Gewohnte Kost besonders schön aufbereitet

Ender Lilies: Quietus of the Knights erschien Ende letzten Monats für Konsolen, darunter die Nintendo Switch, und PC. Das Metroidvania entführt euch in eine düstere Fantasy-Welt, welche von einem mysteriösen Übel geplagt wird. Trotz der üppigen Konkurrenz im Genre kassiert der Neuzugang aktuell stabile Wertungen seitens der Presse und Spielerschaft. Ob wir den positiven Stimmen zustimmen können, erfahrt ihr in den nachfolgenden Zeilen.


Die sporadischen Zwischensequenzen tragen enorm zum Worldbuilding bei.

© Binary Haze Interactive

Wie soeben erwähnt, macht die finstere Spielewelt von Ender Lilies: Quietus of the Knights keinen sonderlich einladenden Eindruck. Im Königreich des Endlands herrscht Niederschlag. Dabei handelt es sich aber nicht um ein herkömmliches Wetterphänomen, sondern um den sogenannten Todesregen, der all die Lebewesen des Herrschaftsgebiet in den Wahnsinn treibt und in gefährliche Monster verwandelt. Ihr schlüpft in die Rolle von Lily, ein mysteriöses Mädchen komplett in weiß, welches in einer Kirche erwacht. An eure Seite gesellt sich der unsterbliche Geist eines einst edlen Ritters. Dieser begleitet euch fortan durch die verdorbene Stätte und leiht euch sein Schwert zur Verteidigung gegen die umherstreifenden Kreaturen. Woher rührt der verheerende Todesregen? Was ist eure Aufgabe in dieser trostlosen Welt? All das gilt es, im Verlauf eurer Reise herauszufinden.


Hinsichtlich der Handlung hält sich Ender Lilies: Quietus of the Knights zu Beginn bedeckt. Mit jedem gefunden Gegenstand, jeder gelesenen Notiz und jedem getöteten Gegnern entfaltet sich die Geschichte des Metroidvanias mehr. Ihr bekommt den Plot also nicht mit der Kelle serviert. Das Spiel erwartet eine gewisse Eigeninitiative, die daraus besteht, die einzelnen Bruchstücke in Korrelation zu setzen. Auch finden sich viele optionale Story-Schnipsel in der Spielewelt, welche der grundlegenden Geschichte zusätzliches Fleisch auf die Rippen packen und den Entdeckerdrang befeuern. Hierbei handelt es sich vorwiegend um mundgerechten Lesestoff, der selbst Lesemuffel nicht abschrecken dürfte. Gelegentlich dürft ihr euch auch eine kleine Zwischensequenz ansehen. Leider verfügt das Spiel über keinerlei Vertonung, allerdings fällt das neben dem phänomenalen Soundtrack nicht allzu sehr ins Gewicht – doch dazu später mehr.


Das blühende Reich der einstigen Magier sorgt für einen guten Kontrast zur sonst so finsteren Spielwelt.

© Binary Haze Interactive

Ender Lilies: Quietus of the Knights ist ein Metroidvania und spielt sich demnach auch so. Die zierliche Lily hat zu Beginn noch ein überschaubares Moveset, welches im Verlauf eures Abenteuers um weitere Fähigkeiten ergänzt wird, womit sich zuvor unüberwindbare Hindernisse passieren lassen. Das Besondere dabei ist, dass Lily die direkte Konfrontation scheut. Dies erledigt am Anfang der eingangs erwähnte Ritter mit seinem Schwert für euch. Für den Spieler bedeutet das jedoch nicht viel, da sich der Titel so spielt, als würdet ihr direkt angreifen, der Effekt ist also rein optischer Natur. Auf eurer Reise sammelt ihr noch weitere unsterbliche Geister, von denen ihr jeweils drei in euren zwei jederzeit umschaltbaren Sets ausrüsten könnt. Während manche Geister es euch erlauben, aus der Ferne anzugreifen, gehen andere mit eurem Gegenüber auf Tuchfühlung. Gerade bei Bosskämpfen lassen sich somit tolle Strategien entwickeln. Darüber hinaus könnt ihr die unsterblichen Begleiter mit sogenannter Unreinheit verbessern, welche ihr verstreut in der Spielewelt finden könnt.


Zusätzlich könnt ihr Lily mit Relikten ausrüsten, sofern euch die passende Anzahl an freien Slots zur Verfügung stehen, deren Anzahl ihr durch sorgfältiges Durchkämmen der Spielwelt steigern könnt. Diese erlauben es euch unter anderem, mehr Schaden einzustecken, ein weiteres Heilgebet zu sprechen oder eure teils begrenzten Begleiter öfter einzusetzen, ehe ihr wieder auf einer der großzügig verteilten Bänken rasten müsst. Letztere fungieren als Rücksetzpunkt im Falle eures Ablebens. Zudem könnt ihr dort Verbesserungen vornehmen, eure Ausrüstung verwalten und euren Spielstand sichern. Anders als bei ähnlichen Genrevertretern müsst ihr bei Ender Lilies: Quietus of the Knights nicht um euer Habe fürchten, solltet ihr mal ins Gras beißen. In diesem Fall startet ihr einfach am zuletzt besuchten Checkpunkt. Somit eignet sich der Titel auch für Spielerinnen und Spieler mit einer niedrigeren Frusttoleranz.


Die meisten der handlungsrelevanten Endgegner können mit ihrem Design überzeugen.

© Binary Haze Interactive

Spielerisch erwartet euch typische Metroidvania-Kost, darunter knackige Sprungpassagen und actiongeladene Kämpfe gegen die missgebildete Brut des Todesregen. Für Abwechslung sorgen kleinere Geschicklichkeitspassagen und natürlich imposante Bosskämpfe. Von diesen gibt es einige in Ender Lilies: Quietus of the Knights, darunter sind etwa zwei Drittel optional. Während die handlungsrelevanten Endgegner teils durch ihre Inszenierung glänzen können, gestalten sich die anderen Scharmützel weniger einprägsam, da es sich nur um stärkere Varianten herkömmlicher Gegner handelt. Unterm Strich wissen jedoch alle zu unterhalten, einzig der üppige Lebensbalken einiger späteren Bosse kann schon einmal an den Nerven und der Konzentration nagen. Allerdings kommt jeder größere Endkampf mit einem voranstehenden Rücksetzpunkt daher. Das bedeutet dass ihr, solltet ihr scheitern, nur minimal zurückfallt. Auch hier gestaltet sich Ender Lilies: Quietus of the Knights einsteigerfreundlich.


Hinsichtlich der Welt hat das Spiel einiges zu bieten. Obwohl die Gebiete zumeist düster und verfallen daherkommen, gibt es auch weniger bedrückende Gegenden wie das farbenfroh blühende Reich der einstigen Magier. Allgemein kann der Titel mit einer hohen Abwechslung trotz der vorherrschenden Grundstimmung auftrumpfen. Neben der Hauptpfade gibt es auch zahlreiche optionale Wege, deren Erkundung euch mit zusätzlichen Gegenständen und – wie eingangs erwähnt – Hintergrundinformationen belohnt. Auch zeichnen sich diese durch einen höheren spielerischen Anspruch aus, die den sonst relativ seichten Spielablauf würzen. Einen leicht ausgeprägten Entdeckerdrang solltet ihr allerdings mitbringen, denn Orientierungshilfen abseits der rudimentären Karte gibt es nicht und selten behindert ein gut versteckter Pfad euren Spielfortschritt.


Grafisch macht Ender Lilies: Quietus of the Knights eine tolle Figur. Die handgezeichnete 2D-Optik macht einiges her und glänzt mit tollen Details. Zudem läuft das Spiel angenehm stabil und in einer flotten Bildrate, die nur sehr selten einmal in die Knie geht, was der allgemeinen Spielbarkeit jedoch keinen Abbruch tut. Akustisch macht der Titel ebenfalls einiges her. Jedes einzelne Gebiet kommt mit einer eigenen musikalischen Untermalung daher, wobei das Klavier nicht selten im Vordergrund steht, und die meisten Melodien besitzen einen guten Ohrwurmcharakter. Solltet ihr also keine Aversion gegenüber klassischer Tasteninstrumente hegen, könnt ihr euch ebenfalls von den wohligen Klängen verzaubern lassen.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Felix Kraus

Ender Lilies: Quietus of the Knights hat mich positiv überrascht. Ich hatte das Spiel bis vor Kurzem gar nicht auf dem Schirm und nun möchte ich die Erfahrung nicht mehr missen. Klar erfindet der Titel das Rad nicht neu. Bei einer derartig üppigen Konkurrenz innerhalb des Genres würde dies einer Herkulesaufgabe gleichen. Vielmehr profitiert das Spiel dadurch, dass es keiner langen Eingewöhnungsphase bedarf. Solltet ihr bereits einige Metroidvanias gespielt haben, findet ihr euch in wenigen Minuten in einem Spielfluss wieder, der über die gesamte Spielzeit von etwa 15 Stunden anhält. Eine klare Kaufempfehlung für all diejenigen, die sich der Herausforderung annehmen möchten.
Mein persönliches Highlight: Der tolle Soundtrack, dessen Melodien mich die Tage über begleitet haben.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 20

  • Tabby

    Turmbaron

    Ich warte mal noch mit dem Kauf, da ich mir vorstellen könnte, das vielleicht noch ne Retail-Version erscheint.

  • Palatinum

    Turmritter

    Ab auf die Liste, will ich haben!

  • Rotbart93

    - Break In To Break Out -

    Das beste Spiel, welches ich dieses Jahr auf der Switch gezockt habe und auch das beste Metroidvania, seit Hollow Knight. Holt es euch!

  • Zarathustra

    (-)

    Ich Spiel das Spiel seit letztem Wochenende und würde allein wegen des Soundtracks auf ne 9 erhöhen,kann aber auch ne 8 nachvollziehen


    Wieder so ein Spiel,das,wenn es als retail Fassung erscheint,ein zweites Mal gekauft wird.

  • Rotbart93

    - Break In To Break Out -

    Ich finde es übrigens toll, dass ihr so viel über Indies berichtet, ich glaube zum ersten Mal aufmerksam auf das Game wurde ich auch hier durch ntower.

  • Footy

    Turmheld

    Der Test liest sich sehr gut. Auch auf Steam hat das Spiel eine sehr positive Bewertung. Jetzt bin ich schon ein wenig neugierig.

    Ich packe es mal auf die Wunschliste, könnte was für November/Dezember werden, wenn die Tage wieder kürzer werden.

  • Ninjasexparty

    Turmfürst

    Wenn ich nicht gerade an Samus Returns dran wäre, im Oktober Metroid Dread erscheint und ich dazwischen auch noch Ori 2 zocken wollte, dann wäre das Spiel jetzt Ideal ^^.

    Aber bei soviel Metroid und Metroidvania im Moment warte ich dann noch bis Jahresende ob evtl. doch noch eine Retail erscheint und schlage dann zu :)

  • Skaro

    Teilzeitspieler

    Ein sehr schöner Test :) Ich habe das Spiel auch schon gespielt und finde, mit dem Test kriegt man ein super Bild vom Titel. Auch deine Bewertung kann ich 1:1 teilen. Ein mehr als solides Metroidvania, das man als Fan des Genres auf gar keinen Fall verpassen darf, das aber auch nirgendwo wirklich heraussticht. Aber wie du schon sagst, ist das auch eine Aufgabe, bei der ich selbst für Silksong schlechte Chancen sehe :D

  • Rye

    GBA-Freak, Musik-Freak

    Yep, der Soundtrack läuft bei mir schon seit Tagen rauf und runter, da ham Mili ganze Arbeit geleistet.


    Das Spiel selbst macht einen soliden Eindruck..

    Aber solange RotN noch meinen Backlog ziert kommt mir kein weiterer MV Titel ins Haus.

    Nichmal Dread (welches das -vania streicht :-) )

  • Darkseico

    Turmbaron

    Das Spiel ist der Hammer. Danke für den schönen Test ntower. :)

    Ich zocke es schon seit knapp 6 Stunden und es ist echt super. Die Bosse sind so schön fordernd und ja wie einige es schon berichtet haben, der Soundtrack eine Wucht. Für jeden der es etwas härter mag geeignet. :)<3

  • Felix Eder

    Neues Mario Football pls!

    Hab mir jetzt auch mal den Soundtrack angehört und die Musik (sowie der Test und die Kommentare hier) machen wirklich Lust auf das Spiel - werde ich mal auf die Wunschliste setzen.

  • Zowser

    Turmheld

    Der soundtrack ist hammer. Grade der Titel North immer noch mein Liebling. Das Spiel ist natürlich auch Mega gut. Das art design die welt herum einfach alles hat mich gleich im Band gezogen. Obwohl es einfach wenig zeigt hier paar Text Zeilen, hier mal ein Boss oder items die Welt erklärt. Aber grade das finde ich klasse.

  • Skaro

    Teilzeitspieler

    Ich finde interessant, wie sehr der OST gelobt wird :D Also ich will das niemandem schlecht reden. Ich finde ihn auch super. Für mich ist der schönste Titel "The Witch's Breath". Allerdings finde ich eher nur die Kompositionen wirklich gut. Leider hören sich die Intrumente aber alle extrem krass nach VSTs an, was man ja mögen kann, aber mich macht es nach ner Stunde Spielen etwas fertig. Würden sie den Soundtrack mal orchestral aufnehmen, wäre das unfassbar cool.

  • Rotbart93

    - Break In To Break Out -

    Orchestraler Soundtrack ist dann auch eine Frage des Budgets :moneylink:

  • Skaro

    Teilzeitspieler

    Rotbart93

    Klaro. Ist für so einen kleinen Titel natürlich nicht möglich gewesen. Das drückt die Qualität vom Soundtrack für mich nur leider schon stark. Dann hätte ich es sogar schöner gefunden, wenn sie sich auf 4-5 Instrumente beschränkt hätten und diese dann in Studioqualität eingespielt hätten (vielleicht mit VST Unterstützung).

  • preacha

    Turmknecht

    Sieht interessant aus. Mal eine Frage: Ich mag das Genre. Ori habe ich beide Teile geliebt. Auch Hollow Knight hat mir eigentlich zugesagt aber ich musste da relativ früh beim ersten Bossfight gegen Hornet schon aufgeben. War mir zu hart. Wie ist der Schwierigkeitsgrad hier einzuordnen?

  • Rotbart93

    - Break In To Break Out -

    preacha Das Hauptgame ist schwerer als Hollow Knight definitiv. Hollow Knight holt dann aber mit den optionalen Bossfights und Afterstory wieder auf.

  • Zarathustra

    (-)

    preacha


    Finde die Bosse bisher stellenweise auch ungemein schwer,bisher hat's aber immer geholfen,zu erkunden und mit ein paar Upgrades, nem richtigen Set aus Geistern und ner Strategie wiederzukommen

  • preacha

    Turmknecht

    preacha Das Hauptgame ist schwerer als Hollow Knight definitiv. Hollow Knight holt dann aber mit den optionalen Bossfights und Afterstory wieder auf.



    Noch schwerer? Ok dann ist das wohl leider nichts für mich

  • Felix Kraus

    Redakteur

    preacha Ich persönlich empfand "Hollow Knight" als mühseliger hinsichtlich der Bosskämpfe, weil man nicht selten 'nen längeren Weg nach dem Ableben zurücklegen muss und zudem die gesammelte Währung verliert. In "Ender Lilies" musst du nicht um deinen Fortschritt fürchten und kannst den Boss aufgrund der voranstehenden Rücksetzpunkte relativ zügig erneut versuchen, was es in meinen Augen verzeihlicher und somit etwas leichter macht. Ein bisschen Frusttoleranz sollte man aber schon mitbringen, vor allem dann, wenn man das letzte Ende sehen möchte. Da ist Fingerakrobatik und Geduld gefragt. :)