Hack-&-Slay-Abenteuer in komprimierter Form

Seit ich damals Diablo 2 auf einer LAN-Party gespielt habe, bin ich dem Hack-&-Slay-Genre verfallen. Grund genug für mich mit Aluna: Sentinel of the Shards ein neues Abenteuer zu starten. Das Spiel verspricht eine unterhaltsame Geschichte, welche an die Mythologie Lateinamerikas angelehnt ist und kombiniert diese mit actionreichen Kämpfen. Was der Titel für den schmalen Geldbeutel dabei alles zu bieten hat und an welchen Stellen dann doch weniger mehr gewesen wäre, kläre ich in den nachfolgenden Zeilen.


Die Zwischensequenzen sind die größte Stärke des Spiels.

© Digiart Interactive

Im Abenteuer übernehmt ihr die Rolle von Aluna. Diese mächtige Kämpferin ist die Tochter von Pachamama, welche als Göttin der Erde gilt. Von dieser beschützt erhielt sie einst eine geheimnisvolle Scherbe, welcher Aluna ihre Kräfte verdankt. Als eines Tages diese Scherbe von einem Affen gestohlen wird und Aluna sich diesem im Kampf stellen muss, beginnt die Geschichte von Aluna: Sentinel of the Shards. Wie sich im Laufe der Erzählungen nämlich herausstellt, gibt es auf dem gesamten Kontinent weitere Scherben zu finden, welche sich Nagaric, das manifestierte Böse, zu Eigen machen möchte und natürlich liegt es an uns, dies zu verhindern.


Das Grundkonzept Gut gegen Böse funktioniert dabei insgesamt sehr gut. Die Mythologie Lateinamerikas wird wunderbar eingefangen und gerade in den Comicsequenzen ist diese sehr unterhaltsam. Zudem trefft ihr aber auch unterschiedliche Charaktere wie Kaufmänner, Dorfbewohner und Häuptlinge, welche euch durch ihre Erzählungen, Tipps und Hinweise weiter durch die Geschichte führen. Manch einer begleitet euch sogar zwischenzeitig oder unterstützt euch im Kampf, was das Abenteuer noch unterhaltsamer macht. An einigen Stellen könnt ihr euch sogar über eine englische Sprachausgabe freuen, wobei diese leider nicht so überzeugend ist, wie die einzelnen Zwischensequenzen.


Auf ihrem Weg durch die Gebiete des Kontinents, welche Klassiker wie Wälder, Höhlen und Tempel abdecken, müsst ihr euch mit Aluna unzähligen Feinden stellen. Diese reichen von tierischen Gegnern über Skelettkrieger bis hin zu besessenen Eingeborenen und alle wollen euch logischerweise am Weiterkommen hindern. Als toughe Kriegerin gebt ihr euch diesen natürlich nicht kampflos hin, sondern begegnet ihnen mit Fackeln, Bögen, Wurfäxten oder sogar Gewehren. Für euren Schutz stehen euch außerdem klassische Ausrüstungen wie Panzerungen, Armbänder und Schilde zur Verfügung und zur Heilung dienen euch Heiltränke, welche sich automatisch regenerieren. Die Gesamtheit aller sammelbaren Gegenstände ist dabei wirklich beachtlich und braucht sich vor anderen Titeln des Genres nicht zu verstecken.


Trotz ihrer Stärke ist Aluna in den Kämpfen häufig unterlegen

© Digiart Interactive

Wer bereits jetzt denkt, dass das alles ja nichts Neues ist, den muss ich auch beim Fähigkeitenbaum enttäuschen. Die durch die Kämpfe gesammelten Erfahrungspunkte könnt ihr nach jedem Levelaufstieg in eure Talente investieren, um euer Repertoire zu erweitern. So dürft ihr bei ausreichenden Skill-Punkten eure Energie ausbauen, die Chance auf kritischen Schaden erhöhen oder durch die Gegnermassen wirbeln. Toll ist, dass die Punkte jederzeit problemlos zurückgesetzt werden können, falls ihr euch doch einmal für die falsche Vorgehensweise entschieden habt. Insgesamt ist der Fähigkeitenbaum nämlich in die Kategorien Nahkampf, Fernkampf und Magie unterteilt, sodass es bei einer wechselnden Spielweise durchaus Sinn macht, Punkte neu zu verteilen. Durch diese drei Stränge des Baums werden auch die typischen Klassen des Genres ersetzt, was zu verschmerzen ist.


Eines der größten Probleme von Aluna: Sentinel of the Shards ist leider das Balancing. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad waren die ersten Minuten sehr einfach, jedoch wurde es nach der Tutorial-Phase teils dermaßen schwierig, dass ich auf die leichtere Variante wechselte. Versteht mich nicht falsch: Ich liebe Herausforderungen, jedoch waren nicht nur die Gegner teils übermächtig, sondern tauchten diese auch in einer so großen Zahl auf, dass ich chancenlos war. Dies betrifft vor allem den Nahkampf, da ihr währenddessen sowohl per Nah- als auch per Fernangriff Schaden einstecken müsst. Diesen mit Heilungen zu kompensieren funktioniert leider nur bedingt. Daher setzte ich selbst sehr schnell rein auf den Fernkampf, weil dadurch die Option der Flucht besser möglich war.


Dieses Balancing-Problem zieht sich dann auch durch das gesamte Spiel. Immer wieder kommt das Gefühl auf, dass haufenweise Gegner platziert wurden, um durch die Kämpfe die Spielzeit des Abenteuers zu strecken. Ärgerlich ist dies vor allem deshalb, da eine Stärke des Spiels, nämlich die schönen Umgebungen, gar nicht mehr erkundet werden. Die gesamte Minimap strotzt nur so vor roten Punkten, die viele weitere Gegner darstellen. Damit nicht genug sorgen diese vielen Gegner dann auch noch für deutlich spürbare Probleme in der Performance. Das Spiel wird langsamer und die Angriffe von Aluna werden unpräziser, was den Frust noch weiter steigert. Erschwerend kommt dann leider auch noch hinzu, dass Kämpfer, die euch an einigen Stellen begleiten und unterstützen sollen, einfrieren und nichts zum Kampf beitragen können. Der ohnehin bereits knackige Schwierigkeitsgrad wird dann ad absurdum geführt.


Gutes Konzept trifft problematische Umsetzung


Eine Möglichkeit, diesen Problemen zumindest teilweise zu begegnen, wäre ein Mehrspieler-Modus gewesen, welcher jedoch fehlt. Größen wie Diablo III oder Darksiders Genesis zeigen, wie gut die Mehrspieler-Option zum Hack-&-Slay-Genre passt. Dadurch werden auch knackigere Passagen spaßiger, da es zusammen eben mehr Spaß macht, in den Kampf zu ziehen. Da im Spiel ohnehin immer wieder weitere Charaktere eingeführt werden, welche euch zumindest teilweise unterstützen, wäre die Umsetzung einer solchen Option gar nicht so abwegig. Zudem würde es den Wiederspielwert deutlich steigern. Solo sieht man das Ende je nach Spielweise etwa nach fünf bis zehn Stunden, je nachdem, wie sehr ihr dem Drang nach Erkundung standhaltet oder eben nicht. Mir persönlich hat der eine Durchgang jedoch gereicht.


Zuletzt sei noch zu erwähnen, dass Aluna: Sentinels of the Shards fast 7,5 GB an Speicher benötigt. Auch diese immense Zahl zeigt nochmals, dass technisch nicht an allen Stellen sauber gearbeitet wurde, da der Titel somit beispielsweise mehr Speicher benötigt, als ein Super Mario Odyssey. Bleibt zu hoffen, dass zukünftig weiter an den Scherben geschliffen wird, damit sie irgendwann glänzen. Das Potenzial hierzu hat das Spiel nämlich.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Maik Styppa-Braun

Enttäuscht muss ich leider auf meine Testphase von Aluna: Sentinel of the Shards zurückblicken. Die ersten Bilder und Videos zeigten zwar bereits, dass es sich hierbei nicht um einen pompösen Vollpreistitel handelt, jedoch sorgten die Geschichte, das Genre und die Mythologie Lateinamerikas für mein großes Interesse am Spiel. Das Grundkonzept des Titels stimmt also. Wären der nervige Schwierigkeitsgrad und die großen technischen Probleme nicht gewesen, hätte ich jedoch deutlich mehr Spaß beim Spielen gehabt. So ignorierte ich leider viele Schatzkisten oder Gegnerhordern komplett und nahm lieber die Beine in die Hand, um das Ende schnellstmöglich zu sehen. Sofern zukünftig an den Problemen mittels Patch noch weiter gefeilt und vielleicht sogar eine Mehrspieler-Option hinzugefügt wird, wage ich vielleicht erneut einen Blick.
Mein persönliches Highlight: Die stimmige Geschichte mit gut integrierter Mythologie Lateinamerikas.

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 5

  • Lando

    Calrissian

    Ich will eine Switch Pro. :(

  • Maik Styppa-Braun

    Redakteur

    LandoDie Switch ist aber nicht das Problem, sondern die technischen Feinheiten beim Spiel selbst. Dies zeigt der enorm hohe Speicherbedarf ja schon :(

  • Goedu

    Turmknappe

    Das Inka Setting gefällt mir wirklich gut und ich habe mir das Spiel direkt beim Release gekauft. Nun, die Umgebungsgrafik sieht nicht übel aus, allerdings darf man auf der Switch keine Wunder erwarten. Das Gameplay spricht mich grundsätzlich an und ich habe mich wirklich auf Aluna gefreut. Was mich aber massiv nervt ist, dass ich meinen Speicherstand bei einer Spielzeit von 1 Stunde 46 Minuten (Level 5 - Mountains - Journey to the Northern Pass) nicht mehr laden kann und die Switch mit der Fehlermeldung „Die Software wurde beendet, da ein Fehler aufgetreten ist“ abstürzt. Ich warte sehnsüchtig auf ein Update, welches solche Anfängerfehler rasch behebt, dann gibt es von mir 3 bis 4 Punkte mehr. :thumbdown: In diesem Zustand ist das Spiel nicht zu gebrauchen.

  • Maik Styppa-Braun

    Redakteur

    Goedudas ist ja wirklich bitter und ein solcher Fehler ist in meinem Test nicht aufgetreten. Hast du mal versucht, die Software neu zu installieren (ohne die Speicherdaten zu löschen)?

  • Goedu

    Turmknappe

    Jep, alles versucht, auch den Cache der Switch zurück gesetzt und selbstverständlich ist die Firmware auf aktuellem Stand. Ausserdem habe ich das Spiel von der SD-Karte in den Systemspeicher verschoben.