Willkommen in der Otaku-Hölle

Im Jahre 2011 erblickte ein Spiel das Licht der Welt, welches sich besonders an Otaku und andere Japanverrückte richten sollte. Mit dem originalen Launch von Akiba's Trip für die PlayStation Portable konnten Spieler in Japan das erste Mal einen Blick in das Akiba's Trip-Universum werfen und dort das virtuelle Akihabara von gefährlichen Vampiren befreien. Nun, zehn Jahre später, dürfen wir uns im Westen auch über die Veröffentlichung des ersten Teils von Akiba's Trip freuen – und das auch noch in überarbeiteter Grafik mit dem Titel Akiba’s Trip: Hellbound & Debriefed für die Nintendo Switch. Jetzt heißt es für das Spiel und den Publisher "Hosen runter!", denn wir wollen einen besonders tiefen Blick in diese Produktion werfen.


Geklaute oder gekaufte Klamotten und Waffen können hier ausgerüstet werden. Je höher die Kraft, desto leichter sind die Feinde zu besiegen.

© ACQUIRE Corp.

Akiba's Trip spielt im tokioter Stadtteil Akihabara, einem Viertel, welches besonders durch seine florierende Anime- und Mangaszene bekannt ist. Als Held der Geschichte entkommt ihr dem Tod um Haaresbreite. Ein Vampir tötete nämlich euren Freund und auf der Suche nach ihm, wollte dieser auch euer Blut saugen. Doch der Gnade der Schwester des Angreifers sei Dank lebt ihr – irgendwie. Um euer Leben zu retten, gab sie euch ihr Blut. Über sehr lange Dialoge wird nun klar, dass ihr nun ebenfalls ein Vampir seid. Ihr werdet aber rekrutiert, um andere Vampire zu jagen und zu töten. Mit einem bunten Team in einer geheimen Untergrundorganisation geht es auf in die Schlacht.


Um die Stadt von diesen fiesen Vampiren zu befreien, müsst ihr ihre größte Schwäche ausnutzen: Sonnenlicht. Wenn Vampire ihren Körper dem Sonnenlicht zu lange aussetzen, verpuffen sie zu Asche und der Tag ist gerettet. Was aber die größte Stärke im Kampf ist, ist leider auch gleichzeitig eure Achillesferse. Da ihr selbst ebenfalls ein Vampir seid, ist Sonnenlicht für euch ebenfalls tödlich. Auf eurer Reise im Schatten begegnet ihr anderen interessanten und teils verrückten Menschen, nervtötenden aber hübsch gekleideten Maids und natürlich anderen Vampiren. Ein großes Abenteuer entfaltet sich mit euch und der mysteriösen Vampirfrau im Mittelpunkt. Was sind ihre Beweggründe, euer Leben zu retten, und sind Vampire wirklich das Böse oder steckt noch mehr hinter diesen mysteriösen Vorfällen im Einkaufsviertel von Tokio? Viele Fragen, die aufgeworfen und beantwortet werden wollen.


Das Kampfsystem gleicht dem lauen Lüftchen eines Luftfächers


Auf den Straßen von Akihabara kann man eine Reihe von Shops besuchen. In diesen werden Waffen, Essen und Bücher verkauft, die einem Kampfsport lehren. Genau mein Humor – Kämpfen durch Lesen lernen. Kämpfe sind aber normalerweise keine akute Gefahr, wenn ihr durch die Straßen streunt. Durch eure Handykamera könnte ihr Vampire von echten Menschen unterscheiden. Vampire werden nämlich nicht auf Kamerafotos abgebildet. Durch ein elegantes Anrempeln und ein Gegrummel des Vampirs beginnt ein epischer Kampf mitten in den staubigen Gassen der Stadt. Zückt eure Waffen: Ob Brot, Daruma, Handfächer oder echte Waffen – jedes Hilfsmittel ist im Kampf erlaubt. Durch wiederholten Schaden an Beinen, Torso und Kopf, gehen die Klamotten des Feindes kaputt. Wenn euer Gegenüber nur noch in Unterwäsche dasteht, verpufft der Vampir und der Kampf ist gewonnen. Manchmal lohnt es sich eher die Klamotten des Feindes zu packen und diesem vom Leib zu reißen. Nicht selten fühlte ich mich peinlich berührt, junge Männer am Hosenbund zu packen und ihnen die Hosen auszuziehen oder jungen Frauen ihre Röcke zu rauben.


Wenn Vampire Teile ihrer Klamotten verlieren, werden sie blau. Nun wird es Zeit, diesem Exemplar den Daruma ein letztes Mal über den Kopf zu ziehen.

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Das Kampfsystem bietet die Möglichkeit mit verschiedenen ausgerüsteten Waffen und interessanten, erlernbaren Kombo-Angriffen zu kämpfen. Mit jeder siegreichen Straßenprügelei gibt es Erfahrungspunkte und möglicherweise ein neues Level. Je nach wählbarem Schwierigkeitsgrad können die Kämpfe entspannt laufen oder schnell zu blutigen Nasen führen. Dabei ist es euch als Kämpfer selbst überlassen, ob ihr euch mit langsamen aber brachialen Zweihandobjekten bewaffnet oder lieber flexibel mit leeren Händen die Klamotten zerreißen wollt. Jeder Kampfstil ist auf seine Art effektiv und vor allem unterhaltsam. Das ist nämlich die Kernmotivation des Gameplays. Durch den humorvollen Einsatz von sinnlosen Waffen, das Zerstören von Klamotten und das verzweifelte Flüchten von Passanten wird eine nette Parodie eines Kampfspiels gezeigt. Ähnliche Spiele wie Senran Kagura achten hierbei nicht nur auf Komik und nackte Haut, sondern auch spannende und durchdachte Kampfmechaniken. Akiba’s Trip: Hellbound & Debriefed wirkt dagegen nicht wirklich fertig gedacht und noch in den Kinderschuhen.


Besonders die Kameraführung vermag dem erfolgreichen Kampf im Weg zu stehen. Die Kamera passt sich hin und wieder automatisch an. So kann es passieren, dass sie durch blockierende Wände hängen bleibt und man selbst über den Joystick nachjustieren muss. Das Problem ist, dass das schnell zu einem unübersichtlichen Kampfgeschehen führen kann. Treffer, die daneben gehen, sind damit vorprogrammiert und können den Spielspaß dämpfen. Wenn man ständig eine Kampfanimation sieht, die daneben geht, während der Gegner seinen nächsten Angriff bereits vorbereitet und trifft, da dieser nicht mit solchen Problemen zu kämpfen hat, fühlt man sich doch schnell ausgelaugt. Eine heillose Katastrophe ergibt sich ab der Sekunde, wenn mehr als ein Gegner auftritt und die Kamera wie ein überfordertes Kind von einer Richtung in die nächste schwenkt und nicht genau weiß, wo sie jetzt bleiben soll. Dies sind Probleme, die einen schon fast nostalgisch stimmen. So etwas kenne ich persönlich nur noch aus Spielen älterer Generationen.


In zehn Jahren nicht schön gealtert


Beworben wird Akiba’s Trip: Hellbound & Debriefed als ein Remaster des Originals, welches vor zehn Jahren erschien. Groß angepriesen wird hierbei die grafische Überarbeitung in HD. Kernelemente des Spiels wurden vollständig übernommen und bieten kaum Neuerungen, was Sinn und Zweck dieser Produktion ist. Das Produktionsteam von Acquire versucht die Wurzeln des Franchises zu ehren. Nach meiner persönlichen Auffassung ist das Spiel aber grafisch nicht gut gealtert. Das Spiel wirkt altbacken und für Spieler der heutigen Zeit eher wenig einladend. Es mag zwar einen gewissen Charm mit den unpolierten Animationen und Hintergründen versprühen, aber mit fortschreitender Spielzeit merkt man dem Spiel das Alter an.


Viele bekannte Elemente von Akihabara sind wiederzuerkennen. Die Umgebung wirkt aber recht ungeschliffen.

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Anders als in Europa genießt Akiba's Trip einen guten Ruf besonders unter Fans von Strip-Them-Down-Spielen. Dies liegt vor allem am humorvollen Umgang mit der Otaku-Kultur, die sich vielen Formen zeigt. Da Japan direkt mit diesem Phänomen konfrontiert ist, ist es nur verständlich, dass eine solche Remaster-Version gut ankommen wird. In Deutschland und dem Rest der westlichen Welt zweifle ich einen ähnlichen Erfolg an. Nostalgie wird bei vielen nicht aufkommen können, weil die Originalfassung nie offiziell im Westen erhältlich gewesen ist. Das nette Cover könnte ahnungslose Käufer schnell in eine Falle locken, da die Aufmachung grafisch schöner ausgearbeitet ist, als der Inhalt selbst. Positiv zu bewerten ist, dass mit dieser Version des Spiels eine englische Synchronisation hinzugefügt wurde. Das macht das Spielerlebnis um einiges besser. Die englische Synchronisation ist aber auch ein durchwachsenes Erlebnis. Einige Stimmen wirken authentisch besetzt, wohingegen andere Stimmern einen blechernen Unterton haben. Es wirkt teils so, als wären einige Stimmen über ein Smartphone oder ähnliches aufgenommen worden. Das macht leider einen weniger hochwertigen Eindruck. Als ergänzende Information ist zu erwähnen, dass das Spiel einige asiatische Sprachausgaben wie Japanisch und Chinesisch neben der englischen Sprachausgabe beinhaltet. Eine deutsche oder andere europäische Sprache sucht man dagegen vergeblich.


Die größte Stärke des Spiels und wahrscheinlich der Grund für die breite Liebe für das Spiel in Japan sind die ausführlichen Dialoge, die abwechslungsreichen Missionen und der beißende Humor. Die Dialoge helfen besonders, die Charaktere und ihre signifikanten Eigenschaften zu betonen und geben das Gefühl wider, sich inmitten eines Animes zu befinden. Spannende Handlung und witzige Situation werden gekonnt durch die Autoren kombiniert und vermitteln unterhaltsame Stunden, die euch an Visual Novels erinnern werden. Die Charaktere sind urkomisch, überzeichnet dargestellt und nehmen Akihabara und die dort ansässige Kultur gelungen aufs Korn. An jeder Ecke gibt es andere teils verrückte Leute zu entdecken. Fans von hübschen Frauen in Kostümen dürfen sich besonders freuen. Nicht nur könnt ihr diesen Frauen die Kostüme vom Körper reißen und sie selbst anziehen, ihr könnt auch in sogenannte Maid-Cafés gehen und dort teures Essen genießen oder lustige Minispiele spielen. Weiterhin gibt es Automatenspiele, bei denen man glanzvolle Waffen gewinnen kann. Neueste Updates über Akihabara kann man mit einem Abklatsch von Twitter auf dem Handy im Spiel verfolgen. Verrückte Kommentare sind dort inklusive. Folgt ihr lieber Dialogen, kämpft ihr lieber gegen Fremde oder starrt ihr gerne grafisch anspruchslose Oberkörper an? – Akiba's Trip ist für euch wie geschaffen.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Simon Münch

Akiba’s Trip: Hellbound & Debriefed ist eine Hommage an ein Spiele-Franchise, das vor einem Jahrzehnt in Japan eine große Fangemeinde aufbauen konnte. Als Schmelztiegel verschiedener Genres, wie Beat'Em'Up und RPG, bietet diese Produktion aus vielen Bereichen etwas. Damals konnte das Spiel durch seine Grafik und das witzige, vielseitige Gameplay überzeugen. Nach heutigen Standards ist das Spiel leider keine grafische Höchstleistung und überzeugt auch bei den Kämpfen aufgrund von Kameraproblemen nicht. Eine sichtbare Verbesserung im Vergleich zum Original ist erkennbar, aber mehr Mühe wäre für eine europäische Veröffentlichung sicherlich besser gewesen. Wie so oft bei dieser Art von Spielen gibt es keine deutsche Vertonung oder Untertitel. Gute Englischkenntnisse sind also eine Grundlage, um das Spiel überhaupt spielen zu können. Das wird für viele Interessenten ein No-Go sein. Die Spielwelt ist vielseitig und bietet einige lebhafte Momente. Ob Personen, die penetrant Spenden sammeln, perverse Jugendliche, die Fotos von Mädchen unter deren Rock machen wollen, oder Faulenzer, die sich mitten auf den Gehweg legen, Akihabara hat viel zu bieten, was man im echten Leben dort teilweise ebenfalls sehen würde. Auch hier ist es die Grafik, die diese Fantasie ein wenig stört. Die einzelnen Abschnitte der Stadt sind in ihrer Größe limitiert. Über ein extra Menü beim Verlassen des Bereichs kann man in den Bereich seiner Wahl wechseln. Verschiedene Gameplay-Mechaniken werden kombiniert und bieten ein unterhaltsames Erlebnis. Dieses Spiel hat jedoch eine sehr spezifische Zielgruppe. Interessenten sollten weitere Informationen zum Inhalt des Spiels heraussuchen und sich nicht von der sehr ansprechenden Verpackung täuschen lassen. Mich persönlich hat das Spiel zwar nicht überzeugt aber vielleicht kann es ja einige von euch überzeugen.
Mein persönliches Highlight: Meinen Daruma, den ich wie einen Partner behandele und auf die Köpfe meiner Feinde hämmere.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 4

  • Malacath

    Handheld - Gamer

    Ok, ich hole es mir doch im eShop sale später. ;)

  • Mi00ky

    KritzelFritzel

    Also ich freu mich sehr auf das Spiel und würde schon sagen, daß auch der Nostalgiefaktor für mich eine Rolle spielt. Denn ich habe vor ca. 6 Jahren Akibas Trip 2 (bei uns Akiba's Trip - Undead & Undressed) auf der PS Vita gespielt und sehr genossen. Erst letztes Jahr habe ich es dann noch mal auf der PS4 gespielt und auch wenn die Grafik nun schon veraltet und teils unscharf wirkte, hat es dennoch nichts von seinem Charme verloren.


    Herausstechend waren vor allem die vielfältigen Anpassungsmöglichkeiten des Charakters sogar noch über Klamotten und Waffen hinaus. Man konnte den Kampfstil und die allgemeine Verhaltensweise ändern. Wie ein Alki durch die Gegend torkeln, wie ein kleines Mädchen hüpfen oder ununterbrochen aufs Smartphone schauend durch die Gegend Smombien... alles möglich. Und das nicht nur für den Hauptcharakter sondern später auch für die Begleiter. Und Akihabara sah wirklich toll aus. Die ganzen Flyermädchen, das rege Treiben auf den Straßen, die Werbung an den Bildschirmen und sogar in den Loading Screens... Werbung von anderen Spielen oder echten Geschäften, Popbands u.a. unterstrichen noch einmal das popkulturelle Thema. An anderen Stellen ist man genervt von der ganzen Werbung, aber beim Replay auf der PS4 war ich fast schon ein bisschen enttäuscht über die kurzen Ladezeiten, weil ich mir die Werbung nicht richtig anschauen konnte... :ugly: Auf der PS5 würde ich es gar nicht erst spielen, da fallen die Ladezeiten am Ende ganz weg und man sieht die coole Werbung gar nicht mehr, da würde mir einfach etwas fehlen. :(


    Ja... ich habe den zweiten Teil zuerst gespielt, weil es den ersten hier nicht gab und natürlich erwarte ich nicht alle bekannten Features auch im Vorgänger. Aber es reicht, um mich auf das Remaster des ersten Teils zu freuen.


    Was mich wirklich etwas stört ist der düstere Farbton, den das Spiel zu haben scheint. Akibas Trip 2 war deutlich bunter und teilweise sogar etwas überbelichtet und der hier ist irgendwie zu dunkel. Wenn es allerdings genau so viele Einstellungsmöglichkeiten haben sollte, wie Akibas Trip 2 sollte das kein Problem darstellen. Die widerspenstige Kamera klingt nicht berauschend, ist aber auch nicht verwunderlich, schließlich kommt das Spiel von der PSP und die hatte nun einmal keinen rechten Stick für die Kamerakontrolle. Und selbst der zweite Teil hatte vor allem in engen Gassen in Punkto Kamera mit sich zu kämpfen.


    Alles in allem bin ich sehr gespannt auf Akibas Trip 1, kenne ja wie gesagt nur den Nachfolger und freue mich wieder in die humorvolle Otaku-Nerd-Welt von Akibas Trip einzutauchen. :)

  • alfalfa

    Turmfürst

    Ich lese auf dem Titelbild immer "Akiba Strip" und bin irritiert und habe nur deswegen den Artikel angeklickt.


    Ist also doch nicht die Art Spiel, wie man denken könnte...

  • Yozora

    Lucis Caelum

    alfalfa Ist ja auch beabsichtigt, dass man es so liest und ergibt bei dem Thema des Spiels auch Sinn.