Zwei Fräulein ziehen in die Schlacht

Häufig erscheinen in Japan Videospiele, die für westliche Verhältnisse etwas skurril erscheinen. Dazu würde ich auch Wing of Darkness zählen, ein Spiel, bei dem junge Damen einen Mech übernehmen und damit haufenweise Feinde in Luftkämpfe vom Himmel holen. Somit können wir schon mal einen Haken setzen, dass das Spiel etwas verrückter ist. Was Wing of Darkness jedoch sonst noch zu bieten habt, erfahrt ihr in den nächsten Absätzen.


In den Zwischensequenzen wird näher auf die Beziehung zwischen Klara und Erika eingegangen.

© Production Exabilities

Die Geschichte handelt von Klara Ernst, die über einen Auftrag Bekanntschaft mit Rudolf Dettmann von der Bundesluftwaffe schließt. Dieser erzählt ihr von einem Krieg gegen mysteriöse Wesen namens Blanka. Um gegen diese Wesen zu kämpfen, kommt das

Held-System" ins Spiel, das nur junge Frauen mit besonderen Fähigkeiten bedienen können. Die auserwählten Damen sind auch besser als „Fräulein“ bekannt. Klara wird daraufhin rekrutiert und schließt sich der Einheit „Abend-Flügel“ an, in der sie Erika kennenlernt und sich mit ihr anfreundet. Nach jeder Mission folgen Zwischensequenzen, die die Beziehung der beiden näher beleuchten. Diese Momente erinnern an Visual Novels, die ausschließlich in Form von schön gezeichneten Standbildern visualisiert werden. Die Storyszenen können dabei auch mal um die fünf Minuten lang sein. Hauptsächlich dreht es sich nur um Klara und Erika, während Rudolf ab und zu thematisiert wird. Leider werden die anderen Mitglieder von „Abend-Flügel“ so gut wie nie behandelt, wenn überhaupt werden diese nur schemenhaft dargestellt. Hier wäre es schöner gewesen, wenn der Zusammenhalt des gesamten Teams ebenfalls durchleuchtet wird, anstatt nur die Hauptprotogonistinnen zu zeigen. Als die Geschichte dann auch langsam Fahrt aufnimmt und die mysteriösen Feinde mehr zum Thema werden, endet das Spiel kurz darauf. Die Handlung fühlt sich deswegen nicht wirklich vollständig an und dadurch wird Potenzial verschenkt. Zudem ist das Spiel sehr kurz, bis zum Abspann sollten nicht mehr als drei Stunden vergehen.


Wing of Darkness ist komplett auf Japanisch synchronisiert und die Synchronsprecher machen hierbei einen wirklich sehr guten Job und hauchen den Figuren Leben ein. Das Spiel bietet zudem deutsche Untertitel. Übrigens sind die deutschen Namen nicht nur in unserer Übersetzung zu finden, die Figuren tragen auch in der Originalfassung diese Namen und werden auch entsprechend von den japanischen Sprechern so ausgesprochen.


Die Waffen eines Fräuleins


Neben der Story liegt das Hauptaugenmerk auf den Luftschlachten mit den Mechs, die junge Frauen zu Fräulein werden lassen. Die Steuerung fällt sehr einfach aus und benötigt keine längere Eingewöhnungsphase, was auch Einsteigern einen unkomplizierten Start ermöglicht. Mit den Sticks bestimmt ihr die Sichtrichtung und bewegt euch dementsprechend in diese, zudem kann der Mech auch seitlich geflogen werden. Per A- und B-Knopf kann das Fräulein auf- bzw. absteigen. Mit den Schultertasten wird geschossen bzw. ein Booster eingesetzt, um sich schnell über die Karte fortzubewegen oder Angriffen auszuweichen.


Diese riesigen Bomber gilt es auszuschalten.

© Production Exabilities

Insgesamt können drei Waffensysteme ausgerüstet werden, darunter fallen zum Beispiel ein Maschinengewehr, leichte und schwere Raketen sowie zielsuchende Projektile. Letztere eignen sich hervorragend, um mehrere Feinde gleichzeitig aufs Korn zu nehmen. Hierfür werden zuerst mit einer eigenständigen Taste die Gegner markiert, bevor die Schusstaste losgelassen wird und die Raketen auf ihr Ziel zurasen. Zwischen den anderen beiden Systemen wird innerhalb von Sekunden per Knopfdruck gewechselt. Am unteren Bildschirmrand ist stets der aktuelle Munitionsvorrat angezeigt, ein unendliches Dauerfeuer ist demnach nicht möglich – der Vorrat wird jedoch innerhalb weniger Sekunden wieder automatisch aufgefüllt. Vor jeder Mission besteht zudem die Möglichkeit, die Waffen individuell auszurüsten. Jedoch sind die bereits voreingestellten Waffen stets effektiv ausgewählt, sodass ich kaum etwas an der Ausrüstung ändern musste.


Als Fräulein bewegt ihr euch in großen 3D-Gebiete, in denen es teilweise von Feinden nur so wimmelt. Diese werden in der Ferne mit einer Raute angezeigt bzw. auf dem Mini-Radar als rote Punkte dargestellt. Wirklich bewundern könnt ihr die feindlichen Flieger leider nicht wirklich, da viele davon sehr klein sind und sich so rasch bewegen, dass ihr die meiste Zeit über nur die angezeigten Rauten zu Gesicht bekommt. Neben den fliegenden Gegnern gibt es aber auch stationäre Geschütze auf dem Boden bzw. Schiffe auf dem Meer, die ihr stattdessen genauer unter die Lupe nehmen könnt. Die Missionen haben zwar teilweise unterschiedliche Missionsziele wie zum Beispiel eine Infiltration durchzuführen oder eine feindliche Basis im Meer zu erobern, im Endeffekt müssen aber so gut wie immer einfach nur alle Feinde ins Jenseits befördert werden. Bei der Eroberungsmission tauchen mitunter so viele Feinde auf, dass es zum Ende hin schon fast nervig wird.


Feindliche Raketen werden auf dem Bildschirm mit einem Warnsymbol angezeigt. Sollten diese euer Fräulein treffen, regeneriert sich die Gesundheit nach kurzer Zeit jedoch automatisch wieder, sofern ihr euch außerhalb der Gefahrenzone befindet. Allgemein ist das Spiel nicht sonderlich schwer, zur Auswahl stehen zudem mehrere Schwierigkeitsstufen. Auch wenn ihr als Team in die Schlacht zieht, seht ihr eure Mitstreiter nicht wirklich in dem Gewusel, das mitunter in den Luftschlachten herrscht. Auch hat man nicht das Gefühl, dass die Kollegen sonderlich hilfreich sind. Während der Scharmützel unterhalten sich die beiden Hauptfiguren öfters miteinander, wobei die Untertitel am unteren Rand des Bildschirms angezeigt werden. Mitten im Kampfgeschehen fällt das Lesen der Dialoge sowie das gleichzeitige Kämpfen jedoch etwas schwierig, weswegen das Verfolgen der Untertitel oftmals auf der Strecke bleibt.


In dieser Mission muss die feindliche Basis erobert werden.

© Production Exabilities

Das Trefferfeedback ist leider nur schwer erkennbar, denn oftmals erscheinen Explosionen scheinbar mitten in der Luft, ohne einen erkennbaren Feind in der Nähe zu zeigen. So weiß man häufig nicht, ob nun das Ziel getroffen wurde oder nicht. Ein paar Gegner schlucken zudem gefühlt ein ganzes Munitionsdepot, hier wäre es deutlich einfacher, wenn Treffer besser erkennbar wären. Einmal hatte ich zudem einen Bug, bei dem ein Feind scheinbar tatsächlich unverwundbar wurde. Nachdem ich für ca. fünf Minuten alles in den Feind geschossen hatte, was nur irgendwie möglich war, lächelte dieser weiterhin nur müde und flog weiter fröhlich seine Kreise wie eine nervige Mücke. Als ich dann die Mission erneut gestartet hatte, verabschiedete sich derselbe Feind dann nach nur wenigen Treffern im Meer. Solch ein Bug kam in meiner Testphase jedoch nur ein einziges Mal vor. Ansonsten machen die Kämpfe trotz der paar Macken Spaß, was vor allem der geschmeidigen Steuerung und den rasanten Kämpfen geschuldet ist.


Die Grafik von Wing of Darkness reißt keine Bäume aus, erfüllt jedoch ihren Zweck. Viel Umgebungsdetails dürft ihr jedoch nicht erwarten. Fliegt ihr in niedriger Höhe über der Oberfläche, erkennt ihr schnell, dass diese relativ karg aussieht. Von der soundtechnischen Seite macht das Spiel jedoch vieles richtig. Der Soundtrack sticht hierbei heraus und wartet während der rasanten Kämpfen mit fetzigen Tracks auf, während bei den Storysequenzen eher ruhigere Musik gespielt wird. Liebäugelt ihr mit einem Kauf von Wing of Darkness, seid aber Fans von Handelsversionen, dann bleibt jedoch leider nur ein Blick nach Asien übrig. Dort erscheint das Spiel im Handel, auch in Form einer limitierten Edition. Darin enthalten ist unter anderem der Soundtrack auf CD und eine Acrylfigur.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Johannes Bausch

Wing of Darkness ist ein Mix aus Visual Novel sowie 3D-Luftschlachten, der als Kombo an sich gut funktioniert. Die Geschichte behandelt die Freundschaft von Klara und Erika, die gemeinsam als Fräulein gegen mysteriöse Wesen in die Schlacht ziehen. Leider hätte aus der Geschichte mehr gemacht werden können, so endet diese relativ schnell und abrupt. Das Gameplay macht durch die einfache Steuerung sehr viel Spaß, hat allerdings aber auch mit ein paar Problemen zu kämpfen. Das Schadensfeedback ist hierbei eines der größten Kritikpunkte, da oftmals nicht erkannt wird, ob ein Feind nun tatsächlich getroffen wurde oder nicht. Auch hätte es gerne mehr Missionen geben können. Jedoch sind die schnellen und dynamischen Kämpfe im Kern durchauchs spaßig. Während Wing of Darkness von der grafischen Seite sicherlich nicht das schönste Spiel auf der Nintendo Switch sein dürfte, überzeugt dafür der sehr fetzige Soundtrack während des Kampfgeschehens. Auch die japanischen Synchronsprecher machen einen tollen Job und bringen viele Emotionen in die Figuren. Fans von Animes, Visual Novels und Mechs können sich das Spiel gerne anschauen, falls ihr mit diesen Genres eher weniger anfangen könnt, macht eher einen Bogen darum.
Mein persönliches Highlight: Die vielen deutschen Namen und Begriffe, die in der japanischen Synchronisation auch genauso ausgesprochen werden.

Die durchschnittliche Leserwertung

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