Hilfestellungen: Fehlanzeige!

Es ist kein Geheimnis, dass Indie-Entwickler gerne Klassiker der Vergangenheit als Fundament für moderne Neuinterpretationen verwenden. Ob es sich dabei um Spielemechaniken, Grafikstile oder Musikrichtungen handelt, ist von Fall zu Fall unterschiedlich und häufig die Diskussionsgrundlage, wenn es um die Qualität des jeweiligen Titels geht. Manchmal vergessen aber besagte Entwickler, weshalb gewisse Mechaniken lieber Geschichte bleiben sollten und verstehen nicht ganz, welche Konzepte aufgrund von Hardware-Limitierungen zu vereinbaren waren oder ganz einfach nicht zu Ende gedacht wurden. Nongunz: Doppelganger Edition zeigt sich hierbei besonders tapfer und verzichtet auf jegliche Tutorials, Hilfestellungen oder gar Worte, um das Szenario möglichst glaubhaft herüberzubringen und eure Willenskraft auf die Probe zu stellen. Ob der mutige Schritt funktioniert und letztendlich nicht zu einer verwirrenden Katastrophe verkommt, erfahrt ihr in unserem Spieletest.


Der Tod ist nur der Beginn eines weiteren Versuchs.

© Brainwash Gang / Digerati

Wie das Spiel selbst, verhält sich die Geschichte äußerst zurückhaltend. Als namenloser Skelettkrieger wandert ihr auf den Pfaden der Toten und versucht einen zufallsgenerierten Dungeon zu bezwingen. Welches Ziel ihr verfolgt oder für wen ihr kämpft, bleibt bis zum Ende unklar und wird auch nur sehr oberflächlich im Verlauf des Spiels angedeutet. Zum Zweck der Überraschung verraten wir an dieser Stelle selbstverständlich nicht die Auflösung der Handlung, allerdings sollte gesagt sein, dass gewisse Menschen womöglich mit dem doch recht ungemütlichen Ende ihre Probleme haben könnten und man dementsprechend vorbereitet sein sollte.


Nicht weniger alarmiert dürft ihr den gefährlichen Dungeon nur dann betreten oder wahlweise verlassen, wenn das Risiko einer Niederlage überhandnimmt. Nach jedem Tod verliert ihr sämtliche Items sowie Errungenschaften und startet demzufolge wieder bei Null. Dadurch seid ihr einem dauerhaften Zwiespalt ausgesetzt, ob es sich lohnt, noch weiter fortzuschreiten oder lieber auf Nummer sicher zu gehen und die erbeuteten Schätze nach Hause zu bringen.


Theoretisch gesehen müsst ihr nämlich nur eine Handvoll an Bossen besiegen, um das Ende des Spiels zu erreichen. Was sich auf den ersten Blick wie ein Kinderspiel anhört, erweist sich im Nachhinein dann doch, aufgrund des allgemein hohen Schwierigkeitsgrades, als recht herausfordernde Aufgabe. Es benötigt nur wenige Treffer, bis ihr das Zeitliche segnet, weswegen ihr immerzu Obacht walten lassen müsst. Glücklicherweise könnt ihr durch Fenster den Dungeon verlassen und auch wenn damit sämtlicher Fortschritt im Verlies verloren geht, dürft ihr die Beute behalten und könnt im nächsten Versuch entsprechend gestärkt zuschlagen. Die Rede ist dabei von unterschiedlichen Waffen oder Karten, die entweder eure Attribute erhöhen oder als Gesundheit für euren Krieger verbraucht werden können. Dies ist nicht der einzige Fall, bei dem ihr abwägen müsst, ob es sich lohnt, ein Risiko in Kauf zu nehmen oder auf der sicheren Seite zu bleiben.


Jede Entscheidung spielt eine Rolle


Jeder Raum beinhaltet mindestens eine Schatztruhe, die in den meisten Situationen eine nützliche Karte hervorbringt, im Gegenzug jedoch etwas Lebensenergie von euch verlangt. Seid ihr also geschwächt, müsst ihr also entweder auf den Schatz verzichten oder die Gefahr in Kauf nehmen und mit verringerter Lebensenergie und einem neuen Item weiterziehen. Nicht jede Situation ist allerdings mit einem Wagnis verbunden. Läden erlauben es euch, nützliche Items, die sich kaum von Gegenständen in Truhen unterscheiden, im Austausch für Punkte zu erwerben. Dieser „Highscore“ fungiert als grundsätzliche Währung im Spiel und ist der Dreh- und Angelpunkt wenn es darum geht, den Dungeon erfolgreich zu absolvieren.


Auf der Oberwelt könnt ihr euch passend vorbereiten.

© Brainwash Gang / Digerati

Anders als in vielen anderen Spielen, erhöht sich euer Punktestand passiv, was im Grunde bedeutet, dass ihr beispielsweise auch einfach in der Gegend stehen bleiben könnt, während sich euer Zähler erhöht. Selbstverständlich werden das nur die wenigsten tun und so könnt ihr auch alternativ mit jedem ausgeführten Schuss je einen Punkt erhalten. Sind erst mal genügend Punkte angesammelt, könnt ihr weitere Waffen und Ausrüstungen permanent auf der sicheren Oberwelt freischalten.


Aber auch hier gilt: Wer sein Leben im Dungeon lässt, verliert sämtliche Punkte und kann von vorne beginnen. Wem das Ganze ein wenig zu stressig ist, kann entweder Gehilfen in das Verlies schicken oder Anhänger für sich gewinnen. Gehilfen lassen sich mithilfe von Körperresten zusammensetzen, die anschließend für euch auf die Reise gehen und mit hilfreichen Items zurückkehren. Anhänger wiederum verweilen auf der Oberwelt und erhöhen pro Eintritt den passiven Punktemultiplikator auf Dauer merklich.


Was diese zusätzlichen Features so vorteilhaft macht, ist die optionale Natur. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass ich auf die Gefolgschaft angewiesen bin und konnte irgendwann auch ohne ihre Hilfe das Spiel beenden. Für die meisten dürfte diese Stütze aber mehr als entgegenkommend sein, immerhin entpuppt sich der Schwierigkeitsgrad als relativ hoch und fällt gerade bei Bossgegnern unangenehm aus. Diese Art von Herausforderung rührt mitunter daher, dass nicht eine einzige Mechanik im Spiel erklärt wird. Ihr verliert sämtlichen Fortschritt nach dem Tod und müsst von vorne beginnen? Findet alleine heraus wieso. Der Dungeon ist zufallsgeneriert und teilt euch nicht mit, wie viele Räume erobert werden müssen? Ein wesentlicher Bestandteil des Spiels. Auch wenn diese Selbstständigkeit natürlich an sich nichts Schlechtes ist, geht das Spiel meiner Ansicht nach manchmal etwas zu weit und hält es nicht für nötig, selbst grundsätzliche Informationen akkurat zu erklären.


Ist viel auf dem Bildschirm los, lässt die Bildrate gerne etwas nach.

© Brainwash Gang / Digerati

Während wenigstens die Steuerung zu Beginn ein kleines Tutorial erhält, ist sogar die Menüführung gefühlt ein einziges Rätsel, da es ohne ein Wort sämtliche Reiter anführt, aber niemals erläutert, wofür diese eigentlich gut sind. So werden die meisten Spieler überhaupt nicht realisieren, dass Item-Karten eure Attribute passiv erhöhen, aber ebenso dafür eingesetzt werden können, alternativ die Gesundheit zu steigern. Weniger kann mehr sein, allerdings sollte sich das Spiel dann die Mühe geben, unter Zuhilfenahme von unauffälligen Hinweisen den Spieler ein wenig zu führen. Ebenso minimalistisch verhält sich die Grafik, die sich größtenteils auf einen gotisch angehauchten schwarz-weiß Pixel-Look konzentriert, der in seiner Gesamtheit seinen Zweck erfüllt und beträchtlich zum trostlosen Setting beiträgt.


Vor allem Gegner heben sich hier durch ihre meistens knalligen Farben ausreichend vom tristen Gesamtbild ab und stechen auffallend hervor. Leider kann die Bildrate diesen Anspruch nicht aufrechterhalten und geht bei mehreren Projektilen auf dem Bildschirm gerne mal in die Knie. Da ihr meistens mit Pistolen und ähnlichen Schusswaffen agiert, wird diese Situation mehr und mehr zum Regelfall und wäre in Hinsicht der einfachen Grafik mit Sicherheit zu vermeiden gewesen. Glücklicherweise sieht es beim Soundtrack, der unaufdringlich das Geschehen unterstützt und nur selten in den Vordergrund rückt, anders aus. Da wir es hier mit der Doppelganger Edition zu tun haben, dürfen selbstverständlich einige zusätzliche Inhalte in der Nintendo Switch-Version nicht fehlen. In der Arena könnt ihr eure Fähigkeiten auf die Probe stellen und in einem eingeschlossenen Bereich so lange ums Überleben kämpfen, bis eure letzte Stunde schlägt. Wem das alles zu schwierig, kann das Abenteuer alternativ auch mit einem zweiten Mitspieler bewältigen und den hohe Schwierigkeitsgrad somit etwas dämpfen.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Kevin Becker

Nongunz: Doppelganger Edition ist noch immer so unverzeihlich wie bei seiner Erstveröffentlichung und verlangt euch einiges ab. Der zufallsgenerierte Dungeon variiert in seiner Struktur und ermutigt aufgrund seiner unvorhersehbaren Natur multiple Spieldurchläufe, während es nicht immer ersichtlich erscheint, welches erzählerische Ziel ihr überhaupt verfolgt. Damit verbunden behält das Spiel essenzielle Informationen für sich und trifft nicht ganz die passende Balance zwischen subtil und bewusst verwirrend. Demzufolge können einige an Stunden vergehen, bis ihr euch mit dem Gameplay wirklich wohl fühlen könntet, was in Anbetracht der doch recht überschaubaren Spielzeit von etwa fünf bis zehn Stunden widersprüchlich wirkt. Trotzdem fängt die Atmosphäre, getragen von einer einfach gehaltenen Optik und ruhigen Klängen, das Setting passend ein und sorgt dauerhaft für die richtige Stimmung.
Mein persönliches Highlight: Die zurückhaltende Nutzung von Farben.

Die durchschnittliche Leserwertung

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