Ein feuchter Traum für Larry-Fans?

Was haben Barney Stinson aus How I Met Your Mother und Larry Laffer gemeinsam? Eine ganze Menge! Beide sind Frauenhelden, beide sind fanatische Anzugträger und beide haben in der deutschen Synchronisation dieselbe Stimme, nämlich die von Philipp Moog. Nach „Wet Dreams Don’t Dry“ leiht dieser einmal mehr in „Wet Dreams Dry Twice“ unserem Lieblingsschwerenöter die Stimme. Doch brauchen wir wirklich ein weiteres Point-and-Click-Adventure mit Larry Laffer? Und wie gut lässt sich das Ganze auf der Nintendo Switch spielen? Finden wir es heraus!


Ein Großteil des Spiels findet in und um ein Hotel statt.

© Assemble Entertainment GmbH

Der neueste Teil von Leisure Suit Larry knüpft direkt an die Geschehnisse von „Wet Dreams Don’t Dry“ an. Larry hat die Liebe seines Lebens in Faith gefunden, doch leider starb diese in einer von ihm ausgelösten Explosion. Nun sitzt er in Cancúm und soll die Frau des Bürgermeisters heiraten. Gerade als er sich mit seinem Schicksal abfinden wollte, findet er heraus, dass Faith noch am Leben ist. Er muss Cancúm also fluchtartig verlassen und sich auf die Suche nach seiner Geliebten machen. Doch nicht nur er will Faith finden. Mr. Wang ist der neue CEO von Prune, also von der Firma, der Faith früher angehörte und auch er will Faith unbedingt finden. Dafür ist ihm jedes Mittel recht, daher hetzt er Larry die etwas sonderbare Yanmei auf den Hals. Unterstützung bekommt Larry auch dieses Mal von Pi, einer künstlichen Intelligenz, und dem PiPhone. Solltet ihr übrigens (wie ich) den Vorgänger nicht gespielt haben: Keine Sorge, die wichtigsten Personen und Geschehnisse werden euch direkt am Anfang erklärt. Auf alle anderen wartet vermutlich ein Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern.


Der Titel bleibt seinen Ursprüngen weitestgehend treu. Eine schlüpfrige Bemerkung jagt die nächste und überall in der Spielwelt sind männliche und weibliche Geschlechtsteile abgebildet, seien es nun Pflanzen oder Gebäude. Mein persönliches Highlight war hier das Firmengebäude von Prune, das nicht nur aussieht wie ein Phallus, sondern auf der Spitze auch noch einen kleinen Springbrunnen hat. Obwohl Larry zwar auf der Suche nach seiner wahren Liebe ist, ändert sich nichts daran, dass er weiterhin mit jeder Frau auf dem Weg zu Faith schlafen will. Es ist schließlich genug Larry für alle da! Auch die Anspielungen an andere Spiele und Filme sind wieder mit dabei. So begegnen wir in einem Gefängnis der seltsamen Figur „Swingle“ und werden sofort an Tingle aus Zelda erinnert. Als dann noch die Notfall-Telefonnummer aus IT Crowd (0118 999 881 999 119 725 3) und die Rede von Akhatem aus Dr. Who war, musste ich doch schon gewaltig schmunzeln.


Ebenfalls ganz klassisch ist die Art und Weise, wie Larry sein Ziel erreichen will: Er sammelt allen möglichen Plunder auf und kombiniert diesen zu neuen Gegenständen, die ihm aus den seltsamsten Situationen heraushelfen. Diese Fähigkeit wird von Yanmei sogar öfters erwähnt und lässt Larry in ihren Augen wie ein Genie oder Geheimagenten wirken. Neu hinzugekommen ist die Bauplan-App, die eine Art Erweiterung zum klassischen Kombinieren von Gegenständen darstellt. An gewissen Stellen des Spiels findet Larry einen Bauplan, der anschließend in der App seines PiPhones verfügbar ist. Dieser Bauplan beschreibt, wie er kompliziertere Gegenstände herstellen kann. So findet er beispielsweise direkt am Anfang den Plan für ein Floss. Durch den Plan wisst ihr zwar, dass ihr eine große Platte, einen Mast, ein Segel und ein Ruder braucht, welche eurer Gegenstände allerdings dafür taugen, müsst ihr selbst herausfinden. So findet ihr schnell heraus, dass das Horn eines Narwals beispielsweise einen perfekten Mast hergibt. Die Baupläne haben mir sehr viel Spaß gemacht, sodass ich doch etwas enttäuscht war, dass dieses Feature nicht mehr genutzt wurde. Hier wurde meiner Meinung nach etwas Potenzial verschenkt.


Besonders die Pflanzenwelt weist eigentümliche Formen auf.

© Assemble Entertainment GmbH

Die Rätsel selbst variieren im Schwierigkeitsgrad. Stellenweise kommen sehr einfache Lösungen vor, wie zum Beispiel eine Holzplatte als Untergrund für das Floss, während man sich bei einigen anderen Rätseln etwas mehr anstrengen muss. Solltet ihr an bestimmten Stellen nicht weiterkommen, empfiehlt es sich, noch einmal in Ruhe alle verfügbaren Orte anzuschauen. Häufig fehlen euch beispielsweise einige Kleinteile, die man sehr schnell übersehen kann. Hilft auch das nicht weiter, dann bleibt euch immer noch das wilde Ausprobieren. In den meisten Stellen des Spiels ist euer Inventar sowieso sehr überschaubar, da eure Taschen in regelmäßigen Abständen geleert werden. So verliert ihr zum Beispiel nach einem Schiffbruch alle Gegenstände, die für die weitere Geschichte nicht mehr relevant sind.


Gesteuert wird Leisure Suit Larry: Wet Dreams Dry Twice auf der Nintendo Switch sehr ähnlich wie auf dem PC. Mit dem linken Analog-Stick könnt ihr einen Cursor bewegen und mit der A-Taste agiert Larry mit der Umgebung. Mit der X-Taste könnt ihr einen zuvor ausgewählten Gegenstand mit der Umgebung verwenden. Während sich dies eigentlich sehr einfach anhört, zeigen sich in der Umsetzung allerdings einige Probleme. Genau genommen ist die Cursorplatzierung bei kleineren Gegenständen etwas mühselig, da hier die Steuerung nicht so fein auf die Bewegung reagiert, wie man es gerne hätte. Eine Lösung sind hier die Schultertasten. Mit diesen könnt ihr in der Theorie durch alle klickbaren Gegenstände durchschalten. Leider scheint es hierbei jedoch einen Bug zu geben, sodass nicht immer alle Gegenstände auch über die Schultertasten erreicht werden können. Drückt ihr jedoch beide Analog-Sticks gleichzeitig, werden alle interaktiven Gegenstände angezeigt. Zusätzlich besteht noch die Möglichkeit, das Spiel über den Touchscreen zu steuern. Dies scheint bisher die zuverlässigste Eingabemöglichkeit zu sein, allerdings steht diese euch natürlich nur im Handheld-Modus zur Verfügung.


Auch dieser Teil der Leisure Suit Larry-Reihe ist durchweg vertont worden. Euch stehen Deutsch und Englisch als Sprachen zur Verfügung, zwischen denen ihr auch nach Belieben wechseln könnt. Bei den Untertiteln stehen euch noch viele weitere Sprachen zur Verfügung. Wahlweise könnt ihr diese auch komplett abschalten, wovon ich in der derzeitigen Version jedoch abraten würde, da sich die Sprachausgabe an manchen Stellen leider überschneidet. Auch bei den Ladezeiten könnte noch nachgebessert werden. Der Spielstart dauert bei mir fast so lang wie bei Animal Crossing, was bei einem einfachen Point-and-Click-Adventure einfach zu lang ist. Glücklicherweise sind die Ladepausen innerhalb des Spiels wesentlich kürzer.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Philipp Freibauer

Die Nintendo Switch Umsetzung von Leisure Suit Larry: Wet Dreams Dry Twice ist grundsätzlich gelungen, dennoch sollten an der Steuerung und der sich überschneidenden Sprachausgabe Nachbesserungen vorgenommen werden. Seinem grundsätzlichen Spielkonzept bleibt Leisure Suit Larry aber weiterhin treu – inklusive dem ein oder anderen politisch anstößigen Kommentar. Aber mal ehrlich: Wollen wir nicht genau das, wenn wir Larry Laffer sehen? Die Bauplan-App bringt noch einmal etwas frischen Wind in den Spielablauf, hätte aber durchaus häufiger zum Tragen kommen dürfen. Durch die unzähligen Anspielungen an andere Spiele wird auch regelmäßig für ein kleines Schmunzeln gesorgt – das ist auch gut so, denn die Story selbst ist leider recht geradlinig und sorgt für wenige Überraschungen. Mit knapp 15 Stunden Spielzeit ist dieser Teil etwas umfangreicher als sein Vorgänger, dennoch hätte er für meinen Geschmack etwas länger sein dürfen. Freunde der Point-and-Click-Adventure sollten aber definitiv auf ihre Kosten kommen. Wer jedoch bis jetzt nichts mit Larry anfangen konnte, der wird seine Meinung auch dieses Mal nicht ändern.
Mein persönliches Highlight: Die unzähligen Anspielungen an andere Spiele, Serien und Filme, die überall im Spiel eingebaut sind.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 10

  • dr.retro

    Retrogamer aus Leidenschaft

    Es ist Point & Click, es ist Larry, es ist deutsch vertont, es ist auf Card, es wird gekauft!

  • Nischenliebhaber

    Turmheld

    Popkulturelle Anspielungen sind ein KO-Argument. Wenn es ein Adventure nicht schafft aus sich selbst und seiner eigenen Welt heraus unterhaltsam zu sein, dann ist es schlicht nicht gut. Daher waren die alten Larry Spiele von Al Lowe / Sierra einfach so unfassbar gut! Da brauchte man keine popkulturellen Anspielungen. Die waren unterhaltsam, weil die Figuren und die Spielwelt lustig waren.

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    Nischenliebhaber

    Es gibt keine popkulturellen Anspielungen in Sierra-Adventures? Dann haben wir ganz offenkundig völlig andere Spiele von denen gespielt. Schon im ersten Larry kommt beispielsweise ein abgebrannter Steve Jobs vor, der dir einen Apfel verkauft, den du benötigst, um das Spiel zu lösen. Das gesamte Space Quest-Franchise ist ein aberwitziges Sammelsurium von popkulturellen Anspielungen und Querverweisen, teilweise so offensichtlich, dass Sierra mehrfach deswegen verklagt wurde (beispielsweise von der Band ZZ Top und der Handelskette Toys'R'Us). Das Logo von Police Quest II ist eindeutig von Miami Vice “inspiriert“; es gibt im Spiel sogar ein Computerterminal mit dem Ordner “Vice“, der sich mit dem Passwort “Miami“ öffnen lässt. Die Liste lässt sich endlos fortsetzen, bis hin zu Easter Eggs wie dem Batmobil in King's Quest II. Kurzum: natürlich hat Sierra schon in den 1980er und 1990er Jahren popkulturellen Humor als Stilmittel eingesetzt. Alles andere wäre ein Mythos.

  • dr.retro

    Retrogamer aus Leidenschaft

    Phantomilars


    Da fällt mir spontan noch Sailor Moon in Yacht nach Liebe ein.

  • Nischenliebhaber

    Turmheld

    Natürlich gab es in den alten Sierra Spiele Anspielungen. ABER: Sie waren immer nur Bonus, NIE aber das Fundament. Larry selbst war halt ein Anti-Held, ein selbstüberschätzter Loser. Die Prämisse bestand daraus, dass kluge Frauen ihre Erotik nutzten um an ihre Ziele zu kommen. Das hatte Hintersinn und war sehr viel progressiver als man erstmal meint. Gerade Larry 3, 5 und 6 hatten einen wunderbaren Humor zwischen Feingeist und Anarchismus. Daran merkt man die Vielseitigkeit des Autors dahinter: Al Lowe. Oder nehme Gabriel Knight von Jane Jenssen. Das hat eine Welt, die im wesentlichen von Janes Recherchen leben. Freddy Pharkas wiederum ist ein tolles komödiantisches Western-Spiel. Voller Anspielungen an den Spaghetti-Western, es funktioniert aber auch wenn man die Anspielungen nicht erkennt. Weil die Figuren und die Geschichten das Fundament bilden.


    Sobald man aber ein Spiel NUR auf popkulturelle Anspielungen aufbaut, wird es albern und dämlich. Denn man verlässt sich auf die Werke anderer und hat kein Vertrauen in das eigene Werk.

  • barnacleboy

    Turmritter

    Hab Teil 1 mal kurz auf der Switch gespielt und merkt man sofort, dass Al Lowe nicht involviert war und der Humor, sorry dafür, leider ziemlich deutsch ist. Natürlich ist auch der Humor der alten Larry Spiele schlecht gealtert. Wenn ich Al Lowes Witze manchmal noch auf Twitter lese, sind das Witze aus einer anderen Zeit, die heute vermutlich in einem Spiel zensiert werden müssten, aber die neuen Larrys sind halt einfach platt. Handwerklich ein gutes Spiel, Rätsel sind auch ganz nett, aber mit dem Schmäh und der Inszenierung eine ganz eine andere Liga als ein Yacht nach Liebe. Sicher wird es auch am Budget liegen und an der Nostalgie, fand auch den Broken Sword Ableger vor ein paar Jahren grottig im Vergleich zum Original, obwohl da die Macher von früher dran gewerkt haben.

  • JamDeline

    Turmheld

    Seitdem Al Lowe nicht mehr an der Reihe beteiligt ist, hab ich auch keinen der neuen Teile mehr angerührt. Teil 6l 7 könnten gern nochmal aufgehübscht werden. Sehe gerade das er an Reloaded mitgewirkt hat und danach wieder in den Ruhestand gegangen ist.

  • barnacleboy

    Turmritter

    Im Vergleich zu Baphomets Fluch 3 und 4 haben sie mit 5 doch wieder die Kurve gekriegt. Fandest du den echt schlecht?

    Ja, ziemlich, wobei Teil 3 und 4 sind außer Konkurrenz und stinken natürlich noch mehr ab... :troll:


    Teil 5 war ja wie ein teures Fanadventure auf Basis von Teil 1 und 2. Ton und Grafik waren voll ok, Cutscenes waren halt leider fast keine im Budget und Schauplätze wurden auch oft recycled. Aber auch die Story eifert nur den alten Teilen nach und hat viele Lücken. Die Schauplatzwechsel sind viel zu aufgesetzt und überhastet - zB. spielt das Spiel für 3-4 Bildschirme mal schnell in London für gefühlte 15 Minuten. Dann gibt es viel zu viel Fanservice - schon fast in jeder Location einen alte/n Bekannte/n. Teil 1 war halt perfekt, Teil 2 noch gut, aber danach leider nur mehr bergab.

  • barnacleboy

    Turmritter

    @Donkey-Kong


    Ja, deine Theorie hat was mit dem Wiederbeleben der alten Marken. Alle Kickstarter Sachen, die ich unterstützt habe, leiden eigentlich unter dem selben Phänomen - außer Thimbleweed Park, das hat die Erwartungen fast vollkommen erfüllt. Der Rest wurde eben nach 5 Minuten enttäuscht liegen gelassen (Broken Age zB.). Mein Kickstarter Pile of Shame ist deswegen ziemlich hoch, denn keines dieser Spiele hat mich wirklich gefesselt.


    Aller Unkenrufen zu trotz schafft es anscheinend nur Nintendo mich weiterhin mit den alten Marken zu unterhalten... :D

  • nintendofan89

    Captain Toad's Kumpane

    Ein Larry in heutiger Zeit ist schon fast unmöglich. Klar dass alles zahmer wird, es ist ein Jammer. Aber was soll man machen, es ist wie es ist.

    Irgendwann kommen wieder andere Zeiten