Das Flüstern im Apfelsumpf

Sanftes Plätschern und ein modriger Duft von Schlamm, verwesendem Holz und Eisen liegen in der Luft. Vor ihm sitzt der Mann, welcher das kleine Boot durch das muffige Moor steuert. „Erzähl mir, was geschehen ist, junger Ritter“, haucht der Fahrer leise hinter ihm. Schweigend dreht der blutbefleckte Apfelritter seinen Kopf weg zur Seite und blickt in die pixelartige, schwarzweiße Landschaft hinaus. Was sollte er denn erzählen?


Sein Abenteuer begann mit einem Angriff auf seine Heimatsiedlung. Sein Bruder, ebenfalls ein ehrenvoller Apfelritter, sollte der Horde schleimiger Monstern Einhalt gebieten. Doch sein Bruder kniff, feige wie immer. Er war doch schon immer nur auf den Titel als Ritter aus. So kam es, dass nun er den Platz seines Bruders einnehmen musste. Mit Ehre und dem heiligen Schwert bewaffnet streifte er zum Stadttor hinaus. Die Welt hinter dem Tor – ein Sumpf voller Monster und Notleidenden. Ein Held, das würde er sein. Ja, ein echter Apfelheld!


Fehler resultieren gerne in tödlichen Situationen. Gegner und Blut bilden mit der Rotfärbung das grafische Highlight.

© Ratalaika Games S.L. | Agelvik

Auf seiner Reise begegnete der junge Apfelritter Hinweisen, welche eigenartigste Anweisungen beinhalteten. Er erfuhr, dass er mit dem rechten Joystick die Richtung bestimmen kann, in welche sein Schwert schlagen würde. Die Tasten R, ZR, L und ZL wären dagegen für verschiedene Spezialkräfte reserviert gewesen. Verständnislos schüttelte der edle Ritter seinen Kopf. Ein Schwachsinn, schließlich hatte er keine Knöpfe zum Drücken sondern Arme zum Schwingen. Im schnellen Sprint bewegte er sich nun geschmeidig über den schwarzen Matsch des Sumpfes und begegnete sogleich seinen ersten Feinden. Kleine, schleimartige Kreaturen mit gar unschuldigen Augen sprangen auf ihn zu. Ohne Gnade, ohne sich täuschen zu lassen, schnitt der Recke die Biester zu Geleewürfel.


Je tiefer der Ritter voran kam, desto herausfordernder wurden seine Feinde. Wesen aus dem Schmutzwasser schossen gezielt mit harten Sumpfgestein auf ihn, während Schleime verschiedener Größen nach ihm hüpften, um ihm seinen kostbaren Apfelsaft zu rauben. Das Töten der Kreaturen lockte aber auch mit Belohnungen. Materialien, die dem Ritter die Chance gaben, in kritischen Situationen seinen inneren Apfelsaft wieder aufzufüllen. Denn wenn sein Lebenssaft mit dem letzten Tropfen den Boden befleckte, würde der Tod mit fiesem Lächeln und ausgestreckter, knöchernen Hand auf ihn warten. Plötzlich spürte der Ritter einen Stoß. Vorn über fiel er mit dem Gesicht in den faulen Sumpf und sah die Schwärze vor seinen Augen aufkeimen.


Als er seine Augen schwer atmend öffnete, sah er das Lächeln einer zart duftenden Blume. Sein Schicksal war längst nicht besiegelt. Magische Punkte, in seiner Welt Checkpoints genannt, gaben ihm neues Leben, sollte er im Kampf qualvoll fallen. Ein Umstand, den der Ritter zu dieser Zeit als sehr praktisch empfand. Besser noch – es war ein Indiz, dass er zur Rettung der Welt auserkoren sein musste. Während er tiefer durch die Sümpfe stapfte, traf er Wesen, die seine Hilfe benötigten. Selbstlos nahm er sich ihrer Questen an und wurde mit neuen Kampffähigkeiten und Schlüsseln belohnt, die er auch bitter nötig hatte. Denn es gab Gebiete, die nur mit einer spezieller Macht erreichbar waren. Außerdem waren diese Fähigkeiten auch ein gern gesehenes Geschenk für den edlen Apfelritter, das sie im Kampf großen Nutzen zeigten. Die Schlüssel, laut der Legende würde es vier geben, sollten ein Portal öffnen, welches ein unsagbaren Schatz eröffnen würde. Doch hatte der Ritter diesen Weg bestritten? Hat er seine Heimat gerettet? Es gab zu viele Wege, Irrungen und Wirrungen...


„Schweigen also. Es wundert mich, dass du nichts zu berichten hast." Der Ritter blickt nach vorn auf den Rücken des Mannes, welcher das Boot tiefer in den Sumpf lenkt. Tiefer in ein Abenteuer ins Ungewisse. Ist es das Abenteuer wert? Hatte er überhaupt jemanden retten können außer sich selbst. Ermüdet sackt der Kopf des Apfelritter nach unten. Es war nur eine Stunde Kampf - nicht einmal eine Stunde ist es her, seit er die Siedlung verließ, und schon fühlt er sich so, als wäre sein Kampf längst vorbei.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Simon Münch

Der norwegische Spielentwickler Agelvik ist innerhalb der Gaming-Community kein unbeschriebenes Blatt. In erster Linie produziert Agelvic Spiele, welche kurz zu spielen sind und mit verschiedenen Kampftechniken in charmanter Pixelgrafik experimentieren. Mich fasziniert besonders die Art und Weise wie die Handlung von Apple Slash eher schweigend erzählt wird. Die Kämpfe sind zwar nicht unbedingt vielseitig, glänzen aber durch die Schwierigkeit, die durch die Masse an Monstern zustande kommt. Durch den Fortschritt in der Handlung werden außerdem neue Fähigkeiten freigeschaltet, die neue Pfade eröffnen und meinen Erkundungsgeist richtig in Fahrt bringen. Grafisch werdet ihr die klassische 2D-Pxelgrafik in schwarz-weiß vorfinden. Blut und Monster bilden mit ihrer kräftig roten Farbe ein Highlight und erhöhen definitiv die Intensität des Spiels. Die einzig bittere Pille hier ist die sehr limitierte Spielzeit. Nach etwa 60 Minuten werdet ihr das Spiel vollständig durchgespielt haben. Den Mehrwert einen weiteren Spieldurchlauf zu machen, sehe ich leider nicht. Insgesamt ist dieses Spiel empfehlenswert für alle Fans experimenteller Kampfsysteme und einer tiefsinnigen, kurzen Handlung.
Mein persönliches Highlight: Der erneute Besuch der Heimatsiedlung nach Beendigung der Hauptquest.

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