Eine holprige Neuinterpretation

Vor fast zehn Jahren erschien der Tower Defense-Hit Dungeon Defenders erstmals für den PC. Der Titel vereinte die Strategie des seinerzeit blühenden Genres mit der Action eines Hack & Slay-Rollenspiels und mauserte sich somit zu einem kleinen Kassenschlager, der durch neue Inhalte in Form von Charakterklassen und Karten stetig erweitert wurde. Auch der kooperative Mehrspielermodus trug zu jenem Erfolg bei. Im Juni 2017 startete dann das Free-to-play-Sequel Dungeon Defenders II, welches bis zum heutigen Tag vonseiten der Entwickler fleißig mit neuen Inhalten unterstützt und von den Spielern gezockt wird. Mit dem kürzlich veröffentlichten Dungeon Defenders: Awakened möchte man zu den Wurzeln der Reihe zurückkehren und eine Neuinterpretation des Erstlings wagen. Ob die Frischzellenkur gelungen ist, verraten wir euch in den nachfolgenden Zeilen.


Innerhalb der Level gibt es eigentlich kaum einen Punkt, den ihr nicht erreichen könnt.

© Chromatic Games

Erfahrene Spieler werden sich zu Beginn sofort wohlfühlen. Dungeon Defenders: Awakened startet mit der Auswahl eures Helden. Davon stehen zurzeit fünf verschiedene zur Verfügung, darunter die vier Urklassen Knappe, Mönch, Jägerin und Magier. Zu diesen gesellt sich ein Cyborg mit dem etwas holprigen Namen Series EV-A. Habt ihr eure Wahl getroffen, beginnt auch schon das erste Scharmützel.


Darin werden euch die Grundlagen des Spiels nähergebracht. Ihr lernt also, wie man Verteidigungsapparaturen platziert, die – kombiniert mit eurem direkten Kampfeinsatz – Wellen von Gegnern daran hindern sollen, den zumeist im Zentrum platzierten Kristall zu erreichen und zu attackieren. Gelingt es den Feinden, den schwebenden Klunker zu vernichten, ist die Begegnung vorbei und ihr habt verloren.


Gleich am Anfang fällt auf, dass das Spiel eigentlich auf dem PC zu Hause ist. Die Steuerung auf dem Controller fällt zumeist etwas hakelig und schwammig aus, gerade wenn es um das präzise Platzieren eurer Bauten geht. Auch die vielen Statistiken, die den Bildschirm in unregelmäßigen Abständen überladen, könnten Neulinge abschrecken.


Damit ihr nicht zu Beginn bereits alles mit Barrikaden und Fallen zupflastert, kostet jede Konstruktion Edelsteine, die ihr durch gefallene Widersacher erhaltet. Zudem gibt es ein Baulimit, welches aber primär in kooperativen Mehrspielergefechten ein Hindernis darstellt. Neben der Edelsteine, die einzig für die Dauer der aktuellen Partie verfügbar sind, lassen die Gegner auch Ausrüstungsgegenstände fallen, die ihr per Knopfdruck in euer Inventar packen oder sofort ausrüsten könnt. Denn Dungeon Defenders: Awakened fällt längst nicht nur unter das Genre des Tower Defense, sondern bietet auch kleinere Rollenspielelemente.


Die einzelnen Bosskämpfe werden jeweils spektakulär eingeleitet.

© Chromatic Games

Euer Held erreicht Level und kann mit verschiedenen Rüstungen und Waffen ausgestattet werden, von denen zumeist nur die Waffen Einfluss auf euer Erscheinungsbild nehmen. Zudem kommt jede Charakterklasse mit zwei eigenen Fähigkeiten daher, auf die ihr während der Auseinandersetzungen zurückgreifen könnt. Mit jedem Stufenaufstieg erhaltet ihr Attributspunkte, die ihr grob in die Eigenschaften eurer Spielfigur oder in die Werte eurer Bauwerke investieren könnt.


Überschüssige Items könnt ihr in der Taverne zwischen den einzelnen Kämpfen verkaufen. Das Schankhaus fungiert als Knotenpunkt und Lobby für den Mehrspielermodus. Allerdings wirkt dieses abseits des Wirtes und des Schmiedes noch recht verwaist. Auch fehlt dem Spiel noch ein Laden, wo man das hart verdiente Gold ausgeben kann – dieser soll laut den Entwicklern an einem unbestimmten Zeitpunkt in der Zukunft nachgeliefert werden. Momentan können von den Talern einzig die Werte eurer Ausrüstung angehoben werden.


An einem großen Kristall im Mittelpunkt der Schenke könnt ihr eure nächste Operation planen. Aktuell könnt ihr zwölf Kampagnenmissionen mit jeweils einer Zusatzkarte in verschiedenen Schwierigkeitsstufen spielen oder auf andere Modi ausweichen, darunter der obligatorische Überlebensmodus. Auch passive Gefechte, also mit dem alleinigen Einsatz von Konstruktionen, sowie das genaue Gegenteil davon sind möglich. Die Hauptaufgaben sind durch eine dünne Geschichte miteinander verknüpft und glänzen mit aufwendig eingeleiteten Bosskämpfen am Ende eines jeden Kapitels.


Die Kampagnenaufträge werden durch eine dünne Story zusammengehalten, die sich in einzelnen Bildern erzählt.

© Chromatic Games

Dank des neuen technischen Grundgerüsts sieht Dungeon Defenders: Awakened nun mehr aus wie das mittlerweile vier Jahre alte Sequel. Die grelle Optik mit ihren harten Schattierungen weicht einem sanften, Cartoon-artigen Anstrich, der durchaus zu gefallen weiß und weitaus schonender für das Auge ist. Die Level sind allesamt liebevoll gestaltet und brillieren mit einer hohen Bewegungsfreiheit. Nahezu jeder Punkt kann von euch erreicht und strategisch genutzt werden. Einzig die Unschärfe im Handheld-Modus der Nintendo Switch sowie die Vereinfachung der Animationen distanzierter Gegner fallen negativ auf.


Leider beschränken sich die gravierenden Probleme der vorliegenden Fassung nicht nur auf die Absenz eines Händlers und die dürftige Anpassung der Steuerung auf den Controller. Gerade in den höheren Schwierigkeitsgraden wird der Fokus auf kooperatives Gameplay deutlich, jedoch finden sich zum aktuellen Zeitpunkt kaum andere Spieler über das Internet und ein lokales Zusammenspielen ist derzeit nicht möglich.


Auch bricht die Bildrate gerade im Handheld-Modus der Nintendo Switch bei hohem Gegneraufkommen sehr stark ein und das über einen längeren Zeitraum. Besitzerinnen und Besitzer einer Nintendo Switch Lite sollten also zunächst von einem Kauf absehen. Im TV-Modus läuft das Spiel hingegen weitgehend flüssig, neigt allerdings zu gelegentlichen Abstürzen.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Felix Kraus

Ich habe mich wirklich wahnsinnig auf Dungeon Defenders: Awakened gefreut und erkenne auch dessen wirklich gute Ansätze. Nichtsdestotrotz lässt mich der aktuelle Zustand des Spiels enttäuscht zurück. Gerade die Technik im Handheld-Modus ist schockierend. Zudem wirkt das Produkt in vielerlei Hinsicht unfertig. Wirft man einen Blick in die Bewertungen der PC-Fassung, zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Dem Spiel fehlt es aktuell noch an langfristig bindenden Inhalten, einer vernünftigen Spielerbasis und Feinschliff. Es bleibt zu hoffen, dass nachfolgende Updates auf dem potenten Fundament aufbauen und die vorhandenen Unsauberkeiten beseitigen.
Mein persönliches Highlight: Das Kernprinzip und die neue Optik.

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 1

  • Karlomir

    Turmritter

    In das Original-Dungeon Defenders habe ich am PC während meines Studiums über 200 Stunden mit meiner Mitbewohnerin versenkt. Herrlich!


    Danke für den Test. Hat mich vor einem teuren Nostalgie-Fehler bewahrt. :thumbup: