Drehen und Springen

Im Jahr 2012 brachte der französisch-kanadische Entwickler Phil Fish ein innovatives Platformer-Puzzle-Spiel auf die Xbox 360. Der auf den Namen FEZ getaufte Titel ist nun auch erstmals auf einer Nintendo-Konsole erhältlich. So schlüpft ihr auch in FEZ für die Nintendo Switch in die Rolle der weißen 2D-Figur Gomez, die in einer vermeintlichen 2D-Welt beheimatet ist. Doch schon rasch erfährt Gomez, mit einem Fez am Kopf ausgestattet, von einer geheimnisvollen dritten Dimension, die er zu seinen Gunsten nutzen kann, um eine offene und riesige Welt zu erkunden.


Hin und wieder könnt ihr Tiere und Bewohner in den schönen Umgebungen antreffen.

© Polytron Corporation

Die Geschichte von FEZ ist relativ einfach erzählt: Als Gomez wacht ihr in eurem Zimmer in einem kleinen Dorf auf und werdet von einem bunten Polyeder angesprochen, das euch die traurige Nachricht übermittelt, dass das große Hexahedron bzw. Hexaeder (ein sechsflächiges Objekt) zerschlagen wurde und nun überall auf der Welt verstreut ist. Eure Aufgabe ist nun, die einzelnen Teile des Hexaeders zu finden und die Ordnung in der Welt wiederherzustellen.


Mithilfe der Schultertasten ist es euch möglich, einen Perspektivwechsel durchzuführen, um in insgesamt vier verschiedenen 2D-Ansichten durch 3D-Strukturen navigieren zu können. Das Konzept ist nicht ganz neu, denn ein ähnliches Wechseln der Ansichten wurde beispielsweise bereits 2007 in Spielen wie Crush für die PlayStation Portable oder Super Paper Mario für die Wii genutzt. Die Umsetzung des Wechselns in FEZ fühlt sich dennoch frisch an und stellt das zentrale Gameplay-Element dar, das ihr fortwährend und unkompliziert nutzen könnt, um in den Welten voranzuschreiten. Wollt ihr einen Turm emporklettern, so werdet ihr vor dem Problem stehen, dass sich die Plattformen jeweils an unterschiedlichen Seiten des Turm befinden, sodass ihr ständig die Perspektive wechseln müsst, um von Plattform zu Plattform nach oben springen zu können. Wollt ihr zu einem scheinbar weit entfernten Ort gelangen, der mit einem normalen Sprung nicht erreicht werden kann, so probiert, die Ansicht um 180 Grad zu drehen, wodurch sich der Ort plötzlich wie durch Magie direkt vor euch befindet und der Abgrund dazwischen kein Hindernis mehr darstellt.


Gelbe Würfel-Fragmente warten darauf, von euch eingesammelt zu werden.

© Polytron Corporation

Ihr werdet immer wieder gelbe Würfelfragmente finden, die kombiniert einen Würfel ergeben, der wiederum einen Bruchteil des Hexaeders ergibt, den ihr zusammensetzen müsst. Stellt euch darauf ein, dass euch das Spiel nicht bei der Hand nimmt und ihr in der weiten Welt ganz auf euch allein gestellt seid: Neben dem Verändern der Perspektiven und dem Springen sowie Laufen könnt ihr hin und wieder auch Aktionen durchführen wie beispielsweise Gegenstände verschieben, an einer Glocke läuten, eine Bombe aufheben oder durch Portale gehen. In Schatztruhen könnt ihr wiederum Dinge wie Karten oder Schlüssel für Türen finden, wodurch sich euch Lösungen oder Lösungshinweise zu weiteren Geheimnissen offenbaren.


Das Gameplay in FEZ ist nicht sonderlich spektakulär – ihr hüpft von Levelbereich zu Levelbereich, welche durch Portale und Türen miteinander verbunden sind und sammelt unterwegs die gelben Würfelfragmente ein. Viel Gameplay-Tiefe wird euch nicht geboten, ihr erlernt keine neuen Fähigkeiten, es gibt keine Gegner, das Platforming ist alles andere als anspruchsvoll, es gibt kein „Game Over“, da ihr beim Runterfallen kurz darauf wieder am Ausgangspunkt spawnt. Die Ladezeiten zwischen den Levelabschnitten sind allerdings recht groß und könnten vor allem aufgrund des vielen Backtrackings auf Dauer stören. Manchmal werdet ihr zudem auf Orte stoßen, wo es kein Weiterkommen gibt, sodass ihr in der Welt umherirrt, bis ihr irgendwann weitere Levelportale entdeckt. Auch wenn es Teleport-Portale gibt und ihr eine Karte zur Verfügung habt, die sich leider (anders als in der PlayStation Vita-Version des Spiels) im Handheld-Modus nicht mit dem Touchscreen bedienen lässt, ist es gar nicht so einfach, den Überblick über die weit verstreuten Weltenabschnitte zu behalten.


Auf der Weltenkarte wird ersichtlich, wie verzweigt die einzelnen Levelabschnitte sind.

© Polytron Corporation

Ist FEZ also nur ein generischer Puzzle-Platformer wie so viele andere Titel im Nintendo eShop? Keineswegs, denn die wahre Magie des Spiels entfaltet sich erst im Laufe des Abenteuers und auch erst dann, wenn ihr euch wirklich auf das Spiel einlasst und dieses nicht als Platformer betrachtet, sondern als Entdecker-Spiel mit einer offenen und stark verzweigten Welt. Die Erkundung ist der wichtigste Aspekt von FEZ und nur wer jede Designentscheidung in den Umgebungen hinterfragt, die schöne Atmosphäre aufsaugt und sich Gedanken über die Welten und Puzzles macht, wird Freude mit dem Spiel haben. Ohne zu viel zu verraten, stecken in vielen der Level abseits der gelben Würfel noch weitere handlungsrelevante Fundstücke und Geheimnisse, die ihr im ersten Moment möglicherweise gar nicht wahrgenommen hättet und die ihr hoffentlich früher oder später lösen werdet. Der Schwierigkeitsgrad mancher Puzzles ist dabei unglaublich hoch und die Komplexität wird dazu führen, dass ihr euer Gehirn sehr anstrengen oder sogar im Internet nachsehen müsst, um die versteckten Geheimnisse zu lüften.


FEZ ist in einem hübschen Pixel-Look gehalten, bei dem die Umgebungen aus vielen eckigen Formen zusammengesetzt sind und die Hintergründe sich stets dynamisch zur Tageszeit in den Farben und in der Farbintensität ändern. Die Levelabschnitte sind jeweils sehr klein, aber bieten dennoch genug Geheimnisse und Abwechslung: Mal bewegt ihr euch durch einen hohen Baum, mal besucht ihr einen Leuchtturm-Hafen, mal geistert ihr durch eine Friedhof-ähnliche Gegend und sogar eine dystopisch anmutende Welt wartet darauf, von euch erkundet zu werden. Zu guter Letzt darf auch der sehr schöne Soundtrack nicht unerwähnt bleiben, der für eine besondere Atmosphäre sorgt, die stets zum Levelgeschehen passt. In FEZ gibt es keine eingängigen Melodien, sondern harmonische und zumeist sehr ruhig gehaltene Midi-Kompositionen, die sich auch als Hintergrundmusik während dem Arbeiten oder Lernen hervorragend eignen.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Felix Eder

FEZ ist ein durchaus besonderes Spiel, das jedoch nicht jedem gefallen wird – es ist alles eine Frage der Perspektive: Wer auf reine Platformer- und Puzzle-Spiele steht, die klar strukturierte Level haben und spannende Gameplay-Action bieten, könnte von FEZ enttäuscht werden: Trotz des Features, zwischen den 2D-Perspektiven zu wechseln, werdet ihr keine Gameplay-Offenbarung erleben und wer mit der falschen Erwartungshaltung an das Spiel geht, wird FEZ vielleicht nach kurzer Zeit als langweilig und das Backtracking als zäh abstempeln. Wer es jedoch liebt, die Gegenden genau zu erkunden, sich voll und ganz auf jedes Detail in liebevoll gestalteten Welten einzulassen und tiefgründige Botschaften und Rätsel zu lösen, wird FEZ vermutlich sehr mögen. Hinter jeder Ecke stecken Geheimnisse und zum Teil derart komplex versteckte Botschaften und Rätsel, dass selbst die pfiffigsten Spieler vor große Herausforderungen gestellt werden. Im technisch gut auf der Nintendo Switch umgesetzten FEZ könnt ihr euch auf eine atmosphärische Reise in eine offene und dennoch miteinander verbundene Welt begeben, die zudem mit einem schönen Grafikstil und einem tollen Soundtrack punkten kann.
Mein persönliches Highlight: Das Leveldesign und die dynamischen Hintergründe.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 2

  • lunatic1988

    Wurstkönig

    Aus heutiger Sicht gewinnt Fez sicher keinen Award mehr, damals, als es erschien war es aber eine kleine Revolution im Indie-Sektor der diesen auch ein großes Stück vorantrieb. Leider war der gute Herr Fish nicht sehr sympathisch und hat Fez 2 ja ohne Rücksprache mit seinem Team direkt gecancelt.

  • abc2030

    Turmknappe

    in dem indi games film bekommt man aber besser mit was mit mr. Fish los war und warum er die leute gegen sich aufbrachte. Hier trifft psychische instabilität auf wütende hater. Ich konnte bei FEZ die person zum glück immer vom spiel trennen und hatte viel spaß. Werde es mir wahrscheinlich mal im sale auch für die switch holen.