Der Tod kommt in vielen Formen!

Dass das Alter Spuren hinterlässt, ist keine Neuheit, doch mit solchen Spuren, wie sie in „Just Die Already“ auftreten, muss in der Realität glücklicherweise kein Senior rechnen. Der Spieltitel im Sandbox-Chaos von DoubleMoose Games ist Programm und so verschlägt es vier tapfere Greise und Greisinnen in eine Stadt voller zufriedenstellender Möglichkeiten zum Sterben. Ob der Titel euch auch auf eure alten Tage in Erinnerung bleiben wird oder aus dem Gedächtnis fliegt, wie die dritten Zähne aus dem Mund, erfahrt ihr in unserem Test.


Hier gehört noch niemand zum alten Eisen


Mischt man eine offene Welt im Comic-Stil mit lauter chaotischen Möglichkeiten und Freiheiten, sich dort nach Belieben auszutoben und einer riesigen Portion schwarzem Humor erhält man Just Die Already. Keine aufwendige Handlung, keine zahllosen Nebenaufgaben, kein komplexes Kampfsystem – nichts, womit man sonst in einen Videospiel einsteigen würde, ist hier vonnöten. Just Die Already reiht sich nämlich ein in die nicht mehr ganz so seltene Gattung der skurrilen Simulationsspiele, die euch die verrücktesten Dinge machen lassen. Worum es geht, lässt sich also recht schnell zusammenfassen. In der Haut zweier Senioren und Seniorinnen, zwischen denen frei gewechselt werden kann, sitzt ihr erstmal in einem heruntergekommenen Altersheim fest. Die jungen Leute interessieren sich nicht für eure Belange und eure „Mitinsassen“ bieten auch keine Unterhaltung. Der Plan steht fest: Ein Rausschmiss ist der einzige Weg in die Freiheit. Zwar gibt es noch kein weitläufiges Areal zum Erkunden, doch schon hier entfaltet sich das pure Chaos des Gameplays.


Die Oma fährt im Hühnerstall Walzenzug ... oder so ähnlich.

© DoubleMoose Games

Die Steuerung gestaltet sich dabei sehr einfach. Mit den Schultertasten nehmt ihr Objekte in die jeweilige Hand und mit ZL und ZR könnt ihr diese benutzen. Wer auf eine alternative Fortbewegung setzt, kann außerdem in einen Ragdoll-Modus schalten. Dass das Sterben eine große Rolle spielt, zeigt sich hier bereits zu Beginn. Schon leichte Berührungen reichen, um euch einen Arm, ein Bein, oder so ziemlich alles zu rauben, bis ihr nur noch ein umherrollender Torso seid und genügend Krafteinwirkung führt letztlich zum „Game Over“-Bildschirm. Da hier das Herumexperimentieren und spaßige Tode im Fokus stehen, hat ein Ableben aber natürlich keinerlei Auswirkungen. Die merkwürdigen Situationen, die hierdurch entstehen, sind zwar witzig anzusehen, jedoch verliert man mitunter doch zu schnell Gliedmaßen oder gleich den ganzen Körper, sodass das häufige Zurücksetzen, welches jederzeit auch selbstständig möglich ist, mitunter lästig werden kann.


Gestalten sich die Möglichkeiten Chaos zu stiften während des kurzen Abschnitts im Altersheim noch recht begrenzt, entfalten sich sämtliche Inhalte in geballter Form, sobald die Stadt erreicht wird. Hier bietet das Spiel ein weitläufiges Gebiet, in dem nach Herzenslust herumgespielt werden darf. Wie für das Genre üblich, fehlt es an einer Handlung, denn die ist gar nicht nötig. Stattdessen führen euch Aufträge in Form sogenannter Lebensziele durch das Rentnerdasein. Hierbei müsst ihr verschiedene kleine Aufgaben lösen, oder einfach bestimmte Dinge im Spiel erreichen, zum Beispiel mit einer gewissen Anzahl an Fahrzeugen zu kollidieren. Die Nebenaufgaben sind nett und abwechslungsreich, bleiben aber nur eine lose Schnur, an der man sich entlanghangeln kann. Als Belohnung winken neue Gegenstände, die ihr euch jederzeit an einem Automaten abholen könnt. Zusätzlich sind hier und da Coupons versteckt, die ebenfalls Items freischalten.


In der Stadt ergeben sich wortwörtlich so manche ungeahnte Möglichkeiten.

© DoubleMoose Games

Obwohl die Stadt mit Ihren verschiedenen Ecken zwar beim ersten Betreten eine große Menge an Möglichkeiten suggeriert, fällt diese letztlich jedoch kleiner aus als gedacht. Insgesamt lässt der Entdeckerdrang in Just Die Already dadurch recht schnell nach, was andere Titel des Genres besser lösen. Mit dem Mehrspielermodus bietet sich jedoch eine Gelegenheit, auch gemeinsam mit Freunden Unruhe zu verbreiten, was die Erfahrung gegenüber dem Einzelspieler-Erlebnis deutlich verbessert. Damit man sich schnell durch die Stadt bewegen kann, stehen hier und da verschiedene Fahrzeuge zur Verfügung, sei es ein Fahrrad, Motorrad oder sogar ein Gabelstapler. Auch computergesteuerte Autos bevölkern die Straße und nehmen dabei keinerlei Rücksicht auf Fußgänger oder andere Verkehrsteilnehmer. Unfälle sind hier also vorprogrammiert und sorgen mitunter für die lustigsten Momente.

Gerade bei den Fahrzeugen lässt die Steuerung allerdings deutlich zu wünschen übrig. Kommt man ansonsten recht gut durchs Spiel, immer begleitet von einer gewissen Prise Ungenauigkeit, die aber zur chaotischen Natur des Titels beiträgt, lassen sich Gefährte so schwer steuern, dass es unangenehm wird. Eine präzisere Steuerung hätte insgesamt, hier aber besonders geholfen, damit man die gewünschten unsinnigen Gameplay-Experimente auch durchführen kann. Optisch macht Just Die Already einen guten Eindruck, obwohl die Nintendo Switch-Version grafisch ein wenig heruntergedreht wurde. Dadurch läuft der Titel allerdings jederzeit flüssig, sodass man neben der hakeligen Steuerung nicht noch mit Framedrops zu kämpfen hat. Der Comic-Stil ist zur Prämisse des Titels stimmig, bleibt aber, ebenso wie das Sound-Design, unscheinbar. Insgesamt hält Just Die Already was es verspricht, kommt aber nicht umhin, bei Umfang und Umsetzung einige Mängel mitzunehmen, die vergleichsweise einfach hätten umgangen werden können.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Robin Jung

Just Die Already ist in einem Genre angesiedelt, das eine Nische bedient und das ist definitiv nichts Schlechtes. Vielfalt ist wichtig und gerade Sandboxspiele überschlagen sich regelrecht vor Möglichkeiten und witziger Ingame-Physik. Es ist allerdings ebenso wichtig festzuhalten, dass Just Die Already dadurch nicht für jeden geeignet ist und man sich im Klaren darüber sein muss, was einen in Sandboxspielen à la Goat Simulator erwartet. In diesem spezifischen Fall kommt dann noch hinzu, dass der Titel von technischen Schwächen und einer doch nicht ganz so großen Vielfalt belastet wird, wodurch schnell eine Eintönigkeit entsteht. Besonders im Mehrspielermodus ist das Herumexperimentieren mit der Welt zwar gewohnt spaßig, doch hätten eine größere Menge an Aufträgen oder weitere Collectibles, die über die Welt verstreut sind, der Motivation gut getan. Für Genre-Fans stellt Just Die Already dennoch eine gelungene Erfahrung dar, aus der man so manche Stunde herausholen kann, doch bleiben Gameplay und Humor speziell.
Mein persönliches Highlight: Nebenaufträge abschließen und in der Stadt mit verschiedenen Fahrzeugen herumdüsen, um die unterschiedlichsten Winkel zu erreichen.

Die durchschnittliche Leserwertung

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