Zurück in die nasskalte Hölle

Wer gute Horrorfilme mag, der wird insgeheim ganz froh sein, dass diese (hoffentlich) alle eher dem Fiktiven entspringen. Und doch gibt es auch in der echten Welt Orte, an denen der Mensch keinen Platz hat und wo alles fremd wirkt, so als wären wir in einer ganz anderen Welt. Neben tiefen, unterirdischen Höhlen zählt dazu zweifelsohne die Tiefsee, deren Bewohner einem gut und gerne einen Schauer über den Rücken jagen können – jeder der schon einmal die eine oder andere Dokumentation über diese menschenfeindliche Umgebung gesehen hat, wird dies sicher bestätigen können. Und genau in ein solches Szenario katapultieren uns die beiden Spiele Subnautica, dessen Test ihr hier nachlesen könnt, sowie dessen Nachfolger Subnautica: Below Zero. Damit wir uns in unseren Tests nicht überschneiden, wird sich hier überwiegend mit den Neuerungen von Below Zero sowie dessen Handlung beschäftigt, die eine deutlich prominentere Rolle einnimmt als noch im Ursprungsspiel. Ich empfehle daher all denjenigen, die sich über die grundlegenden Mechaniken von Subnautica informieren wollen, den Test von meinem geschätzten Kollegen Maik zu lesen.


In Below Zero verschlägt es uns in die kalten Regionen des Planeten.

© Unknown Worlds Entertainment

Im Gegensatz zu Subnautica, wo wir aufgrund eines Schiffsunglücks auf dem Planeten 4546B stranden, begibt sich Protagonistin Robin von Below Zero aus freien Stücken auf den von Ozeanen überzogenen Wasserplaneten. Wieso sie sich das antut? Weil sie auf den Spuren ihrer verstorbenen Schwester ist, deren plötzliches Ableben im Auftrag eines Konzerns nicht ganz so ins Bild passen möchte. In der Rolle von Robin gilt es also herauszufinden, auf was unsere Schwester gestoßen ist und ob es tatsächlich ein Meteroitenschauer war, der ihr das Leben gekostet hat. Doch dabei bleibt es natürlich nicht und so finden wir bereits kurze Zeit nach Beginn des Spiels ein altes Artefakt, dessen künstliche Intelligenz sich in unserem Kopf einnistet und fortan mit uns kommuniziert und auf den Namen AL-AN hört. Neben der Suche nach unserer Schwester sollen wir der KI nun auch noch helfen, einen eigenen Körper zu erhalten.


Im Vergleich zum Vorgänger, der eher nach der Maxime „Show, don’t tell“ lief, setzt Below Zero einen deutlich größeren Fokus auf eine stringente Handlung, die euch als Spieler bei der Hand nehmen soll. Das sorgt letztendlich dafür, dass ihr auch auf andere Menschen stoßt und ihr stets ein Ziel vor Augen habt – das ist besonders für all diejenigen deutlich motivierender, die mit den Survival-Elementen des Vorgängers nichts anfangen können. Die Handlung von Subnautica: Below Zero gewinnt im Großen und Ganzen keinen Preis für die originellste Handlung, viele der auftretenden Wendungen und Begegnungen mit anderen Charakteren sind recht vorhersehbar. Die wahren Höhepunkte des Spiels sind dabei die Gespräche zwischen Robin und AL-AN. Die KI meldet sich zwischenzeitlich immer wieder zu Wort, versucht mehr über die menschliche Spezies zu erfahren und gibt gleichzeitig mehr über seine eigene Art preis, die einst alle durch ein großes Netzwerk verbunden waren. Die daraus entstehenden Diskussionen erreichen zwischendrin einiges an Tiefe und nehmen mitunter philosophische Dimensionen an, was vor allem AL-AN Charakter verleihen, obwohl es nur eine KI ist. Selbiges gilt leider nicht so recht für Robin, deren hauptsächliches Merkmal ist, dass sie stets schnippisch und altklug reagiert. Ich tat mich schwer damit, mich mit ihr zu identifizieren und selbst die Suche nach ihrer Schwester wirkte stets nur wie ein fadenscheiniger Vorwand, um auf dem nassen Planeten unterwegs zu sein. Fernab der Dialoge findet ihr immer wieder PDAs, die interessante Zusatzinformationen zur Welt enthalten und von denen ihr euch auch einige vorlesen lassen könnt. Das ist auch bitter nötig bei der ziemlich kleinen Schrift.


Euch verschlägt es zu Beginn recht schnell in die Ruinen einer alten Zivilisation

© Unknown Worlds Entertainment

Streng genommen ist die Handlung letztendlich auch nur das: Eine Motivationsstütze, damit ihr im Laufe des Spiels Ressourcen sammelt, eure eigene Unterwasserbasis ausbaut, neue Ausrüstung herstellt und so Stück für Stück in die tieferen Bereiche des Ozeans vordringen könnt und dabei natürlich nicht verhungert oder verdurstet. Denn auch wenn Below Zero deutlich story-orientierter ist, ändert das nichts am eigentlichen Spielprinzip von Subnautica. Denn an der Tatsache, dass ihr zu Beginn recht ahnungs- und hilflos dasteht und euch viele der Spielmechaniken selbst erarbeiten müsst, ändert auch die Hintergrundgeschichte wenig. Letztendlich müsst ihr auf dem Planeten nämlich nach und nach verschiedene Hotspots abgrasen, die ihr ohne eine verbesserte Ausrüstung früher oder später gar nicht erst erreichen könnt. Das sorgte zumindest bei mir für ein bisschen mehr Motivation, mich mit den vielen Spielmechaniken auseinanderzusetzen und mich durch den zähen Spielstart zu kämpfen. Denn wie schon Subnautica entwickelt Below Zero eine angenehme Routine, die mich stets antreibt nach neuen Blaupausen zu suchen, meine Basis zu erweitern und in immer neue Gefilde vorzudringen.


Subnautica: Below Zero spielt, der Name lässt es schon erahnen, in den eher kälteren Gebieten von Planet 4546B, was ein paar neue Spielmechaniken mit sich bringt. So müsst ihr vor allem oberhalb der Wasseroberfläche ein genaues Auge auf eure Körpertemperatur haben. Denn während ihr im Wasser nur selten erfrieren könnt, macht euch das feindliche Klima zu Lande deutlich mehr zu erschaffen und wer sich nicht entsprechend ausrüstet oder schnell Schutz an warmen Orten sucht, der droht jämmerlich zu erfrieren. Dazu kommt das neue dynamische Wettersystem, das nun auch mit Stürmen, Gewitterfronten oder Hagel daherkommen kann, um euch das Leben noch etwas schwerer zu gestalten. Da ihr im Verlauf der Handlung auch immer wieder oberhalb des Ozeans unterwegs sein werdet, kommt dem Wetter eine recht prominente Rolle zu. Zudem bietet euch der Nachfolger durch seinen Szenenwechsel diverse neue Biome, die es zu erforschen und erkunden gilt sowie neue Meeresbewohner, die euch mal mehr, mal weniger freundlich gesinnt sind. Abschließend gibt es dann noch die obligatorischen neu herstellbaren Gegenstände und Fahrzeuge, die das bisherige Repertoire erweitern. Zudem ist es nun auch möglich, deutlich größere Basen zu errichten, sodass ihr euch nicht über Platzmangel beschweren müsst.


Während der Vorgänger gerade auf der Nintendo Switch mit einigen Bugs zu kämpfen hat, kommt Subnautica: Below Zero deutlich runder daher. Mir sind während meiner Testpartie keine schwerwiegenden Bugs aufgefallen, die das Vorankommen im Spiel erschwert haben. Trotz allem ist die Portierung auf die Nintendo Switch nur mäßig gelungen. Denn auch wenn Grafik nicht alles ist, hat Below Zero doch ziemlich an der abgespeckten Grafik zu knabbern. Das beginnt mit der eingeschränkten Weitsicht und endet mit der Tatsache, dass die deutlich schwächeren Texturen dem Spiel einiges an Atmosphäre kosten und auch dafür sorgen, dass einzelne Ressourcen sich kaum von ihrer Umgebung abheben. Zum Glück gibt es dafür eine aktivierbare Option, die interaktive Objekte farblich hervorhebt. Während ich auf dem PC stets ein Gefühl von Unbehagen verspürte, je weiter ich in die Tiefe abtauchte, blieb dieses Gefühl bei diesem Port eher aus. Trotz allem hat Subnautica: Below Zero auch auf der Nintendo Switch immer wieder Momente, in denen es wunderschön aussieht – diese sind aber leider eher die Ausnahme als die Regel. Wer im Handheld-Modus spielt, wird zudem das Problem haben, dass die Schrift mitunter sehr klein ausfällt und sehr schwer zu lesen ist. Das hat gerade beim Mineralien-Scanner dazu geführt, dass ich kaum etwas auf dem Schirm des Scanners erkennen konnte und das Einstellen des Gerätes zu Rätselraten verkommen ist. Die Steuerung per Controller fällt etwas hakelig aus und immer dann, wenn es schnell gehen soll (zum Beispiel wenn man einen Fisch fangen möchte), empfand ich sie als eher mühselig und sperrig.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Florian McHugh

Eins vorab: Wenn ihr mit Survival-Titeln, in denen ihr anfangs ziemlich auf euch alleingestellt seid und viel Zeit mit Erkundung und Crafting verbringen müsst, nichts anfangen könnt, dann ist Subnautica: Below Zero definitiv nicht euer Spiel. Denn auch wenn der Nachfolger von Subnautica deutlich mehr Wert auf eine konkrete Handlung legt und mit vertonten Dialogen daherkommt, ist das Spiel im Herzen eben immer noch ein Survival-Titel. Wer sich in die ganzen Mechaniken eingearbeitet und den etwas rauen Spielstart erst einmal überstanden hat, der wird mit einem ziemlich motivierenden Gameplay-Loop belohnt, der euch Stück für Stück in der teils vorhersehbaren Handlung voranbringt. Below Zero erweitert die ursprüngliche Spielerfahrung des Vorgängers um ein neues, dynamisches Wettersystem, bietet euch völlig unterschiedliche Biome mitsamt neuen Kreaturen sowie diverse neu herstellbare Gegenstände, Fahrzeuge und mehr. Aus technischer Sicht ist die Portierung eher mäßig gelungen, denn sowohl die eher träge Steuerung als auch die ziemlich abgespeckte Grafik rauben dem Spiel einiges an Geschwindigkeit und Atmosphäre. Nichtsdestotrotz werden alle Survival-Fans ihren Spaß mit diesem Spiel haben.
Mein persönliches Highlight: Die Gespräche zwischen Robin und AL-AN

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 5

  • N-Switcher

    Turmbaron

    wuste schon warum ich die Vorbestellung stornierte. Werde wohl auf steam zuschlagen. Da hab ich subnautica schon und gucke mir below zero noch an.


    Der Switch-Zauber wirkt nichtmehr. Snowrunner kommt auch am 18.5 auf steam. Auch hier werde ich vielleicht auf steam kaufen, wobei mudrunner ganz ok war auf switch.


    Die switch hätte letztes jahr ihr pro modell bekommen müssen. Selbst wenn es dies jahr Weihnachten noch passieren würde müsste Nintendo mich schon überzeugen zurück zur switch zukommen. Und auch dann wird immer ab dem punkt das große Damoklesschwert über der switch schweben ob die pro Version nicht auch schon wieder nach 2 jahren völlig überholt ist.

  • Lando

    Calrissian

    Verstehe ich. Deswegen nutze ich die Switch ausschließlich für exklusive Titel, die mich interessieren. Für Subnautica und andere Multiplatform-Games ist (noch) die PS4 Pro zuständig, bis mir die 5 ins Haus kommt, wenn sich diese Knappheit irgendwann gebessert haben soll. Bin mit der Kombination aus Sony und Nintendo allerdings auch zufrieden. (:

  • chibbigoku

    Turmritter

    Die Switch ( nach kurzem ps4 Flirt für 2 Wochen) seit dem Release Jahr die einzige Konsole die ich besitze und schätze.


    Trotzdem nicht mein Spiel 🌝

  • DerFabian

    Gaming since 1992

    Hm. Wollte mir eigentlich die Retail-Versionen kaufen, werde wohl aber aktuell darauf verzichten und ggf digital im Angebot kaufen. Schade, dass immer wieder technisch unzulängliche Spiele auf Modulen landen und man in zehn Jahren ggf ohne Patches auskommen muss.

  • rongar

    Turmfürst

    Frage: Kann man sich bei Subnautica Teil 1 die Koordinaten der eigenen Position irgendwo anzeigen lassen?