Ein interaktives Cyberpunk-Comic

Die Zeiten, in welchen ich mich durch Comics gewälzt habe, sind zwar lange vorbei, Forclosed hat mir die Faszination hinter diesen jedoch erneut zurückgebracht. Der Cyperpunk-Titel setzt nämlich nicht nur auf schrille Farben und eine futuristische Geschichte, sondern erzählt diese stellenweise in der Art eines Comicbuches und paart diese Gegebenheiten dann auch noch mit RPG-ähnlichen Elementen. Inwiefern diese Mischung funktioniert und warum ich viel verschenktes Potenzial im Spiel sehe, erfahrt ihr im nachfolgenden Test.


Die Geschichte im Comic-Look kann sich sehen lassen.

© Merge Games

Euer Abenteuer startet damit, dass ihr die Kontrolle über Hauptfigur Evan Kapnos übernehmt, welcher von seinem morgendlichen Wecker aus dem Schlaf gerissen wird. Ein Gerichtstermin steht an, zu welchem ihr dringend erscheinen müsst. Auf dem Weg dahin stellen sich euch jedoch bewaffnete Widersacher in den Weg, gegen welche ihr anfänglich nichts ausrichten könnt. Euer im Kopf eingesetztes Implantat wurde nämlich blockiert, sodass ihr eure Waffe nicht verwenden könnt. Relativ schnell erhaltet ihr jedoch Unterstützung, sodass euch eine schussbereite Waffe und weitere Fähigkeiten offenbart werden, durch welche ihr eine Intrige aufklären müsst, in welcher es darum geht, euer altes Leben zurückzubekommen oder vollkommen neu zu starten.


Erzählt wird die Geschichte von Kapnos, wie er im Spiel meist nur genannt wird, in einer Art Comic. Immer wieder werden euch einzelne Spielsequenzen wie eine Comicseite präsentiert und ihr könnt euch von Bild zu Bild bewegen oder es werden euch mehrere Perspektiven einer Szene gezeigt. Diese Erzählweise überzeugt von Beginn an und ist gerade in Kombination mit dem Cyberpunk-Setting ein Traum. Hinzu kommt, dass die Farben so akzentuiert eingesetzt sind, dass sich ein stimmungsvolles Gesamtbild ergibt, welches von Anfang bis Ende hin überzeugt.


Auf dem Weg die Intrige aufzuklären, trefft ihr immer wieder auf eine Vielzahl von Gegnern, welche es auszuschalten gilt. Hierzu stehen euch anfänglich entweder die Schusswaffe von Kapnos zur Verfügung oder die Möglichkeit, die Implantate der Widersacher gedanklich zu erhitzen, was diese ebenfalls umbringt. Für erledigte Wellen von Feinden erhaltet ihr dann Erfahrungspunkte, welche eure eigene Firmware aufsteigen lässt, wodurch euch neue Fähigkeiten offenbart werden. Entscheiden müsst ihr euch dabei, ob ihr eure eigenen übermenschlichen Fähigkeiten verbessert oder aber eurer Waffe neue Durchschlagskraft verleiht. Beispielsweise könnt ihr mit ausreichender Erfahrung Gegner durch die Luft schleudern, um sie zu einem leichten Ziel zu machen oder ihr verbessert eure Waffe dahingehend, dass diese auch Schilder und Panzerungen durchdringt.


Mit Schusswaffe und übermenschlichen Fähigkeiten gilt es, eure Widersacher auszuschalten.

© Merge Games

Insgesamt passt dieser kleine Fähigkeitenbaum sehr gut ins Spiel, da er auch taktisches Vorgehen ermöglicht. Kapnos kann nämlich nur insgesamt vier Fähigkeiten anlegen und seine Waffe kann nur mit dreien versehen werden. Je nach Situation und Art der Gegner macht es daher Sinn, die ausgewählten Talente abzulegen und andere zu verwenden, da diese sich als vorteilhafter im Kampf herausstellen. Darüber hinaus wirken sich die Fähigkeiten jedoch auch negativ auf euer Implantat aus, sodass dieses droht, zu erhitzen. Kommt es dazu, müsst ihr einige Sekunden warten, bis ihr erneut in den Kampf ziehen könnt. Wünschenswert wäre es jedoch gewesen, bereits freigeschaltete Fähigkeiten noch zu verbessern, indem diese mehr Durchschlagskraft bekommen oder das Implantat von Kapnos weniger erhitzen. Geschuldet ist dieses Fehlen aber vermutlich der relativ kurzen Spielzeit von etwa drei bis vier Stunden.


So gut mir das Kampfsystem im Kern gefällt, so kritisch sehe ich es jedoch auch. Zum einen ist es wirklich ernüchternd, dass ihr im Spiel nur eine einzige Waffe erhaltet. Klar, diese darf modifiziert werden und wirkt zwischenzeitig sogar wie ein kleines Maschinengewehr, Abwechslung hätte jedoch gut getan und sei es nur durch eine Nahkampfwaffe. Noch nerviger fand ich jedoch die Gegner selbst. Die allermeisten sind nämlich nur als farbige Silhouetten dargestellt und somit bieten sie keinen Wiedererkennungswert. Dies ist vor allem mit dem Blick auf den Verlauf des Spiels ärgerlich, da stärkere Feinde einfach Rüstungen oder Schilde übergezogen bekommen oder sie sich in ihrer Farbgebung ändern. Hier wäre so viel mehr drin gewesen, da das Grundgerüst sehr viel mehr bietet. Wer jetzt sagt, dass diese eben zum Gesamtsetting gut passen, hat zwar recht, gerade Kapnos zeigt aber, wie ein gut gestalteter Charakter in den Gegebenheiten Fuß fassen kann.


Zudem muss ich die die Anzahl der Kämpfe ebenfalls kritisieren. Meist können nur wenige Meter in den mehr oder weniger offenen Gebieten gegangen werden, bevor die nächste Horde auf einen wartet. Dadurch spielen sich die Kampfsequenzen jedes Mal wie eine Aneinanderreihung von kleineren Arena-Kämpfen. Auch hier wäre so viel mehr drin gewesen, da es bereits kurze Phasen gibt, in welchen ihr euch schleichend an alle Feinde herantasten könnt. Diese Splinter Cell-Momente fallen jedoch zu gering aus.


Technisch ist das Spiel insgesamt gut umgesetzt. Gerade der Grafikstil hat es mir angetan und sorgte dafür, dass ich stets gut unterhalten wurde. Die englische Vertonung und die deutschen Texte sind hierzu nette Beikost, vom Unterhaltungswert jedoch weniger gelungen, als die äußere Erscheinung. Zu meckern gibt es vor allem im Bereich der Steuerung, da das Fadenkreuz per Sticks doch etwas zu schwammig ist. Zudem waren meine Spielrunden geprägt von Bugs, die mich manches Mal auch zum Neustart zwangen. Nichtsdestotrotz war ein Durchspielen trotz dieser Dämpfer möglich, schmälerte die guten ersten Eindrücke jedoch weiter.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Maik Styppa-Braun

Foreclosed ist ein Titel, der eigentlich das Potenzial zum Spiele-Hit hat. Die Mischung aus Cyberpunk, Comic, Shooter und RPG funktioniert erstaunlich gut und bereitet einen Freude. Leider werden diese positiven Aspekte überschattet von viel zu häufigen Arenakämpfen, austauschbaren Gegnern und einiges Bugs. Wer darüber hinwegsehen kann, wird jedoch seinen Spaß haben und vielleicht sogar eine zweite Runde starten, um wirklich jeden Winkel des Spiels zu erkunden. Ich werde dies auf jedenfalls tun, um das Abenteuer von Evan Kapnos zu komplettieren.
Mein persönliches Highlight: Der fantastische Comic-Look.

Bestelle dir jetzt Foreclosed über unsere Onlineshop-Partner

Online kaufen

Die durchschnittliche Leserwertung

0 User haben bereits bewertet

Kommentare 1

  • Son of Sahasrahla

    Turmheld

    Danke für den Test!:thx:

    War heute kurz am Überlegen, ob ich die Cartridge als Blindkauf mitnehmen soll, hab mich dann aber dagegen entschieden.

    Jetzt fühle ich mich bestätigt!