Spiel einlegen, Kopf ausschalten

Mit Earth Defense Force: World Brothers erschien hierzulande Ende Mai ein Spin-off zur kultigen Kammerjagd für PC, PlayStation 4 und Nintendo Switch. Über die Jahre konnte die Videospielserie zahlreiche Anhängerinnen und Anhänger um sich scharen, die sich mit jedem neuen Spiel ein weiteres Mal stundenlang in den Kampf gegen die gigantischen Insekten und andere außerirdische Invasoren stürzen. Ob Earth Defense Force: World Brothers erneut den Nerv der Spielerinnen und Spieler treffen kann und ob euch das Spin-off die lange Wartezeit bis zum nächsten Hauptableger versüßen kann, erfahrt ihr im nachfolgenden Text.


Ein Job für die Earth Defense Force


Wie in den Spielen zuvor sieht sich die Welt in Earth Defense Force: World Brothers mit einer überirdischen Bedrohung konfrontiert. Als Übeltäter tritt dieses Mal der geheimnisvolle Dark Tyrant auf, welcher nicht nur mit einem, sondern gleich mit einer ganzen Armada an Mutterschiffen den blauen Planeten bedroht. Letzteren reißt dieser kurzerhand in Stücke – doch die Menschheit gibt nicht auf. Die Earth Defense Force wird entsandt, die feindlichen Heerscharen zu vertreiben und die Erde wieder zusammenzufügen.


Dieses metallene Ungetüm kriegt den feurigen Spezialangriff des Wing Divers zu spüren.

© D3 Publisher

Earth Defense Force: World Brothers ist allerdings kein handlungsgetriebener Titel. Vielmehr dient die Geschichte als Motiv für das zugrunde liegende Spielprinzip. Einzig die witzigen, teils liebevollen Funksprüche, mit denen die jeweiligen Einsätze eingeleitet und abgeschlossen werden, formen die Persönlichkeiten mancher Charaktere. So rekrutiert ihr im Laufe eurer Rettungsmission einen geschwätzigen Cowboy sowie einen permanent hungrigen Ninja. Der kulturelle Austausch der beiden lockert das monotone Gameplay auf und sorgt für einige Schmunzler vor dem Bildschirm. Ansonsten sollte man nicht allzu viel von der Geschichte erwarten, schließlich stand die Handlung niemals im Fokus von Earth Defense Force.


Die Reihe ist vielmehr bekannt für ihre ausufernden Gefechte gegen das invasive Gesindel. Auch dieses Mal findet ihr euch auf großflächigen Schlachtfeldern wieder, deren Architektur ihr während des Gefechts in Schutt und Asche legen könnt. Meist handelt es sich hierbei um Miniaturen weltbekannter Großstädte, darunter New York, Paris und London. Doch auch weitläufige Farmen sowie steinige Täler mit tiefen Schluchten gehören zu den Schauplätzen. Mit eurem Team aus bis zu vier Rekruten startet ihr in die Mission. Eure Aufgabe besteht darin, alles über den Haufen zu ballern, was mit einem roten Punkt auf der Minimap am oberen rechten Eck eures Bildschirms markiert ist. Das tut ihr immer wieder. Einzig die Schauplätze und eure Gegner ändern sich gelegentlich.


Neben den actiongeladenen Schusswechseln können bis zu drei potenzielle Rekruten innerhalb des Missionsortes gefunden werden. Diese könnt ihr retten, um sie fortan in euer Team aufzunehmen. Habt ihr bereits einen Rekruten desselben Typs in eurer Sammlung, steigt dieser in seinem Skill-Level auf. Letzteres kann sich bis zur zehnten Stufe steigern und schaltet schrittweise neue Ausrüstung für die Spielfigur frei, die ihr zwischen den Einsätzen ändern könnt. Während der Mission dürft ihr im Einzelspielermodus jederzeit zwischen euren vier Teammitgliedern wechseln. So könnt ihr größere Entfernungen mit einer agilen Soldatenklasse und deren Jetpack zurücklegen, nur um anschließend vor Ort auf eine der offensiveren, doch dafür langsamen Einheiten zurückzugreifen.


Der Roboter bahnt sich den Weg durch die Häuserschlucht – ohne Rücksicht auf Kollateralschäden.

© D3 Publisher

Earth Defense Force: World Brothers lässt euch alle Soldatenklassen der bisherigen Spiele in euer Team aufnehmen, insofern ihr diese vorher rekrutiert bzw. freigeschaltet habt. Zu diesen gesellen sich noch die sogenannten World Brothers. Dabei handelt es sich um außergewöhnliche Rekruten, die man zunächst nicht auf dem Schlachtfeld vermutet, darunter ein Vampir, ein Astronaut oder eine fiktive japanische Pop-Ikone. Obwohl sie sich nicht unbedingt ins Kriegsszenario einfügen möchten, unterstreichen sie jedoch gekonnt die Absurdität, für welche die Reihe seit jeher steht.


All die verfügbaren Spielfiguren haben ihre Stärken und Schwächen, welche man in der jeweiligen Statistik zwischen den Einsätzen einsehen kann, sowie einen eigenen verheerenden Spezialangriff. Mit dem Erlegen der vielfüßigen Feinde und anderem Gesocks füllt sich eine kleine Anzeige am unteren Bildschirmrand. Ist diese voll, könnt ihr per Knopfdruck einen mächtigen Spezialangriff ausführen. Diese haben nicht nur reichlich Durchschlagskraft, sondern werden zudem auch schick inszeniert. Wollt ihr die Zeit zwischen den powervollen Attacken verkürzen, könnt ihr auch gelbe Kisten einsammeln, die erledigte Gegner mitunter fallen lassen.


Wie schon seine Vorgänger lässt sich auch Earth Defense Force: World Brothers alleine oder mit drei weiteren Spielern zusammen spielen. Auf euch allein gestellt habt ihr den Vorteil, dass ihr jederzeit zwischen den Mitgliedern eures Teams wechseln könnt, während der Computer die Steuerung des Rests übernimmt, und euch somit nicht auf eine Klasse festlegen müsst. Allerdings ist der Bewegungsradius der Figuren, welche nicht aktiv vom Spieler kontrolliert werden, stark eingeschränkt. Außerdem entfaltet sich der Spaß von Earth Defense Force erst vollständig, wenn man es sich mit den besten Freunden vor der heimischen Glotze bequem macht. Leider müssen Nutzerinnen und Nutzer einer Nintendo Switch auf einen lokalen Koop-Modus verzichten. Einzig mit mehreren Konsolen lassen sich lokal und online Mehrspielerpartien austragen.


Gelegentlich findet ihr euch auch in naturbelassenen Gebieten wieder.

© D3 Publisher

Das Spiel verfügt über fünf Schwierigkeitsgrade. Während das Spiel auf „Normal“ zu Beginn noch recht einfach wirkt, können spätere Einsätze schon einmal zum Ableben der ein oder anderen Spielfigur führen, was natürlich auch an der schieren Masse gegnerischer Einheiten liegt. Ein sechster und letzter Schwierigkeitsgrad mit dem treffenden Namen „Armageddon“ ist Bestandteil des Season Pass und erscheint bereits in wenigen Tagen.


In der Optik unterscheidet sich Earth Defense Force: World Brothers komplett von den restlichen Serienablegern, die sich stets um eine glaubhafte Darstellung bemüht haben. Diesmal präsentiert sich der Third-Person-Shooter in einer Klötzchenoptik à la Minecraft. Das Gewand mag nicht jedem gefallen, bietet aber gelegentlich tolle Bilder, was nicht zuletzt an der zerstörbaren Umgebung liegt. Wenn ein riesiger Roboter sich seinen destruktiven Weg durch die Häuserschluchten von New York bahnt, ist das schon recht stimmungsvoll und weiß zu gefallen. Extreme Detailverliebtheit sucht man aber vergebens. Klanglich wird das Ganze von der Geräuschkulisse dominiert, die während einer Schlacht gegen außerirdische Lebensformen nun mal entsteht. Musikalisch bleibt neben der heiteren Melodie im Hauptmenü leider nicht allzu viel hängen.


Technisch präsentiert sich Earth Defense Force: World Brothers überraschend positiv auf der Nintendo Switch. Die Reihe war noch nie für ihre tolle Performance abseits der hochgezüchteten Gaming-Rechner bekannt. Umso erfreulicher ist die Tatsache, dass das Spin-off weitgehend flüssig auf Nintendos Hybridkonsole wiedergegeben wird. Besitzerinnen und Besitzer von Nintendos aktuellem Zugpferd müssen nichtsdestotrotz mit einer geringeren Auflösung und vereinfachter Schattendarstellung vorliebnehmen. Aufgrund des einfachen Grafikstils sind derartige Limitationen allerdings zu verschmerzen. Was schon eher ins Auge sticht, ist die ruckelige Animation von weit entfernten Feinden. Diese lässt das Bild unnötig unruhig erscheinen. Alles in allem kann man aber auch auf der schwächeren Plattform eine Menge Spaß mit dem Spiel haben, wenn man über die technischen Makel, welche sich durch alle Ableger der Serie ziehen, hinwegsehen kann.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Felix Kraus

Earth Defense Force: World Brothers ist kein Spiel für jedermann. Könnt ihr euch auf die stumpfsinnige Unterhaltung einlassen und habt dazu noch ein paar Freunde am Start, die ebenfalls im Besitz einer Nintendo Switch und des Spiels sind, erwarten euch ein paar wundervolle Stunden mit hirnlosem Spaß. Der Titel hat das Potenzial, immer wieder einmal eingelegt und für ein paar Runden gezockt zu werden. Leider müssen Nutzerinnen und Nutzer von Nintendos Hybridkonsole auf einen lokalen Mehrspielermodus verzichten, womit der Titel definitiv an Attraktivität verliert. Auch solltet ihr ein Auge zudrücken können, wenn es im Eifer des Gefechts mal zu kleineren Rucklern kommt.
Mein persönliches Highlight: Der konsequente Irrsinn, der sich durch das gesamte Spiel zieht.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 3

  • KemoSabe666

    Turmritter

    Schade, davon würde ich gerne erstmal eine Demo spielen um zu sehen wie es technisch ist.

  • StefanJens

    Turmknappe

    Ich bin durchaus ein Fan der EDF-Reihe, aber dieser Teil hier mit seiner Pixel-Optik spricht mich persönlich einfach überhaupt nicht an.

  • nec3008

    Turmheld

    Hab schon einige EDF Versionen gespielt und die waren immer spaßig, aber hauptsächlich wegen dem Splitscreen-Koop.

    Schade, das die bei der Switch-Version darauf verzichten mussten und das obwohl die Grafik durch die Klötzchen schon einfacher gehalten wurde.

    Aber die EDF-Teile waren eigentlich nie gut optimiert und ruckelten fast immer....

    Naja, wart ich halt auf das nächste "richtige" EDF. Der fünfte Teil wurde ja zusammen mit diesem angekündigt.