Mittelalter-Fantasy trifft auf Rundenstrategie

1990 erschien das Rundenstrategiespiel King‘s Bounty für den PC. Im Spiel des Entwicklers Jon Van Caneghem drehte sich damals alles um heldenhafte Schlachten in einem klassischen Mittelalter-Fantasy-Szenario. Ab 2008 wurden einige weitere Spiele der Marke veröffentlicht, die am Spielprinzip festhielten und Rundenstrategie-Freunden so viele schöne Spielstunden bescherten. Jetzt, über 30 Jahre nach dem Erscheinen des erste Spiels, erscheint mit King‘s Bounty II ein eigenständiger Nachfolger zur Kultmarke, der an alte Erfolge anknüpfen und die Formel des Spiels modernisieren möchte. Dabei habt ihr nicht nur die Wahl zwischen PC, PlayStation 4 und Xbox One, sondern könnt das Spiel auch auf der Nintendo Switch erleben. In unserem Test verraten wir euch, wie sich die portable Version des Spiels schlägt.


Erkundet das Königreich Nostrien und führt eure Truppen in die Schlacht!


Das Königreich Nostrien ist in Aufruhr: Nach einem Anschlag auf das Leben des Königs herrscht Chaos im Land. Fraktionen ringen um Einfluss und im Hintergrund arbeiten Geheimbünde daran, selbst die Macht zu übernehmen. In diese düstere Fantasy-Welt entlässt euch King‘s Bounty II direkt zu Beginn des Spiels. Ihr werdet beschuldigt, in eine Intrige gegen den König verwickelt zu sein. Um eure Unschuld zu beweisen, werdet ihr zu Beginn des Spiels aus der Haft entlassen, um eure Unschuld zu beweisen. Noch vor dem Start der Kampagne entscheidet ihr euch dafür, ob ihr den Krieger Aivar, die Magierin Katarina oder den Paladin Elsa spielt. Jede der drei Figuren hat eine individuelle Hintergrundgeschichte und eine Spezialausbildung, die euch bestimmte Vorteile verschafft. So startet Aivar das Spiel beispielsweise mit einigen Talentpunkten, die die Kampfkraft seiner Truppe erhöhen. Dafür sind ihm im Verlauf einiger Missionen allerdings bestimmte Handlungsoptionen vorenthalten, in denen magisches Wissen gefragt ist.


Euer Charakter wird in den Kampf um das Schicksal des Königreichs hineingezogen.

© 1C Online Games

In spielerischer Hinsicht ist King‘s Bounty dabei eine Mischung aus einem Fantasy-Mittelalter-RPG und einem Rundenstrategietitel. Hauptsächlich bewegt ihr euch in der Third-Person-Perspektive mit eurem Charakter durch die Spielwelt und führt Gespräche mit NPCs, erkundet Schauplätze oder löst relativ simpel gehaltene Rätsel. In dieser Hinsicht ähnelt King‘s Bounty II beispielsweise den Spielen der The Witcher-Reihe, wobei es kein klassisches Dialogsystem gibt, mit dem ihr Antworten vorgeben könnt. Stattdessen laufen die Gespräche automatisiert ab und ihr könnt vor den Gesprächen bestimmte Entscheidungen treffen. So seit ihr in einer Nebenmission beispielsweise mit der Frage konfrontiert, ob ihr eine korrupte Stadtwache melden oder mit ihr kooperieren wollt. Beide Handlungsoptionen bringen euch sowohl Vor- als auch Nachteile. Solltet ihr den Verräter decken, verspricht dieser euch im Gegenzug ein Regiment Bogenschützen für eure Armee. Alternativ könnt ihr die Stadtwache aber auch melden und euch so das Vertrauen des Hauptmanns erarbeiten. Jede Entscheidung in King‘s Bounty II hat unmittelbare spielerische Auswirkungen. Ihr erhaltet nicht nur Items oder andere Belohnungen, sondern auch einen Typ von Talentpunkten. Davon gibt es insgesamt vier Stück: Stärke, Magie, Disziplin und Anarchie. Eure Punktanzahl in einer der Kategorien bestimmt, wie viele Talente der jeweiligen Art ihr bei einem Stufenaufstieg erlernen könnt. Talente der Kategorie Disziplin geben euren Truppen beispielsweise Boni auf die Moral, während die entgegengesetzte Anarchie-Kategorie die Menge an Gold erhöht, die ihr nach einem Kampf als Belohnung enthaltet. Insgesamt bietet das Spiel so relativ viele Möglichkeiten, die Vorgehensweise an euren individuellen Spielstil anzupassen.


An festgelegten Punkten in der Spielwelt, die ihr entweder im Rahmen der Handlung oder frei erkundet, erwarten euch rundenbasierte Auseinandersetzungen, in denen eure Truppen gegen gegnerische Einheiten antreten. King‘s Bounty II setzt dabei auf eine Gruppen-Struktur. Jeder Soldat eurer Truppe ist einem Bataillon zugeordnet, von denen ihr insgesamt fünf ins Feld führen könnt. Die Gruppengröße richtet sich dabei nach dem Führungswert eures Charakters. Wenn ihr die entsprechenden Werte verbessert oder Ausrüstung mit Boni findet, erhöht sich dadurch auch die Größe eurer Armee. So könnt ihr nach einer gewissen Zeit beispielsweise zehn Speerträger in einer Einheit zusammenführen, während ihr davor auf vier oder fünf Soldaten beschränkt seid. So werden die Auseinandersetzungen zahlenmäßig zwar immer größer, da ihr aber nur die Gruppen und nicht einzelne Soldaten befehligt, bleiben die Gefechte jedoch eigentlich immer überschaubar. Dazu tragen auch die vergleichsweise kleinen Schlachtfelder bei, auf denen Auseinandersetzungen stattfinden.


Auf dem Schlachtfeld müsst ihr das Gelände zu eurem Vorteil nutzen.

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In den Kämpfen selbst gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, den Schlachtverlauf zu beeinflussen. So verfügen eure Einheiten ebenfalls über einen Erfahrungswert und können neue Fähigkeiten lernen, wenn sie im Level aufsteigen. Eure Heiler können dann beispielsweise nicht nur Lebenspunkte wiederherstellen, sondern auch negative Effekte von euren Einheiten nehmen. Wie auch eure Talente, sind die Einheiten bestimmten Archetypen zugeordnet, die ihren Kampfstil beeinflussen. So sind die Truppen des Königreichs Nostrien sehr disziplinierte Kämpfer, während durch Nekromantie beschworene Skelettsoldaten eher für Unruhe sorgen. Wichtig ist aber nicht nur die Gesinnung eurer Truppen, sondern auch die richtige Balance an Kämpfertypen. King‘s Bounty II setzt hier auf eine relativ bewährte Stein-Schere-Papier-Mechanik, sprich: jeder Einheitentyp hat individuelle Stärken und Schwächen, die ihr gegeneinander ausspielen könnt. Im Kampf gegen gegnerische Kavallerie leisten Speerträger beispielsweise gute Arbeit, während gepanzerte Ritter bestens geeignet sind, um feindlichen Geschossen zu widerstehen. Auch magische Kreaturen gehören zur Riege der verfügbaren Kämpfer. Greife eignen sich zum Beispiel ausgezeichnet dafür, in Deckung befindliche Bogenschützen aus der Luft zu attackieren.


Überhaupt spielt die richtige Nutzung des Geländes eine wichtige Rolle. Wer mit seinen Nahkämpfern wichtige Punkte blockiert und so Magier und Bogenschützen in Deckung hält, wird es im Kampf deutlich leichter haben, siegreich hervorzugehen. Die KI bemüht sich zumindest darum, gezielt besonders verwundbare Einheiten anzugreifen. Der Schwierigkeitsgrad einzelner Gefechte richtet sich allerdings nicht primär nach dem Geschick eures Gegenübers, sondern vor allem nach der Ausrüstung und der Erfahrungsstufe der beteiligten Einheiten. Das heißt, dass es zwingend notwendig ist, sowohl euren Protagonisten als auch eure Einheiten im Rang aufsteigen zu lassen, um im Verlauf des Spiels weiterzukommen. Die an sich relativ offen gehaltene Spielwelt verfügt an verschiedenen Stellen über festgelegte Kämpfe, die wie natürliche Begrenzungen wirken. Wenn ihr nicht weiterkommt, bleibt euch nichts anderes übrig, als Nebenmissionen zu absolvieren oder bei den überall in der Welt platzierten Händlern weitere Einheiten zu rekrutiere oder Ausrüstung zu kaufen, die die Werte eures Charakters verbessern. Insgesamt entsteht so ein dauerhafter Wechsel zwischen der Erkundung der Welt und den einzelnen Gefechten, wobei die Third-Person-RPG-Passagen im Schnitt dominieren.


Trotz einiger Abstriche überzeugt King's Bounty II auch auf der Nintendo Switch.

© 1C Online Entertainment

Die Welt von King‘s Bounty II setzt dabei stark auf auf einzelne Geschichten und kleinere Erzählungen. Die übergeordnete Handlung rund um eine dunkle Verschwörung nimmt nur an einzelnen Stellen etwas Fahrt auf. Vielmehr bietet euch das Spiel einen Mittelalter-Fantasy-Spielplatz, in dem ihr mal Golem-Schmieden unter die Arme greift, mal Banditen niederstreckt, die einem Händler die Ware gestohlen haben. Dass einen die Handlung nur selten richtig in den Bann zieht, mag auch an den eher durchschnittlich vertonten und geschriebenen Dialogen liegen, die nur selten mit Überraschungen aufwarten. King‘s Bounty II wirkt vielmehr wie ein Best-Of-Mittelalter-RPG, in dem sich viele Ideen sammeln und bei dem für jeden etwas dabei sein sollte. Die relativ offene Struktur des Spiels hat mich persönlich im positiven Sinne an ein Pen & Paper-Rollenspiel erinnert: Man wird in die Welt geworfen und muss einen für sich geeigneten Weg finden, von A nach B zu gelangen. Die Welt von King‘s Bounty II ist dabei eigentlich immer interessant genug, um die Erkundung motivierend zu halten.


Kommen wir zur technischen Umsetzung des Spiels. Bei den ersten Spielszenen war angesichts der Grafik des Spiels doch etwas Skepsis angebracht, ob Nintendos Hybridkonsole den Titel anständig auf den heimischen oder portablen Bildschirm zaubern kann. Tatsächlich müsst ihr gegenüber anderen Versionen des Spiels mit Einbußen leben. Insbesondere in belebten Gegenden wie der königlichen Hauptstadt wird die Framerate etwas in die Knie gezwungen. Auch aufploppende Texturen fallen negativ auf. Insgesamt ist es aber doch beachtlich, wie gut 1C Entertainment das Spiel für die Nintendo Switch angepasst hat. Insbesondere im TV-Modus kann sich das Spiel sehen lassen und präsentiert auch auf Nintendos Hybriden eine schön gestaltete Fantasy-Welt. Abseits von der an sich gelungenen Umsetzung des Spiels ist vor allem erwähnenswert, dass Gesichtsmodelle häufig wiederverwendet wurden und man so immer wieder das Gefühl hat, mit denselben NPCs zu reden. Hier merkt man dem Spiel an, dass angesichts der Masse an Dialogen wohl nicht das Budget dafür da war, jedem einzelnen Charakter mehr Individualität zu verpassen. Ansonsten gibt sich King‘s Bounty II auch auf der Nintendo Switch keine Blöße. Die Ladezeiten fallen in der Regel kurz aus und auch die Steuerung wurde gut auf die Eingabe mit Controllern angepasst. Etwas durchwachsen fällt das Urteil mit Blick auf den Soundtrack aus. Dieser ist zwar stimmig zusammengesetzt, es mangelt aber an wirklich einprägsamen Stücken, die aus der Masse herausstechen.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Adis Selimi

Mit King‘s Bounty II kehrt die altehrwürdige Strategiemarke zurück und gibt gleichzeitig ihr Debüt auf einer Nintendo-Plattform. Ich hatte mit dem Titel aus dem Hause 1C Entertainment viel Spaß, gerade auch weil die Mischung aus Thrid-Person-RPG und Rundenstrategie zu überzeugen weiß. Die beiden Elemente greifen gut ineinander und bereichern sich gegenseitig. Entscheidungen in der Spielwelt haben einen Einfluss darauf, welche und wie viele Truppen ihr ins Feld führen könnt. Umgekehrt hängt der Erfolg auf dem Schlachtfeld stark vom Level und der Ausrüstung eures Protagonisten ab. Etwas schade ist, dass die RPG-Mechanik hier so dominant durchschlägt und an vielen Stellen fast ausschließlich über Sieg oder Niederlage entscheidet. Dennoch bieten sich euch mit den verschiedenen Truppentypen, Gesinnungen und Zaubern viele Möglichkeiten, auf dem Feld das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Positiv überrascht war ich von der technischen Umsetzung für Nintendos Hybridkonsole. Abgesehen von einigen erwartbaren Abstrichen wie einer niedrigeren Auflösung und nachladenden Texturen in der Spielwelt, läuft das Spiel weitgehend einwandfrei und bietet euch so auch unterwegs ein tolles Fantasy-Mittelalter-Erlebnis.
Mein persönliches Highlight: Die Mischung aus Rollenspiel- und Rundenstrategie-Elementen, die gut ineinander greifen.

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Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 4

  • mrcb

    Turmheld

    Endlich... Der erste Test :)

    Aber ich werde nie mehr verstehen, dass auch im x-ten Jahr der Switch in den Reviews kein Wort zur Lesbarkeit im Handheld-Modus verschwendet wird, immerhin dem Alleinstellungsmerkmal der Konsolen...

    Das wäre doch lediglich EIN Satz mehr im Text!

    Ich spiele zum Beispiel seit Jahren ausschließlich im Handheld Modus, und besitze leider einige Fehlkäufe, da nie auf die Schriftgrößen eingegangen wird...

    Den Test an sich finde ansonsten gelungen, auch wenn ich wohl auf Nummer sicher gehe und das Spiel für die Series X hole...

  • Vaelmin

    Turmritter

    mrcbberechtigte Kritik, obwohl ich im Vorfeld nie dran denke. Mir fällt immer erst im Spiel auf wie anstrengend Teile des Spiels aufgrund von zu klein, schlecht gewählten Fonts o.ä. auf. Meist spiele ich dann weiter. Aber nochmal ich würde es ebenso begrüßen.

  • mrcb

    Turmheld

    Ich weiß schon, in Umfragen liest man immer wieder, dass die meisten am Fernseher spielen. Aber man darf auch nicht die Zahl derer unterschätzen, die eine Lite haben. Ist da der Bildschirm nicht sogar noch ein wenig kleiner?

    Okay, bei ganz extremen Beispielen wie Wasteland 2 oder Mutant Hero wurde man vorgewarnt.

    Frage mich dann schon oft, ob die Entwickler ihr Spiel überhaupt selbst mal getestet haben.

    Und sogar bei Nintendo selbst empfinde ich die Schriftgröße manchmal grenzwertig, zum Beispiel bei Fire Emblem.

    The Outer Worlds war mit der einstellbaren Schriftgröße mal ein positives Beispiel.


    Also BITTE liebe Redakteure und Redakteurinnen, wenigstens - - EIN - - Satz in den Reviews :)

    Auch wenn ich nicht glaube, dass es flächendeckend kommt, habe letztes Jahr schon mal die Anfrage gestellt :)

  • Zarathustra

    ---------

    Hab mir das Game heute auch Mal gegönnt und angezockt,lässt sich gut an,aber das Lauftempo nervt.extrem.


    Die Schriftgröße von Gesprächen und Quests geht voll in Ordnung,im Menü,vor allem bei den Fähigkeiten,dürfte es gerne etwas größer sein.