Spaßige Schlammschlacht mit Optikdefizit

Seit wenigen Tagen dürft ihr euch auch auf der Nintendo Switch in SnowRunner mit schwerer Karosserie durch unwegsames Gelände kämpfen. Die Offroad-Simulation ist der direkte Nachfolger zu MudRunner und erstmals im April des letzten Jahres für PC, Xbox One und PlayStation 4 erschienen. Dabei fuhr es vonseiten der Presse und der Spielergemeinschaft überdurchschnittliche Bewertungen. Ob es Saber Interactive gelungen ist, den Spaß vollständig auf Nintendos Hybridkonsole zu übertragen, wollen wir euch nun verraten.


Abenteuerliche Fahrt mit dem Sattelzug


Wie schon im Vorgänger steht in SnowRunner weniger eine allumfassende Handlung als das elementare Spielprinzip im Fokus. Mit kraftvollen Vehikeln gilt es, die offene Spielwelt zu erkunden, darin verteilte Aufgaben zu absolvieren und somit im Rang aufzusteigen und Geld zu verdienen, um damit den eigenen Fuhrpark schrittweise zu erweitern. Für Spaß sorgen hierbei die größtenteils naturbelassenen Regionen, deren Infrastruktur maximal pragmatisch ausfällt. Eine einfache Lieferfahrt wird somit schnell zum spannenden Offroad-Erlebnis und will daher mit sehr viel Fingerspitzengefühl sowie passender Ausrüstung angegangen werden.


Die sogenannten Scouts, zu denen euer Anfangswagen zählt, eignen sich hervorragend für die Erkundung der Spielwelt.

© Saber Interactive / astragon Entertainment

Zu Beginn entführt euch das Spiel mit einem einfachen Pickup Truck in die Vereinigten Staaten von Amerika, genauer gesagt nach Michigan. Dort lernt ihr mithilfe einzelner Tutorial-Einblendungen die grundlegende Steuerung und einige verfügbare Optionen kennen. Die gelben Textboxen werden im späteren Spielverlauf immer wieder mal auftauchen, um euch die Bedienung neuer Gerätschaften zu erklären. Da die Nintendo Switch über keine analogen Eingabemethoden verfügt, gestaltet sich der dosierte Gebrauch des Gaspedals etwas schwieriger als auf anderen Plattformen. Habt ihr euch erst einmal an die Trägheit eurer Vehikel gewöhnt und sind die anfänglich kompliziert erscheinenden Tastenkombinationen ins Muskelgedächtnis übergegangen, steht dem Spaß nichts mehr im Weg.


Früh erfahrt ihr, dass sich euer Startfahrzeug nur bedingt für euer Tagewerk eignet und somit sitzt ihr auch schon wenig später in eurem ersten Lastkraftwagen. Eure erste Aufgabe besteht darin, eine Brücke zu reparieren, um weitere Teile der Karte für euch zugänglich zu machen. Solche Missionen gehören zu eurem Alltag. Überall will etwas aus dem Weg geräumt oder aufgebaut werden. Dafür werden Ressourcen benötigt, die ihr liefern müsst. Doch SnowRunner wäre nicht annähernd so erfolgreich, wenn es nicht noch mehr bieten würde. So müsst ihr verloren gegangene Fracht wiederbeschaffen, steckengebliebene Anhänger und Fahrzeuge aus ihrer prekären Lage befreien oder besonders schwer zu erreichende Regionen aufsuchen. Nebenbei erkundet ihr die Karte, schaltet neue Upgrades für eure Gefährte frei oder findet gar verlassene Vehikel, die ihr sogleich bergen und anschließend nutzen könnt.


Mit Anhängern könnt ihr zusätzliche Fracht transportieren, allerdings erhöhen sie das Zuggewicht dramatisch.

© Saber Interactive / astragon Entertainment

SnowRunner spielt sich ganz nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel. Die Fahrt durch das unbeugsame Gelände stellt das zentrale Spielelement dar und glänzt mit seiner Authentizität. Ihr werdet den rauen Begebenheiten der Spielwelt überlassen und das ist gut so. Der Titel zwingt euch vorausschauend zu denken und eure nächsten Schritte zu planen. Habt ihr es mit Ach und Krach geschafft, ein im Sumpf steckendes Auto zu erreichen, solltet ihr es euch vielleicht zweimal überlegen, ob ihr das tonnenschwere Fahrzeug mit eurer Winde aus dem Schlamm ziehen möchtet und somit vielleicht riskiert, euch selbst darin festzufahren. Sollte das dennoch passieren, könnt ihr euer Vehikel zwar problemlos bergen lassen, der Fortschritt bleibt jedoch aus.


Die Bergung verfrachtet euch in die Werkstatt. Dort könnt ihr euren Fuhrpark mit allerlei Kram ausstatten oder gar neue Fahrzeuge erwerben. Hierbei wird unterschieden, ob die Erweiterungen praktischer oder optischer Natur sind. Bei Ersteren handelt es sich um Verbesserungen wie den essenziellen Allradantrieb oder den passenden Satz Reifen. Unter Letztere fallen diverse Stoßstangentypen, Auspuffrohre, Wackelköpfe für den Innenraum oder freche Aufkleber, welche die Motorhaube eures Trucks zieren.


Auch solltet ihr stets einen Blick auf den Verschleiß eurer Teile sowie auf die Tankfüllung eures Lastwagens behalten. Derartig viel Kraft kostet schließlich Sprit und diesen gibt es nur bei den rar gesäten Tankstellen und in eurer Werkstatt, von der es eine pro Karte gibt. Manche Vehikel erlauben es euch, Tankkanister mitzuführen, um unterwegs den Füllstand aufzustocken, insofern ihr das entsprechende Upgrade bereits freigeschaltet und mit Geld erworben habt. Selbiges gilt für die Abnutzung einzelner Komponenten eures Fahrzeugs. Diese könnt ihr jederzeit einsehen und deren Zustand auch per mitgeführtem Werkzeugkasten, der ebenfalls erst freigespielt und erstanden werden möchte, wiederherstellen. Steht euch bei einer Panne keine der eben erwähnten Optionen zur Verfügung, hilft nur die Bergung – also wieder ab in die Werkstatt.


Durch einen integrierten Lastenkran bringt euer Truck zwar mehr auf die Waage, jedoch könnt ihr damit in der Spielwelt verstreutes Gut bergen.

© Saber Interactive / astragon Entertainment

Das geht allerdings auch nur, wenn ihr eingangs den normalen Schwierigkeitsgrad ausgewählt habt. Solltet ihr zuvor keines der bisherigen Spiele gezockt haben, sei euch dieser empfohlen, denn der sogenannte Hard Mode führt schneller zum Bankrott als euer Motor in tiefen Gewässern absäuft. Dort zahlt ihr nicht nur für jede einzelne Bergung, sondern auch für jede einzelne Reparatur und Tankfüllung. Zudem erhaltet ihr weniger Geld für gebrauchte Fahrzeuge und die Frachtbeladung ist auch nicht umsonst, wenn ihr diese nicht per Frachtkran selbst aufladen wollt. Hier hat jeder Fehler eine Konsequenz und somit eignet sich der zusätzliche Modus hauptsächlich für Kenner der Serie und diejenigen, die auf der Suche nach einer richtigen Herausforderung sind.


Das Hauptspiel bietet euch drei Regionen – die beiden US-Bundesstaaten Michigan und Alaska sowie die russische Förderation – mit jeweils vier Karten zum Erkunden. Allein in der ersten Karte Black könnt ihr euch einige Stunden aufhalten. Weitere Teile der Region schaltet ihr frei, indem ihr das Verbindungsstück der einzelnen Karten, beispielsweise einen Tunnel, ausfindig macht. Der Wechsel erfolgt dann innerhalb einer etwa zwanzigsekündigen Ladezeit, die euch mit allerlei Informationen rund um das Truckersein in der Realität und dessen Geschichte versorgt. Euren prozentualen Fortschritt in den einzelnen Gebieten könnt ihr jederzeit durch das Antippen der unteren Richtungstaste des Steuerkreuzes einsehen. Auch könnt ihr durch Knopfdruck eine Kartenübersicht aufrufen. Dort könnt ihr etwas umständlich Missionen auswählen und verfolgen. Darüber hinaus lassen sich durch mehrere eigens gesetzte Wegpunkte individuelle Routen abstecken. Ein Feature, was künftig auch in anderen Open-World-Spielen öfter Platz finden sollte.


Spritschluckenden Ungetüme wie dieses lassen euch der unbeugsamen russischen Natur spielend trotzen. Ihr solltet jedoch schmale Wege meiden.

© Saber Interactive / astragon Entertainment

Die einzelnen Gebiete sowie deren untergeordneten Karten bieten allerlei Schauwerte und Abwechslung. Insgesamt kann das Design der Spielwelten überzeugen. Die Natur wirkt organisch und glaubhaft, ebenso die kleinen Örtchen, die ihr gelegentlich durchfahrt. Dort gleicht kein Haus dem anderen und somit bleibt eine solche Siedlung stets etwas Besonderes. Allerdings fehlt es der Spielwelt an Leben. Außer euch befährt niemand sonst die Straßen und auch Tiere gibt es keine, wo doch die durchaus hübsch dargestellte Natur prädestiniert dafür wäre. Zudem hätte man den gelegentlichen Wildwechsel sowie Gegenverkehr super als zusätzliche Herausforderung integrieren können. Naja, vielleicht im nächsten Spiel.


Was allerdings wirklich grandios umgesetzt wurde, ist das möglichst korrekte physikalische Verhalten von unbeständigem Untergrund. Wenn sich eure Reifen in tiefen, feuchten Schlamm oder Schnee graben, mag das spielerisch vielleicht alles andere als schön sein, für die Augen ist es jedoch ein wahrer Genuss, ebenso wie das Schlagen der Wellen, wenn euer Vehikel durchs Wasser braust. Hier können sich noch einige andere Spiele etwas von abschauen.


Um der Leblosigkeit der Spielwelt etwas vorzubeugen kann SnowRunner von euch alleine oder eben auch mit bis zu drei weiteren Mitspielern online sowie im lokalen Modus der Nintendo Switch zusammen gespielt werden, wobei der erspielte Fortschritt nur für den Host der Partie gilt. Alle anderen müssen sich mit Erfahrungspunkten und Geld zufrieden geben.


Schattenseiten der Portierung


Leider müssen Nutzer von Nintendos aktuellem Zugpferd im Konsolenbereich mit ein paar wenigen technischen Makeln vorliebnehmen. Hinsichtlich der Bildrate läuft das Spiel zumeist flüssig mit dreißig Bildern pro Sekunde, selten kommt es zu kleineren Einbrüchen, die aber das Spielgeschehen nicht allzu negativ beeinflussen. Dafür sind die Pop-ins in manchen Regionen wirklich ärgerlich. Gerade im großflächig bewachsenen Michigan fällt dies unschön auf. Klar, auch auf der Xbox One wächst gelegentlich mal ein Grasbüschel unweit des Sichtradius, auf Nintendos Hybridkonsole rollt sich allerdings der Vegetationsteppich gefühlte zwanzig Meter vor euch aus. Eine Verringerung der Pflanzendichte, zumal Grasbüschel und Büsche sowieso keine tragende Rolle spielen, hätte dem vielleicht etwas entgegenwirken können. Auch müsst ihr euch mit einer etwas unschärferen Präsentation zufrieden geben.


Der Soundtrack ist durchweg gelungen. Die einzelnen Regionen kommen mit jeweils eigenen Musikstücken für unterschiedliche Tageszeiten daher und selbst darin herrscht noch einmal Variation. Es wird also niemals langweilig auf den Ohren, besonders da die Klangkulisse sowieso von den heulenden Motorgeräuschen dominiert wird. Als Laie im Gebiet der Automobiltechnik würde ich deren Qualität als durchwachsen bezeichnen. Manchmal dröhnt es angemessen laut aus der Haube, in anderen Fällen mag das Geräusch irgendwie nicht zum Fahrzeug passen. Außerdem fiel auf, dass zwar das Verringern der Drehzahl beim Schalten im Sound berücksichtigt worden ist, jedoch scheinen die Fahrzeuge auf gerader Strecke unendlich viele Gänge zu besitzen, so oft wie das akustische Phänomen auftritt.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Felix Kraus

Trotz meiner mangelnden Kenntnisse in der Automobiltechnik konnte SnowRunner seinen Spaß entfalten. Zwar erinnert es mich mitunter an das stupide pausenlose Springen in The Elder Scrolls V: Skyrim, um Gebirgsketten zu überqueren, das belohnende Gefühl nach einer erfolgreich absolvierten Fahrt macht jedoch den gelegentlich auftretenden Stumpfsinn mehr als wieder wett. Besonders bei der Darstellung des unbeständigen Terrains lässt die Offroad-Simulation ihre Muskeln spielen. Und obwohl die Welten insgesamt aufgrund des mangelnden Lebens etwas statisch wirken, macht die dargestellte Natur eine gute Figur, wenn man mal von den technischen Makeln der Portierung absieht. Das Spiel bietet jede Menge Inhalt, womit ihr unzählige Stunden eurer Freizeit füllen könnt. Der Umfang lässt sich dank üppiger DLC mit neuen Fahrzeugen und Karten sogar noch ausweiten.
Mein persönliches Highlight: Das Verhalten des unbeständigen Terrains sowie das Abstecken individueller Routen auf der Übersichtskarte als interaktives Feature.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 3

  • Tabby

    Turmbaron

    Scheint ja nach den beiden Subnautica's ein weiterer überraschend gut gelungener Port zu sein.

  • Tomek2000

    Meister des Turms

    Die Wertung geht voll in Ordnung und ich finde das das Spiel nach einem großen Spaß aussieht …

  • N-Switcher

    Turmbaron

    mir kommt die matsch-physik ziemlich aufgesetzt vor, bei mudrunner war das irgendwie glaubwürdiger. Ich fahre oft statt durch matsch auf den Straßen über die Wiese, aber trotz Grünnabe versinkt man trotzdem total...da fehlt nur noch das der Asphalt auch noch zu matsch wird...


    Ich habs auf steam geholt. Mir gefällt auch diesmal nicht das es keine manuelle Gangschaltung gibt. Oft kommt man im matsch nur mit vollgas durch trotz niedrigen gang. Mudrunner konnte man im 1. Gang richtig Sprit sparen. In snowrunner wirkt das alles künstlich übertrieben. Gerade mit den Wiesen wie ich finde.