Die ungeschickte Veröffentlichung eines vielversprechenden Kartenspiels

Shadowverse ist ein Spiele-Franchise, welches 2016 aus dem Boden gestampft wurde. Entwickelt durch das Studio Cygames, bietet der Titel Spielern weltweit auf mobilen Endgeräten und dem PC die Möglichkeit, gegeneinander mit ihren Decks in die Schlacht zu ziehen. Im Jahre 2020 kam es zu einem echten Paukenschlag: Shadowverse sollte eine Anime-Adaption erhalten. Die erste Staffel, welche 48 Folgen beinhaltet, ist hierzulande beim VoD-Anbieter Crunchyroll als Simulcast verfügbar. Jetzt ist aber auch endlich für die Nintendo-Switch-Community die Zeit gekommen, denn Shadowverse: Champion's Battle findet seinen Weg auf den Konsolenhybrid. Angelehnt an die Animeserie, verspricht das Produktionsteam ein spannendes Erlebnis mit schicken Animationen, packender Handlung und Multiplayer-Erlebnissen. Wird das Spiel diesen hochtrabenden Versprechungen gerecht? Lasst es uns herausfinden!


Die Handlung des Spiels ist schnell erklärt. Als Hauptperson wechselt ihr an die Tensei Akademie. Dort begegnet ihr Hiro, dem Protagonisten der Animeserie. Er ist auch derjenige, der euch in das packende Mobile Game Shadowverse einführen wird. Shadowverse ist ein Smartphone-Spiel, bei dem es darum geht, seinen Gegnern mit strategischem Geschick die Lebenspunkte zu rauben. Hierfür hat man ein Set an Karten, das man sich selbst zusammenstellt. Um zu siegen, müsst ihr eure Karten geschickt in den Kampf bringen und durch ihre Fähigkeiten den Gegner schachmatt setzen. Mit seiner Freundesgruppe, die ihr aus dem Anime wiedererkennen werdet, sucht ihr nach dem Shadowverse-Club. Ob dieser Club nun wirklich existiert, lasse ich hier im Dunkeln. Witzig ist die Tatsache, dass die Kämpfe im Spiel auf Smartphones ausgetragen werden – Pappkarten adieu!


Der obere Kampfbereich gehört dem Gegner, der untere dagegen euch.

© Marvelous Inc. / Cygames, Inc.

Sehr auffällig sind zunächst die Tutorials zu Beginn des Spiels, in denen die Entwickler versuchen, euch das Spiel so gut wie möglich näherzubringen. Denn wie ihr es bereits aus anderen Kartenspielen wie Yu-Gi-Oh! oder Magic kennt, gibt es viele Regeln zu befolgen und Möglichkeiten zu gewinnen. Insgesamt erfüllen die ausführlichen Tutorials ihren Zweck im Wesentlichen, jedoch bereiten sie euch nicht wirklich auf das, was euch später erwartet, vor. Dazu sind die Tutorials teils zu simpel angelegt. Jede Karte hat neben einer Kampfklasse auch spezielle Fähigkeiten. Besonders zu Beginn des Spiels, wenn man Anfänger wie ich ist, kann es recht schwer sein, sich die einzelnen Fähigkeiten zu merken. Neben den klassischen Erklärungen wie ein Kampf aussehen wird, erklären die Tutorials auch den Aufbau eines eigenen Kartendecks. Es gibt nämlich verschiedene Möglichkeiten ein Deck zu bauen: Zum einen lassen sich sogenannte Struktur-Decks nutzen, bei denen man zunächst die Karten sammeln muss, bevor man es nutzen kann, und zum anderen gibt es auch die Möglichkeit, ein Deck aus eigenen Karten zu erstellen, die ihr im Kampf gewonnen oder bei der Kartenmaschine gekauft habt und die euch gefallen.


Eine Kampf mit den Shadowverse-Karten ist rundenbasiert. Jeder Spieler hat zu Beginn des Spiels drei Karten auf der Hand, kann aber eine beliebige Anzahl davon einmalig wieder ablegen und neu ziehen, für den Fall, dass die ersten Handkarten ungünstig sein sollten. Zu Beginn hat man genau einen Rundenpunkt. Karten können nur beschworen werden, wenn die eigenen Rundenpunkte größer oder gleich der angegeben Punktzahl des Monsters sind. In der ersten Runde können also nur Karten mit einem Punkt gelegt werden. Eine Runde besteht aus dem eigenen und dem Zug des Gegners. In einem Zug können Karten gelegt, Angriffe ausgeführt und Entwicklungen vollzogen werden. Zu Beginn jeder neuen Runde steigen die Rundenpunkte bei beiden Spielern um eins, durch Beschwörung werden die Punkte letztlich jedoch nicht verbraucht. Jede Karte besitzt normalerweise Angriffs- und Verteidigungswerte. Greift eine Karte an, werden vom Gegner die Verteidigungswerte um den Wert dieses Angriffs gekürzt. Geht die Verteidigung auf null, ist die Karte vernichtet. Eigene Angriffe kosten einen selbst aber auch Verteidigungspunkte. Liegen auf dem Feld des Gegners keine Karten mehr, kann man seine Lebenspunkte angreifen. Der Angriffswert der Karte bestimmt dann den Schaden, den der betroffene Spieler erleidet. Der Spieler, dessen Lebenspunkte als erstes auf null fallen, hat verloren. Karten, die neu aufs Feld gelegt werden, können normalerweise nicht angreifen. Ihr dürft pro Runde so viele Karten legen, wie ihr in der Summe Rundenpunkte besitzt. Fähigkeiten von Karten und auch die Weiterentwicklung von Karten, die sich bereits auf dem Feld befinden, bringen dann gehörig Würze und Strategie ins Spiel.


Während ihr euch in der 3D-Welt von Shadowverse bewegt, begegnet ihr potenziellen Gegnern und akzeptiert Quests, welche nach einer Erfüllung rufen. Das Kämpfen ist eines der zentralen Elemente des Spiels, welches geschickt in die Gesamthandlung eingewoben ist. Durch Siege erhaltet ihr neben Geld auch Erfahrungspunkte und Karten aus dem Deck des Gegners. Niederlagen, die ihr hin und wieder einstecken könntet, werden eher weniger bestraft. Ihr kommt sozusagen mit einem blauen Auge und angekratzter Ehre davon. Spieler, die bereits das Spiel aus dem Jahre 2016 für mobile Endgeräte und den PC kennen, werden sich hier sehr schnell zurechtfinden. Die Steuerung lässt sich wahlweise über Tastenbelegung oder mittels Touchscreen bedienen. Neuankömmlinge könnten sich besonders am Anfang des Spiels überladen fühlen, da das Regelwerk vielseitig ist. Die Faszination für das Spiel sollte aber schnell anwachsen, wenn ihr die ersten Siege einfahrt. Durch Beobachtung von Gegnern kann man auch als Anfänger interessante Strategien kopieren oder in die eigene Spielweise klug integrieren. In Sachen Karten-Gameplay lässt Shadowverse aus meiner Sicht zumindest keine Wünsche offen.


Animationssequenzen lockern die Stimmung stark auf. Hier kommt die Synchronarbeit hinter dem Spiel besonders gut zur Geltung.

© Marvelous Inc. / Cygames, Inc.

Grafisch muss sich Shadowverse nicht verstecken. Während des Spielverlaufs kommt ihr hin und wieder in den Genuss von Animationen, welche genauso auch auf dem Fernseher laufen könnten. Die 3D-Modelle und Spielumgebung wirken überwiegend hochwertig. Selten wirken die Gebäude oder Wände öde. Ergänzt wird dies zusätzlich durch die Schüler und andere Statisten, welche nicht einfach herumstehen, sondern auch während ihrer Gespräche gestikulieren und die Lippen bewegen. Dieses Auge für Details lässt die Akademie und den Rest der Spielwelt in einem authentischen Licht erstrahlen. Auch die Dialogsequenzen müssen sich nicht verstecken. Während der englische Text eingeblendet wird, werdet ihr auf der linken Seite die sprechende Person sehen. Positiv aufgefallen ist mir, dass die sprechende Person sich bewegt. Normalerweise kennt man aus ähnlichen Produktionen, dass die Charaktere nur als Bild dargestellt werden und nicht animiert sind. Gesprochene Dialoge werden passend durch Synchronstimmen begleitet. Auch die Animationen der 3D-Modelle laufen flüssig und bieten nur wenig Grund zur Beanstandung. Die Laufanimationen der Charaktere gefallen mir persönlich jedoch nicht, da diese oft veraltet und hölzern wirken. Im Bereich Anime ist die Synchronisation ein wichtiges Kriterium für Erfolg oder Misserfolg. Die englische Synchronarbeit des Videospiels zu Shadowverse hat mich persönlich wirklich überzeugt. Die Sprecher legen viel Mühe in die einzelnen Stimmen und bieten ein zu den Spielaktionen passendes, authentisches Gesamtbild. Durch diese hervorragende Arbeit werdet ihr euch direkt als Teil des Geschehens fühlen.


Das größte Manko des Spiels ist wohl die Sprache, denn leider es hierzulande nur in englischer Sprache verfügbar. Das gilt sowohl für den gesprochenen als auch schriftlichen Text. Shadowverse ist im deutschen Sprachraum wohl eher unbekannt, da die Serie erst im Jahre 2020 produziert wurde und bei uns nur via Crunchyroll im Simulcast verfügbar ist. Besonders da die Animeserie eher für Kinder und Jugendliche animiert ist, ist die englische Sprache eine gewaltige Hürde. Ich persönlich könnte mir gut vorstellen, dass ein Spiel, welches direkt an Kinder und Jugendliche vermarktet wird, oftmals nicht zu Ende gebracht wird, da nicht alle Mitglieder dieser Zielgruppe über die nötigen Sprachkenntnisse verfügen. Dialoge, Tutorials und Karteneffekte – das alles sind Dinge, die verstanden werden müssen, um das Spiel spielen zu können. Letztlich ist dieser Titel somit nur für Fans von Shadowverse und Kartenstrategiespielen zu empfehlen, die entsprechende Englischkenntnisse vorweisen können.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Simon Münch

Insgesamt bietet Shadowverse alles, was ein Strategiekartenspiel bieten muss. Jede Menge Karten, einen Haufen Strategie und eine Prise Glück sind die Hauptzutaten, aus denen ein unterhaltsames und gleichzeitig herausforderndes Spiel entsteht. Der Schwierigkeitsgrad ist angemessen, denn ihr werdet schweren Kämpfern aber auch einfachen Spielern begegnen und von beiden Erlebnissen gleichermaßen profitieren. Viele Gegner bieten auch interessante, eigene Strategien, welche euch durchaus überraschen und aus dem Konzept bringen können. Die Handlung ist eher leichte Kost, weiß aber geschickt durch die charmanten Charaktere zu fesseln. Leider können viele Spieler der eigentlichen Zielgruppe aufgrund einer fehlenden deutschen Übersetzung diese Produktion wahrscheinlich eher weniger genießen. Das Multiplayerspielerlebnis ist eine wichtige Bereicherung für das Spiel im Gesamten. Wenn ihr euch nach Stunden Strategiebüffeln bereit fühlt, tretet online gegeneinander an und zeigt, wer der Herrscher über das Shadowverse ist. Online wird entsprechend ein Ranking-System geboten. Fans von Shadowverse sollten sich dieses Must-Have sofort besorgen, andere Interessenten sollten sich zunächst unverbindlich die Demo-Version herunterladen und es erst einmal austesten.
Mein persönliches Highlight: Die authentische Synchronarbeit.

Die durchschnittliche Leserwertung

0 User haben bereits bewertet

Kommentare 3

  • Dunnkare

    Hardcore Noob

    Wie steht's denn um die Monetarisierung? Das ist bei dieser Art Spiele doch mit einer wichtigsten Faktoren?

    Ist es fair aufgebaut? Kann man sich Karten und oder Booster mit angemessenem Zeitaufwand erspielen? Wie teuer sind Booster? Usw.

    Viele offene Fragen..

  • Simon Münch

    Inselsprecher

    Dunnkare Über das Besiegen von Gegnern erzählt man Karten und die In-Game-Währung. Letztlich muss man schon viel farmen, um sich viele Booster leisten zu können. Letztlich empfand ich persönlich aber den Arbeitsaufwand gerechtfertigt. Als Anfänger ist man besonders zu Beginn des Spiels froh, wenn man viel Übung bekommt. Gegen Mitte des Spiels kann das viele Farmen teilweise schon etwas ärgerlich sein.

  • SchraubselTV

    Gamer der alten Schule

    Hab die Demo jetzt mal ausgiebig und auch durchgespielt und mein Fazit lautet sehr gut. Das Kartenspiel macht süchtig, ist sehr zugänglich bei gleichzeitig sehr gutem Tiefgang, und die Präsentation ist ebenfalls gelungen. Für mich wesentlich ansprechender als Yu-Gi-Oh da man im Gegensatz zu diesem auch ein wirklich gutes Balancing zu haben scheint, wobei ich natürlich nichts zum Mid und Late Game sagen kann.

    Da ich auf jeden Fall wissen will wie die Story weiter geht und mir das Spiel wirklich (etwas zu viel vielleicht xD) Spaß macht werde ich mir die Vollversion gerne zulegen. Ansonsten kommt ja jetzt im August ohnehin nix raus xD