Alle Wege führen nach Rom

Ein Strategiespiel, das mit Rouge-like-Elementen und taktischen Schlachten lockt? Hört man sich die Idee einmal an, kann es einem schnell vorkommen, dass diese Kombination bereits zur Genüge erforscht wurde, allerdings erlaubt sich Gallic Wars: Battle Simulator damit ein unverbrauchtes Experiment und erscheint nach einer überschaubaren Wartezeit nun auch auf der Nintendo Switch. Auf den ersten Blick fällt selbstverständlich eilends auf, wie hervorragend das Spielprinzip auf die mobile Heimkonsole passt und Gebrauch von der schnelllebigen Natur der Portabilität macht. Da wir es hier aber mit einer PC-Übersetzung zu tun haben, mussten natürlich gewisse Anpassungen im Bereich der Steuerung vorgenommen werden, damit sich das Spielerlebnis aufgrund der Abweichung vom Maus-Tastatur-Set nicht allzu befremdlich anfühlt.


Im Gebüsch können euch Gegner nicht sehen.

© Ultimate Games

Bevor es aber an die Besetzung Roms geht, erläutert euch ein praktisches Tutorial die Grundlagen des Spiels. Mithilfe von kleinen GIFs erklärt Gallic Wars das fundamentale Gameplay akkurat sowie verständlich und kommt schnell zu Punkt. Was sich hier jedoch bereits anbahnt, sind die oberflächlichen Mechaniken des Spiels. Kommt der wahre Grundsatz erst in tatsächlichen Situationen zum Vorschein und wollte das Tutorial nicht zu viel vorwegnehmen? Mit einem leichten Schulterzucken lassen sich diese Gedanken vorerst abschütteln, immerhin möchte man den Spieler möglicherweise noch nicht überfordern. Auch so erweist sich das Gameplay als äußerst unkompliziert und besteht aus wenigen Ideen, die schnell Sinn ergeben. Mit insgesamt drei Kämpfertypen – dem Schwertkämpfer, Schildträger und Bogenschütze – platziert ihr in der Planungsphase eine übersichtliche Menge an Einheiten auf einem begrenzten Spielfeld und nutzt im besten Fall das Terrain zu eurem Vorteil. In dichten Wäldern seid ihr wesentlich aussichtsreicher unterwegs und könnt unaufmerksame Gegner von hinten überraschen, selbst wenn sie womöglich in der Überzahl sind.


Weniger unerwartet funktionieren die unterschiedlichen Einheiten und ihre Eigenheiten. Schwertträger sind naturgemäß direkte Kämpfer und gehen bei Augenkontakt mit dem Feind auf der Stelle in die Offensive, wohingegen Schildwächter beträchtlich defensiver ausfallen. Im Idealfall ergibt sich also eine ausgeklügelte Kombination, bei der die Verteidigung Kontrahenten anlockt und die Stellung hält, während Klingenmeister aus einem nahe gelegenen Wald aus dem Hinterhalt agieren und die Gegenpartei umzingeln. Für die nötige Unterstützung sorgen Bogenschützen, die effektvolle Fernkämpfer sind, bei direktem Kontakt hingegen meistens den Kürzeren ziehen. Obwohl das Zusammenspiel der drei Typen durchaus Sinn ergibt, geht das Spiel niemals darüber hinaus und stellt beispielsweise keine neuen Einheiten vor oder versieht die vorhandenen mit interessanten Finessen. Diese Anspruchslosigkeit fungiert allerdings lediglich als Untersatz einer sehr viel größeren Problematik und soll den Zwiespalt mit dem ausgewählten Genre verdeutlichen.


Eine Eroberung ist mehr als genug


Anders als in vielen anderen Strategietiteln folgt Gallic Wars keiner fokussierten Handlung und konzentriert sich stattdessen auf zufallsgenerierte Elemente, die selbsterklärend den Wiederspielfaktor hochhalten sollen. Mit der Prämisse, Rom zu erreichen, folgt ihr auf einer Oberweltkarte stückchenweise verschiedenen Pfaden, die allesamt zum gleichen Ziel führen, jedoch verschiedene Szenarien bereithalten. Nach jeder abgeschlossenen Mission wählt ihr dabei unter Auswahl einer Handvoll weiterer Level die nächste Route und bestimmt somit selbst, wie sehr ihr vom Weg abweichen oder schnurstracks am Ende ankommen möchtet.


Entscheidet selbst über den Pfad eures Abenteuers.

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Wie es sich für Rouge-like-Spiele gehört, bringen Niederlagen schwere Folgen mit sich und beenden euren Eroberungszug auf Anhieb, woraufhin die Kampagne von vorne startet. Was zunächst frustrierend klingt, ermutigt letztendlich behutsames Vorgehen und gibt Gallic Wars ein gewisses Maß an Risiko, das ansonsten mit Sicherheit gefehlt hätte. Normalerweise dauert ein Feldzug keine Stunde, womit Fehltritte also enttäuschend sein können, die Motivation aber nur bedingt trüben. Sehr viel weniger motivierend ist der Anreiz, überhaupt eine Kampagne zu starten. Ohne wirkliche Errungenschaften oder neue, nennenswerte Inhalte freizuschalten, lebt das Spiel einzig und allein von eurem Antrieb bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Leider wiederholen sich die Missionen inhaltlich recht zügig, wodurch man im Grunde genommen schon bereits nach einem Durchlauf einen Großteil des Spiels erlebt hat. So spannend die Idee eines Strategietitels in Kombination mit zufallsgenerierten Strukturen auch ist, beißt sich die Monotonie mit dem Ansporn, immer wieder neue Versuche zu wagen, da es weder einen Anlass gibt, Rom zu erobern noch sich mit den oberflächlichen Mechaniken des Gameplays auseinanderzusetzen.


Ignoriert man das unstimmige Spielprinzip, dann fallen einem wahrscheinlich andere Ungereimtheiten auf. Auch wenn die Option deutscher Bildschirmtexte vorhanden ist, haben sich unzählige grammatikalische Fehler in diese eingeschlichen, die weit entfernt von einfachen Tippfehlern sind. Weiterhin steuert sich die Handhabung äußerst fummelig und wurde nur bedingt von Maus und Tastatur zum Controller angepasst. Ebenso enttäuschend fallen Grafik und Musik aus, die gemeinsam nur wenig beitragen und im Falle des Soundtracks keine Atmosphäre aufbauen. Der visuellen Präsentation kann man zugutehalten, dass wenigstens die Charakterportraits in gewisser Weise an die Asterix-Comics erinnern sollen. Die grundsätzliche Grafik fällt aber extrem ausdruckslos und viel zu zweckdienlich aus.

Unser Fazit

3

Eher nicht überzeugend

Meinung von Kevin Becker

Auf dem Papier wirkt Gallic Wars: Battle Simulator wie ein unscheinbarer Geheimtipp und besitzt einige interessante Ideen. Die ständig neue Kampagne gibt dem Spiel einen hohen Wiederspielwert, Schlachten entscheiden sich durch eine sorgsame Planung sowie cleveres Vorausdenken und der Asterix-Comic-Look trägt wesentlich zum Charme bei – so jedenfalls theoretisch. Beim genaueren Betrachten fallen aber schnell die Kehrseiten dieser Aspekte auf und machen in Anbetracht des Rouge-like-Genres absolut keinen Sinn. Ohne jegliche Belohnungen oder abwechslungsreiche neue Mechaniken gibt es absolut keinen Grund, einen erneuten Durchlauf zu starten, die Planungsphase besitzt viel zu viel Einfluss auf das Ergebnis des Kriegs und die Grafik sieht vor allem auf dem Schlachtfeld ausgesprochen lieblos aus. Dies sind nur eine Handvoll von Fehltritten, die sich Gallic Wars: Battle Simulator erlaubt, weswegen es nicht empfehlenswert ist, sich den Strategietitel weder auf der Nintendo Switch noch auf irgendwelchen anderen Plattformen anzutun.
Mein persönliches Highlight: Die merkwürdige deutsche Grammatik.

Die durchschnittliche Leserwertung

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