Immer weiter und weiter

Bei mehr als acht Ablegern für den Nintendo 3DS und mittlerweile mehr als sechs Ablegern für die Nintendo Switch braucht die PICROSS-Reihe von Jupiter hoffentlich keine ausführliche Vorstellung mehr. Mit durchschnittlich ein bis zwei Neuveröffentlichungen pro Jahr liefert das Studio regelmäßig neues Knobelfutter für Rätselfans und wird damit wohl auch in absehbarer Zeit nicht aufhören. Vor Kurzem erschien mit PICROSS S6 der neueste Serienteil für die Hybridkonsole und kommt wie erwartet mit wenig Neuem daher.


Das Hilfsroulette gibt stets eine verlässliche Starthilfe.

© Jupiter

Wie immer gilt: Kennt ihr das Spielprinzip schon, könnt ihr die Einführung überspringen. Seid ihr darüber hinaus schon Fan von Picross, könnt ihr gleich aufhören zu lesen und könnt stattdessen überlegen, ob ihr mehr vom Gleichen wollt oder nicht. Das dürfte bei den modernen Ablegern die entscheidene Frage für Serienveteranen sein. Gebt ihr euch also mit kaum nennenswerten Änderungen zufrieden, dann kann bedenkenlos zugegriffen werden.


Werfen wir damit einen Blick auf die Basics. Grundlegend handelt es sich bei Picross um karierte Felder variabler Größe. Links an jeder Zeile und oben an jeder Spalte des Felds sind Zahlen eingetragen, die sich jeweils von links nach rechts und von oben nach unten lesen lassen. Diese Zahlen geben an, wie viele Kästchen in einer Zeile oder Spalte nacheinander ausgefüllt werden müssen. Sind in einer Zeile oder Spalte mehrere Zahlen genannt, bedeutet dies mindestens ein Kästchen Abstand zwischen den auszufüllenden Kästchenketten. Ein Picross gilt dann als gelöst, sobald ihr alle richtigen Kästchen ausgefüllt und dadurch ein Motiv gebildet habt.


Natürlich ist dies leichter gesagt als getan. Zum erfolgreichen Lösen eines Picross-Rätsels sind Strategie und Geschick von Nöten. Die Herangehensweise erinnert an Sudoku-Aufgaben und setzt das Lernen von gängigen Mustern voraus, die den Regeln von Picross unterliegen. Als Beispiel: Müssen in einem 5x5-Feld vier Kästchen gefüllt werden, können mit Sicherheit die mittleren drei Kästchen der Zeile oder Spalte gefüllt werden. Das vierte zu füllende Kästchen muss anschließend durch weiteres Kombinieren ermittelt werden. In jedem Fall helfen derartige „sichere“ Kästchen ungemein beim Weiterkommen im Rätsel.


Bigger and better heißt es bei den Clip Picross. Die verschiedenen Größen verleihen die besondere Würze.

© Jupiter

Wer im Umgang mit den gewöhnlichen Picross geübt ist, der kann sich an den anderen Modi versuchen. Bei Mega Picross tauchen etwa Zahlenangaben auf, die sich über mehrere Zeilen oder Spalten erstrecken und somit zu einem Umdenken führen. Mit abgewandelten Regeln wird man auch im Color Picross konfrontiert, bei dem die Zahlen angeben, wie viele Kästchen in welcher Farbe gefüllt werden müssen. Für etwas Würze sorgt außerdem das Clip Picross, bei dem ein großes Bild aus mehreren Picross-Segmenten zusammengesetzt wird. Die Modi sollten vertraut klingen, so stammen sie allesamt aus vorangegangenen Titeln.


Hier liegt auch schon das „Problem“ an PICROSS S6 – oder besser gesagt der PICROSS S-Reihe als Ganzes. Jupiter macht es sich einfach und setzt immer wieder auf das in 2017 geschaffene Grundgerüst von PICROSS S, ohne aufregende Neuerungen einzuführen. Manchen mag das reichen, aber nach so vielen Spielen auf dem Nintendo 3DS und nun auch auf der Nintendo Switch beeinflusst die Innovationsarmut allmählich auch meinen Spielgenuss. Kleinste Änderungen wie ein neuer Hintergrund, neue Musik oder leichte Anpassungen an der Spieloberfläche können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Gameplay kein bisschen weiterentwickelt. Darüber hinaus ist mir schleierhaft, wieso immer noch keine Touchscreen-Steuerung angeboten wird.


Die konsequente Fortführung des PICROSS S-Grundgerüsts bedeutet aber nicht nur Schlechtes. Immerhin perfektionierte Jupiter über die Jahre sein Handwerk, weshalb heutige PICROSS-Titel mit ausführlichen Tutorials, einer präzisen sowie nutzerfreundlichen Bedienung und vor allem immer wieder sattem Inhalt daherkommen. Einsteiger können sich einen beliebigen Teil aussuchen und sofort loslegen, ohne sich vor der Schwierigkeit fürchten zu müssen. Dafür sorgen nicht nur die große Auswahl an Puzzles und Modi, sondern auch die vielen Hilfsoptionen. Manch einer mag argumentieren, dass durch die saubere Gestaltung fast schon ein „Spiel vom Fließband“-Eindruck erweckt wird, der wenig charmant ist.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Daniel Kania

Da sind wir auch schon wieder – kaum ein halbes Jahr später – und dürfen ein neues PICROSS S-Spiel auf der Nintendo Switch verzeichnen. Gibt es noch irgendetwas Neues, was ich euch hier erzählen könnte? Hm. Nein, nicht wirklich. PICROSS S6 ist nicht anders als PICROSS S5, was schon nicht anders war als PICROSS S4, was schon nicht anders gewesen ist als PICROSS S3. Ich könnte die Kette auch noch länger fortführen, aber ich möchte eure Zeit nicht vergeuden. Wer sich nach mehr vom Gleichen sehnt, ist hier goldrichtig, denn am Gameplay hat sich nach wie vor 0,0 verändert. Das ist hervorragend für diejenigen, die davon nicht genug bekommen können, und ermüdend für jene, denen es nach neuen Spielideen und Konzepten dürstet. „Kennt man eines, kennt man sie alle“, stellt auch in 2021 das Motto der PICROSS-Reihe dar.
Mein persönliches Highlight: Wie schafft es Jupiter sich nach all den Jahren immer noch neue Motive auszudenken?

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