Ein kosmisches Abenteuer vom Urknall bis heute

Es geht um den Urknall, die Evolution, das Weltall, Wissenschaft, Alkohol, Liebe, die Zeit, Jazz-Musik und um die ewige Frage, warum gewisse Dinge einfach passieren. Genesis Noir zu beschreiben ist nicht einfach, da es eines dieser künstlerisch wertvollen Spiele ist, die man einfach selbst gespielt haben muss, um sie zu verstehen. Dennoch versuche ich, euch zumindest einen Einblick in das Indie-Meisterwerk zu geben, das, zurecht, einen so guten Ruf hat. Eine Sache kann ich aber klar vorwegnehmen: Genesis Noir lässt sich mit keinem Spiel vergleichen, das ich bisher gespielt habe.


Die Jazz-Sängerin betört nicht nur den Protagonisten mit ihrer Stimme.

© Fellow Traveller

Die Geschichte beginnt ziemlich unspektakulär in einer Großstadt, die sehr an New York erinnert und der Stil ist unverkennbar dem Film-Noir-Stil der 1950er Jahre nachgeeifert. Nur wenige Minuten im Spiel wird man Zeuge eines Mordes, der... noch gar nicht passiert ist? Worum es wirklich geht in diesen ersten Minuten, ist nicht so ganz klar, da es keinerlei Dialog oder Tutorial gibt. Das bleibt auch die meiste Zeit so und ihr habt bloß einen Cursor, mit dem ihr agieren könnt. Doch was genau müsst ihr tun? Nun, auch das wird nicht wirklich erklärt und doch ist es meist offensichtlich, wohin die Reise geht. Denn Genesis Noir verzichtet im großen Teil auf Worte oder Dialoge und weist euch auf visueller und musikalischer Ebene den richtigen Weg. Der Mord der Jazz-Sängerin Miss Masse ist also noch im Gange und eure Aufgabe besteht darin, diesen aufzuhalten. Doch hier geht es nicht nur darum, herauszufinden, warum die gute Frau erschossen wird. Denn diese "Kleinigkeit" führt plötzlich zu einer universalen Grundsatzdiskussion, die beim Urknall ansetzt. Die Geschichte führt euch letztendlich durch die komplette Entstehung der Erde und spielt nicht nur mit euren Sinnen, sondern lässt euch auch selbst die Frage stellen, warum alles so passiert, wie es eben passiert.


Es geht um viele Dinge in diesem Spiel und die anfangs genannten Themen sind nur Teil eines großen Ganzen. Auf eurer Reise nimmt euch das Spiel dabei zwar nicht an die Hand, dennoch fühlt man sich nicht auf sich alleine gestellt. Alles fließt wunderbar ineinander und auch wenn die Puzzle, die durchaus vielfältig sind, keine Erklärung mit sich bringen, findet man dennoch nach stetigen Ausprobieren eine Lösung. Dabei lotsen euch gelbe Blasen, die Alkohol oder Sternenstaub sein könnten, durch die Geschichte. Vom Urknall bis zur Entstehung kleiner Einzeller, hin zum ersten Teilchenbeschleuniger, der die Wissenschaft auf den Kopf stellt. Dabei durchlauft ihr verschiedene Level und müsst unterschiedliche Aufgaben erledigen, um weiter zu kommen. Dazu zählt zum Beispiel das Samen säen, sodass Pflanzen wachsen und euch den Weg frei räumen, oder Gegenstände zu sammeln, damit eine Teezeremonie beginnen kann. Dabei kommt ihr jedoch nie vom eigentlichen Ziel ab und Spielelemente wie die Jazz-Musik oder das Diner vom Anfang des Spiels tauchen immer wieder auf, sodass das Gesamtbild stets abgerundet wird. Oft seid ihr aber auch nur damit beschäftigt, den Geschehnissen zuzuschauen und in manchen Leveln gibt es nur wenig, was ihr selbst tun müsst. Allerdings ist das nichts Negatives, da das Geschehen eher einem guten Schwarzweiß-Film gleicht, den man unbedingt zu Ende schauen möchte. In den verschiedenen Leveln solltet ihr jedoch ein Auge für gewisse Artefakte offen halten, die euch näher an die Lösung heranbringen und euch so vielleicht eine Antwort auf die Frage, warum gewisse Dinge einfach passieren, gibt.


Musik spielt auch in der Geschichte selbst eine wichtige Rolle.

© Fellow Traveller

Die Grafik des Spiels ist ganz in Schwarz und Weiß gehalten, wobei euch wichtige Elemente immer in einem gelblichen Ton angezeigt werden. Farbe kommt dagegen nur selten oder gegen Ende vor, wodurch verschiedenen Aspekten des Abenteuers eine immense Bedeutung zugeschrieben wird. Der Stil ist einzigartig und war auch einer der Hauptgründe, warum mir das Spiel direkt ins Auge stach. Auch die Musik ist eines der Highlights und auch wenn viele Level kaum einen Ton mit sich bringen, wird die verwendete Musik immer richtig eingesetzt. Immerhin ist es das Visuelle, das euch durch das Spiel begleitet und kein Text oder Dialog. Zwar gibt es immer eine "Geschichte" die euch in jedes Level einleitet, doch hier handelt es sich meist um wissenschaftliche Fakten, die sich um den Urknall, die Evolution oder die Wissenschaft drehen. Sie geben jedoch Hinweise darauf, was auf euch zukommt und immerhin sollt ihr ja damit irgendwie den Mord von Miss Masse aufhalten. Interessant ist auch, dass sich die Perspektive kontinuierlich ändert und ihr mal im klassischen 2D-Stil durch einen Level lauft oder aber den Protagonisten von oben steuern müsst. Zudem ist nicht immer automatisch ein Cursor vorhanden, mit dessen Hilfe ihr mit eurer Umwelt interagieren könntet, weswegen es des Öfteren zum reinen Ausprobieren kommt.


Leider war es mir beim Testen nicht möglich, das Ende zu erleben, da das Spiel immer wieder abgestürzt ist. Das ist leider auch nicht nur einmal passiert und während der gesamten Spielzeit, die mit ca. 4 Stunden recht kurz ausfällt, musste ich mehrere Abstürze in Kauf nehmen. Da immer nur nach einem Level gespeichert wird, musste ich auch manche Level von vorne beginnen und selbst innerhalb des Spiels gab es kleinere Bugs, die jedoch oft durch das Aufrufen des Menüs verschwanden. Dennoch war es letztendlich frustrierend, die Auflösung der Geschichte nicht selbst erleben zu können. Dahingehend hoffe ich, dass diese Fehler durch ein Update behoben werden können. Zusätzlich gibt es verschiedene Enden, die ihr erleben könnt, die auf euren eigenen Entscheidungen basieren. Hier lohnt es sich definitiv, das Spiel ein weiteres Mal zu spielen.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Kerstin Steiner

Wie ich zu Beginn schon geschrieben habe, ist Genesis Noir ein Spiel, dass es so kein zweites Mal gibt. Es ist so anders, so innovativ, aber auch so abgedreht, sodass man es wirklich selbst erlebt haben muss, um sich ein Urteil bilden zu können. Es ist zwar im Kern ein Abenteuer im Point-and-Click-Stil, doch dahinter steckt so viel mehr, sodass es seinen guten Ruf wirklich verdient hat. Ob es ein Spiel für Jedermann ist, kann ich jedoch nicht sagen, da es einfach sehr eigen ist. Man muss sich wirklich auf die Spielwelt einlassen, die Logik außen vor lassen und sich auf das Ganze einlassen, ohne groß nachzudenken. Dennoch denke ich, dass sich das Spiel für jeden lohnt, der dem Grafikstil und dem Universum an sich etwas abgewinnen kann. Leider sind die Abstürze wohl konsolenübergreifend zu finden und ich hoffe sehr, dass dahingehend ein Update kommt, damit jeder die kleine Geschichte ohne Frustration erleben kann.
Mein persönliches Highlight: Innovatives Gameplay, Film-Noir-Stil

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • _Mallymkun_

    Turmritter

    Danke, dass ihr so oft auf Spiele aufmerksam macht, die ich sonst vielleicht gar nicht so auf dem Radar gehabt hätte. <3