Drei sagenhafte Abenteuer warten auf eine Wiederentdeckung!

Nach nur einem Jahr ist es schon wieder soweit. Der Publisher Koei Tecmo bringt ein weiteres Mal ein Bundle bestehend aus drei Spielen aus dem Atelier-Multiversum auf die Nintendo Switch. Mit dem Titel Atelier Mysterious Trilogy Deluxe Pack dürfen Fans der Atelier-Reihe sich auf drei alte, aufgefrischte Titel freuen. Atelier Sophie: The Alchemist of the Mysterious Book DX, Atelier Firis: The Alchemist and the Mysterious Journey DX und Atelier Lydie & Suelle: The Alchemists and the Mysterious Paintings DX warten schon darauf, neue Spieler und echte Veteranen in ihrer Welt begrüßen zu können. Das Review wird hierbei alle drei Spiele nacheinander beleuchten und in einem Gesamtfazit münden, welches die Frage untersucht, ob ein Kauf sich wirklich lohnt. Viel Spaß beim Schmökern.


Atelier Sophie: The Alchemist of the Mysterious Book DX


Das Spiel Atelier Sophie – The Alchemist of the Mysterious Book DX erschien ursprünglich im Jahre 2015 für die Konsolen PlayStation 4 und PlayStation Vita und beschäftigt sich mit der jungen und unerfahrenen Alchemistin Sophie, die versucht in die Fußstapfen ihrer Großmutter zu treten. Doch sie tut sich zunächst schwer, da der Tod ihrer Großmutter sie alleine in der Welt der Alchemie zurückgelassen hat. Wie es der Zufall so will, fällt ihr ein wundersames Buch in die Hände. Auf den Namen Plachta hörend, kann dieses Buch reden und fliegen. Da es aber all seine Erinnerungen verloren hat, liegt es an dir und Sophie, das Buch mit alchemistischen Rezepten zu füllen und so die Erinnerungen Schritt für Schritt zurück zu bringen. Ein großes Geheimnis wartet hierbei darauf, entschlüsselt zu werden. Sophie jedoch ist nicht allein. Die Freunde aus ihrer Heimatstadt Kirchen Bell begleiten sie auf ihren Abenteuern, in welchen sie gegen gefährliche Monster kämpfen und Materialien bergen muss.


Wo soll denn das letzte Stück noch passen? Wenn man ein Stück über ein anderes legt, wird der vorherige Effekt überschrieben. Hier ist besonders viel Scharfsinn gefragt!

© Koei Tecmo Games Co., Ltd.

Wie die anderen Teile der Atelier-Reihe hat auch dieser Teil drei wichtige Grundelemente im Gameplay. Zunächst wäre da die Alchemie, also das Crafting-System des Spiels, und die Aufträge der Bewohner, mit denen man versucht Geld zu verdienen. Durch das Erfüllen von Bewohneraufträgen oder Ausführen besonderer Aktionen, ist es dir möglich neue Rezepte zu finden und so dein Wissen zum Thema Alchemie zu erweitern. Zum Herstellen von Materialien benötigst du Ressourcen, welche du sammeln musst. In deinem großen Alchemietopf wird dann alles hineingeworfen und raus kommt dein Wunschobjekt? Ja, nein – ganz so einfach ist es selbstverständlich nicht. Jedes Material hat individuell eine Qualitätsstufe und auch besondere Eigenschaften. Es gilt immer die beste Qualität zu erreichen und die profitabelsten Eigenschaften zu kombinieren. Beim Anordnen der Gegenstände kann man zusätzlich weitere Boni abstauben oder bestimmte Grundeigenschaften verstärken. Mit jedem erfolgreichen Alchemieversuch steigt die Erfahrung und somit das Alchemielevel auf. Je höher dein Level in der Alchemie, desto hochwertiger wird deine Ware am Ende. Außerdem bekommt man die Chance, mit besseren Alchemietöpfen bessere Boni freizuspielen. So lassen sich verschiedene Gegenstände schnell hochwertiger kreieren und zu einem hohen Preis verkaufen oder im Kampf mit mehr Schaden nützlicher machen. Hierbei spielen ein wenig Kreativität und ein gutes Maß an Abwägungsvermögen eine zentrale Rolle.


Das zweite wichtige System ist das Sammeln von Ressourcen und natürlich der Kampf gegen all die Kreaturen, die im Schatten auf dich lauern. Materialien sind auf verschiedenen, kleinen Spielekarten platziert. Zu diesen kann man reisen. Hierfür begibst du dich außerhalb der Stadt auf die Weltkarte im Spielbrett-Design. Darüber bewegt man sich nun auf möglichen, vorgegebenen Pfaden. Die Reise nimmt aber Zeit in Anspruch, welche pro gegangenes Feld vorwärts zählt. Verschiedene Aktionen lassen die Zeit vergehen. Je nach Uhrzeit verändern sich die Gegner, auf welche man trifft oder auch die Ressourcen, die man sammeln kann. Ein kleiner Hinweis: Bei Nacht sind besonders gefährliche Gegner unterwegs. Das Spiel nutzt wie seine Vorgänger und Nachfolger ein rundenbasiertes Kampfsystem. Am linken Bildschirmrand hat man eine Anzeige, die die Reihenfolge anzeigt, in welcher du, deine Mitstreiter und die Gegner angreifen werden. Durch eine geschickte Wahl von offensiven oder defensiven Attacken, lassen sich Kombos ausführen, die den Gegner in die Flucht schlagen können. Anfangs einer jeden Runde wählt man für alle seine Charaktere die auszuführenden Aktionen aus, die dann alle nacheinander ausgeführt werden. Items können ebenfalls genutzt werden, müssen aber vor Beginn eines Kampfes ausgerüstet werden. Nach einem erfolgreichen Kampf erhält man eine Belohnung und auch. Es gibt Gegner, die einem besonders am Anfang des Spiels ziemlich auf die Mütze geben können. Zu Beginn des Spiels sollte man viel Geduld mitbringen und sich nicht von den vielen schweren Gegnern einschüchtern lassen. Stirbt man, verliert man nur einen Teil der gesammelten Sachen aus der Tasche. Dinge, die Zuhause im Lager liegen, sind sicher und bleiben völlig unberührt.


Am linken Rand kann man bereits die Gefahren absehen, die einen in diesem Kampf erwarten. Neben guter Ausrüstung ist auch eine kluge Strategie das A und O eines siegreichen Raubzuges.

© Koei Tecmo Games Co., Ltd.

Die letzte und wahrscheinlich wichtigste Komponente des Spiels ist die Handlung. Die Atelier-Reihe zeichnet sich schon immer durch seine interessante Erzählweise aus. So wird man nicht mitten in actionreiche Handlungen mit vielen verschiedenen Wendepunkten geworfen. Als Spieler besitzt man ein Haus, welches jederzeit ein sicherer Rückzugsort ist. Man bestimmt überwiegend selbst die Geschwindigkeit der Handlung. Bewegt man sich viel in der Stadt, bekommt man viel über die Stadtbewohnern mit. Geht man dagegen viel auf die Jagd und schwingt den alchemistischen Kochlöffel, erhält man viele Einblicke zu Plachta und ihrem mysteriösen Schicksal. Man kann auch einfach nur Aufträge erledigen und Ressourcen sammeln, ohne dass die Handlung nennenswert fortgesetzt wird. Meiner Beobachtung nach setzt das Spiel auf Entschleunigung. Es gibt genügend Abenteuer zu erleben, weshalb dann von einem ins nächste rennen? Dieses Motto ist besonders für Spieler interessant, die Spaß daran haben, sich in Spiele wirklich zu vertiefen. Durch das Erlernen verschiedener Fähigkeiten und das Grübeln bei Rätseln, ist eine interessante Kombination gegeben, welche so schnell nicht langweilig werden kann. Zusätzlich gibt es weitere Inhalte in der Handlung zu erleben, die es beim Original noch nicht gegeben hat. Dieser Umstand macht dieses Spiel besonders für Spieler interessant, die schon damals das Spiel in den Fingern hielten.


Der wahre Schatz von Atelier Sophie liegt aber meiner Meinung nach an einer ganz anderen Stelle. Während die Grafik aufgrund des Alters eher mittelmäßig bis fast untragbar ist, ist musikalisch sehr viel Positives gegeben. Die Grafik hat zwar mit dieser Version eine kleine Schönheits-Operation bekommen, viele Dinge kann man aber einfach nicht verbessern, ohne das komplette Spiel runderneuern zu müssen. So wirken viele Spielbereiche sehr leer und eher lieblos an heutigen Standards gemessen. Als negativen Punkt kann man das aber nur bedingt betrachten, da diese Art der grafischen Qualität typisch für die Atelier-Reihe scheint. Zeitlos dagegen ist der epische Soundtrack des Spiels. Es ist schwer zu beschreiben, was die Melodien so einzigartig macht. Festhalten kann ich zumindest, dass jeder Ton auf jeden Moment einfach perfekt passt. Es gibt viele verschiedene Kampfstücke, die gespielt werden. Besonders die Melodien aus den simplen Kämpfen sind mir sehr ans Herz gewachsen. Sie sind voller Energie und Spaß und es fühlt sich so an, als würde darin ein echtes Stück Leben stecken. Ebenfalls sehr stark ausgearbeitet ist das Charakterdesign von Sophie und ihren beiden besten Freunden. Es stecken viele verschiedene Details in den Outfits, die sowohl Charakter vermitteln als auch nicht überladen sind. Überladen ist hierbei ein wichtiges Wort. Viele andere Charaktere tragen Kostümierungen, von denen ich einfach nur Kopfschmerzen bekomme. Was finden die japanischen Produzenten und Designer nur an diesen unrealistischen und sogar teilweise hässlichen Outfits, in denen man sich wahrscheinlich nicht einmal bewegen, geschweige denn kämpfen kann. Manche Dinge ändern sich nie. Komische Kostüme und JRPGs sind scheinbar eine Ehe für die Ewigkeit eingegangen.


So schön der Himmel auch im Glanz der Sterne erstrahlen mag, ein lebloses Feld bleibt ein lebloses Feld. Leider gibt es viele leere Ecken im Spiel, die das Spielerlebnis trüben können.

© Koei Tecmo Games Co., Ltd.

Weniger fantastisch dagegen ist die Synchronisation des Spiels. Wie immer, wenn es um die Atelier-Reihe geht, sind Englisch und Japanisch an der Tagesordnung. Wer deutsche Wörter sucht, wird nur wenige bekommen. Die Synchronisation ist wählbar zwischen Japanisch und Englisch. Wenn ich die Wahl zwischen verschiedenen Synchronisationen habe, wähle ich normalerweise die englische Variante – eine persönliche Präferenz, da ich Japanisch nicht verstehe und deutsche Synchronstimmen mir leider immer wieder bekannt vorkommen und deshalb den Spaß verderben. Die englische Synchronisation von Atelier Sophie ist schon fast eine Frechheit. Viele Stimmen sind meiner Ansicht nach einfach nur falsch besetzt. Man hört die Mühe der Sprecher. Aber jede Mühe ist vergebens, wenn die Stimme einfach nicht zur Rolle passt. Manche Stimmen sprechen entweder viel zu hoch oder zu tief für ihren Charakter – einige Dialoge wirken auch häufig künstlich betont. Im Kontrast dazu ist die japanische Synchronarbeit auf einem weitaus höheren Niveau. Wir wissen in dem Fall wohl alle, welche Synchronisation mehr Budget hatte. Nichtsdestotrotz überwiegen die positiven Elemente des Spiels. Allein der Musik wegen würde ich das Spiel kaufen. Das zusätzliche Artbook ist übrigens eine wunderschöne Ergänzung, welche jeder der drei Teile genießt. Diese haben sogar eigene Applikationen im Nintendo Switch Home-Menü. Es ist ein wahres Geschenk, wenn man nach Abschluss des Spiels noch einmal das virtuelle Artbook durchblättern kann. Ein verdientes Ende für ein Spiel, das mir zumindest, sehr ans Herz gewachsen ist, was die Handlung, die Herausforderung und die Musik angeht.


Atelier Firis: The Alchemist and the Mysterious Journey DX


Und weiter geht’s mit Atelier Firis – The Alchemist and the Mysterious Journey DX. Wir machen einen Sprung in die Zukunft. Einige Jahre nach den spannenden Ereignissen rund um Sophie und Plachta knüpft die Odyssee der jungen Firis an. Sie ist sprichwörtlich ein kleiner, scheinbar zerbrechlicher Vogel, welcher in einem finsteren Käfig gefangen ist. Firis lebt gemeinsam mit ihrer Familie in einer Stadt, welche in einer Höhle innerhalb eines Berges liegt. Der einzige Zugang in die Stadt ist durch eine eiserne Tür verschlossen und nur wenige dürfen das Dorf verlassen. Die junge Firis gehört nicht zu den Glücklichen. Seit langer Zeit bittet sie nun schon ihre Eltern und auch den Dorfältesten um eine Erlaubnis, doch alles Flehen ist vergebens. So gerne würde sie wie ihrer große Schwester nach draußen gehen, den weiten Himmel sehen und den Wind in den Haaren spüren. Wie es der Zufall so möchte, wird die Tür durch eine uns wohlbekannte Alchemistin aufgesprengt. Sophie hat hier tatsächlich einen bombastischen Auftritt. Sie erklärt sich bereit, Firis unter ihre Fittiche zu nehmen und die Kunst der Alchemie zu lehren.


Eines der witzigsten und spannendsten Features des Triple Packs: Das Pop-Up-Atelier. An jeder Feuerstelle findest du dein Atelier direkt in der Hosentasche.

© Koei Tecmo Games Co., Ltd.

Die Handlung des Spiels rund um Firis entfaltet sich langsam und sehr sorgfältig. Man wird zunächst an ihre Unzufriedenheit und Charaktereigenschaften herangeführt. Ihre Motivation ist die eines kleinen Kükens, das mit Tränen in den Augen davon träumt, endlich die Flügel aufspannen zu dürfen. Durch die Unterstützung von Sophie schafft sie es, die Grundlagen der Alchemie zu erlernen und die Höhle zu verlassen, jedoch nicht ganz ohne Regeln: Firis muss innerhalb von 365 Tagen die Prüfung für anerkannte Alchemisten abschließen. Sollte sie das in dieser Zeit nicht schaffen, dann ist sie gezwungen, wieder in der finsteren Höhle zu leben. Das lässt sich das leichtfüßige Mädchen nicht zweimal sagen. Gemeinsam mit ihrer Schwester, einem Stab und viel Gepäck stürmt sie in ihr Abenteuer.


Die Prämisse der Handlung ist herzzerreißend. Ich fühlte mich innerlich sofort zu Firis Sehnsucht nach Freiheit und Licht angezogen. Ihr Charakter ist im Vergleich zu Sophie sehr kindlich und unreif – manchmal fast schon so schlimm, dass sogar ich genervt die Augen rollen musste. Im Laufe der Reise findet sie aber Begleiter und viel innere Stärke, die sie benötigt, um die Prüfung zu bestehen. Die Reise ist ziemlich lang und verlangt nach diversen Empfehlungsschreiben, die man nur durch verschiedene Prüfungen bekommt. Der Zeitdruck ist anfangs kaum einzuschätzen – nicht selten wirst du aber Panik bekommen, wenn du zwei Tage draußen einfach herumgetobt hast. Die besondere Mechanik des Spiels ist das Pop-Up-Atelier. Dieses ist eine Art Zelt, welches Firis an jeder Feuerstelle aufstellen kann. In diesem Zelt hat man dann eine Art kleines Haus mit Kessel, Bett und Dekorationsmöglichkeiten. Ich habe überall selbstgebaute Bomben hingestellt – ich glaube die Gäste sagten aus Angst nichts zu meiner Inneneinrichtung.


Ähnlich wie bei Atelier Sophie oder anderen Ablegern, geht es ums Kämpfen, Sammeln und Herstellen. Die Kämpfe haben sich im Vergleich zu Atelier Sophie kaum geändert. Eine Änderung ist, dass Charaktere nach einer gewählten Aktion direkt angreifen. Man wählt also nicht mehr am Anfang einer Runde die Aktion aller aus. Die Kampfschwierigkeit wurde bei Atelier Firis um eine große Stufe verringert. Verlieren kann man bei den Kämpfen tatsächlich nur schwer. Die Stärke aller Gegner ist leichter einzuschätzen und das Spiel scheint auch viel barmherziger in seiner Angriffswahl zu sein. Die alchemistische Arbeit unterscheidet sich ebenfalls nur durch kleine Feinheiten, positiv ist auf jeden Fall aber, dass mehr und interessantere Rezepte ihren Weg ins Spiel gefunden haben. Auch das Herausfinden von Rezepten wurde kreativer gestaltet.


Mit Firis begibt man sich auf ein Abenteuer, das in eine riesige Welt mit viel Flora und Fauna führt. Wunderschöne Natur wird durch Schätze ergänzt und boshafte Kreaturen kontrastiert.

© Koei Tecmo Games Co., Ltd.

Grafisch hat sich bei diesem Spiel im Vergleich zu Atelier Sophie bereits viel getan. Die Umgebungswelt wirkt viel lebendiger und wesentlich voller. Es gibt an jeder Ecke interessante Dinge zu entdecken. Die Spielwelt ist vergleichsweise riesig, da man von der Höhle aus im Prinzip eine riesige Wanderung zum weit entfernten Austragungsort der Prüfung machen muss. Als Spieler kann man wirklich frei sein. Entweder gehst du so schnell wie möglich zum Ziel oder du erkundest auf zahllosen Umwegen die Welt von Firis. Neben der grafischen Verschönerung hat sich musikalisch von der Qualität her nichts geändert. Die Stücke sind auch in diesem Teil fesselnd und auf den Punkt komponiert. Besser als im Vorgänger ist auch das englische Voice-Acting. Die Stimmen wirken viel besser abgestimmt. Die Leistung der Sprecher ist zwar noch nicht mit dem japanischen Original vergleichbar, geht aber in eine ähnlich gute Richtung.


Wie man vielleicht herauslesen kann, ist Atelier Sophie mein persönlicher Favorit. Verspielte Details, verbesserte Qualität und auch die nahezu endlose Freiheit sind ein regelrechtes Ideal, welches die Atelier-Reihe seit Jahren verfolgt und mit diesem Spiel nahezu erreicht. Auch wenn es grafisch einige Schwächen gibt und manche Missionen teilweise sinnlos erscheinen, da sie meist nur aus dem Bringen von Gegenständen oder Töten von Monstern bestehen, bietet das Spiel eine Menge an qualitativem Spielspaß. Viele kleine Höhlen, die sich rund über die Reise verteilen, geben einem wirklich das Gefühl, nicht nur zu reisen, sondern eine echte Erkundung der Welt selbst vorzunehmen. Die Handlung ist mit viel Herz und Humor ausgestaltet und vermittelt viel Freiheit und auch viel der jugendlichen Sehnsucht nach selbstbestimmtem Leben. Apropos Selbstbestimmtheit: man sollte nicht vergessen, dass die 365 Tage ablaufen. Ich habe zum Spaß ausprobiert, was bei Tag 0 mit Firis passiert – ich sage dazu einfach nichts, das alles muss ich erstmal verdauen.


Atelier Lydie & Suelle: The Alchemists and the Mysterious Paintings DX


Die letzte Runde der Mysterious-Reihe beginnt mit den Zwillingen Lydie und Suelle, welche wie alle Alchemisten namensgebend für ihr Spiel sind. Die beiden jungen und naiven Mädchen kommen aus einer Familie von Alchemisten, welche sich in der Hauptstadt des Landes niedergelassen hat. Als Halbwaisen werden sie von ihrem Tunichtgut von Vater aufgezogen – oder besser gesagt alleine gelassen. Er bürdet den jungen Mädchen das Familien-Atelier auf und verschwindet regelmäßig im Keller, um sich seiner "Kunst" zu widmen. Das Königreich möchte mehr talentierte Alchemisten in die Hauptstadt holen. Damit dies auch gelingt, hat man ein Ranking-System eingeführt, in welchem die Ateliers des Landes um Ränge konkurrieren. Die Zwillinge mit ihrem desolaten Atelier bemühen sich nun auch, den Namen ihres Ateliers groß zu machen. Dies funktioniert aber nur mit der Hilfe von Freunden aus der Kindheit und neuen Bekanntschaften. Nicht unerheblich sind die im Titel ansprochenen Bilder, in welche Lydie und Suelle auf mysteriöse Weise eintauchen können.


In Atelier Lydie & Suelle gipfelt die Grafik von allen drei Teilen. Die Stadt wirkt lebendig und vielseitig und auch in der Natur gibt es viel Pracht zu entdecken.

© Koei Tecmo Games Co., Ltd.

Das Spiel ist im Gegensatz zu beiden Vorgängern stark handlungsgetrieben. Während die anderen Teile eher auf Freiheit basieren beziehungsweise die Handlung dezent gestreut ist, wird man in Atelier Lydie & Suelle eng durch das Abenteuer begleitet. An jeder Ecke erwarten einen Cutscenes und verschiedene Dialoge, die die Erfahrung des Spielers weitertreiben. Insgesamt wirkt diese Produktion wie eine Art Fantasy oder Slice-of-life-Anime in einem Spiel kombiniert. Meiner Meinung nach funktioniert diese Mischung ziemlich gut und macht definitiv viel Laune, sofern man auf viele Erzählungen steht. Echte Motivation für die Handlung herrscht für mich persönlich durch die Hommage an die gesamte Trilogie vor. Im letzten Teil finden noch einmal alle interessanten Charaktere aus Atelier Sophie und Atelier Firis ihren Weg in die Hauptstadt. Da zwischen den einzelnen Teilen auch eine gewisse Zeit vergangen ist, sieht man auch eine Entwicklung im Charakter der verschiedenen Personen.


Ähnlich wie die Vorgänger lässt sich auch dieses Spiel musikalisch nicht das Wasser reichen. Musikstücke für diverse Situation sind sorgfältig komponiert und ausgewählt worden und lassen jeden Spieler mitsummen, mitfiebern oder mitfeiern. Da man neben Kampfgeräuschen oder quietschiger Animestimmen hauptsächlich die Musikstücke hört, ist es ein wichtiger Faktor, welcher immer wieder betont gehört. Bisher durch mich unerwähnt geblieben ist ein schickes Highlight: Als Spieler kann man in allen drei Titeln die verschiedenen Hintergrundmelodien im Menü frei anpassen. Hierfür steht eine riesige Auswahl aus vielen verschiedenen Titeln der Atelier-Produktionswelt zu Verfügung. Die Synchronisation ist bei der japanischen Variante wie gewohnt auf den Punkt. Verzichtet wurde bei dieser Produktion auf eine englische Synchronisation, was ich persönlich sehr schade finde, da ich die anderen beiden Teile auf Englisch spielte. Untertitel sind wie in allen anderen Teilen auf Englisch zu lesen. Deutsch sucht man auch hier vergeblich. Kampfsystem, Alchemie-Herstellung und auch das Sammeln von Ressourcen unterscheidet sich qualitativ kaum von den Vorgängern. In diesem Titel gibt es mehr Rezepte zu erkunden und auch noch lebendigere Welten zu erleben, da grafisch durchaus eine weitere Entwicklung zu den anderen Teilen erkennbar ist. Das Kampfsystem ist dem von Atelier Firis sehr ähnlich, wirkt aber aufgrund der etwas moderneren Benutzeroberfläche schöner und ist übersichtlicher zu bedienen.


Insgesamt nutzt Atelier Lydie & Suelle also Spielmechaniken, die auch in den Vorgängern genutzt wurden. Wer die vorherigen Teile wie vorgesehen zuerst gespielt hat, wird sich im letzten Teil der Trilogie sehr gut zurechtfinden und eine gewisse nostalgische Aura verspüren, da viele altbekannte Gesichter ihren Weg ins Spiel gefunden haben und darüber hinaus sinnvoll in den zugehörigen Handlungsstrang eingearbeitet wurden. Die charakterlichen Unterschiede der beiden Zwillinge wird gepaart mit viel humoristischen Einlagen, sodass man neben der großen Spannung ebenfalls genügend zu Schmunzeln bekommt.


Must-Have oder gescheitertes Dreierpack?


Im Zeitraum von 2015 bis Ende 2017 erschienen die drei Titel erstmals für die Playstation 4 und PlayStation Vita, den Start machte Atelier Sophie, welches sogar noch auf der PlayStation 3 erschien. Grafisch haben die Spiele untereinander große Unterschiede, auch wenn nur wenige Jahre zwischen den Produktionen liegen. Nun, im Jahre 2021, haben auch Nintendo Switch-Spieler die Chance einen Blick in diese Reihe zu werfen und sich verzaubern zu lassen. Bei einen Preis von aktuell stolzen 89,99 Euro im Nintendo e-Shop könnte man leicht zurückschrecken. Auf den Einzelpreis bezogen, würde man für jedes Spiel etwa 30 Euro inklusive digitalem Artbook und damaliger DLC bezahlen. Ich habe in jedes einzelne dieser Spiele mindestens 40 Spielstunden versenkt und noch nicht alles erlebt, was es zu erleben gibt. Man kann zwar bei allen Teilen durch die Hauptgeschichte sprinten. Durch eine Fülle an Nebenquests, riesige Welten und auch das fesselnde Crafting-Systems wird man meiner Einschätzung nach gut und gerne auf mindestens 60 Stunden pro Titel kommen. Da ist die Bepreisung durchaus gerechtfertigt, eben weil auch zusätzlicher, spannender Inhalt zum Kauf mitgegeben wird.


Auf der Nintendo Switch erstrahlen die Titel im neuem Licht. Einen Hauch von Nostalgie verspürt man im Handheld-Modus, da es an PlayStation Vita-Zeiten erinnert. Grafisch sind die Spiele nach heutigen Standards keine AAA-Titel, damals waren sie es ebenfalls nicht. Sie sind aber trotzdem sehr schön anzusehen und bieten genügend andere positive Aspekte, die von der teils schwachen Grafik ablenken. Besonders stark ist das Paket, da alle drei Titel miteinander verknüpft sind und so ein entsprechend stimmiges Spielerlebnis bieten.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Simon Münch

Das Atelier Mysterious Trilogy Deluxe Pack bietet drei verschiedene, spektakuläre Abenteuer. Jede der Handlungen ist auf ihre Art und Weise fesselnd und bietet viel, was Anime-Fans und Fans von RPGs mögen. Die Spiele sind eine Schatzkiste an musikalischen Juwelen, welche einen mit ihrer Schönheit in ihren unmittelbaren Bann ziehen. Hervorgehoben wird die künstlerischen Seite der Spiele durch die drei digitalen Artbooks, die es zum Kauf obendrauf gibt. Das Alchemie-System, welches den Dreh- und Angelpunkt der Spiele bildet, ist genauso leicht zu erlernen wie es spannend ist, damit zu experimentieren. Einige Unterschiede gibt es bei der Schwierigkeit der drei Titel. Fans von Spielen mit teils anspruchsvollen Kämpfen, die die richtige Würze an Strategie verlangen, sind mit dem ersten Titel Atelier Sophie: The Alchemist of the Mysterious Book DX an der richtigen Adresse. Jedes der drei Spiele scheint einen anderen Kernaspekt der Atelier-Reihe in den Fokus zu nehmen. Während Atelier Firis: The Alchemist and the Mysterious Journey DX die Freiheit der Erkundung in den Mittelpunkt rückt, darf man bei Atelier Lydie & Suelle: The Alchemists and the Mysterious Paintings DX eine sehr ausführliche Handlung verfolgen. Atelier Sophie konzentriert sich besonders auf die alchemistische Arbeit an sich. Bittere Medizin gibt es leider trotz allem zu schlucken. Eine typische Problematik bei Atelier-Spielen ist die teils unausgereifte grafische Darstellung. Viele Teile der Spielumgebung wirken sehr künstlich oder einfach leer, was der Spielerfantasie einen gewissen Knick verpasst. Dass gute Englischkenntnisse von Spielern erwartet werden, ist auch ein Wermutstropfen, den man schlucken muss. Da sagt noch einmal einer, Englisch in der Schule zu lernen hat keinen Sinn für die eigene Zukunft. Die Synchronisation ist auf Japanisch ein echter Genuss und wird Liebhaber dieser Art der Vertonung sehr verzücken. Freunde der englischen Synchronarbeit, zu denen ich mich zähle, werden ein eher durchwachsenes Ergebnis erdulden müssen, da diese beim ersten Teil nicht gelungen und beim letzten sogar ganz weggelassen wurde. Insgesamt holt man sich jedoch wichtige Teile der jüngeren JRPG-Geschichte auf die aktuelle Heimkonsole. Da man die Spiele auch einzeln erstehen kann, herrscht auch nicht der große Druck, so viel Geld auf einmal zu investieren. Verschiedene Boni, worunter auch eine zusätzliche Erzählung in Atelier Sophie gehört, und diverse Anpassungsmöglichkeiten sind eine Angelegenheit, die den drei Spielen einen fairen Mehrwert geben. Man bemerkt definitiv die Mühe des Produktionsteams, mehr als nur die alten Spiele auf die neue Konsole zu werfen. Das Dreier-Bundle ist besonders spielerfreundlich für Neueinsteiger in das Atelier-Multiversum. Potenzielle Rückkehrer sollten sich gut überlegen, ob sie diese Abenteuer auf der Switch ein weiteres Mal für dieses Geld erleben möchten.
Mein persönliches Highlight: Die musikalische Arbeit in allen drei Titeln ist herzerwärmend einmalig!

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 8

  • Lando

    Calrissian

    Ein weiterer Pluspunkt der Sammlung ist die Überarbeitung von Lydie & Suelle. Die Urfassung war auf der Switch ein Port-Grauen in Sachen Grafik und Performance. Die DX-Version spielt sich sauberer und sieht deutlich besser aus.

  • Princess_Rosalina

    Turmbaronin

    Lando

    Stimmt das wirklich mit Lydie & Suelle ? Weil das wäre wirklich sehr gut. Die Erste Version lief wirklich nicht besonders gut auf der Switch.

  • Tomaru

    M&M - Minish Mage

    Zitat

    "[...] ein lebloses Feld bleibt ein lebloses Feld. Leider gibt es viele leere Ecken im Spiel, die das Spielerlebnis trüben können."

    So ist unsere eigene trübe Welt aber ja auch. Das wollen doch immer alle in Spielen, mehr Realitätsnähe.. :x

  • Simon Münch

    Redakteur

    Lando Dem kann ich mich nur anschließen.

  • ewolution94

    Turmritter

    Kurze Frage, kann aber auch sein dass ich es überlesen habe: Erscheint hierfür eine Retail-Fassung mit allen drei Spielen drauf? :-)

  • Princess_Rosalina

    Turmbaronin

    Gibt es von Atelier Lydie & Suelle ein vergleich Video mit der alten und neuen Version ? Leider finde ich keins

  • Lando

    Calrissian

    Princess_Rosalina


    Leider finde ich auch kein Vergleichsvideo. Ich habe zwei Tabs im Browser geöffnet und Gameplay laufen lassen. Einmal von der ungepatchten Urversion:


    Und einmal die DX-Variante:


    Bis auf die im zweiten Video leichter bekleideten Heldinnen, gibt es einige identische Szenen in beiden Videos. Hier ist mir aufgefallen, dass das Lydie & Suelle der Trilogie schärfer aussieht, weniger Treppchenbildung hat und deutlich sauberer läuft. Es erreicht zwar nicht den Glanz der PS4 Pro-Version, kann nun aber gut mithalten.

  • Simon Münch

    Redakteur

    Kurze Frage, kann aber auch sein dass ich es überlesen habe: Erscheint hierfür eine Retail-Fassung mit allen drei Spielen drauf? :-)

    Meines Wissens ist so etwas nicht verfügbar und auch nicht geplant.