Der Tod lauert im Schatten

Ursprünglich 2019 für den PC unter dem Namen Pixel Shinobi: Nine Demons of Mamoru veröffentlicht, schaffte der Ninja-Platformer am 16. Juli 2021 den Sprung neben anderen Konsolen auch auf die Nintendo Switch. Unter dem neuen, eingängigeren Namen Within the Blade möchte der Titel aus dem Hause Ratalaika Games Platforming-Einlagen mit Stealth-Gameplay verbinden und dem Ganzen noch eine Prise RPG-Elemente hinzufügen. Ob uns dieses Konzept überzeugen konnte oder sich die Ninjas lieber in Rauch auflösen sollten, erfahrt ihr in unserem Spieletest.


Story-Sequenzen sind in Within the Blade rar gesät. Bei der eher unbedeutenden Handlung ist dies jedoch nicht weiter schlimm.

© Ratalaika Games

Die Handlung lässt sich schnell zusammenfassen. In der Feudalzeit Japans terrorisiert ein Clan, der sich selbst als "Steel Claws" bezeichnet, die Lande. Deren Anführer, Mamoru Imai, wird nach der Durchführung dunkler Rituale von einem Dämon besessen und rekrutiert darauf neun weitere Dämonen für seine Reihen. Mitten in einem mörderischen Kampf um die Vorherrschaft befindet sich das kleine, unscheinbare Dorf eines Ninja-Clans, dem auch Hideaki angehört. Dem Befehl des Dorfältesten Folge leistend, begibt er sich in feindliches Territorium, um sich den meuchelnden und plündernden Steel Claws entgegenzustellen. Schon bald findet er dabei heraus, dass diese nicht nur über dämonische Unterstützung verfügen, sondern auch damit begonnen haben, gefallene Feinde in ihren Reihen wiederauferstehen zu lassen, um ihre Armee aus Mördern, Dämonen und Besessenen immer größer werden zu lassen. Und so muss sich Hideaki im Laufe des Spiels auch alten Verbündeten stellen.


Auch wenn die Handlung nicht sonderlich tiefgründig ist, so bietet immerhin das Gameplay die ein oder andere unerwartete Facette. Anfangs erinnern die Level sehr an klassische Sidescroller. Euer Ziel besteht darin, von ganz links nach ganz rechts vorzudringen und euch dabei den zahlreichen Gegnern zu stellen – oder auch nicht. Hier lässt euch das Spiel nämlich die Wahl, ob ihr die Gegner besiegt oder nicht. Wie eingangs schon erwähnt, bringt das Spiel auch Stealth-Elemente mit sich. So könnt ihr anhand eines sich füllenden Fragezeichens über den Köpfen der Gegner erkennen, ob diese auf euch aufmerksam werden. Dadurch könnt ihr euch an diesen entweder gänzlich vorbei schleichen, oder sie von hinten überraschen und mit einem einzigen Angriff ausschalten. Wer vom Verstecken und Anschleichen nicht viel hält, kann natürlich auch mit roher Gewalt gegen Feinde vorgehen, das tun diese ja schließlich auch. Für eure Angriffe stehen euch neben den bloßen Händen auch Ninjaschwerter, Wurfsterne, Bomben und andere schmerzhafte Waffen zur Verfügung. Mit der Zeit löst sich die Sidescroller-Struktur auf und ihr werdet unter anderem große Gebäude oder auch Höhlensystem erkunden. Somit liegt der Fokus also später im Spiel nicht mehr nur darauf, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sondern dieses auch überhaupt erst einmal ausfindig zu machen.


Den Samurai schalten wir lieber heimlich von hinten aus. So müssen wir sein mächtiges Schwert nicht fürchten.

© Ratalaika Games

Mit insgesamt 25 Leveln, aufgeteilt auf 5 Kapitel, bietet Within the Blade keine sonderlich lange Kampagne. Hier entscheidet wiederum euer persönlicher Spielstil, wie lange ihr für jedes Level braucht. Wollt ihr einfach hindurchrennen, um das Ziel zu erreichen, oder doch lieber alles genau erkunden, um jeden einzelnen Gegner zu eliminieren und alle verborgenen Schätze aufzuspüren. Die Wahl liegt ganz bei euch und somit bietet das Spiel dennoch einen gewissen Wiederspielwert, auch durch die Auswahlmöglichkeit dreier unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade. Während gerade die abwechslungsreichen und schön inszenierten Bosskämpfe gegen Mamoru und seine neun verbündeten Dämonen schon im einfachen Modus ganz schön knackig sein können, sind diese im normalen Modus noch herausfordernder. Wer den besonderen Nervenkitzel sucht, kann das Spiel auch im Permadeath-Modus starten.


Zwischen den Leveln gelangt ihr jedes Mal in euer Dorf zurück, wo ihr euer Inventar managen, Waffen und Verbrauchsgegenstände kaufen, stärkere Kampfutensilien in einem kleinen Crafting-System herstellen oder gewonnene Erfahrung in Form von Skillpunkten in neue Fähigkeiten investieren könnt. Waffen zerbrechen nach einer gewissen Anzahl an Einsätzen, Wurfgegenstände gehen zu Neige und Heiltränke können im Notfall euer Ninjaleben retten. Daher ist es an euch, vor jeder Mission zu entscheiden, welche Gegenstände ihr mit euch führen wollt, um euch das Leben und euren Feinden das Ableben deutlich einfacher zu machen. Im Kampfdojo des Dorfältesten könnt ihr in einem für meinen Geschmack zu unübersichtlichen, spinnennetzförmigen Skillbaum neue Fähigkeiten freischalten. Auch hier ist es ganz an euch: Wollt ihr euren Umgang mit dem Schwert stärken oder doch lieber Wurfgegenstände verbessern? Je mehr Erfahrung ihr in den Leveln sammelt, umso mehr Skillpunkte dürft ihr dann investieren, zumindest bis das gesamte Erfahrungssystem gegen Ende des Spiels über Bord geworfen wird und ihr plötzlich feststellt, dass jegliche Planung bezüglich der Fähigkeiten, die ihr noch erwerben wolltet, hinfällig ist.


Ein mächtiger Dämon, der Menschen durch seinen giftigen Atem in besessene Zombies verwandelt. Lieber die Luft anhalten!

© Ratalaika Games

Grafisch trifft der ursprüngliche Titel "Pixel Shinobi" ganz gut, worauf ihr euch bei diesem Titel einlasst. Doch wehe dem, der glaubt, dass der Pixel-Look nicht in der Lage sei, die Gräueltaten sowohl der Steel Claws als auch eures Protagonisten widerzuspiegeln. So spritzt nicht nur ordentlich Blut, sondern auch Enthauptungen und explodierende Feinde sind in Within the Blade an der Tagesordnung. Die Bosse überzeugen durch abwechslungsreiche Designs, die auf alten japanischen Dämonensagen basieren. Japanenthusiasten werden ähnliche Motive aus anderen Spielen, beispielsweise Ōkami, wiedererkennen. Der Soundtrack des Spiels mag zwar in den Kämpfen für Stimmung sorgen, ist mir jedoch nicht wirklich im Ohr geblieben. Auch die Story ist, wie eingangs bereits erwähnt, eher Mittel zum Zweck und ist genau so oberflächlich wie unbedeutend. Dadurch ist es auch nicht sonderlich schmerzlich, dass das Spiel leider ohne eine deutschsprachige Übersetzung daherkommt. Letzten Endes konnte zumindest das Gameplay durch seine Vielseitigkeit überzeugen und mich sogar zu einem zweiten Spieldurchlauf motivieren.


Zum Schluss möchte ich noch auf ein kleines Problem mit der Menüführung im Inventar, beim Craften sowie beim Einkaufen in Shops eingehen. Aus irgendeinem Grund ist in diesen Menüs nicht zu erkennen, welche Option oder welcher Gegenstand aktuell ausgewählt ist. Dadurch werden all diese Tätigkeiten unnötig erschwert, sogar so sehr, dass ich persönlich das Interesse am Crafting-System schnell verloren habe. Zunächst hielt ich es für eine merkwürdige Designentscheidung der Entwickler, das aktuell ausgewählte Item nicht irgendwie hervorzuheben. Als ich mir dann jedoch gezielt deswegen Gameplay-Videos der PC-Version angesehen hatte, stellte ich überrascht fast, dass diese Version über einen solchen Auswahlcursor verfügt. Vermutlich verdanken wir es also einem Spielfehler, dass das Auswählen von Items in den diversen Menüs in der Nintendo Switch-Version zu einer echten Geduldsprobe geworden ist. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Bug in Bälde von den Entwicklern behoben wird ...

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Philipp Pöhlmann

Within the Blade kombiniert Stealth-Machaniken mit klassischem Platforming-Gameplay und lässt euch im Anzug eines stolzen Ninjas auf zahlreiche Feinde und Dämonen los. Während die Story eher durch ihre Belanglosigkeit auffällt, kann das Gameplay, welches euch viel Freihand lässt, durchaus überzeugen. Stellt ihr euch den Gegnern frontal gegenüber, schleicht ihr euch von hinten an sie heran oder ignoriert ihr sie gleich ganz – diese Entscheidung trefft alleine ihr. Auch eine Vielfalt an Waffen, ein Skillbaum sowie ein Crafting-System bringen zusätzliche Variation in den Spielverlauf. Dadurch erscheint auch ein zweiter oder sogar dritter Spieldurchlauf lohnenswert. Wer sich gerne das Ninjakostüm überziehen und sein Dorf vor üblen Schergen mit dämonischer Unterstützung beschützen will, sollte Klinge und Wurfsterne bereit legen und Within the Blade genauer unter die Lupe nehmen.
Mein persönliches Highlight: Die große Vielfalt an Bossgegnern, die allesamt genaues Beobachten und taktisches Vorgehen erfordern.

Die durchschnittliche Leserwertung

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