Setzt Segel nach Port Royale!

Immer mehr PC-Spiele finden ihren Weg auf die Nintendo Switch. So auch das Ende letzten Jahres erschienene Port Royale 4. Hierbei handelt es sich um den neuesten Teil der beliebten karibischen Wirtschaftssimulation vom Publisher Kalypso Media. Die PC-Version erzeugt bei vielen Fans gemischte Stimmung, da es einerseits nach acht Jahren endlich eine Fortsetzung gibt, diese jedoch andererseits auch mit einigen Traditionen bricht. Da es auf der Nintendo Switch jedoch wenig vergleichbare Spiele gibt, könnte Port Royale dennoch für den ein oder anderen interessant sein.


Auf der Seekarte seht ihr neben den Siedlungen auch mit Sternen markierte Aufträge.

© Kalypso Media Group GmbH

In Port Royale 4 übernehmt ihr ein Handelsunternehmen in der Karibik zur Kolonialzeit Amerikas. Im Auftrag einer der vier Kolonialmächte Frankreich, Spanien, Niederlande oder England kauft und verkauft ihr Waren in den einzelnen Städten, um den Wohlstand zu vergrößern. Um möglichst viel Geld zu erwirtschaften, sucht ihr zunächst Städte, die ein bestimmtes Überangebot von Waren haben, kauft diese dort ein und verkauft sie anschließend wieder in einer anderen Stadt. Mithilfe einer kleinen Balkenanzeige könnt ihr sehr einfach erkennen, welches Gut in einer Stadt gerade im Überfluss vorhanden ist und welches dringend gesucht wird. Je mehr grüne Balken, desto besser ist die Nachfrage gedeckt. Bei vier grünen Balken ist der Preis einer Ware im Keller, sodass ihr hier beim Verkaufen nur Verluste machen könnt. Kauft ihr die Ware hier jedoch ein und verkauft sie in einer anderen Stadt, lassen sich hohe Gewinne erzielen.


Der Transport der 25 verschiedenen Güter erfolgt in Port Royale ausschließlich per Schiff. Hierfür bildet ihr aus einem oder mehreren Schiffen einen Konvoi, den ihr anschließend beladen und an eine andere Stadt versenden könnt. Wie viele Fässer an Waren ihr mitnehmen könnt und wie lange euer Konvoi unterwegs ist, hängt hierbei unter anderem von den gewählten Schiffen ab. Im Gegensatz zu vorherigen Port Royale-Teilen wirkt sich die Anzahl der Matrosen nicht auf den normalen Spielverlauf aus. Sie beeinflussen ausschließlich die Seeschlachten, wodurch ihr gerade am Anfang des Spiels drastisch an Personalkosten sparen könnt. Auch die Zuweisung eines Kapitäns ist bei einem Handelskonvoi optional. Soll in eurem Konvoi jedoch ein Schiff mit Kanonen mitfahren, benötigt ihr zwingend einen Anführer.


Die Konvois eurer Flotte könnt ihr wahlweise von Hand steuern oder ihr verwendet Handelsrouten. Steuert ihr den Konvoi selbst, so habt ihr die volle Kontrolle über den Fahrtweg und die Aktionen, die durchgeführt werden. Gleichzeitig kostet dies Zeit und wird bei vielen Konvois irgendwann mühselig und unübersichtlich. Die automatischen Handelsrouten sind hier viel praktischer. Ihr wählt eine Reihe von Städten aus, die der Konvoi anfahren soll und welche Waren angekauft bzw. verkauft werden sollen. Ihr könnt für jede Stadt auch die automatische Standardeinstellung verwenden. Hierbei werden alle produzierten Waren auf Einkaufen und alle anderen Waren auf Verkaufen gesetzt. Lasst ihr dann die restlichen Einstellungen noch auf Auto, so wird der Konvoi vollkommen automatisch die Menge und den Preis der Waren kalkulieren. Noch nie war eine automatische Handelsroute einfacher.


Städte in Eigenregie – wenn ihr denn möchtet


Sehr schnell werdet ihr bei euren Handelsrouten merken, dass ihr eigentlich viel mehr verkaufen könntet, wenn von den einzelnen Waren mehr produziert würde. Habt ihr in einer Stadt eine Baugenehmigung, dann könnt ihr genau dieses Problem lösen. Hierbei gibt es jedoch einige Dinge zu beachten. Ihr könnt beispielsweise nicht in jeder beliebigen Stadt Getreide anbauen, sondern müsst auf die Fruchtbarkeiten der Städte achten. Dieses Prinzip kommt vermutlich dem ein oder anderen Anno-Spieler bekannt vor. Allerdings wirkt es an manchen Stellen etwas sonderbar. So benötigt eine Stadt eine Fruchtbarkeit für Holz, damit ihr dort ein Sägewerk erbauen könnt. Warum die umliegenden Bäume der anderen Städte nicht zu Holz verarbeitet werden können, wird auf ewig ein Geheimnis bleiben. Neben den Fruchtbarkeiten spielt auch die Anzahl der produzierten Waren eine Rolle beim Bauen von eigenen Betrieben. So darf jede Stadt maximal sieben verschiedene Waren produzieren – sind diese bereits belegt, so kann keine neue Ware hergestellt werden.


Der obere Teil des Konzessionsbaums ist für alle Nationen gleich. Unten gibt es Unterschiede.

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Und dann wären da noch die Arbeitskräfte. In der Kolonialzeit gab es noch keine maschinelle Fertigung, für jeden Arbeitsschritt muss also ein Arbeiter her. Wenn ihr wild neue Betriebe in die Städte baut, dann wird bald der Wohnraum knapp. Ist der Wohnraum aufgebraucht, werden keine neuen Bewohner in die Städte kommen und somit wird euch die Arbeitskraft fehlen. In den Städten, die der Computer verwaltet, müsst ihr dann wohl oder übel abwarten, bis dieser neue Wohngebäude baut. Allerdings könnt ihr die Gemeinden auch selbst verwalten. Zu Beginn des Spiels ist eure Heimatstadt bereits unter eurer Verwaltung. Dies hat den Vorteil, dass außer euch niemand mehr in dieser Stadt irgendetwas bauen wird. Dies schließt neue Betriebe mit ein. Allerdings hat es auch den Nachteil, dass ihr nun selbst für die Wohngebäude verantwortlich seid. Die städtischen Gebäude müsst ihr aus eurer eigenen Tasche zahlen und erwirtschaften leider auch keinen Gewinn für euch. Allerdings werden größere Städte auch mehr Waren benötigen, wodurch ihr hier beim Handel wieder zusätzliches Geld einnehmen könnt.


Wollt ihr neben eurer Heimatstadt noch andere Städte verwalten, so müsst ihr euren Vizekönig aufsuchen. Dieser kann jederzeit im Aktionsmenü ausgewählt werden. Für die Aktionen bei ihm benötigt ihr Ruhm-Punkte, die ihr durch Aufträge von anderen Städten, dem Vernichten von Piraten oder dem Liefern von Kolonialwaren an die Stadt des Vizekönigs bekommt. Die so erarbeiteten Ruhm-Punkte könnt ihr dann beispielsweise für Verwaltungsrechte ausgeben. Alternativ könnt ihr mit den Punkten auch Konzessionen erwerben, um komplexere Waren wie Bier, Schnaps oder Törtchen zu produzieren.


Wird euch der friedliebende Handel auf Dauer zu langweilig, könnt ihr euch auch in Seeschlachten stürzen. Hierfür benötigt ihr lediglich einen bewaffneten Konvoi mit einem Kapitän. Um vor feindlichen Enterversuchen geschützt zu sein, solltet ihr zusätzlich auch einige Matrosen mitnehmen. Wollt ihr Ruhm verdienen, so könnt ihr mit dem bewaffneten Konvoi auf Piratenjagd gehen. Jeder versenkte Piratenkonvoi macht eure Handelsrouten sicherer und steigert euer Ansehen bei eurem Vizekönig. Vielleicht schafft ihr es auch, das Versteck eines Piraten zu finden und dieses so lange zu belagern, bis dieser aufgibt. In diesem Fall verschwindet der Pirat dauerhaft aus dem Spiel, allerdings wird schnell ein anderer seinen Platz einnehmen. Darüber hinaus bietet das Spiel auch die Möglichkeit, selbst ein Pirat zu werden. Ihr hisst dann einfach selbst die Jolly Rogger und überfallt andere Handelskonvois. Dass dies jedoch nicht unbedingt zu großem Ruhm führt, versteht sich hoffentlich von selbst.


In der Seeschlacht ist ein wenig Strategie gefragt. Allerdings habt ihr auch alle Zeit der Welt, euren Zug zu durchdenken.

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Die Seeschlachten werden in Port Royale 4 zum ersten Mal rundenbasiert durchgeführt. Hierbei steuert ihr und der Gegner abwechselnd ein einzelnes Schiff. Wie weit ihr euer Schiff dabei bewegen könnt, hängt von den Bewegungspunkten ab. Pro Bewegungspunkt dürft ihr ein Hexagon-förmiges Feld in gerader Linie weiterziehen. Daneben gibt es noch die Manövrierpunkte, die ihr zum Drehen des Schiffs benötigt. In jedem Zug dürft ihr auch eure Kanonen abfeuern, hierbei wird immer eine ganze Seite eures Schiffs abgefeuert. Positioniert ihr euer Schiff also günstig, so könnt ihr beide Seiten pro Zug abfeuern und so maximalen Schaden verursachen. Zusätzlich gibt es noch verschiedene Taktiken, die ihr einsetzen könnt. Jedes bewaffnete Schiff stellt euch eine Schiffstaktik zur Verfügung, diese Laden sich nach kurzer Zeit wieder auf und stehen euch daher im Kampf mehrmals zur Verfügung. Daneben gibt es noch Kapitänstaktiken, die unabhängig von den gewählten Schiffen verbraucht werden können. Diese sind meistens Belohnungen für Aufträge und können nur einmalig eingesetzt werden.


Das bis hierhin beschriebene Spielprinzip wird euch in zwei Spielmodi sowie einer Tutorial-Reihe nähergebracht. Das Tutorial ist hierbei in einzelne Lektionen unterteilt, die sich auf einzelne Kernaspekte des Spiels konzentrieren. Als kleine Belohnung bekommt ihr für alle zukünftigen Spiele den Bauplan der Queen Ann, falls ihr alle Lektionen erfolgreich absolviert. Die Queen Ann steht euch dann in der großen Werft eurer Heimatstadt zur Verfügung und glänzt sowohl mit hoher Kanonenzahl als auch großem Frachtraum. Darüber hinaus könnt ihr in Davy-Jones-Manier die Kraken-Taktik im Kampf verwenden.


Ob Kampagne oder freies Spiel, für jeden ist etwas dabei


Der Kampagnenmodus ist in die einzelnen Kolonialmächte unterteilt. Zu Beginn steht euch nur Spanien zur Verfügung. Bevor ihr mit der Kampagne beginnt, könnt ihr eure Flagge erstellen und einen von vier Charakteren auswählen: Abenteurer, Pirat, Händler oder Freibeuter. Jeder Charakter steht in einer männlichen und einer weiblichen Variante zur Verfügung und gibt euch Boni in bestimmten Bereichen. So verliert der Pirat weniger Ruhm bei der Piraterie und der Händler darf auch in Kriegszeiten mit allen Nationen Handel betreiben. Die Wahl des Charakters unterstützt euch zwar bei eurem gewünschten Spielstil, dennoch stehen euch alle Wege offen. Auch ein Händler kann gelegentlich der Piraterie nachgehen. Im Spiel selbst werden euch von eurem Vizekönig bestimmte Aufgaben gestellt, die ihr in einem Zeitlimit erledigen müsst. Diese Aufgaben zwingen euch, euch mit den einzelnen Mechaniken des Spiels auseinanderzusetzen. So werdet ihr in der spanischen Kampagne in einer Stadt Holz und in einer anderen Stadt Rum produzieren. Da für die Rumproduktion Holz benötigt wird, müsst ihr euch also um eine konstante Holzbelieferung kümmern. Habt ihr die Spanienkampagne erfolgreich abgeschlossen, stehen euch die Niederlande, Frankreich und England zur Verfügung, aus denen ihr nun frei wählen könnt.


Zoomt ihr zu weit ins Spiel hinein, werden die Texturen etwas matschig.

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Im freien Spiel habt ihr nun vollkommene Freiheit. Bereits zu Beginn müsst ihr euch für eine der Kolonialmächte entscheiden, welche wiederum alle ebenfalls kleinere Boni sowie zwei spezielle Schiffstypen mitbringen. Danach könnt ihr viele weitere Einstellungen für eure Runde vornehmen. Hier lässt sich die Schwierigkeit auf vielerlei Art justieren. Ihr könnt beispielsweise die Balkenanzeige bei den Waren abschalten. Auch die Anzahl der Städte eurer Nation, eure Heimatstadt sowie die Verteilung der Ressourcen könnt ihr beeinflussen. Im Spielverlauf selbst bekommt ihr eine zufällige Zielsetzung sowie einige optionale Ziele mit Zeitlimit. Mir persönlich hat im Einzelspiel ein wenig Konkurrenz gefehlt. Rivalisierende Unternehmen, die es aus dem Geschäft zu drängen gilt, hätten dem Ganzen noch etwas mehr Würze verliehen.


Die Steuerung ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Mit dem linken Analog-Stick bewegt ihr die Kamera, mit dem rechten dreht ihr sie. Während ihr in den Städte- und Konvoi-Menüs auf dem PC mit zusätzlichen Schaltflächen verwöhnt werdet, müsst ihr in der Nintendo Switch-Version die Tasten X und Y verwenden. Was genau die einzelnen Tasten machen, seht ihr jederzeit am unteren Bildschirmrand. Die Steuerung über Schaltflächen wäre mir an dieser Stelle jedoch lieber gewesen. Als besonders nervtötend empfinde ich die Bedienung der Spielgeschwindigkeit. Mit der Minustaste öffnet ihr ein kleines Pop-up-Menü, in dem ihr zwischen den verschiedenen Geschwindigkeiten wählen könnt: Pause, halbe, normale, dreifache und fünffache Geschwindigkeit. Haltet ihr die Minustaste gedrückt, wechselt ihr zwischen Pause und der zuvor gewählten Geschwindigkeit. Ein einfaches Durchwechseln ist nicht möglich. Hier hätte ich mir gewünscht, dass das einfache Betätigen der Minustaste auf die nächste Geschwindigkeit schaltet und ich so nicht immer das kleine Menü öffnen muss. Port Royale 4 besitzt neben den deutschen Bildschirmtexten auch eine komplett deutsche Sprachausgabe. In den normalen Zoomstufen sieht die Grafik sehr ansprechend aus, zoomt man jedoch zu weit hinein, werden die Texturen recht schnell matschig.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Philipp Freibauer

Port Royale 4 ist für mich eine sehr gelungene Wirtschaftssimulation auf der Nintendo Switch. Da es in diesem Genre leider ohnehin wenig Auswahl gibt, bin ich umso erfreuter, dass die Umsetzung auch noch weitestgehend frei von technischen Fehlern ist. Viele Kritikpunkte der PC-Spieler konnte ich nicht wirklich nachvollziehen, besonders die Änderungen am Kampfsystem machen Port Royale 4 für mich viel angenehmer zu spielen. Die Idee, das Abschließen des Tutorials mit einer kleinen Belohnung zu verbinden, finde ich sehr gelungen. Warum allerdings keine KI-Konkurrenten ins Spiel eingebaut wurden, ist mir schleierhaft. Diese hätten gerade im Freien Spiel nochmals Pep reingebracht. Ein weiterer kleiner Wermutstropfen: Die PC-Version hat mit dem DLC „Buccaneers“ bereits einen vollwertigen Piratenmodus bekommen. Dieser ist in der Nintendo Switch-Version noch nicht verfügbar.
Mein persönliches Highlight: Nach anfänglicher Einarbeitungsphase konnte ich zusehen, wie Stück für Stück die Millionen auf mein Konto flossen.

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