Visual Novel Klassiker im Doppelpack

Das Entwicklerstudio Grasshopper Manufacture versucht euch die Wartezeit auf No More Heroes 3 zu verkürzen. Hierfür hat es sein allererstes Werk The Silver Case aus dem Jahre 1999 zusammen mit seinem Nachfolger The 25th Ward: The Silver Case in einer gemeinsamen Version als The Silver Case 2425 für die Nintendo Switch veröffentlicht. The Silver Case wurde ursprünglich für die PlayStation nur in Japan veröffentlicht, eine Nintendo DS-Version wurde öfters angekündigt, ist jedoch nie erschienen. So blieb den meisten nur die 2016 erschienene PC-Version. Auch The 25th Ward: The Silver Case wurde 2005 zunächst als Mobile Game für den japanischen Markt veröffentlicht, der europäische und amerikanische Markt musste sich auch hier auf die PC (bzw. PS4)- Version bis 2018 gedulden.


The Silver Case – Teil 1


The Silver Case spielt im heutigen Japan in einer fiktiven Stadt, die als 24 Districts bezeichnet wird. Hier haben die Bewohner sich ein kleines Utopia aufgebaut, in dem alle Bedürfnisse befriedigt werden. Doch auch in einem Utopia gibt es Kriminalität. So seid ihr im 24 Wards Heinous Crime Department angestellt und dürft euch mit den abscheulichsten Verbrechen der Stadt auseinandersetzen. Da bereits zu Beginn des Spiels euer vorheriges Team fast vollständig ausgelöscht wurde, müsst ihr euch nun in einem neuen Team mit neuen Kollegen und ihren Eigenheiten zurechtfinden. Euer aktuellster Fall verwickelt euch hierbei in eine Mordserie rund um den bekannten Mörder Kamui Uehara. Doch bereits recht schnell wird klar, dass hier etwas ganz anderes dahinter stecken muss, schließlich befindet sich Kamui seit einigen Jahren in einer geschlossenen Psychiatrie…


Der grüne Schriftzug weist euch darauf hin, dass ihr hier etwas zu tun habt.

© GRASSHOPPER MANUFACTURE INC

Die Handlung selbst erlebt ihr aus zweierlei Sichten. Einerseits als selbstbenannter Ermittler (von seinen Teamkameraden liebevoll Chinchilla oder Big Dick genannt) in besagtem Team, andererseits als Journalist Tokio Morishima. Hierbei „spielt“ sich das gesamte Spiel wie eine Art Comic. Selbst für eine Visual Novel gibt es in diesem Spiel erstaunlich wenig wirkliches Gameplay. In der Ermittlerperspektive bewegt ihr euch hauptsächlich von einem Ort zum anderen, ohne wirkliche Entscheidungen treffen zu können. Die Journalistenperspektive monotonisiert das Ganze dann noch damit, dass ihr lediglich E-Mails lest und so die Geschichte aus der anderen Perspektive aufarbeitet. Zwar bietet die Ermittlerperspektive das ein oder andere triviale Rätsel, doch selbst dieses könnt ihr auf Wunsch überspringen. Schade eigentlich, denn so bleibt euch nur die unzähligen Wände aus Texten zu lesen.


Die Steuerung in The Silver Case ist vermutlich das gewöhnungsbedürftigste überhaupt. Euch steht ein Kommando-Rad zur Verfügung, das die allgemeinen Befehle Movement, Implement, Contact und System enthält. Dieses wird wahlweise mit dem rechten Analog-Stick oder Steuerkreuz bedient und führt jeweils in ein Untermenü. So müsst ihr auf dem Kommando-Ring bei Movement anschließend auswählen, wohin ihr euch bewegen wollt. Hierbei dreht ihr euch mit den Tasten Links und Rechts, während ihr mit hoch und runter nach vorn bzw. nach hinten lauft. Mit dem Befehl Contact könnt ihr mit den speziell markierten Contact Points interagieren. Dies können beispielsweise irgendwelche Schalttafeln oder Lagepläne sein. Durch Implement könnt ihr die wenigen Gegenstände, die ihr im Laufe des Abenteuers findet, benutzen bzw. betrachten. Abschließend öffnet System das Menü, über das ihr beispielsweise das Spiel speichern könnt.


Selten erwarten euch kleine Rätsel. Hier müsst ihr mit der Cäsar-Chiffre ein Passwort entschlüsseln. Ein Klick auf die gelbe Lupe lässt euch das Rätsel überspringen.

© GRASSHOPPER MANUFACTURE INC

Auf diese Weise bewegt ihr euch im Laufe der Ermittlungen von Bildschirm zu Bildschirm. Alle für das Spiel relevanten Positionen werden euch direkt mit einem grünen Schriftzug Contact Point mitgeteilt, sodass ihr selbst ohne große Aufmerksamkeit nichts verpassen könnt. Die wenigen Rätsel sind anspruchslos, so müsst ihr beispielsweise am Anfang verschiedene Passphrasen mit einer Cäsar-Chiffre entschlüsseln und eingeben. Solltet ihr auf diese wenigen Gameplay-Inhalte auch verzichten wollen, so könnt ihr in The Silver Case jedes Rätsel auch automatisch lösen lassen.


Wie bereits erwähnt, erlebt ihr die Handlung von The Silver Case ähnlich wie in einem Comic. Auf eurem Bildschirm befindet sich ein kleines Fenster, in dem immer die aktuelle Szenerie dargestellt wird. Ergänzt wird dies durch verschiedene Einblendungen von Rätseln oder anderen Bildern, manchmal auch kleinen Animationen. Hierdurch entsteht ein abwechslungsreicher und stimmiger Stilmix, der von passender Hintergrundmusik untermalt wird. Leider werden sämtliche Gespräche mit schreibmaschinenartigen Textpassagen dargestellt. Hierbei wird jeder Buchstabe wie bei einer Schreibmaschine nacheinander abgetippt. Selbstverständlich mit einem authentischen Klack-Geräusch, das euch bereits nach einigen Minuten förmlich dazu zwingt, den Ton abzuschalten. Hier hätte ich mir sehr gewünscht, einfach nur diesen Soundeffekt leiser oder ganz abzuschalten.


25th Ward: The Silver Case – Teil 2


Bei 25th Ward: The Silver Case handelt es sich um den Nachfolger von The Silver Case. Dieser spielt einige Jahre später. Wieder einmal beginnt eine merkwürdige Mordserie, die im Zusammenhang mit Kamui Uehara steht. Ähnlich wie im Vorgänger könnt ihr auch hier die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erleben. Während ihr anfangs Mokutaro Shiroyabu bei den Ermittlungen in der Mordserie begleitet, stehen euch später noch zwei weitere Handlungsstränge zur Verfügung. Auch hier liegt der Fokus in der Geschichtenerzählung.


Auch in 25th Ward gibt es kleinere Rätsel. Hier müsst ihr das richtige Stockwerk eingeben.

© GRASSHOPPER MANUFACTURE INC

Die Steuerung in 25th Ward wurde etwas entschlackt. Statt dem Kommando-Rad steht euch ein Kommando-Würfel zur Verfügung. Dieser hat in der Regel vier Seiten, kann jedoch an bestimmten Stellen im Spiel vorübergehend weitere Seiten hinzubekommen. Anstelle der etwas kryptischen Bezeichnungen werden dieses Mal die verständlicheren Bezeichnungen Talk, Move, Look und Item verwendet. Die wenigen Rätselpassagen könnt ihr nicht mehr überspringen, sie stellen jedoch keine große Schwierigkeit dar.


Auch grafisch bleibt der Nachfolger The Silver Case treu. Zwar wirken die einzelnen Texturen etwas moderner, dennoch wird euch die Handlung in einem Fenster dargestellt. Dieses ist im Vergleich zum Vorgänger aber glücklicherweise etwas größer geraten. Ebenfalls mit von der Partie sind die nervigen Schreibmaschinengeräusche. Wie bereits beim Vorgänger stehen euch lediglich die englischen Bildschirmtexte zur Verfügung. Da das gesamte Spiel von der Geschichtenerzählung lebt, solltet ihr über gute Englischkenntnisse verfügen und auch gewillt sein, die langen Textpassagen zu lesen. Andernfalls werdet ihr weder mit The Silver Case noch mit 25th Ward eure Freude haben.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Philipp Freibauer

Mit The Silver Case 2425 erwarten euch gleich zwei spannende Geschichten rund um mysteriöse Todesfälle. Leider lest ihr die Geschichten mehr oder weniger, anstatt sie wirklich zu erleben. Ich hätte mir hier etwas mehr Einbindung des Spielers gewünscht. Stattdessen müsst ihr meistens nur von A nach B laufen, um die Handlung voranzubringen. Der grafische Stil, der mich die Geschichte wie in einer Art Comic erleben lässt, hat mir sehr gut gefallen. Jedoch wirkt er in The Silver Case noch etwas unruhig im Vergleich zu 25th Ward. Bedauerlicherweise sind beide Spiele nur in der englischen Sprache verfügbar, wer darüber hinweg sehen kann und mit dem geringen Gameplay keine Probleme hat, den erwartet jedoch eine etwa 30 Stunden lange spannende Story.

Bestelle dir jetzt The Silver Case 2425 über unsere Onlineshop-Partner

Online kaufen

Die durchschnittliche Leserwertung

0 User haben bereits bewertet

Kommentare 0

  • Noch keine Kommentare verfasst :(