Einmal selbst der Finstergrinser sein

Einmal im Leben so richtig böse sein. Den trollenden Mitspielern die Internetleitung abdrehen, dem Fahrer vor mir, der zum gefühlt hundertsten Mal ohne zu Blinken abbiegt, den Blinker rausreißen, weil er ihn eh nicht nutzt oder die schreienden Kinder vor dem Haus mit einem Wasserwerfer malträtieren. Diese kleinen Fantasien hat wohl selbst der geduldigste und friedliebendste Mensch auf dieser Welt und genau dieser Thematik haben sich schon diverse PC- und Videospiele im Laufe ihrer Geschichte angenommen. Der Klassiker schlechthin dürfte dabei Dungeon Keeper sein, in dem ihr damals den namensgebenden Keeper gespielt habt, der seinen eigenen Dungeon errichtet und ihn gegen eindringende Helden verteidigt hat. Im Laufe der Jahre folgten diverse weitere Titel, die mit der Faszination, den Bösewicht zu verkörpern spielten; darunter Spiele wie Evil Genius sowie die Dungeons oder Overlord-Reihe. Nun kommt mit Legend of Keepers ein weiterer Vertreter der Bösewicht-Spiele, in dem ihr endlich mal eure garstige Seite ausleben könnt. Wie sich das Ganze spielt, erfahrt ihr im Folgenden.


Die guten Bösen gegen die bösen Guten?


Die oben beschriebene Prämisse des Klassikers Dungeon Keeper könnte man mit einigen Abstrichen 1:1 für Legend of Keepers übernehmen. Ihr verkörpert einen Oberbösewicht, der in einem Dungeon, einer Waldruine oder einer Festung haust und dort einen Schatz hütet, den es gegen eine Gruppe von Abenteurern zu verteidigen gilt. Legend of Keepers nimmt sich dabei aber, wie viele Spiele seiner Art, nicht sonderlich ernst, denn euer Bösewicht ist letztendlich nichts weiter als ein Angestellter einer Firma von Monstern und Schurken, die sich ihren Lebensunterhalt dadurch verdienen, dass sie Schätze gegen Abenteurer verteidigen und ihre Schergen an alles und jeden vermieten. Entsprechend ist eine Niederlage auch nicht schlimm, denn die Helden wollen ja schließlich motiviert bleiben.


Rollentausch: Hier sind es die Helden, die ihr besiegen sollt.

© Goblinz Studio

Im Gegensatz zu anderen Titeln dieser Art errichtet ihr in Legend of Keepers euren Dungeon nicht selbst, sondern startet in vorgegebenen 2D-Dungeons, die aus mehreren Räumen bestehen. Für jeden einzelnen Raum wird dabei festgelegt, wie ihr ihn bestücken könnt; in manchen könnt ihr Fallen installieren, in anderen wiederum könnt ihr mächtige Magie auf die anrückende Heldenschaar niederregnen lassen. Dann gibt es noch die Räumlichkeiten, in denen ihr bis zu drei Monster abstellen könnt, die sich den Abenteurern in den Weg stellen. Während die ersten beiden Räume keinerlei Interaktion eurerseits erfordern und euren Widersachern entweder Schaden oder Statusveränderungen zufügen, wird Legend of Keepers in den Kreatur-Räumen zu einem rundenbasierten RPG. Denn jedes eurer aufgestellten Monster verfügt über ein oder zwei Fähigkeiten, die eingesetzt werden können. Dabei spielt natürlich auch die Aufstellung eurer Verteidiger sowie die der Helden eine Rolle; manche Angriffe können nur den Hintermann treffen, andere fügen den drei Abenteurern wiederum Flächenschaden zu. In solchen Kämpfen gilt es, den Helden so viel Schaden wie nur möglich zuzufügen, denn abgesehen von den ersten Levels werden eure Monster wahrscheinlich an den Heroen scheitern und die Feinde rücken immer weiter vor, bis sie letztendlich bei eurem Keeper ankommen. Dieser stellt quasi den Endgegner für die Helden dar und wartet nicht nur mit einer hohen Zahl an Trefferpunkten, sondern auch mit besonders mächtigen Attacken auf. Doch seid gewarnt: Der Schaden, den euer Overlord in den Kämpfen nimmt, heilt nicht vollständig zwischen den einzelnen Level und sollte euer Oberbösewicht mal das Zeitliche segnen, heißt es „Game Over“. Zwar wird euer Schurke wiederbelebt und erhält eine ordentliche Summe Erfahrungspunkte, den Level mit all seinen Wochen müsst ihr dann jedoch neu beginnen.


Moment, Level, Wochen, was ist denn jetzt damit gemeint? In Legend of Keepers kommt jeder Oberbösewicht mit einer kleinen Kampagne daher, die erzählerisch jedoch sehr dünn ausfällt. Letztendlich ist das Ziel eines jeden Level, dass ihr euren Dungeon mehrere Wochen vor den Heldenschaaren verteidigt. Zwischen den einzelnen Angriffen gibt euch das Spiel pro Tag eine Auswahl an zufälligen Möglichkeiten, aus denen ihr eine wählen könnt. So könnt ihr zum Beispiel euren Overlord trainieren, um ihm bessere Werte zu verpassen, eure Fallen upgraden, Kreaturen trainieren, neue Monster rekrutieren oder ihr unternehmt Betriebsausflüge, verleiht eure Schergen an andere Overlords oder besucht eine Sitzung beim Therapeuten, denn all das Gemetzel ist ganz schön nervenzehrend. Das alles könnt ihr natürlich nicht einfach so in Anspruch nehmen, sondern müsst es bezahlen; entweder mit den klassischen Goldmünzen, die ihr euch in Kämpfen und Ereignissen verdienen könnt, oder in Form von Blut und Tränen. Ersteres erhaltet ihr, indem ihr Helden gewaltsam umbringt, Letztere werden euch dann verliehen, wenn ihr es schafft, die Moral der tapferen Recken so sehr zu senken, dass sie aus eurem Dungeon fliehen. Als weitere Ressource gibt es dann noch die Moral eurer Kreaturen, denn auch wenn sich diese loyal und bereitwillig immer und immer wieder in den Tod stürzen, kann es passieren, dass sie ab und an eine Auszeit benötigen und euch dann für ein paar Wochen nicht zur Verfügung stehen. Wer dann nicht über einen Ersatz verfügt, steht plötzlich mit einer Unterzahl an Verteidigern da, was letztendlich zulasten eures Overlords geht, der deutlich mehr Schaden einstecken muss.


Der Humor der vielen Ereignisse funktioniert mal mehr, mal weniger.

© Goblinz Studio

In der Theorie klingt das alles ja ziemlich abwechslungsreich und spannend. In der Praxis ist das gerade anfangs nur bedingt der Fall. Denn durch die sich fast immer identische Raumaufteilung von Fallen, Monstern, Fertigkeit, Fallen, Monstern und dem anschließenden Overlord, stellt sich in Kombination mit den recht eingeschränkten Fertigkeiten eurer Monster schnell eine Routine ein. Da hilft der Umstand, dass auch die Helden-Konstellationen sich häufig ähneln, nicht wirklich weiter. Zudem ist es häufig so, dass sobald ihr eine effektive Kombination aus Monstern gefunden habt, es eigentlich kaum einen Grund gibt, diese zu verändern. Und so plätscherte das Spiel recht langatmig vor sich hin und ich hatte schon Angst, dass sich daran nichts ändern würde. Und wenn man es ganz genau nimmt, dann ist dem auch so. Ihr schaltet jedoch im Verlauf des Spiels neue Overlords frei, von denen jeder seine eigene Spielweise mit sich bringt, was wiederum für mehr Abwechslung sorgt. Das ändert zwar nichts an den initialen Problemen, sorgt aber trotzdem für genug Motivation, dass ich mich mit den neuen Kreaturen, Fertigkeiten und Eigenheiten meines Overlords auseinandersetzen und diese gegen die fiesen Helden austesten wollte. Was dem Spiel überraschend gut tut, ist der doch recht knackige Schwierigkeitsgrad, der vor allem mit den fortschreitenden Levels gut anzieht. So passierte es mir öfters, dass mein Overlord kläglich an einer zu starken Heldentruppe scheiterte und ich von vorne beginnen musste. Da mein Oberschurke nun jedoch gleichzeitig im Level aufstieg und daher auch mächtiger wurde, wurden meine Chancen wiederum erhöht – hier bietet Legend of Keepers also auch leichte Rogue-lite Elemente. Die Ereignisse zwischen den einzelnen Kämpfen sorgen dann noch für weitere Abwechslung, auch wenn diese sich meist auf simple Entscheidungen beschränken und mit einer eher gewollt-lustigen Art daherkommen.


Grafisch kommt Legend of Keepers im 2D-Pixellook daher, bei dem jedoch vor allem die Kreaturen noch recht detailliert daherkommen. Zudem geht es auch grafisch nicht zimperlich zu: Euren Kreaturen werden Körperteile abgetrennt, sie zerfallen zu Asche und das Blut spritzt sowieso. Zusammen mit dem wirklichen guten Soundtrack, der mit wuchtigen und martialischen Tönen daherkommt, bietet sich so ein ziemlich rundes Gesamtbild, dass man sich von einem solchen Titel erhofft. Man merkt dem Spiel jedoch an, dass es eigentlich für den PC entwickelt wurde, denn die Schrift fällt vor allem im Handheld-Modus ziemlich klein aus und auch die Steuerung ist recht hakelig und leidet unter leicht verzögerten Eingaben. Die Performance von Legend of Keepers hat zudem mit gelegentlichen Rucklern zu kämpfen, die man so eigentlich nicht erwarten dürfte.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Florian McHugh

Legend of Keepers tritt in die Fußstapfen von Klassikern wie Dungeon Keeper und ähnlichen Titeln – auch wenn ihr hier keinen eigenen Dungeon baut, sondern einen bereits vorgefertigten verteidigt. Der 2D-Titel bedient sich verschiedener Genres, so fallen die Kämpfe nach ganz klassischer, rundenbasierter RPG-Manier aus, während es noch Anleihen aus den Genres der Management- und Rogue-lite-Spiele aufweist. Spielt sich anfangs schnell eine etwas ermüdende Routine ein, wird diese im späteren Verlauf durch neue Overlords wieder aufgebrochen. Legend of Keepers ist daher für all diejenigen etwas, die gerne mal den Bösewicht verkörpern und immer schwieriger werdende Kämpfe ausfechten wollen. Gleichzeitig müsst ihr jedoch damit leben, dass die einzelnen Level immer nach einem ähnlichen Schema ablaufen und eure Motivation daher rühren sollte, dass ihr an den vielen kleinen Stellschrauben dreht, bis euer Dungeon perfekt verteidigt wird.
Mein persönliches Highlight: Die recht brutale Optik sowie der dritte Overlord

Die durchschnittliche Leserwertung

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