Lasst euch von Nintendo inspirieren!

Eigene Spiele zu entwickeln ist wohl ein Gedanke, mit dem viele Nintendo-Fans früher oder später schon gespielt haben. Im Nintendo DS-Spiel WarioWare: Do It Yourself ermöglichte Nintendo das Kreieren eigener Micro-Minispiele, bei denen, angefangen von den Siegesbedingungen, dem Layout, der Grafik und der Musik, etliche Freiheiten geboten wurden. Auch mit Mario Paint und Super Mario Maker brachte Nintendo im Laufe der Jahre erfolgreiche Kreativspiele auf den Markt, die bei Fans sehr positiv aufgenommen wurden. Nun geht Nintendo noch einen Schritt weiter und veröffentlicht mit Spielestudio eine relativ kostengünstige Software, die den Traum des einfachen Spiele-Entwickelns erfüllt: Egal ob Jump 'n' Run, Shooter, Rätselspiel oder Racer – sofern Know-how, Ehrgeiz und Geduld vorhanden sind, steht einer erfolgreichen Umsetzung kaum etwas im Wege.


Der inoffizielle Nachfolger zu Nintendo Labo: Toy-Con-Werkstatt


2018 wurde mit Nintendo Labo bereits ein Kreativspiel für die Nintendo Switch veröffentlicht, welches die Toy-Con-Werkstatt beinhaltete, wo mithilfe von sogenannten Knoten Eingabe- und Ausgabe-Befehle festgelegt werden konnten, um eigene Spiele mit den Joy-Con zu programmieren. Spielestudio knüpft genau an dieses Konzept an und kann als inoffizieller Nachfolger zur Toy-Con-Werkstatt bezeichnet werden – zahlreiche aus Nintendo Labo bekannte Inhalte wie die Männchen-Spielfigur, diverse Objekte und Soundeffekte sind in derselben Form auch in Spielestudio zu finden. Die Knoten heißen nun Knotixe und können sprechen, das Knoten/Knotix-Limit wurde von 256 auf 512 verdoppelt und das Verbindungslimit wurde von 256 auf 1024 vervierfacht, wodurch deutlich größere Spiele programmierbar sind. Des Weiteren ist es erstmals möglich, eigene Spiele online zu teilen oder Spiele von anderen Programmierern auf die Nintendo Switch herunterzuladen.


Die Wilde Jagd ist das erste Spiel, das ihr in Spielestudio erlernen werdet.

© Nintendo

Spielestudio bietet zwei große Spielmodi: Die interaktiven Lektionen, mit denen das Abenteuer beginnt und das freie Programmieren, wo das erlernte Wissen angewandt werden kann, um schließlich eigene Ideen umzusetzen. Die interaktiven Lektionen sind ausführliche Tutorials, in denen euch ein hüpfender Punkt namens Bob einen kleinen Vorgeschmack darauf gibt, welch unterschiedliche Spielideen sich mit der kinderfreundlichen, visuellen Programmiersprache in Spielestudio umsetzen lassen. Ihr werdet insgesamt 7 kleine Spiele entwickeln, die jeweils nur 8 bis 45 Sekunden lang sind, jedoch jeweils bis zu über eine Stunde Arbeit beanspruchen können. Alleine diese Tatsache verdeutlicht, wie viel Aufwand hinter der Videospielentwicklung tatsächlich steckt, was vielen von uns vielleicht gar nicht so sehr bewusst ist.


Die erste Lektion beginnt noch relativ einfach: Bob macht euch mit dem Programmierbildschirm vertraut, wo ihr beispielsweise Plattformen, Böden, Wände, Hindernisse und Spielfiguren platzieren könnt, welche das Basisgerüst für das erste Spiel „Wilde Jagd” darstellen. In den Eigenschaften könnt ihr festlegen, ob Objekte bzw. Figuren zerstörbar, zerstörerisch, fest, beweglich oder sichtbar sein sollen. Wilde Jagd ist ein Spiel für zwei Spieler, bei dem ein Männchen das andere fangen muss und sobald dies erfolgreich durchgeführt wurde, ist das Spiel zu Ende. Damit sich die Männchen bewegen können, müssen den jeweiligen Tasten Aktionen wie beispielsweise „Springen” oder „Bewegen” zugeordnet werden – eine Eingabe muss stets auch eine Ausgabe zur Folge haben, ansonsten passiert nichts. Später programmiert ihr Schritt für Schritt und auf gut verständliche Weise unter anderem Platformer-Spiele in 2D und 3D, ein Autorennen sowie sogar ein kleines Escape Room-/Rätsel-Spiel, was mir besonders gut gefallen hat.


Nach jedem erfolgreich programmierten Spiel gibt es einen Kontrollpunkt mit jeweils 5 Quiz-Aufgaben, die das zuvor erlernte Wissen interaktiv abprüfen und Voraussetzung sind, um zum Tutorial für das nächste Spiel gelangen zu können. Ihr müsst bei den Quiz jeweils einen Apfel sammeln, jedoch geht dies nur, wenn ihr Änderungen im Programmierbildschirm vornehmt. Solltet ihr Schwierigkeiten haben, könnt ihr euch vom Gegenstück des springenden Bobs, von der sanften Alice, in „Alice erklärt's” Schritt-für-Schritt-Erklärungen zu bestimmten Abschnitten und Mechaniken anhören, die euch beim Lösen der Quiz-Aufgaben und bei der Spieleprogrammierung helfen. Falls auch danach ein Quiz schier unlösbar scheint, wird euch die Option angeboten, das Rätsel zu skippen, sodass ihr trotzdem ohne Weiteres mit den interaktiven Spiele-Lektionen weitermachen könnt.


Einsteigerfreundliche Lernsoftware, aber schwer zu meistern


Ihr merkt vielleicht bereits anhand des ersten Teil des Reviews, dass Spielestudio primär eine Lernsoftware ist. Ihr solltet nicht mit falschen Erwartungen an das Spiel gehen: Der Großteil der nicht-usergenerierten Inhalte besteht aus Lesen, Lernen und Verinnerlichen. Viel Geduld und Wissbegierigkeit sollten also auf jeden Fall mitgebracht werden, denn stellenweise fühlt sich die Software fast so an wie Unterrichtsstunden in der Schule, die durch etwas Humor und durch ein kinderfreundliches Interface ein wenig aufgelockert werden. Sind jedoch erstmal die Basics der Spieleentwicklung mit der visuellen Programmiersprache verinnerlicht, dann geht die Arbeit auch leichter von der Hand und es fühlt sich toll an, eigene Ideen erfolgreich zu verwirklichen.


Bei der Verknüpfung derart vieler Knotixe besteht am Programmier-Bildschirm Verknotungsgefahr!

© Nintendo

Das Herzstück in Spielestudio sind die bunten Knotixe, die in mehr als 80 verschiedenen Formen auftreten und jeweils andere Funktionen haben. Grob unterteilt werden die niedlichen kleinen Figürchen mit Augen und Mund in vier Kategorien: Eingabe-, Mitte-, Ausgabe- und Objekt-Knotixe. Eingabe-Knotixe sind elementar für die Steuerung der Spielfigur, so gibt es beispielsweise Knopf-, Control Stick-, Touchscreen- und Bewegungs-Knotixe, die erkennen, wenn man Knöpfe drückt oder den Controller neigt. Sogar ein Infrarot-Bewegungskamera-Knotix mit verschiedenen Entfernungs-Einstellungsmöglichkeiten ist verfügbar, womit interessante Joy-Con-Spielereien angestellt werden können.


Die Mitte-Knotixe sind Bindeglieder zwischen Eingabe- und Ausgabe-Befehlen, die oft viel mit Mathematik und Logik zu tun haben: Das Vergleichen-Knotix schaut sich beispielsweise zwei Werte an und je nachdem, ob der eine Wert größer oder kleiner als der andere ist, wird das jeweilige Signal an ein weiteres Knotix weitergeleitet. Auch Knotixe, die die Quadratwurzel errechnen, die Grundrechenarten beherrschen oder einfach nur in einer bestimmten Geschwindigkeit zum Zählen anfangen, können nützlich sein, um im Zusammenspiel mit anderen Knotixen Informationen und Signale weiterzuleiten oder zu stoppen. Wurmloch-Knotixe dienen als Portale, um Signale von einer Stelle an eine weit entfernte Stelle durchzuschicken, damit das Durcheinander am Programmierbildschirm nicht zu unübersichtlich wird. Das Und-Knotix kann wiederum verwendet werden, wenn zwei Bedingungen erfüllt sein müssen, um ein bestimmtes Ereignis zu aktivieren. Wer experimentierfreudig ist, wird eine Menge Freude mit den Mitte-Knotixen haben, denn diese sorgen dafür, dass komplexe Spielmechaniken realisiert werden können. Anfänger könnten sich von der Informationsflut trotz Erklärungen leicht überrumpelt fühlen, doch nicht alle dieser Knotixe sind zwingend erforderlich, um ein Spiel programmieren zu können. Das umfangreiche Knotix-Handbuch im Pausemenü ist hierbei eine nützliche Hilfestellung.


Der Ententower mit der dazu passenden Custom-Textur.

© Nintendo

Sind die Signale schließlich bei Ausgabe-Knotixen angekommen, spürt auch der Spieler die Auswirkungen, welche die Folge der Eingabe- und Mitte-Knotixe sind. Beispielsweise kann dies der Neustart des Spiels sein, wenn die Spielfigur getroffen wurde, ein Vibrieren des Controllers beim Erlangen eines Gegenstandes oder ein Soundeffekt beim Erreichen des Ziels. Zu guter Letzt gibt es zahlreiche Objekt-Knotixe, die einerseits die Spielumgebung bilden, aber andererseits auch dafür sorgen können, andere Objekte zu zerstören, zu verschieben, zu verbinden, zu teleportieren und vieles mehr. Auch der Spielbildschirm sowie die Kamera können nach Belieben programmiert und platziert werden: Egal, ob Side-Scroller, Ego-Perspektive, frei steuerbare Kamera, Vogelansicht oder eine fixe Kameraansicht aus einem bestimmten Winkel – die Möglichkeiten scheinen kaum Grenzen zu haben.


In Spielestudio gibt es drei Fortbewegungsmittel (Männchen, Auto und Ufo) und zudem ein paar vorgegebene Charaktermodelle wie beispielsweise Aliens, Tiere oder komplexe Objekte wie Fernseher, Roboter und Pfeile. Jedoch ist es auch möglich, eigene Spielfiguren oder Gegner aus Quadern, Zylindern sowie Kugeln und den jeweiligen X-, Y- und Z-Seiten zusammenzuschmieden. Es ist auf diese Weise zwar leider nicht möglich, sehr detaillierte Modelle zu erschaffen, aber zumindest habt ihr die Option, nahezu alle Objekte mit eigenen Texturen auzustatten, die ihr in einer Zeichen-Software malen könnt. Ein bisschen schade ist, dass das Zeichen-Programm sehr minimalistisch ist und ihr keine bereits fertigten Formen wie beispielsweise Kreise, Sterne oder gerade Linien einfügen könnt, sondern alles millimetergenau selbst zeichnen müsst. Übrigens könnt ihr euren Spielen auch kurze Texte hinzufügen, um Regeln zu erklären oder eine kleine Geschichte zu erzählen.


Es ist nicht leicht, so schnell die richtige Kameraeinstellung und Position der Objekte hinzubekommen.

© Nintendo

Wem das Knotix-Limit zu klein ist, der kann mehrere Spiele miteinander zu einem großen Spiel verknüpfen. Das Übertragen von Speicherdaten dürfte sich jedoch als etwas schwieriger herausstellen und kann, falls möglich, über ein Passwortsystem improvisiert werden. Wer viel Zeit in das Programm investiert, kann wirklich tolle Werke erschaffen: Es ist beispielsweise durchaus möglich, Super Mario-Level nachzubauen und Feuerbälle als Items sowie Bossgegner einzubauen, die erst nach mehreren Treffern besiegt werden. Ihr solltet nur bedenken, dass das alles nicht so einfach abläuft wie in Super Mario Maker, wo man lediglich Blöcke und Gegner platzieren musste. Wem das Levelbauen in Super Mario Maker zu aufwendig war, der wird wohl mit dem Programmierbildschirm von Spielestudio erst recht wenig anfangen können, denn die Anforderungen sind hier noch um einiges größer. Es reicht nicht, Gegner einfach nur zu platzieren, sondern sie müssen auch so programmiert werden, dass sie den Spieler angreifen, sie müssen zerstört werden können und jedes Szenario muss im Programmierbildschirm genauestens geplant sein, um einen flüssigen Spielverlauf zu gewähren. Hinzu kommen verschiedene Ansichten im dreidimensionalen Raum, wo die X-Achse, Y-Achse und Z-Achse beachtet werden müssen. Programmieren kann durchaus frustrierend sein, seien es Verbindungen, die nicht so funktionieren, wie man es erhofft oder Positionseinstellungen und falsch eingestellte Winkel, die dazu führen, dass Figuren und Objekte nicht auf die gewünschte Weise am Bildschirm angezeigt werden. Dass beim Programmieren, besonders als Anfänger, viel Trial & Error dazugehört, wird euch auch in den interaktiven Lektionen auf dynamische Art und Weise nähergebracht.


Sehr positiv hervorzuheben sind neben dem tollen Humor und der gelungenen deutschen Übersetzung auch die Steuerungsmöglichkeiten in Spielestudio: Nicht nur ist die USB-Maus-Unterstützung sehr praktisch, auch Leute ohne Maus werden sich schnell gut zurechtfinden: Im TV-Modus wird sowohl die Knopf-Steuerung als auch die Pointersteuerung unterstützt – Letztere ist für mich die bevorzugte Variante. Im Handheld-Modus gibt es neben der Knopf-Steuerung eine Touchscreen-Steuerung, die sich besonders gut eignet, da viel am Programmier-Bildschirm hin- und hergeschoben wird. Dass von Touch- über Bewegungs-Steuerung bis hin zur Infrarotkamera und der Rumble-Funktion sämtliche Besonderheiten der Nintendo Switch in euren Spielen einbaubar sind, ist das Tüpfelchen auf dem i. Zu guter Letzt fühlt sich auch die Sprung-, Fahr- und Flug-Physik in Spielestudio sehr gut an und natürlich habt ihr die Freiheit, Parameter wie die Geschwindigkeit, die Sprunghöhe oder sogar die Schwerkraft nach Belieben zu ändern. Übrigens wird der Nintendo Switch Pro Controller unterstützt und abgesehen von Joy-Con-spezifischen Funktionen ist Spielestudio auch auf der Nintendo Switch Lite gut spielbar.


Ein sehr dünner Online-Modus


Das größte Manko an Nintendo Labo: Toy-Con-Werkstatt war vermutlich die fehlende Möglichkeit, Spiele online mit andere Leuten zu teilen. In Spielestudio ist dies nun glücklicherweise möglich, wenngleich sehr viel Potenzial liegengelassen wurde. Wieso die Online-Funktionalität in Nintendos neuestem Entwicklerspiel sehr minimalistisch ist und wo die Software sonst noch Verbesserungspotenzial hat, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.


Wollt ihr online Spiele austauschen, so benötigt ihr eine aktive Nintendo Switch Online-Mitgliedschaft.

© Nintendo

In den beiden Super Mario Maker-Ablegern standen zahlreiche Online-Optionen zur Verfügung, wie beispielsweise ein im Spiel integriertes Online-Portal, bei dem die neuesten oder bestbewerteten Level vorgeschlagen wurden, sowie Filtermöglichkeiten, je nachdem, auf welche Art von Level man Lust hatte. Auch Spielmodi wie die 100-Mario-Challenge, die Endlos-Challenge oder der Online-Mehrspielermodus im zweiten Ableger sorgten für reichlich Abwechslung. In Spielestudio sieht das Ganze leider deutlich spärlicher aus: Die einzige Online-Funktion, die das Spiel beinhaltet, ist die Generierung eines Codes für eure Programmierer-ID und für jeweils jedes einzelne eurer Spiele, die ihr daraufhin anderweitig (z.B. über soziale Netzwerke) mit anderen Leuten teilen könnt.


Umgekehrt könnt ihr Spiele von anderen Leuten nur dann empfangen, wenn ihr die Spiele- oder Programmierer-ID eingebt – sowohl der Upload als auch das Empfangen von Spielen erfordert eine aktive Nintendo Switch Online-Mitgliedschaft. Ihr könnt übrigens selbst entscheiden, ob ihr anderen Leuten erlauben wollt, euer Spiel zu bearbeiten oder ob ihr es schreibgeschützt teilen wollt. Wer gerne andere Spiele ausprobieren will, dem ist daher zu empfehlen, Gruppen oder Threads zu Spielestudio bzw. Game Builder Garage (so lautet der internationale Name) in sozialen Netzwerken aufzusuchen, bei denen Spiele-IDs geteilt werden. Insgesamt könnt ihr bis zu 64 Spiele plus die 7 Spiele aus den interaktiven Lektionen speichern – für den Anfang sollte diese Zahl ausreichen und es wird sich zeigen, ob Nintendo zu einem späteren Zeitpunkt das Limit erhöhen wird.


Beim Entwickeln von Spielen ist es stets wichtig, die eigenen Kreationen auch von anderen Leuten testen zu lassen, um daraufhin Feedback zu bekommen, was man noch verbessern könnte. Dass dies in Spielestudio nicht automatisch möglich ist, sondern ein externes Bemühen erforderlich wird, ist doch etwas schade. In Spielestudio könnt ihr Mehrspieler-Titel für bis zu 8 Spieler entwickeln, jedoch ist der Mehrspieler-Modus nur lokal möglich, sofern ihr genug Controller habt. Online könnt ihr weder gemeinsam spielen noch gemeinsam simultan an einem Spiel arbeiten. Habt ihr Freunde in der Nähe, die ebenfalls Spielestudio besitzen, so könnt ihr auch lokal Spiele austauschen.


Ein Space-Shooter mit Kirby-Gegnern? Lasst eurer Phantasie freien Lauf!

© Nintendo

Spielestudio wird vom Community-Support leben und das Herzstück des Titels dürften die usergenerierten Spiele online sein, die im Laufe der Zeit entwickelt werden. Solltet ihr keine Nintendo Switch Online-Mitgliedschaft besitzen oder in Betracht ziehen, so ist Spielestudio (zurzeit) nur zu empfehlen, wenn ihr am Programmier-Aspekt interessiert seid. Abgesehen von den interaktiven Lektionen, den Quiz-Aufgaben und dem freien Programmieren bietet Spielestudio nämlich keine weiteren Inhalte. In den Trailern vor dem Release sah man einige Spiele, die nach viel Spaß aussahen und bei denen auch der Programmiercode sicherlich als Inspiration nützlich gewesen wäre, jedoch sind diese Spiele leider nicht in Spielestudio enthalten. Doch wer weiß, vielleicht wird Nintendo eigene Spiele nach dem Release veröffentlichen, um stets neue Inhalte zu gewährleisten.


Abschließend noch ein paar Worte zu der Musik: Spielestudio enthält bedauerlicherweise keinen eigenen Musikeditor, so wie ihn z.B. Wario Ware: Do It Yourself oder Mario Paint besitzt. Es ist aber über Umwege (und auf Kosten des Knotix-Limits) trotzdem möglich, eigene Stücke zu komponieren, denn es gibt ein Knotix, das einzelne Töne abspielen kann, auch wenn diese leider allesamt nur innerhalb einer Oktave liegen. Durch geschicktes Programmieren können Melodien automatisch abgespielt werden oder es kann sogar die Nintendo Switch in ein Instrument verwandelt werden, mit dem Stücke inklusive Begleitmusik aktiv gespielt werden können. Mit dem Hintergrundmusik-Knotix könnt ihr wiederum auf 11 Musikstücke zurückgreifen, die jeweils mit verschiedenen Instrumenten und Begleitstimmen variiert werden können. Insgesamt wäre hinsichtlich der Musik in Spielestudio sicherlich mehr möglich gewesen und abgesehen von ein paar wenigen Tracks aus den interaktiven Lektionen sind keine besonders erwähnenswerten Stücke mit dabei.


Etwas komisch ist die Entscheidung, dass beim Programmier-Bildschirm, wo wohl die längste Zeit verbracht wird, keinerlei Hintergrundmusik hörbar oder einstellbar ist. Die verschiedenen atmosphärischen Hintergrundmelodien beim Erstellen von Levels in Mario Maker vermisse ich nach zahreichen Stunden im stillen Programmieren nun umso mehr. Ebenfalls vermisse ich die Option, mehrere Knotixe auf einmal zu kopieren bzw. Knotix-Kombinationen, die man öfter braucht, als Gruppe abzuspeichern, wodurch das Programmieren von neuen Spielen stark erleichtert werden könnte (Update: im Spiel wird dies nicht erklärt, jedoch ist ein Markieren und Kopieren mehrerer Knotixe mithilfe der ZR/ZL-Taste möglich!). Und dass Spiele nach dem Verlassen des Programmierbildschirms immer automatisch gespeichert und überschrieben werden, auch wenn man dies eigentlich nicht unbedingt will, empfinde ich ebenfalls als störend. Ich wünsche mir sehr, dass Nintendo mit Updates noch ein bisschen Feinschliff betreibt und zudem das Spiel regelmäßig mit neuen Inhalten versorgt, sodass dem kreativen Spielestudio eine rosige Zukunft bevorsteht.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Felix Eder

Programmieren ist alles andere als einfach und kann sehr trocken sein, das habe ich bereits als Kind und Jugendlicher erleben müssen. Hätte es damals bereits Spielestudio gegeben, so wäre meine berufliche Laufbahn vielleicht ganz anders verlaufen: Spielestudio ist eine inspirierende und motivierende Software für Leute, die an der Entwicklung von Videospielen interessiert sind oder generell in die Welt des Programmierens reinschnuppern wollen. In den ca. 8- bis 10-stündigen interaktiven Lektionen wird euch auf unterhaltsame Weise erklärt, wie ihr einfache Spielideen verwirklichen könnt und darüber hinaus gibt es zahlreiche Quiz-Aufgaben und Erklärungen für diverse Mechaniken, die viel Lese- bzw. Lernstoff bieten. Zwar kann Spielestudio hinsichtlich des Umfangs und der bereitgestellten Möglichkeiten nicht mit Dreams auf der PlayStation 4 mithalten, doch ich bin dennoch überrascht, wie viele Ideen mit dieser kleinen Software umsetzbar sind und ich kann es kaum erwarten, Spiele von Entwicklern aus der ganzen Welt auszutesten. Was Nintendos neuestem Kreativspiel jedoch noch zum Spielehit fehlt, ist ein integriertes Online-Portal, bei dem Spiele von anderen Programmierern aktiv gesucht, gespielt, heruntergeladen und bewertet werden können, so wie man es aus Mario Maker kennt. Dass für Spielestudio Codes in den Weiten des Internets gesucht und jeweils separat eingegeben werden müssen, ist doch etwas enttäuschend und umständlich. Generell ist Spielestudio mehr an die Erschaffer als an die Spieler gerichtet, denn leider gibt es keine vorinstallierten Spiele – Leute ohne Nintendo Switch Online-Mitgliedschaft können lediglich die eigenen Spiele oder Werke von Freunden, die lokal gesendet wurden, spielen. Es bleibt zu hoffen, dass Nintendo im Laufe der Zeit regelmäßig eigene Spiele vorstellt und zur Verfügung stellt, sodass sowohl im Lager der Spieler als auch der Programmierer, die dadurch neue Inspirationen bekommen, die Langzeitmotivation aufrecht erhalten werden kann.
Mein persönliches Highlight: Die Vollendung meines ersten eigenen Werkes nach etlichen Stunden harter Arbeit: Ein Musikspiel mit der Zelda-Melodie aus den verlorenen Wäldern.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 9

  • Rob64online

    Turmheld

    Schade dass Nintendo wieder mal online komplett versagt. Nur mit Codes ist es der halbe Spaß.

  • stl1988

    Turmritter

    Mich würde auch interessieren, welche Knoten im Vergleich zur Toy-Con Garage aus Labo 04 neu hinzugekommen sind und ob eine Kompatibilität mit Labo-Projekten besteht. Ich meine, wenn selbst die Infrarotkamera umterstützt wird, könnte man ja auch Projekte verwirklichen, die schon mit der Toy-Con-Garage möglich waren.


    Rob64online Es gibt bereits einen fangemachten Service, der die Defizite in Sachen Online ausgleicht. Nennt sich MyGarage.games.

  • Felix Eder

    #PhoenixWright4Smash

    stl1988

    Offiziellen Labo-Support gibt es leider nicht.

  • Deny

    Turmheld

    Ich mach gerade etwas ganz verrücktes und habe mir die Demo z dem Spiel aus dem Australischen EShop heruntergeladen ^^ Ich denke die Demo wird mit dem Spiel gleichzeitig veröffentlicht, aber ich wollte das mal ausprobieren. ^^

  • Bombay

    Turmknappe

    Bin echt noch unentschlossen. Ich glaube ich warte erstmal ab was für spiele genau kommen weil selber bauen werde ich wohl nicht da zu komplex.

  • otakon

    Ssssssssswitch

    Auf der einen Seite hätte ich schon Lust eigene Spiele zu basteln aber ich fürchte es wird mir zu kompliziert sein 8X

    Ich warte erstmal ab bis das Spiel raus ist und seh mir an was Andere da so basteln.

  • Oliversi

    Turmknappe

    Ich wollte mir das holen. Aber jetzt wo ich lese, dass es keinen Vernünftigen Online Modus gibt sondern man die Codes der Spiele, selbst herausfinden muss um diese zu spielen, sehe ich vom Kauf ab. Komm schon Nintendo. Bei Mario Maker hat es doch auch geklappt. Wieso nicht hier?

  • Lillyth

    <3

    Jap, für mich hat sich das Spiel auch erledigt.

    Ohne Spielbrowser benötige ich das nicht. Ich hatte mich schon so gefreut die tollen Spiele aus aller Welt sehen und testen zu können. Jetzt braucht man doch wieder Codes. Wann lernen die es endlich?

  • Darkseico

    Turmbaron

    Schöner Test. :)

    Nach vielen Stunden Tutorials sieht man hinterher was alles möglich ist. Zwar stimmt es, dass diese Software nicht Dreams ist, aber wenn man überlegt das Leute schon in Mario Maker Taschenrechner gebaut haben und mehr, wird es doch interessant was man alles mit diesem netten Studio vollbringen wird. Ich bin fleißig am bauen und freue mich so sehr über meinen Fortschritt. :D