe. Hier wurde der Gedanke einer digitalen Spielesammlung konsequent zu Ende gedacht. Ab sofort bitte immer so, liebe Entwickler und Publisher!


10 Spiele auf einer Softwarekarte – in sechs darf geprügelt werden


Sechs der insgesamt 10 enthaltenen Spiele in der NeoGeo Pocket Color Selection Vol. 1 sind auch einzeln im Nintendo eShop erschienen, wovon wir drei bereits ausführlich getestet haben. Auch wenn sie als Teil der Sammlung mitbewertet werden, sei an dieser Stelle auf die Einzeltests zu Fatal Fury First Contact, The Last Blade: Beyond the Destiny sowie SNK vs. Capcom: The Match of the Millennium verwiesen.


Big Tournament Golf – Trotz des kleinen Bildschirms des Neo Geo Pocket Color habt ihr immer alles Wichtige im Blick.

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Mit Big Tournament Golf liegt das einzige Sportspiel der Sammlung bei. Die miniaturisierte Ausgabe vom großen Vorbild auf dem Neo Geo, auch bekannt unter Neo Turf Masters, bietet so gut wie alles, was das Golferherz begehrt. Drei 18-Loch-Plätze in Japan, den USA und Deutschland, die mit Wassergräben, Sandbunkern und hügeligem Grün daherkommen, eine Auswahl an dutzenden Schlägerarten sowie einen Turnier-Modus. In Letzterem muss jeder der Kurse zweimal absolviert werden – einmal in einem Qualifikationsspiel und anschließend im Wettkampf. Vor dem ersten Abschlag wählt ihr einen von sechs Golfern verschiedener Nationalität, die mit fünf verschiedenen Werten aufwarten. Dann geht es aufs Grün.


Der Bildschirm ist unterteilt in eine Draufsicht des Golfkurses, eurem Golfer und den eingestellten Werten sowie einer Anzeige der Schlagstärke und des Effets auf der Linken. Habt ihr den Golfball einmal in die Nähe des Lochs gebracht, wechselt ihr automatisch zum Putter und ihr erhaltet eine Anzeige, die euch vorgibt, wie stark ihr schlagen müsst, um den Ball zu versenken. Was zunächst simpel klingt, benötigt aber durchaus ein wenig Eingewöhnungszeit und Feingefühl, um mit nur wenigen Schlägen zum Ziel zu kommen und den Golfball nicht in einer Sandbank zu versenken. Zudem sind eure Gegner recht stark und im Turnier-Modus kommt ihr nur weiter, wenn ihr auf dem ersten Platz landet. Hat man jedoch erstmal herausgefunden, welcher Schläger für welche Situation optimal ist und wie die Windstärke den Ball beeinflusst, dann ist man motiviert, den virtuellen Siegerpokal mit nach Hause zu nehmen. Eine gelungene Golfumsetzung, die durchaus für einige Stunden unterhalten kann.


Dark Arms: Beast Buster bietet actionreiches Shoot 'em up-Gameplay mit seichten Rollenspielelementen in einem Horror-Fantasy-Setting. Als Beast Buster seid ihr ausgerüstet mit dem mächtigen „Catcher“ – eine Art magischer Köcher – im Reich der Dämonen unterwegs. Bei Spielstart werdet ihr im „Master’s House“ von einem Sensenmann begrüßt, der euch eben jenes Fanginstrument aushändigt und euch bittet, die Seelen der Kreaturen damit einzufangen. Der erste Anlaufpunkt eurer Reise ist ein Dungeon aus dem ihr einen Samen holen und zu ihm bringen sollt. Diese sogenannten „Seeds“ werden neben den „Oums“ dazu genutzt, um damit neue Waffen im „Master’s House“ vom Sensenmann anfertigen zu lassen. Von besiegten Monstern erhaltet ihr klassisch Erfahrungspunkte, womit allerdings nicht ihr selbst, sondern eure ausgerüstete Waffe sich verbessert, weiter im Level steigt und somit beispielsweise mehr Schaden anrichtet. Mit dem „Catcher“ eingefangene Kreaturen könnt ihr zudem ebenfalls nutzen, um eure Waffen weiter zu entwickeln und mit elementaren Eigenschaften zu versehen. Zunächst nur mit einer Pistole ausgerüstet, könnt ihr diese später beispielsweise zu einer Shotgun weiterentwickeln. Ähnlich wie bei Pokémon wird jeder Gegner außerdem in eine Datenbank aufgenommen, sobald ihr ihn mit dem „Catcher“ erledigt habt. Einige der Kreaturen sind zudem nur bei Tag oder Nacht anzutreffen. Menschen verwandeln sich nachts beispielsweise in Werwölfe.


Dark Arms: Beast Buster – Der Sensenmann bietet euch seine Dienste an, um eure Waffen zu verbessern.

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Das gesamte Spielgeschehen wird in einer Draufsicht dargestellt und bietet gemessen an den damaligen Möglichkeiten eine insgesamt ansehnliche Pixeloptik. Monster wie Werwölfe, lebendige Rüstungen oder schlurfende Zombies werden als solche erkannt und der Hintergrund hebt sich immer deutlich von ihnen ab. Die gruselige Horror-Musik trägt zur Atmosphäre bei und erinnert ein wenig an die von Castlevania. Leider ist das Spiel recht kurz, bietet nur wenig Abwechslung und ist zudem recht einfach. Die Kreaturen tauchen nach jedem Szenenwechsel erneut auf, können besiegt werden und hinterlassen abermals Erfahrungspunkte. So könnt ihr schon zu Beginn recht schnell eure Waffen hochleveln und euch ganz einfach und innerhalb von wenigen Stunden durch die vier Areale durchkämpfen. Sobald ihr einen Spielstand angelegt habt, könnt ihr in einem kleinen Mehrspieler-Modus auch noch gegeneinander Schusswechsel austragen.


Mit Metal Slug: 1st Mission und Metal Slug: 2nd Mission sind gleich zwei Vertreter der beliebten Run 'n' Gun-Reihe in der Sammlung vertreten. Beide Titel sind damals exklusiv für das Neo Geo Pocket Color erschienen und bilden ein jeweils eigenständiges Spin-off. Spielerisch bekommt ihr ein ähnliches Spielerlebnis wie aus den Spielen auf den Heimkonsolen geboten, allerdings natürlich hinsichtlich Grafik und Sound in einer deutlich reduzierten Variante. Zudem sind die Hüpfpassagen ein wenig prominenter vertreten.


Die Geschichte von Metal Slug: 1st Mission ist recht schnell erzählt. Es ist das Jahr 2027 in dem Regierungstruppen unter dem Kommando von Colonel Hilde Garn illegal Waffen verkaufen. Nun liegt es an euch als Spezialeinheit und Teil der Peregrine Falcons Squad ihn und seine Schergen aufzuhalten. Mit einem breiten Waffenarsenal geht es also in den Kampf. Von der Pistole über das Automatikgewehr, einem Raketenwerfer und Handgranaten ist das Arsenal vielfältig. Doch damit das Geballer nicht zu schnell an Reiz verliert, versorgt euch das Spiel an bestimmten Stellen mit dem namensgebenden Metal Slug oder auch SV-000, einem Prototypen eines Panzers, ausgestattet mit einer schussstarken Kanone. Doch nicht nur der Metal Slug, sondern auch der Slug Flyer, ein Düsenjet, bietet eine willkommene, feuerstarke Unterstützung. Sollte doch mal euer Equipment zu Klump geschossen werden, dann ist das Spiel jedoch noch nicht vorbei. Segnet der Metal Slug das Zeitliche, dann werdet ihr gefangen genommen und ihr müsst nur mit einem Messer bewaffnet aus einem Gefangenenlager entkommen. Werdet ihr ihm Slug Flyer vom Himmel geschossen, dann folgt eine Sequenz, in der ihr per Fallschirm zu Boden gleitet und im richtigen Zeitfenster die Reißleine ziehen müsst. Anschließend folgt der normale Levelverlauf. Geboten werden euch vielfältige, hübsch anzusehende Umgebungen wie eine Wüste, verschiedene urbane Gegenden, eine Militärbasis sowie ein dichter Dschungel. Nach einigen Levels erwartet euch ein Boss-Gegner, jedoch nicht bei jedem.


Metal Slug: 2nd Mission – Die beiden Metal Slug-Spiele gehören zu den Detailreichsten in der Sammlung.

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In Metal Slug: 2nd Mission ist es dieses Mal eure Aufgabe die Regierungstruppen, wovon ihr einige Zeit zuvor einen großen Teil besiegt habt, zu befreien. Eine Rebellenarmee, angeführt von Leutnant Colonel Macba, hat die Regierungstruppen als Geiseln genommen und Kontakt zu Außerirdischen aufgenommen, um damit die Entwicklung von bisher unbekannter Technologie voranzutreiben. Die Lage ist ernst und ihr müsst eingreifen.


Anders als im Teil zuvor habt ihr die Auswahl zwischen einem männlichen Protagonisten namens Gimlet und einer weiblichen Protagonistin mit Namen Red Eye. Beide haben unterschiedliche Storypfade, welche aber miteinander verwoben sind. Neben dem bereits bekannten Metal Slug und dem Slug Flyer wurde bei Metal Slug: 2nd Mission ein weiteres Gefährt eingeführt: das Slug Sub, wobei es sich um ein U-Boot handelt. Gestrichen wurde bei Abschuss des Metal Slug die Sequenz mit dem Gefangenenlager, stattdessen geht es normal zu Fuß weiter. Dafür geht es bei Abschuss des Slug Flyer in eine Art Zwischenlevel, wo ihr euch per Jetpack durch eine Shoot 'em up-Sequenz ballern müsst. Auch im zweiten Teil geht es durch hübsch anzusehende Level mit urbanem Setting, Dschungelabschnitten, Höhlen und eisigen Landschaften.


Insgesamt spielen sich beide Metal Slug-Teile recht ähnlich. Unterschiede gibt es nur im Detail wie bei der Auswahl der Waffen und den Gegenständen, die man aufsammeln kann. Zudem wird die Anzahl an verfügbaren Granaten in Metal Slug: 2nd Mission direkt angezeigt, ihr könnt sie direkt werfen und müsst nicht umständlich erst zu ihnen wechseln. Das gestaltet das Spielgefühl etwas flüssiger, doch das sind beide Spiele von der Bildrate her leider nicht.


Von der technischen Perspektive waren die beiden Spiele damals Highlights auf dem Neo Geo Pocket Color, versehen mit vielen Animationen, hübschen Sprites, knackigem Sound einem tollen Soundtrack. Jedoch scheint der Emulator hier an seine Grenzen zu kommen. Da beide Spiele recht schwer sind und man recht schnell das Zeitliche segnet, macht es einem da die unstabile Bildrate und die damit einhergehende Eingabeverzögerung nicht gerade einfacher, die Level zu meistern. Das Leiden betrifft leider beide Metal Slug-Teile, wenn auch der Zweite nochmals schlechter läuft.


Fighting, Fighting, Fighting...


Mit King of Fighters R-2 liegt ein auf The King of Fighters '98 basierender mobiler Ableger der Sammlung bei. Ähnlich wie in Fatal Fury First Contact auch habt ihr hier allerdings eher Chibi-Ausgaben der jeweiligen großen Charakter-Pendants vorliegen. Insgesamt 14 Kämpfer könnt ihr anfänglich auswählen. Im Verlauf der Kampagne könnt ihr neun weitere freischalten, womit ihre Gesamtzahl auf insgesamt 23 anwächst. Zudem gibt es einen „Making“-Modus, mit dem ihr einen der vorhandenen Kämpfer nach Belieben modifizieren könnt. Jeder hat sein eigenes Move-Set, welches durch zusätzliche Spezialattacken erweitert werden kann. Bedingt dadurch das der Neo Geo Pocket Color nur zwei Buttons hat, gibt es auch nur zwei Arten von Angriffen: Leichte Schläge und Tritte bei Antippen der jeweiligen Taste. Haltet ihr einen der Buttons gedrückt, wird ein entsprechend stärkerer Schlag bzw. Tritt ausgeführt. In Verbindung mit dem Steuerkreuz ergeben sich dann zusätzliche Spezial- und Komboattacken. Hinzu kommt die Möglichkeit den Angriffen eures Gegenübers auszuweichen oder diese zu blocken sowie anschließend einen Gegenangriff auszuführen.


King of Fighters R-2 – Der Prügler ist der umfangreichste, komplexeste aber auch mit der schwierigste in der Sammlung.

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Zudem gibt es eine Spezialleiste oder auch „Power Gauge“, welche ihr auf zwei verschiedene Arten füllen könnt, um damit noch stärke Attacken auf euren Kontrahenten loslassen zu können. Per „Advanced Power Gauge“ lädt die Leiste automatisch durch eingesteckte und ausgeteilte Treffer auf. Ist sie voll, kann der „MAX Power Mode“ per Tastenkombination aktiviert werden und ihr seid für kurze Zeit stärker und könnt Angriffe besser abwehren. Manuell könnt ihr durch Tastenkombination die Leiste ebenfalls aufladen und das sogar mehrfach, sodass ihr mehrere Aufladungen für Spezialangriffe habt. Insgesamt bietet King of Fighters R-2 das größte Move-Set von den in der Sammlung enthaltenen Beat 'em ups, ist damit aber auch das mit der komplexesten Steuerung.


Im „King of Fighter“-Modus wird entweder zu dritt im Team oder einzeln gekämpft. Beim Gruppenkampf steigt nach einem K. O. einer der gewählten Partner in das Match ein. Der Gewinner kämpft in der nachfolgenden Runde mit der Energie des vorherigen Matches weiter. Recht einzigartig ist der bereits erwähnte „Making“-Modus. Hier wählt ihr einen Charakter und spielt einen Kampf nach dem anderen, jedoch erhaltet ihr nach jedem Gewonnenen eine von über 200 Fertigkeiten per Zufallsprinzip. Das kann beispielsweise die Verbesserung einer eurer Kämpferwerte sein oder die Wiederherstellung eurer Gesundheit zwischen den Kämpfen. Sogar Waffen gibt es, womit ihr dem Gegner einheizen könnt. Eine gelungene Abwechslung zu den ansonsten immer gleichen Kampfabläufen anderer Prügler. Insgesamt, gemessen an der gebotenen Vielfalt und dem Inhalt, ist es das beste Beat 'em up in der Sammlung. Jedoch gehört es nicht gerade zu den einfachsten Vertretern des Genres und es bedarf etwas an Eingewöhnungszeit, zumal die Gegner einen auch recht stark unter Druck setzen und gut zu kämpfen wissen.


Grafisch unterscheidet sich das Spiel nicht sonderlich von den anderen Kampfspielen in der Sammlung und es bietet aus der Sicht von damals geschmeidige Animation, hübsche Hintergründe und gut ausmodellierte Kämpfer. Der Soundtrack hebt sich recht positiv von den anderen in der Collection enthaltenen Prüglern ab und ist ähnlich gut wie der von SNK Gals' Fighters.


Anders als beispielsweise in Fatal Fury First Contact oder SNK vs. Capcom: The Match of the Millennium, wird euch beim Start des Einzelspieler-Modus in Samurai Shodown! 2 eine kleine Hintergrundgeschichte präsentiert. Diese basiert auf derselben Geschichte wie die von Samurai Shodown 64: Warriors Rage und erzählt vom ultimativen Bösen, der Reinkarnation von Yuga dem Zerstörer, der das Diesseits und das Jenseits vereinigen will. Die geschaffene Utopie wäre die Grundlage für die Wiederauferstehung des dunklen Gottes. Doch ein Mann, Asura, Meister der Magie und ein erstklassiger Schwertkämpfer, zieht auf in die Unterwelt, um Rache an Yuga zu üben.


Samurai Shodown! 2 – Die Kämpfe im Einzelspieler-Modus werden von einer kleinen Geschichte umrahmt.

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Zur Auswahl steht der Einzelspieler-Modus, der eben jene Hintergrundgeschichte erzählt, ein Survival-Modus, in dem ihr solange an Kämpfen teilnehmt, bis ihr verliert sowie ein Zweispieler-Modus. Bevor ihr euch in einen Kampf stürzt, steht klassisch zunächst die Wahl eines Charakters an. Fünfzehn an der Zahl stehen euch zur Verfügung. Die beiden Chivalry- und Treachery-Schwertkampfstile, bekannt aus den großen Arcade-Automaten-Vertretern, haben es ebenfalls mit in das Spiel geschafft. Dabei verändert sich nicht nur das Aussehen des jeweiligen Kämpfers, sondern auch dessen Repertoire an Attacken und welche Spezial-Attacke (Method of Mayhem) dieser ausführen kann. Theoretisch stünden damit dann 30 Charaktere zur Auswahl.


Insgesamt spielt sich die verkleinerte Version der Samurai Shodown-Reihe sehr flüssig, die Attacken gehen gut von der Hand und wirken wuchtig. Habt ihr genug Treffer bei eurem Kontrahenten landen oder seine Angriffe erfolgreich blocken können, dann füllt sich langsam eure Spezialleiste. Ist diese komplett gefüllt, könnt ihr per Tastenkombination eine besonders starke Attacke auf euren Gegner loslassen. Mit einer kurzen Einblendung kündigt sich der nahende Spezialangriff an, gefolgt von einer hübschen Animation. Auch wenn das Spiel auf dem Neo Geo Pocket Color mit nur zwei Tasten auskommen muss, spielt es sich erstaunlich vielseitig und die Angriffskombinationen sind zahlreich – ganz wie bei den großen Ablegern.


Um die Wiederspielbarkeit zur erhöhen und die Sammelwut in euch zu wecken, könnt ihr im Spiel Artwork-Karten der Kämpfer sammeln. Insgesamt gibt es acht Karten – jeweils vier pro Kampfstil – von jedem Charakter zu sammeln und ihr könnt diese im Spiel, unter einem eigenen Menüpunkt, näher betrachten. Doch diese sind nicht nur schnöder Sammelplunder, sondern die Kämpfer können damit ausgerüstet werden, um damit ihre Fähigkeiten zu verbessern. Die damals auf dem Neo Geo Pocket integrierte Funktion, die Karten zwischen anderen Besitzern des Spiels tauschen zu können, fehlt leider bedingt durch die fehlende Verbindungsmöglichkeit zweier Geräte.


Wie auch schon in King of Fighters R-2, bekommt ihr in Samurai Shodown! 2 schön animierte Kämpfer sowie Attacken und hübsch aussehende Hintergründe zu Gesicht. Bedingt durch den kleinen Bildschirm und der Auflösung sind auch in diesem Spiel die Kämpfer abermals eine verkleinerte Chibi-Ausgabe ihrer großen Vorbilder. Der Soundtrack gehört persönlich nicht zu meinen Favoriten. Dieser dudelt leider nur recht lustlos im Hintergrund vor sich hin.


SNK Gals' Fighters – Nehmt es mit der mysteriösen Miss X auf und werdet die Queen of Fighter.

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Bleibt mit SNK Gals' Fighters das letzte Spiel und auch der letzte Prügler im Bunde. Oder sollte man vielleicht lieber Prüglerin sagen? In diesem Spiel tummeln sich nämlich ausschließlich die weiblichen Charaktere aus diversen SNK-Spielen und führen einen Schlagabtausch durch. Kämpferinnen aus Fatal Fury, Samurai Shodown, The King of Fighters und The Last Blade nehmen am “Queen of Fighters”-Wettkampf teil, organisiert von der mysteriösen „Miss X“. Wer auch immer es schafft die Kämpferin zu besiegen, erhält den K'-Talisman, welcher einem jeden Wunsch erfüllt. So kämpft ihr euch nach und nach durch die Kampagne, um schlussendlich die Queen of Fighters zu werden. Währenddessen könnt ihr Spezialgegenstände gewinnen, womit ihr die Kämpferinnen ausrüsten könnt. Das bringt euch diverse Vorteile, wie beispielsweise ein schnelleres Aufladen eurer Spezialleiste. Vom Kampfgefühl her spielt sich das Spiel ähnlich wie King of Fighters R-2. Spezialangriffe, hier Pretty Burst genannt, sind ebenfalls mit an Bord. Positiv hervorzuheben ist, dass die einzelnen Kämpferinnen sich recht unterschiedlich spielen. Mit Yuri Sakazaki lassen sich schnelle Angriffe auf lange Distanz ausführen, während man mit Mai Shiranui eher langsame, dafür aber kräftigere Schläge auf kurzer Distanz austeilen kann. Dennoch gehört das Spiel zu den etwas einfacheren Kampfspielen in der Kollektion und ist auch für Einsteiger gut geeignet. Die Gegner lassen sich gerade in den ersten Kämpfen recht schnell auf die Matte legen.


Grafisch sind abermals auch hier, wie in allen anderen Beat 'em ups in der Kollektion auch, die Kämpferinnen im Chibi-Look gehalten. Es stehen acht von Beginn an zur Verfügung, im Verlauf des Spiels können drei weitere freigeschaltet werden. Die Musik im Spiel bietet zum Mitwippen einladende Chiptune-Musik.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von David Kuhlgert

Mit der NeoGeo Pocket Color Selection Vol. 1 deckt SNK ein Drittel der für das Neo Geo Pocket Color im englischen Sprachraum erschienenen Spiele ab. Die Auswahl inkludiert einige der besten Titel und bietet eine Mischung aus vielen Genres. Ob Sport mit Big Tournament Golf, dem actionreichen Rollenspiel Dark Arms: Beast Buster oder diversen Beat 'em ups wie Samurai Shodown! 2 oder SNK Gals' Fighters – es dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Doch was mir persönlich leider fehlt, ist ein guter Puzzler wie Puyo Pop Fever oder Puzzle Bobble Mini. Einen der insgesamt sechs Prügler in der Sammlung weniger, dafür aber ein Puzzle-Spiel, hätte in meinen Augen die Kollektion deutlich aufgewertet. Denn gerade Spiele wie Puyo Pop Fever sind ähnlich wie Tetris welche, die einen stundenlang fesseln oder auch nur mal schnell zwischendurch den Handheld in die Hand nehmen lassen. Sie sind simpel, benötigen zumeist nur wenige Eingabetasten – von denen der Neo Geo Pocket Color prinzipiell nur zwei hat – und haben einen hohen Wiederspielwert. Hingegen sind gerade die enthaltenen Beat 'em ups teilweise durch diese Limitierung in ihrem Move-Set und den Möglichkeiten beschnitten, gegenüber ihren großen Vorbildern. Zudem sehen sie sich alle sehr ähnlich und sind allesamt auch einzeln im Nintendo eShop erschienen. Falls ihr also großer Fan des Neo Geo Pocket (Color) seid oder schon immer mal einige mobile Ableger nachholen wolltet, dann dürfte die Collection genau das Richtige für euch sein. Zählt ihr nicht dazu, dann solltet ihr einen Kauf auch aufgrund des recht hohen Preises gut abwägen. Denn auch wenn die Emulation (bis auf Metal Slug) einwandfrei funktioniert und SNK die Präsentation der Spiele insgesamt sehr gut gelungen ist, gibt es meiner Meinung nach etwas bessere Alternativen im Nintendo eShop, wie beispielsweise dessen ausgewachsene Neo Geo-Pendants der Arcade Archives Series.
Mein persönliches Highlight: Die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten und die Präsentation der Spiele im Emulator. Von jetzt an bitte immer so!

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 2

  • Zach

    Turmheld

    Schöner Test, ein Puzzler oder den Sonic Ableger zBs. vermisse ich aber auch. Das wird wohl leider ein Lizenz Problem gewesen sein, oder für Vol. 2 aufgespart.

  • Pogopuschel

    Turmritter

    Werde mir später euren Test noch durchlesen. So oder so hatte ich die Sammlung schon auf die Wunschliste gepackt. Bisher habe ich noch keinen NeoGeo Pocket Titel gespielt. Alleine das macht diese Sammlung für mich schon interessant. Vor allem aber gefällt mir, dass sie die Spielehüllen samt Inhalt modelliert haben.
    Allerdings bin ich noch nicht sicher, ob ich zuschlage, weil ich leider mit solchen Beat 'em ups, bei denen man, wie in Street Fighter, 1-gegen-1-Kämpfe macht, meist nicht viel anfangen kann. Beat 'em ups wie Turtles in Time, bei denen man von links nach rechts laufend massig Gegner verhaut, sagen mir deutlich mehr zu.

    Metal Slug geht für mich immer. Das Golfspiel würde mich auch interessieren. Aber dafür sind mir dann 40 € noch zu viel.

    Schade, dass NeoGeo vor allem für solche Beat 'em ups bekannt ist, sonst wäre mein Interesse viel größer ^ ^