Mehr als nur Steuerhinterziehung im Gemüsegarten

Als ich erstmals von Turnip Boy Commits Tax Evasion gehört habe, war mein erster Gedanke nur, dass es sich wie eine verrückte Spielerfahrung anhört. Und in diesem Aspekt enttäuscht das Spiel keineswegs. Als kleine Rübe habt ihr eure längst überfälligen Steuern nicht an Bürgermeister Zwiebel gezahlt, weswegen er euer Gewächshaus beschlagnahmt. Damit ihr wieder in euer gemütliches Eigenheim zurückkehren könnt, müsst ihr ihm deshalb aus verschiedenen Gebieten diverse Gegenstände besorgen. Somit begibt sich unsere Rübe auf ein Abenteuer, das nur auf den ersten Blick von Steuerhinterziehung handelt. Vielmehr dreht sich das Spiel im Kern um etwas ganz anderes und enthüllt, warum das Obst und Gemüse im Spiel überhaupt reden kann und was in der Vergangenheit geschah – definitiv mit einem tieferen Sinn, als man zunächst erwarten würde.


Paprikarl von WaySandwich bietet euch einen „Sub der Stufe 3“ an, den ihr für eine „Forkfight“-Livestreamerin benötigt.

© Snoozy Kazoo

Wie ihr euch eventuell denken könnt, sind eure Fähigkeiten als Rübe eher begrenzt – zumindest könnt ihr in der Gegend umherlaufen und einen Ausweichsprung vollführen. Weitere Fähigkeiten erlangt ihr durch das Voranschreiten in der Geschichte. So erhaltet ihr relativ früh bereits eine Gießkanne, womit ihr Pflanzen zum Sprießen bringen könnt oder ein Schwert, damit ihr euch gegen Gegner wie hungrige Schnecken, Würmer, Geister oder Hasen sowie verschiedene Bossgegner wehren könnt. Insgesamt ist das Kämpfen nicht allzu spektakulär, da ihr grundsätzlich nur mit eurem Schwert angreift. Im späteren Verlauf nutzt ihr bei Bosskämpfen noch schleuderbare Bomben oder legt ein Feuer – das war es aber auch schon. Dafür steigt der Schwierigkeitsgrad angenehm an und die Bosskämpfe sorgen doch immer wieder für eine Überraschung mit den ein oder anderen simplen Ideen.


Für das Erkunden der Spielwelt sowie das Rätsellösen stehen euch ebenso ein paar wenige Items zur Verfügung, wie zum Beispiel die oben genannte Gießkanne oder eine Schaufel. Diese werden im Laufe des Spiels auf unterschiedliche Art und Weise eingesetzt oder kombiniert. So lassen sich mit der Gießkanne bei bestimmten Pflanzen Portale erzeugen. Mit einem später erhaltenen Item könnt ihr diese aber auch selbst platzieren, wodurch neue Möglichkeiten entstehen. Beispielsweise befindet sich auf der anderen Seite eines Zauns eine Portalpflanze, die ihr gießen könnt. Platziert ihr nun selbst ein weiteres Portal, gelangt ihr ohne Probleme auf den abgesperrten Bereich.


Für die kurze Spiellänge von maximal drei Stunden ist das insgesamt eher einfach gehaltene Gameplay angemessen. Grundsätzlich wäre aber definitiv noch Potenzial für ein ausgefeilteres Kampfsystem, eine etwas größere Spielwelt oder mehr Rätsel und Fähigkeiten vorhanden. Insgesamt liegen die Stärken des Spiels eher im Bereich der Dialoge, auf die ich folgend noch näher eingehe.


Eine Referenz zu The Legend of Zelda darf natürlich auch nicht fehlen.

© Snoozy Kazoo

So durchquert ihr auf eurer Reise verschiedene Gebiete rund um den Gemüsegarten, eurem Heimatdorf. Von einer seltsamen Scheune über einen geheimnisvollen Wald bis hin zu einem verlassenen Farmhaus inklusive betretbarem Kühlschrank ist für Abwechslung gesorgt. Mysteriöse, fröhliche oder gruselige Musik untermalt die jeweilige Stimmung der aktuellen Umgebung. Stets begegnen euch verschiedene Arten von Gemüse oder Obst, wie zum Beispiel Karotten, Zitronen, Kartoffeln, Melonen und mehr. Da gibt es beispielsweise die ominöse Gewürzgurkengang – gefangen in einem entsprechenden Glas – oder eine Melonen-Lehrerin, die mit ihren Schülern auf einem Ausflug unterwegs ist. Mit jedem dieser Charaktere könnt ihr euch unterhalten und meistens erwartet euch ein lustiger Dialog, welcher oftmals Referenzen auf die aktuelle Popkultur enthält – sei es „FlipFlop“ (TikTok), „WaySandwich“ (Subway) oder „Forkfight“ (Fortnite). Dieser Humor zieht sich fast durch das ganze Spiel und sorgt doch für den ein oder anderen Schmunzler.


Manche Charaktere halten aber auch Quests für euch bereit. Diese sind zwar nicht unbedingt spektakulär, da sie lediglich aus dem Finden und Liefern von Items bestehen, aber aufgrund der lesenswerten Dialoge und kurzen Laufwege durch die kleinen Gebieten fallen sie auch nicht nervig aus. Als Belohnung winken euch verschiedene Hüte für die kleine Rübe, einige davon findet ihr auch ab und zu beim Erkunden der Spielwelt. Nebenbei findet ihr auch einige Dokumente, welche das Thema Steuern behandeln. Egal, ob es um einen Guide, eine Rechnung oder sogar nur um einen Brief geht, in dem Steuern erwähnt werden: Jedes Mal zerreißt ihr jenes Dokument. Nach jedem Bosskampf sowie ab und an in der Spielwelt erhaltet ihr ein weiteres Herz, damit ihr gegen die verschiedenen Gegner länger durchhaltet. Um das geheime – dazu auch sehr spektakuläre und sehenswerte – Ende des Spiels zu sehen, müsst ihr alle zuvor genannten Sammelgegenstände finden. Wirklich schwer ist es zumindest meiner Auffassung nach aber nicht, da ich ohne externe Hilfe alles gefunden und somit auch direkt das geheime Spielende erhalten habe.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Thomas Steidle

Wie bereits zu Beginn erwähnt, erhaltet ihr mit Turnip Boy Commits Tax Evasion eine verrückte Spielerfahrung. Die besonderen Stärken des Spiels stellen insbesondere die lustigen und mit Referenzen vollgepackten Dialoge und das Erkunden der Spielwelt dar. Auch die Geschichte hat tatsächlich das ein oder andere interessante Element. Das Gameplay bleibt zwar stets simpel, ist aber für die Länge des Spiels angemessen. Grundsätzlich könnte der Inhalt und damit aber auch das Gameplay umfangreicher ausfallen, da das Abenteuer bereits nach zwei bis drei Stunden vorbei ist. Wie die Entwickler von Snoozy Kazoo aber bereits angekündigt haben, soll im Laufe des Jahres ein kostenloses Update mit einem Rogue-lite-ähnlichen Dungeon mit Wiederspielwert und einer eigenen Geschichte erscheinen.
Mein persönliches Highlight: Das spektakulär inszenierte, geheime Spielende, das mich positiv überrascht hat.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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