Im Dienste der Republik

An Spielen im Universum der Sternenkriege mangelt es wirklich nicht. Schon seit Jahrzehnten gab und gibt es auf verschiedenen Plattformen die Möglichkeit, die Ereignisse aus den Star Wars-Filmen oder dem Extended Universe spielerisch nachzuerleben. Trotz der schieren Masse an Spielen im Star Wars-Universum gibt es ein Genre, das relativ wenig Beachtung gefunden hat: First-Person-Shooter, in denen ihr euch in die intergalaktischen Kriege stürzen könnt, sind kaum entwickelt worden. Eine Ausnahme bildet dabei Star Wars: Republic Commando, das ursprünglich 2005 für die erste Xbox und den PC veröffentlicht wurde. 16 Jahre nach der erstmaligen Veröffentlichung macht sich der für moderne Umsetzungen von Star Wars-Klassikern bereits bekannte Publisher und Entwickler Aspyr Media jetzt daran, den Taktik-Shooter auf die Nintendo Switch zu bringen. Grund genug für uns, um zu schauen, ob das mobile Debüt des Spiels geglückt ist.


Als Anführer des Delta-Teams führt ihr eure Einheit in wichtige Kampfmissionen.

© Aspyr Media / Lucasfilm

In Star Wars: Republic Commando übernehmt ihr die Rolle von „Boss“, dem Anführer eines Elitekommandos, das zur Zeit der Klonkriege Spezialeinsätze für die Galaktische Republik absolviert. Diese Einheit, das sogenannte Delta-Team, besteht aus vier Klonen, die als Teil eines Programms auf dem Planeten Kamino eine besondere Ausbildung genossen haben und genetisch modifiziert wurden, um noch eigenständiger als die regulären Klonsoldaten zu agieren. Im Ergebnis haben die als Kommandos bezeichneten Truppen nicht nur überdurchschnittliche Fähigkeiten, sondern auch einen besonders ausgeprägten Charakter, der sich unter anderem in markigen Sprüchen und viel Sarkasmus ausdrückt. Eure drei Begleiter Delta 07 (Sieben), Delta 62 (Scorch) und Delta 40 (Fixer) sind nicht nur für sich genommen ausgezeichnete Soldaten, sondern decken die verschiedenen taktischen Anforderungen eines Einsatzkommandos ab. Sieben kann als Scharfschütze beispielsweise wichtige Ziele aus der Entfernung eliminieren, während Scorch als Sprengstoffexperte blockierte Pfade freiräumt.


Die Handlung von Republic Commando beginnt dabei mit dem Angriff der Republik auf die Droidenfabriken auf Geonosis, der auch in Star Wars Episode II: Angriff der Klonkrieger thematisiert wird. Das Delta-Team wird damit beauftragt, abseits der groß angelegten Invasion einen Anführer der Geonosianer zu fassen, der für die Pläne der Separatisten eine zentrale Rolle spielt. Nach dem Absolvieren des ersten Einsatzes folgt ein Zeitsprung, nach dem das Delta Squad an verschiedenen anderen Schauplätze der Klonkriege zwischen den Episoden II und III der Krieg der Sterne-Saga zum Einsatz kommt. Hierzu zählen Orte wie ein republikanisches Kampfschiff, zu dem der Kontakt abgebrochen ist und Kashyyyk, der Heimatplanet der Wookies. Trotz des linearen Ablaufs der Einzelspielerzkampagne – auf einen Mehrspielermodus verzichtet das Spiel komplett – bietet Republic Commando so genug Abwechslung bei der Gestaltung der Missionen. Aufgrund des Charakters des Delta-Teams als Spezialeinsatzkommando für heikle Fälle, entfällt eine übergeordnete, die Missionen miteinander verbindende Story weitgehend. Vielmehr werdet ihr dorthin entsandt, wo gerade Not am Mann ist. Das bedeutet für euch als Spieler, dass ihr euch in der Handlung der Episoden II und III von Star Wars auskennen solltet, um einordnen zu können, wo ihr euch gerade befindet und welche Rolle die jeweilige Mission für den übergeordneten Konflikt zwischen Republik und Handelsföderation spielt. Die Inszenierung der einzelnen Missionen ist dabei gut gelungen. Vor allem der ständige Funkkontakt mit dem Oberkommando der Republik sorgt dafür, dass eure einzelnen Aufgaben sinnvoll miteinander verbunden werden und das Gefühl entsteht, als Kommando an einer größeren Operation beteiligt zu sein.


Eurem Trupp könnt ihr Befehle erteilen und euch so einen taktischen Vorteil verschaffen.

© Aspyr Media / Lucasfilm

Im Fokus des Spiels steht aber nicht die Handlung, sondern eindeutig der Kampf aus der Ego-Perspektive. Star Wars: Republic Commando lässt sich am ehesten als klassischer Ego-Shooter mit leichten Taktik-Elementen bezeichnen. In der Rolle des Delta-Leaders bewegt ihr euch durch die weitgehend linearen Level, wobei euch neben einem Blastergewehr noch zwei Aufsätze zur Verfügung stehen, mit denen ihr ein Scharfschützengewehr und einen Granatwerfer nutzen könnt. Daneben findet ihr in den einzelnen Arealen noch Spezialwaffen, die ihr euren Gegnern im Kampf abnehmen könnt. Von den Geonosianern in der ersten Mission könnt ihr so beispielsweise eine Strahlenwaffe ergattern, die nach einer Aufwärmphase besonders viel Schaden anrichtet. Insgesamt fällt die Auswahl an Waffen aber doch moderat aus, zumal ihr immer nur eine der Spezialwaffen gleichzeitig mit euch führen könnt. Die meiste Zeit mit dabei sind hingegen eure drei Teamkameraden, denen ihr per Druck auf die A-Taste an ausgewiesenen Punkten Befehle erteilen könnt. Dazu zählen beispielsweise das Bemannen eines Geschützes oder das Hacken einer Terminals, um Türen zu öffnen oder automatische Abwehrtürme zu aktivieren.


Etwas schade ist, dass es nur selten wirklich viele Optionen gibt, zwischen denen ihr euch entscheiden könnt. In den meisten Situationen sind die taktischen Möglichkeiten für die Situation vorgegeben und müssen nur von euch angesteuert werden. Ein bisschen mehr taktische Tiefe wäre hier schon wünschenswert gewesen, wobei auch gesagt sein soll, dass euch das Nutzen der Möglichkeiten tatsächlich einen spürbaren Vorteil bietet und es euch in größeren Konfrontationen freisteht, zwischen verschiedenen Alternativen zu wählen. Eure Teammitglieder haben übrigens auch eine Lebensleiste und können außer Gefecht gesetzt werden, was dazu führt, dass sie von euch oder einem anderen Mitglied des Delta-Teams wiederbelebt werden müssen. Der Schwierigkeitsgrad des Spiels ist insgesamt vergleichsweise hoch, da ihr selbst, sobald eure Schilde zerschossen sind, nicht viel aushaltet. Wer blind in Gegner rennt, wird schnell zum Ladebildschirm für den letzten Speicherpunkt gelangen. Die sind dafür sehr fair gesetzt, wodurch nur selten wirklich Frust entsteht.


Von Gegnern könnt ihr Spezialwaffen wie dieses Maschinengewehr erbeuten.

© Aspyr Media / Lucasfilm

Für Frustmomente sorgt hingegen die technische Umsetzung der Portierung für die Nintendo Switch, denn leider gelingt es Aspyr nicht, das Spiel mit einer stabilen Framerate laufen zu lassen. Immer wieder fällt die Bildwiederholrate deutlich unter die Grenze von 30 FPS, wodurch kein flüssiges Spielgefühl mehr gegeben ist. Gerade bei einem Shooter, der auf Präzision und schnelle Bewegung setzt, wird der Spielspaß so deutlich gebremst. Interessant ist dabei, dass die Einbrüche der Bildrate nicht nur in Action-Sequenzen auftreten, sondern teilweise auch beim Durchlaufen von Korridoren oder anderen, eher ruhigeren Abschnitten. Von Unspielbarkeit will ich hier aber definitiv nicht sprechen: Die Ruckler sind bemerkbar und gehen auf die Nerven, in weiten Teilen sind sie aber nicht so gravierend, dass man das Spiel zur Seite legen möchte. Daneben ist es sehr schade, dass Aspyr auf eine Unterstützung der Bewegungssteuerung verzichtet. Gerade dieses Feature der Nintendo Switch ist beim präzisen Zielen hilfreich und für viele Genre-Freunde eine Voraussetzung für den Kauf. Insgesamt wirkt die Portierung zum aktuellen Zeitpunkt dadurch leider halbgar. Es bleibt zu hoffen, dass Aspyr hier noch einmal deutlich nachlegt und zumindest die instabile Bildwiederholrate korrigiert. Ein entsprechender Patch ist zumindest schon angekündigt.


Von den Schwierigkeiten der Portierung abgesehen, macht Star Wars: Republic Commando technisch wie audiovisuell auch heute noch eine gute Figur. Sowohl die Umgebungen als auch die Charaktermodelle sind immer noch ansehnlich, was auch damit zusammenhängen mag, dass die sterile Sci-Fi-Optik der Vorlage insgesamt besser altert als andere Stilrichtungen. Ein großer Vorteil ist auch, dass das Spiel komplett auf Gesichtsanimationen verzichten kann, die gerade bei Spielen der Xbox- und PlayStation 2-Ära heute völlig aus der Zeit gefallen wirken. Als Klontruppen tragen die Einheiten des Delta-Teams Helme und auch die Gegnermodelle, die größtenteils aus Droiden und Aliens bestehen, können sich heute noch sehen lassen. Daneben profitiert Republic Commando natürlich von der starken Star Wars-Marke, die ungemein zur Atmosphäre beiträgt. Vor allem das Sounddesign – von den Blaster-Geräuschen bis zu den verwendeten Musikstücken – überzeugt auf ganzer Linie. Republic Commando ist dabei in vielerlei Hinsicht noch immer ein ziemlich einzigartiges Spiel, da es schon bei der Erstveröffentlichung für die Xbox deutlich düsterer war als andere Titel, die sich am Franchise bedienen. Insofern bietet das Spiel Star Wars-Fans auch heute noch einen echten Mehrwert.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Adis Selimi

Als Star Wars: Republic Commando für die Nintendo Switch angekündigt wurde, war meine Vorfreude groß. Ich hatte den Titel phasenweise schon einmal bei einem Kumpel auf der Xbox spielen können und war sowohl vom Spielprinzip als auch Design des Titels überzeugt. In dieser Hinsicht macht Republic Commando auch heute noch vieles richtig. Zwar fallen die Taktik-Elemente nicht so stark ins Gewicht, wie ich mir das wünschen würde, aber die Shooter-Passagen sind herausfordernd und erfordern ein koordiniertes Vorgehen. Wer Gegneranstürme nicht mit Schockgranaten kontrolliert, die Lebensleisten seiner Teamkameraden im Blick hat und aus der Deckung angreift, wird schnell den Neu-Laden-Bildschirm sehen. Von der großartigen Umsetzung der Star Wars-Lizenz und der tollen Atmosphäre braucht man da gar nicht erst anzufangen, um hier Potenzial für einen Spiele-Hit zu sehen. Leider kann ich dem Titel in der jetzigen Form diesen Award aber nicht geben. Dafür fallen die technischen Mängel, insbesondere bei der Framerate, zu stark ins Gewicht. Auch die fehlende Nutzung der Bewegungssteuerung der Joy-Con ist eine verpasste Chance. So bleibt nach aktuellem Stand immer noch ein gutes Spiel mit Abstrichen. Wenn Aspyr hier mit entsprechenden Updates nachlegt, spricht daher nichts dagegen, auf diese Wertung noch einen Punkt drauf zu rechnen.
Mein persönliches Highlight: Die dichte Atmosphäre des Spiels, die die Star Wars-Vorlage perfekt einfängt.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 4

  • pHs

    Turmknappe

    Danke für den Test. Werde mir das Spiel dann wohl doch nicht kaufen.

    Muss leider sagen das alle Starv Wars Spiele auf der Switch leider nicht so toll umgesetzt sind. Fand die Spiele am Pc , super. Habe mir Jedi Knight Academy trotzdem für die Switch gekauft und bin so semi begeistert.

    80 Millionen verkaufte Switch aber kein vernünftiges Star Wars Game. Verschenktes Potential.

  • Rakok1985

    Turmritter

    Werds mir gönnen da ich es nie gespielt habe. Aber nach wie vor warte ich auf Kotor 1 und 2. Beide von Aspyr bereits auf Smartphone erhältlich.

  • qinn

    Turmbaron

    Rakok1985

    Hol's dir lieber auf dem PC -da zahlst du nur einen Bruchteil des Preises (vor allem am Star Wars-Tag 4. Mai, da dann alle Star Wars-Spiele reduziert werden) und hast keine Framedrops sowie eine grundlegend präzisere Steuerung (Shooter auf Konsole ohne Bewegungssteierung als Zielhilfe spielen sich häufig sehr frustrierend).

  • Klw22

    Turmknappe

    ich habe es mir als es rauskam gekauft für die switch lite , das Spiel verströmt immernoch den gleichen Charme finde ich , framedrops sind mir keine aufgefallen .

    Aber ein gravierendes Problem gibt es ... Leider kann ich die Waffen nicht wechseln... Es gibt in der Tastenbelegung auch keine Option dazu .😒

    Dadurch ist das Spiel für mich erstmal unspielbar 😒

    Werde wohl auf die ersten Patches warten müssen ...


    Kann ich auch jedem anderen nur empfehlen