„Ja“ zum Humor, „Nein“ zum Gameplay

Mit Say No! More möchte euch das in Deutschland ansässige Studio Fizbin etwas lehren. Denn die wichtige Botschaft des Spiels ist, dass ihr viel zu selten das Wörtchen „Nein“ aussprecht. Ständig müsst ihr euch von euren Mitmenschen ausnutzen lassen, da diese von euch erwarten, ein „Ja“ zu hören.


Der beste Kumpel schenkt euch diese süße Lunchbox zum ersten Arbeitstag.

© Studio Fibzin

Doch die Botschaft, die sich zunächst ernst anhört, wird von dem Spiel auf eine alles andere als ernste Weise überbracht. Denn Say No! More ist im Grunde eine Comedy-Show, bei welcher der Humor nie eine Pause macht. Nachdem ihr euren Charakter im Designeditor kreiert habt, dürft ihr diesem eine Stimme verpassen. Mehr als zehn Sprachen stehen euch zur Auswahl und jeder Synchronsprecher beziehungsweise jede Synchronsprecherin durfte nur das Wort „Nein“ in der jeweiligen Sprache aussprechen. Ob ihr also auf Deutsch, Englisch, Polnisch oder Japanisch ablehnen möchtet, ist ganz euch überlassen.


Sobald ihr euren Charakter erstellt und diesem eine Stimme gegeben habt, geht es direkt ins Abenteuer, welches an eurem ersten Arbeitstag beginnt. Euer bester Freund wünscht euch viel Erfolg für diesen besonderen Tag und schenkt euch eine Lunchbox. Wer hätte schon zu diesem Zeitpunkt ahnen können, dass diese Lunchbox im Spielverlauf eine ganze Firma durcheinander werfen würde? Kurz danach nehmt ihr euren neuen Job als Praktikant in der neuen Firma auf und werdet direkt von den Festangestellten schikaniert. Alle geben euch unnötige Aufgaben wie Kopieren und Kaffee holen, darüber hinaus sollt ihr aber auch die privaten Schulden einzelner Mitarbeiter begleichen. Verzweifelt setzt ihr euch auf euren Platz im provisorischen Büro hinter dem Snackautomaten bis auf einmal eine alte Kassette inklusive Kassettenrekorder aus dem Regal fällt. Auf der Kassette ist eine Aufnahme eines Motivationstrainers, der euch lehrt, das Wort „Nein“ laut und deutlich auszusprechen und somit eure Unzufriedenheit wiederzugeben.


Kann die Handlung ein Spiel alleine stemmen?


Wenn ihr das neu gelernte Wort durch das Drücken der B-Taste wiedergebt, sind die Mitarbeiter fassungslos. Es ist ein Wort, welches in diesem Unternehmen tabu ist. Man sagt dort zu allem „Ja“ – ganz egal, ob man sein eigenes Kind alleine zu Hause lassen soll, weil man sechs Überstunden zusätzlich arbeiten muss oder dem Chef sein Hab und Gut schenken soll. Aufgrund dessen sind die Mitarbeiter sehr geschockt, wenn ihr das Wort benutzt. Plötzlich verwandelt ihr die Firma in ein chaotisches Umfeld und bringt den Abteilungsleiter dazu, verzweifelt in die Chefetage zu rennen und sich dort zu beschweren. Doch die Bosse sind enttäuscht von der fehlenden Durchsetzungskraft des Abteilungsleiters und kündigen ihn. Ihr werdet daraufhin zum neuen Abteilungsleiter befördert, denn ihr scheint euch mit eurem neu gelernten „Nein“ gut durchsetzen zu können. Vergleichsweise harmlos beginnt so die Geschichte, die im weiteren Verlauf ziemlich ausartet. Auch die Wendungen in der Handlung sind sehr unterhaltsam und überraschend.


Was für ein absurder Humor.

© Studio Fibzin

Die Entwickler beschreiben das Spiel als ein „No-Playing-Game“ – und das trifft auch genau zu. Schließlich müsst ihr so gut wie gar nichts machen, da ihr das Spiel nicht verlieren könnt. Im Spielverlauf habt ihr zwar mehrere Aktionen zur Auswahl, diese müsst ihr aber nicht unbedingt einsetzen. Im Laufe des Spiels sprechen euch immer wieder verschiedene Charaktere an und ihr habt die Wahl, entweder nichts zu tun oder die „Nein“-Taste zu betätigen. In manchen Fällen lohnt es sich, nicht die „Nein“-Taste zu betätigen, um überraschende Aktionen auszulösen – eine wirkliche Bereicherung für das Spiel ergibt sich dadurch allerdings nicht.


Ihr lernt im Verlauf aber zusätzliche Aktionen kennen. Darunter zum Beispiel das „aufgeladene Nein“, verschiedene Gefühlslagen, unter denen man „Nein“ sagen kann, oder auch unterschiedliche Reaktionen wie Klatschen oder Lachen, um die Charaktere zu verwirren. Während das „aufgeladene Nein“ in einigen Situationen benötigt wird, bringt das „Nein“ in verschiedenen Gefühlslagen aber leider nichts. Problematisch ist zudem die Tatsache, dass euch die verschiedenen Aktionen spielerisch kaum weiterbringen. Vielmehr wird es sogar schlimmer, denn die Verspottung mittels Klatschen und Lachen machen das Spiel eher nerviger. Die Dialoge werden dadurch mittendrin unterbrochen und die Charaktere sagen kurz einen Satz wie „Lässt du mich mal ausreden?“, um direkt danach mit dem normalen Text weiterzumachen. Mit anderen Worten: Es bringt nichts zu klatschen oder eine Person auszulachen – diese wird dadurch nicht beeinflusst, sondern der Dialog wird kurz pausiert und danach einfach fortgeführt.


Die Firma will euch dazu zwingen, „Ja“ zu sagen.

© Studio Fibzin

Klammert man das Gameplay aus, welches eigentlich ein sehr wichtiger Teil eines Videospiels ist, habt ihr hier einen fantastischen Humor, welcher verrückte Züge annimmt. Die Technik des Humors kann ein wenig mit South Park verglichen werden, nur in einer jugendfreien Variante. Ständig kommen verrückte Situationen, die mich zum Lachen gebracht haben. Das Ganze wurde kombiniert mit einem Retro-Look, der an Videospiele aus den 90er-Jahren erinnert. Die Animationen der virtuellen Figuren unterstützen ebenfalls den Humor des Spiels. Gut gelungen ist auch der Soundtrack, der zwischendurch ein wenig an Fahrstuhlmusik erinnert. Lobenswert sind übrigens auch die Synchronsprecher des Spiels, die die Dialoge ziemlich gut umgesetzt haben. Leider wurden die Dialoge aber nur auf Englisch synchronisiert, auf deutsche Untertitel müsst ihr aber immerhin nicht verzichten. Schade ist es zudem, dass es insgesamt nur eine Handvoll Synchronsprecher gibt, die verschiedene Charaktere repräsentieren – und das merkt man auch deutlich. Daher wirken alle Charaktere gleich, auch wenn sie unterschiedlich aussehen.


Für das etwa zweistündige Abenteuer wird zudem ein etwas zu hoher Preis gefordert. Es bietet keinen Wiederspielwert, denn habt ihr die gesamte Story einmal durchgespielt, kennt ihr das gesamte Spiel. Selbst ein zweistündiger Film kostet im Streaming-Dienst meistens weniger – und diesen Vergleich muss sich das Spiel gefallen lassen, denn es ist im Kern nichts anderes als ein Kinofilm mit einem kleinen Hauch an Interaktion.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Ilja Rodstein

Say No! More lässt mich wirklich mit geteilter Meinung zurück. Zum einen ist das rund zwei Stunden lange Abenteuer wirklich super amüsant und humorvoll gestaltet und es konnte mich oftmals zum Lachen bringen, allerdings ist es mehr ein Film als ein Videospiel. Selbst wenn man bei dem Spiel nur alle fünf Minuten eine Taste auf dem Controller drückt, kann man es problemlos durchspielen. Nutzt man die freischaltbaren Aktionen, wird das Spiel tatsächlich eher nerviger, da Dialoge durch bestimmte Aktionen nur verzögert und nicht weiter beeinflusst werden. Es ist somit besser, weniger Tasten zu drücken als zu viele. Insgesamt kann ich festhalten, dass ihr den Titel nur mit der Erwartung spielen könnt, ihn nicht zu spielen. Ihr erhaltet quasi einen zweistündigen Film garniert mit einer großen Portion Humor, an welchem man wirklich nichts aussetzen kann. Schade allerdings, dass Say No! More aus spielerischer Sicht viel Potenzial liegen lässt.
Mein persönliches Highlight: Die brisanten Enden der einzelnen Kapitel.

Die durchschnittliche Leserwertung

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