Wenn Kausalität zur Spielessenz wird

Das Rätsel. Eine Aufgabe, welche durch Denken gelöst werden muss und in unserer Zeitrechnung bereits vor Christus schon existent war. In unseren Gefilden gab es mit dem Straßburger Rätselbuch schon Anfang des 16. Jahrhunderts ein gedrucktes Buch, dass dem Denksport und ausschließlich der Unterhaltung diente. Da Videospiele in erster Linie der Unterhaltung und dem Zeitvertreib dienen, liegt es nahe, dass es auch innerhalb dieses Mediums ein entsprechendes Angebot gibt. Über die Jahrzehnte der Existenz der Videospiele hinweg, haben sich so einige findige Entwickler schon viele Kopfnüsse und Knobeleien für die geneigte Spielerschaft ausgedacht und frische Konzepte sind immer seltener anzutreffen. Aber vielleicht schafft es ja Induction, das abstrakte Puzzlespiel mit Zeitreisen und Paradoxa?


Ohne Aktivierung des Schalters keine Brücke und damit auch kein Weg zum Ziel.

© Bryan Gale Ltd. / Tim Shiel

Ihr seid ein Würfel und euer intrinsisches Interesse besteht einzig und alleine darin, den Ausgang zu erreichen. Da es eure Würfelform nicht anders hergibt, könnt ihr euch entsprechend nur in vier Richtungen durch Kippen bewegen und auf einer eurer angrenzenden Seitenflächen landen. Diagonales bewegen? Nicht als Würfel! So bewegt ihr euch also durch die glücklicherweise flach angelegten Level und zu überwinden gilt es allerhöchstens mal ein paar Treppen, Anhöhen oder auch Abgründe. Da ihr aber ebenfalls nicht in der Lage seid zu springen, schaffen nur Schalter Abhilfe, die beispielsweise Abgründe durch Brücken verschließen. Diese werden unter anderem durch kleine Zylinder, die auf ein entsprechendes Feld bewegt werden wollen, aktiviert.


Das zunächst simple Spielkonzept wird selbstverständlich im weiteren Verlauf des Spiels deutlich komplizierter und um weitere Mechaniken ergänzt. Denn als einzelner Kubus kommt ihr spätestens im vierten Level schon nicht mehr an euer Ziel. Abhilfe schafft nur euer interdimensionales zweites Würfel-Ich, dass ihr auf Knopfdruck rufen könnt und welches anschließend eure gemachten Aktionen auf Schritt und Tritt nachvollzieht. Dieser Kniff ermöglicht es, dass beispielsweise Schalter aktiviert und damit Abgründe überwindbar gemacht werden oder ihr auf die erwähnten Zylinder von einer Anhöhe fallen könnt und euer Klon aus der Paralleldimension euch zum passenden Standort schiebt, von dem aus ihr den Ausgang erreichen könnt.


Das Manipulieren eures zweiten Ichs ist also essenziell für das Lösen eines Levels. Während euer Klon nämlich eure getätigten Aktionen nachvollzieht, könnt ihr euch noch immer bewegen und das Spielgeschehen aktiv beeinflussen. Dabei kommt es häufig auch auf das richtige Timing an. Führt ihr gewisse Aktionen aus und müsst euch dann an eine entsprechende andere Stelle im Level bewegen, muss dies zeitlich mit eurem Klon abgestimmt sein. Ansonsten hat dieser bereits alle Aktionen ausgeführt. Damit das gelingt, gibt euch das Spiel die Macht über die Zeit selbst. Ihr dürft munter vor- und zurückspulen. Letzteres dient auch dazu, falls ihr mal einen Fehler gemacht habt und das Level nicht komplett von vorne starten wollt. Auf Knopfdruck geht dies allerdings auch und der Neustart wird mit einer hübschen Animation eurer getätigten Bewegungsabläufe quittiert. Insgesamt halten sich die enthaltenen Spielmechaniken zum Lösen eines Level und dem Weg zum Ausgang in Grenzen. Jedoch werden die späteren Level von ihrer Architektur her so komplex, dass ein Experimentieren und Entdecken dessen Aufbaus unumgänglich ist. Doch das macht den Reiz des Spiels aus und lässt den Weg viel mehr zum Ziel werden, als das Ziel selbst. Wie ihr das Level letztendlich gelöst habt, wird auch nochmal in der Levelauswahl in Miniaturform angezeigt.


Nur im Zusammenspiel mit eurem Klon aus der Paralleldimension lassen sich die Rätsel lösen.

© Bryan Gale Ltd. / Tim Shiel

Was auf den ersten Blick heraussticht, ist die recht minimalistische Präsentation des Spiels. Jedes der Levelarchitekturen wird euch komplett auf dem Bildschirm präsentiert und ihr könnt alles auf einen Blick erfassen. Ein jedes Level ist in verschiedene Pastellfarben getaucht und hebt sich vom Hintergrund nur durch eine kontrastreichere Version dessen Farbtons ab. Bei Wechsel der Dimensionen wird dann das gesamte Level in ein anderes Farbspektrum gehüllt. Drehen könnt ihr die Level übrigens nicht, weshalb es insbesondere bei späteren Architekturen beim ersten Hinschauen und Ausprobieren ein wenig zu Verwirrungen kommen könnte. Einige der Levelgebilde erinnern dabei entfernt an die Werke des niederländischen Künstlers M. C. Escher. Zusammen mit dem seichten elektronischen Soundtrack, der sich sanft unter das Spielgeschehen legt, ergibt sich daraus eine leicht hypnotische Wirkung – besonders, wenn ihr im Handheld-Modus spielt. Einzig und allein die der Perspektive geschuldeten, hin und wieder getätigten Eingabefehler können durchaus etwas nerven. Aber durch die Rückspulfunktion ist nichts verloren und die gemachten Fehler dadurch reversibel.


Das Fehlen einer Bewertung am Ende eines Levels ist mittlerweile eine Seltenheit in Spielen geworden, doch genau darauf verzichtet Induction gänzlich. Ist ein Rätsel gelöst, dürft ihr über die Levelauswahl direkt in das Nächste springen. Eine Bewertung eurer Leistung wäre auch nur hinsichtlich der benötigten Zeit sinnvoll, denn innerhalb der Level gibt es keine unnützen Bonus-Items zum Sammeln und auch der Weg hin zum Levelausgang ist strikt vorgegeben, ohne alternative Lösungswege. Der dadurch resultierende lineare Ablauf ist mein größter Kritikpunkt am Spiel. Ich habe gut und gerne mal zehn bis fünfzehn Minuten an einer der Knobeleien gesessen, um überhaupt nachvollziehen zu können, wie ich den Ausgang erreichen könnte. Und dabei hatte ich den eigentlichen Ablauf noch gar nicht richtig in Gang gesetzt. Auch ein optionales Überspringen eines Levels ist nicht möglich. Mich hat das Maß an Inflexibilität im Spielablauf aber nicht sehr gestört, es sollte aber meiner Meinung nach nicht unerwähnt bleiben.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von David Kuhlgert

Mit innovativen Ideen im Rätsel-Genre auftrumpfen zu können, ist heutzutage beileibe nicht mehr so einfach. Doch genau das hat Induction geschafft. Das Konzept mit dem Klon-Würfel aus der Paralleldimension und dem zeitlichen Versatz, den man nutzen muss, um an das Levelende zu kommen, ist ein erfrischendes. Die perfekte Spielbalance aus dem Experimentieren und Erforschen der Levelarchitektur hat mir stets Lust auf das nächste Rätsel gemacht. Die schlichte Präsentation des Spiels mit der kleinen Palette an Pastellfarben passt perfekt zu der Puzzle-Mechanik und kommt insbesondere im portablen Modus auf der Nintendo Switch genau richtig zur Geltung. Berücksichtigt man dann noch, dass nur ein einziger Entwickler hinter all den Knobel-Kreationen steckt, dann ist das schon beeindruckend. Wer also gerade unterwegs seine grauen Zellen etwas auf Touren bringen will und nach kurzweiligem Rätsel-Spaß sucht, der ist bei Induction genau richtig.
Mein persönliches Highlight: Das schrittweise Herantasten an den Lösungsweg und der minimalistische Pastell-Grafikstil.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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