Ermittelt in spannenden Fällen in Nintendos eigenen Visual-Novel-Klassikern

Dies ist der Spieletest zu Famicom Detective Club: The Girl Who Stands Behind. Bis auf die Bildschirmfotos ist der Artikel mit dem Test zu Famicom Detective Club: The Missing Heir identisch. Den Spieletest zu The Missing Heir findet ihr hier.


Sowohl in meinem Bekanntenkreis als auch bei vielen Kollegen im ntower-Team ist das Interesse an Visual Novels nicht vorhanden. Zu sehr schreckt das Konzept, ein virtuelles Buch mit wenigen Interaktionsmöglichkeiten auf einer Konsole zu spielen, ab, wenn man gleichzeitig auch Spiele mit „interessantem“ Gameplay erleben könnte. Oft höre ich dann: Wenn Nintendo so etwas produzieren würde, dann probiere ich es bestimmt aus. Wohl wissend, dass Nintendo das Genre im Westen stiefmütterlich behandelt. Bis jetzt! Mit den beiden Famicom Detective Club-Spielen erhalten wir Remakes der Famicom-Klassiker, die es so auch erstmals nach Europa schaffen. Können sie einem Visual-Novel-Experten wie mich begeistern und sind sie die einsteigerfreundlichen Titel, auf die viele hoffen? Finden wir es heraus!


Diese Frau ist nicht nur Polizistin, sondern hat auch ein "schreckliches" Geheimnis, das euer Leben verändern wird.

© Nintendo / Mages.

Famicom Detective Club besteht aus zwei Spielen, die ihr in Europa nur zusammen erwerben könnt. Teil 1 ist The Missing Heir. Ihr schlüpft in die Rolle eines 17-jährigen Detektivs, den ihr selbst benennen könnt. Ihr erwacht unterhalb einer Klippe am Meer, habt eure Identität und den Grund, warum ihr hier seid, vergessen. Nach und nach findet ihr jedoch heraus, dass ihr im Auftrag ihres Butlers den Tod einer älteren Dame untersuchen sollt. Diese ist kurz nach ihrer Niederschrift des Testaments an einem Herzinfarkt gestorben - ein Zufall, an den nicht alle glauben wollen. Die Dame des Hauses war zudem Chefin eines großen Unternehmens, mit dem sie sich, vor allem in ihrer Heimatstadt, nicht gerade beliebt gemacht hat. Die Familie soll zudem verflucht sein und als dann ihr Geist in dem Dorf umher wandert, ist das Chaos perfekt.


Das zweite Spiel der Reihe heißt The Girl Who Stands Behind. Dabei handelt es sich um ein Prequel des ersten Teils. Ihr ermittelt als der gleiche Detektiv an einer Highschool, nachdem die strangulierte Leiche einer Schülerin an einen Fluss angespült wurde. Wie ihr schon bald herausfindet, hat sie sich mit dem Schulgerücht beschäftigt, dessen Name das Spiel trägt. Während ihrer Ermittlungen hat sich ihr Charakter jedoch verändert und sie wurde mehr und mehr zu dem gespenstischen Mädchen, das einige in der Vergangenheit gesehen haben wollen. Eure Aufgabe ist es also nicht nur, den Mord aufzuklären, sondern auch die Hintergründe des Gerüchts aufzudecken. Welche düsteren Geheimnisse birgt die Schule…?


Sprecht mit Personen, sucht Hinweise und löst die Fälle!


Wie bei Visual Novels üblich, besteht ein Großteil des Gameplay daraus, Texte zu lesen. Beide Famicom Detective Club-Spiele bieten dabei nur englische Bildschirmtexte und eine japanische Sprachausgabe. Ihr reist per Menü von Ort zu Ort, redet mit Leuten und erhaltet so Hinweise. Um ihnen mehr Informationen zu entlocken, könnt ihr ihnen auch Gegenstände zeigen. Sollten mehrere Personen vor Ort sein, könnt ihr die anderen Charaktere rufen, um mit ihnen Gespräche zu führen und zusätzlich könnt ihr die Gebiete, bei denen es sich um 2D-Bilder handelt, ebenfalls nach Hinweisen absuchen. Manchmal müsst ihr jedoch auch einfach in euch gehen. In The Missing Heir heißt diese Funktion „Remember“, in The Girl Who Stands Behind „Think“, doch vom eigentlichen Gameplay her sind beide identisch. Ist der Tag vorbei, kehrt ihr zur Detektei zurück und nutzt den Menüpunkt „Speculate“, um die Fakten Revue passieren zu lassen.


In den Famicom Detective Club-Spielen werden auch Nintendo-untypische Themen angesprochen. Hier unterhaltet ihr euch mit einer "Bar-Hostesse".

© Nintendo / Mages.

Im Laufe der Geschichte erhaltet ihr eine Vielzahl an Informationen. Diese werden in einem Notizbuch niedergeschrieben und können jederzeit eingesehen werden. In The Girl Who Stands Behind müsst ihr sehr selten in Gesprächen aus eben dieser Liste Namen auswählen, um in Gesprächen Fortschritte zu erzielen. In The Missing Heir ist das Ganze komplizierter. Dort müsst ihr vereinzelt die richtigen Wörter als Lösung eintragen, um weiterzukommen. Glücklicherweise könnt ihr den Gesprächsverlauf jederzeit rückwirkend anschauen, falls ihr versehentlich eine wichtige Stelle übersprungen habt. Gerade in Teil 2 von Famicom Detective Club habt ihr zudem die Chance, Entscheidungen zu treffen, welche die Story minimal beeinflussen. Mehrere Enden gibt es jedoch nicht.


Die Geschichten der Famicom Detective Club-Spiele sind für Nintendo-Verhältnisse zudem etwas expliziter. So besucht euer Charakter ein „Etablissement“ und auch das Thema Suizid wird angesprochen. Die Remakes selbst wurden von Mages. entwickelt, die man unter anderem auch von Steins;Gate her kennen könnte. Das dürfte wohl ein Zeichen dafür sein, dass Nintendo nicht vorhat, vollständig in den Visual-Novel-Markt einzusteigen. Besonders schade ist es, dass der dritte Teil der Reihe, der nur kurzfristig über den Satellaview-Service für das Super Famicom erhältlich war, kein Remake erhalten hat. Dieses Spiel ist somit auch weiterhin verloren.


In beiden Famicom Detective Club-Spielen ermittelt ihr in Mordfällen!


Waren die Titel zu Famicom-Zeiten revolutionär, fehlen im Vergleich zu heutigen Visual Novels diverse Quality-of-Life-Features. So müsst ihr wirklich alles manuell in den Menüs auswählen. Einmal entnehmt ihr einer Tasche Bücher und müsst jedes Mal einzeln auswählen, dass ihr eine Lektüre entnehmen wollt und dann in einem anderem Menüpunkt auswählen, dass ihr sie lesen wollt. Das macht das Spiel nicht schwieriger, aber unnötig träge, was auch für die Gespräche gilt. Euch wird nicht angezeigt, wann eine Frage komplett beantwortet wurde und so müsst ihr so oft eine Option auswählen, bis die Antwort wiederholt wird. Das kann unnötig lange dauern, wobei ich dafür jedoch einen Trick gefunden habe. In den Optionen könnt ihr auswählen, dass ihr Texte überspringen könnt, wenn ihr sie bereits gelesen habt. Aktiviert ihr die „Skip“-Funktion, beschleunigt sich das Gameplay, was zumindest für eine ungeduldige Person wie mich unerlässlich ist.


Abends lasst ihr in der Detektei eure Ermittlungsergebnisse Revue passieren. In The Girl Who Stands Behind unterstützt euch dabei euer Chef.

© Nintendo / Mages.

Beide Famicom Detective Club-Spiele nutzen animierte Charaktermodelle, die allesamt famos aussehen und den Geschichten ihren eigenen Charme verleihen. Kurioserweise sind die Animationen in The Missing Heir jedoch nicht so flüssig wie in The Girl Who Stands Behind. Beide Spiele nutzen die gleiche Engine, von daher verstehe ich nicht, wie es dort zu Unterschieden kommen kann. Ein begrüßenswertes Feature ist die Tatsache, dass ihr neben dem neu arrangierten Soundtrack auch die Original-Musik der Famicom-Titel auswählen könnt. Teil 2 hat seinerzeit sogar ein Remake für das Super Famicom erhalten, der ebenfalls vorhanden ist. Etwas, das mir besonders bitter aufstößt, ist die Tatsache, dass beide Titel über keine CG-Galerie verfügen. So könnt ihr euch die besonderen Bilder innerhalb der Geschichte nicht erneut anschauen, außer ihr startet das Spiel neu. Eine solche Option ist in den allermeisten Visual Novels heute ein Standard-Feature. Neben einer Autospeicher-Funktion, die sehr unregelmäßig euren Fortschritt sichert, habt ihr auch drei manuelle Spielstände, wohingegen es bei anderen Visual Novels oftmals zehn oder mehr sind.


Nun stellt sich die Frage: Sind die Famicom Detective Club-Spiele ein guter Einstieg in das Visual-Novel-Genre? Jein. Beide Storys haben mir gut gefallen und da sie eher kürzer sind, dürften viele sie auch durchspielen. Leider seid ihr in Europa gezwungen, beide Spiele gleichzeitig für 60 Euro zu erwerben. Zudem sind die Spiele auf Englisch, was viele Interessierte abschrecken dürfte. Ein Spiel mit ähnlichem Gameplay, das nur die Hälfte kostet, ist die Phoenix Wright: Ace Attorney Trilogy von Capcom. Auch hier ermittelt ihr, dieses Mal als Anwalt, in Mordfällen, sprecht mit ausdrucksstarken Charakteren, untersucht Tatorte und habt mit den Gerichtsprozessen sogar ein neues Gameplay-Element. Während das Spiel zwar keine Sprachausgabe bietet, habt ihr deutsche Bildschirmtexte. Sollte es euch nicht wichtig sein, das Nintendo-Logo im Spiel zu sehen, kann ich euch diesen Titel noch mehr empfehlen.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Niels Uphaus

Dass nach gut 30 Jahren die beiden Famicom Detective Club-Spiele auch im Westen erscheinen, hätte wohl kaum einer für möglich gehalten. Doch hier sind wir nun, mit Nintendos hauseigenen Visual Novels. Können sie auch heute noch überzeugen? Ohne Frage. Die Geschichten, gerade von The Girl Who Stands Behind sind spannend und auch das Gameplay ist zeitlos. Im Vergleich zu heutigen Visual Novels wirken die Titel jedoch etwas altbacken, Quality-of-Life-Features oder eine CG-Galerie fehlen. Besonders ärgerlich sind aber zwei Punkte. So könnt ihr die Spiele in Europa nur zusammen in einem Bundle erwerben und zudem haben die Spiele, was für Nintendo-Spiele untypisch ist, keine deutschen Bildschirmtexte. Solltet ihr des Englischen nicht mächtig sein, könnt ihr die Titel überspringen und dem Genre stattdessen mit der Phoenix Wright: Ace Attorney Trilogy eine Chance geben.
Mein persönliches Highlight: Der Artstyle beider Spiele gefällt mir sehr gut!

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 13

  • Ande

    Meister des Turms

    Ich mag Visual Novels eigentlich, aber hier ist mir Nintendo eindeutig zu faul geworden. Spiele wie Hotel Dusk/Last Window und Another Code wurden noch vollständig lokalisiert und bekamen auch eine Retail-Version, bei einem Vollpreis-Spiel erwarte ich das heutzutage einfach. Die Ace Attorney Trilogie bietet 3 vollständig lokalisierte Spiele und kostet gerade mal die Hälfte, wenn sich selbst Capcom bei einem Remaster mehr Mühe gibt, dann läuft etwas gewaltig falsch bei Nintendo. Sollte doch noch eine Retail-Version erscheinen oder sich Nintendo erbarmen und es mittels Update lokalisieren, wäre ich grundsätzlich interessiert, ansonsten kann ich mir das auch ganz kostenlos auf Youtube ankucken.

  • Loxagon

    Turmheld

    Wenns deutsche Texte hätte...


    Aber so: nö, nö, nö.

  • DLC-King

    Ich bin dem englischen mächtig aber es ist nunmal nicht meine Mutter Sprache auf deutsch wäre es dahin gehend viel angenehmer.


    Auf deutsch wäre es day 1 gewesen, so bleibt es ein kompletter Verzicht.


    Der erste first party komplett Verzicht seit ewigkeiten!

  • Snoooper

    Turmritter

    Interesse ist meinerseits durchaus vorhanden, aber ich bezahle keine 60 € für digitale Spiele. Scheinbar war zuerst auch eine Handelsversion in Planung. Manche Händler hatten diese bereits im im Dezember gelistet. Auf eine Lokalisierung hätte ich noch verzichtet, aber in dieser Form möchte ich die beiden Spiele sicherlich nicht haben.

  • Lynnie

    Turmritter

    Die englischen Texte stören mich null. Der Preis dann schon eher. Aber ich mag VNs und murder-case-stories, so i give it a try, i guess:kirby:

  • NoctisStrife

    Turmfürst

    Da hätte Nintendo ruhig mal mehr Mühe reinstecken können was die Lokalisierung angeht, aber die japanische Vertonung und die neuen Visuals find ich top. Persönlich stört mich es aber auch gar nicht, dass es keine deutschen Texte hat. Hatte noch nie Probleme Visual Novels in englisch zu lesen.


    @DLC-King Uff das ist ja hart. Schade, dass die schöne Nintendo-Sammlung deswegen darunter leiden muss.

  • iZen

    Turmheld

    Ande ich vermisse Another Code echt 😔

  • UnDnU

    Turmheld

    Engl. Sprache stört mich wenig, aber dadurch dass es keine Retail gibt, wird das erst mal nix mit dem Kauf, höchstens wenn es im eShop irgendwann mal im Sale sein sollte, sofern es mich dann überhaupt noch interessiert. Schade, wäre sonst ein Day-1-Kauf gewesen...

  • 16-Bit-Fan

    Gamer4Fun

    Ich will gar keine Deutschen Texte und bin sehr zufrieden damit das es nur englische Texte gibt und (zum glück) auch nur die Japanische Audio.

    Da ich so gut wie alle Ace Attorneys auch Digital besitze, habe ich kein Problem damit auch diese beiden Games nur Digital zu besitzen, zumal sie viel kleiner ausfallen als ich annahm.

    Geld ist mir bei meinem Hobby ziemlich egal. 2 Games für 60€ finde ich OK, ob jetzt Digital oder nicht macht für mich da keinen Unterschied.

    Für andere Games verlangen die ja auch nicht weniger nur weil sie Digital sind.

    ich leg am Freitag direkt los, muss mich bis zum 25 Mai ja noch irgendwie beschäftigen. Da kommt das wie gerufen.

  • Flokaaki | Atha

    Moderator

    Sehr schön. Da kann ich meine englischkenntnisse verbessern 😊 werd damit bald anfangen. Aber erstmal muss ich 428 Shibuya Scramble nachholen. Danke für den tollen Test

  • otakon

    Ssssssssswitch

    Die englische Sprache stört mich nicht aber der Preis ist mir für ne visual novel deutlich zu hoch...

  • playersdestiny

    DestinysPlayer

    Als Retail hätte ich mir den Preis für zwei Spiele gefallen lassen, aber als Download warte ich auf einen deutlichen Rabatt.

  • Bisasamlover

    Luxemburger Heiner

    Snoooper Deine Aussage unterschreib ich von vorne bis hinten.