Drei Geschwister gegen die düsteren Mächte

Mit Greak: Memories of Azur brachte das kleine mexikanische Entwicklerstudio Navegante Entertainment gerade ihr erstes Projekt auf die Nintendo Switch. Der Action-Platformer mit Metroidvania-Elementen dreht sich sowohl handlungs- als auch gameplaytechnisch um drei Charaktere mit unterschiedlichen Fähigkeiten, über die ihr abwechselnd die Kontrolle übernehmt. Als Inspiration diente den Entwicklern unter anderem der SNES-Klassiker The Lost Vikings aus dem Jahre 1993. Ob uns der Platformer überzeugen konnte, verraten wir euch in unserem Spieletest.


Glücklich wiedervereint: Greak schließt seine Schwester Adara in die Arme.

© Navegante Entertainment / Team17

Das Land Azur, Heimat der Courines, wurde von den kriegerischen Urlags überrannt. Lange Zeit konnten sie sich deren Angriffen widersetzen, doch nun steht ihre Zivilisation vor dem Ende. Der einzige Ausweg liegt im Himmel: Mithilfe von Luftschiffen versuchen sie ihren Widersachern zu entfliehen und die Belagerung zu beenden. Inmitten dieser Schlachten finden sich die drei Geschwister Greak, Adara und Raydel wider, die voneinander getrennt werden und nun versuchen sich wiederzufinden. Dabei erhalten sie Zuflucht in einem kleinen Späherdorf und unterstützen dessen Einwohner beim Bau ihres eigenen Luftschiffes als Fluchtmöglichkeit.


Ihr beginnt das Spiel in den Fußstapfen des jungen Schwertkämpfers Greak, der von seinen beiden Geschwistern getrennt wurde. Nachdem er einen tiefen Sturz überlebt hat und von ein paar Spähern in deren Dorf gebracht wurde, revanchiert er sich für die Hilfe, indem er einige Aufgaben für sie übernimmt. In den umliegenden Arealen schlägt er sich an gruseligen Gestalten vorbei, um beispielsweise Zutaten oder Baumaterialien für das Luftschiff zu beschaffen. Gleichzeitig hält er aber Ausschau nach Hinweisen zum Verbleib seiner Geschwister, ohne die er Azur nicht verlassen will. Durch arkane Symbole spürt er letztendlich seine Schwester Adara auf, die ihn mit ihren magischen Fähigkeiten unterstützt. Gemeinsam erfüllen sie weitere Aufträge für die Dorfbewohner, um dabei eine Spur, die sie zu ihrem großen Bruder Raydel führen könnte, zu finden.


Teamwork zahlt sich aus: Während Raydel den Strahl mit seinem Schild blockt, kann Adara ihm folgen.

© Navegante Entertainment / Team17

Während Greak zunächst nur alleine unterwegs ist, um schwächere Gegner auszuschalten und einfache Rätsel zu lösen, entfaltet sich das Gameplay unter dem Beisein eurer Schwester erst so richtig. Beide – beziehungsweise später alle drei – Charaktere befinden sich nämlich gleichzeitig unter eurer Kontrolle und da jeder von ihnen über verschiedene Fähigkeiten verfügt, werden diese auch immer wieder in Rätseln und Platforming-Passagen auf die Probe gestellt. Greak kämpft mit einem kurzen Schwert, verfügt über eine Armbrust zum Fernkampf und kann Angriffen durch eine Rolle zur Seite ausweichen. Außerdem ist er so klein und furchtlos, dass er ohne Schwierigkeiten in enge Tunnel kriechen kann. Adara greift mit magischen Geschossen an, die eine spezielle Energie benötigen, die sich jedoch von alleine wieder auflädt. Anstatt einer Rolle kann sie einen schnellen Satz nach hinten ausführen, um Angriffen zu entgehen. Im Gegensatz zu ihren Brüdern, kann sie keinen Doppelsprung ausführen, dafür aber mithilfe ihrer magischen Kräfte für kurze Zeit durch die Luft schweben. Außerdem kann sie schneller schwimmen und tauchen als ihr Bruder Greak. Raydel trägt als echter Ritter nicht nur ein langes Schwert, sondern auch einen Schild, mit dem er Angriffe sowie Energiestrahlen abblocken kann. Mit einem Greifhaken kann er sich an bestimmte Angelpunkte ziehen, dafür ist er jedoch schwimmunfähig und verliert bei Wasserkontakt sofort Lebensenergie. Dadurch entstehen spannende Möglichkeiten für gelungene Puzzle-Platformer-Einlagen.


Während ihr anfangs noch Nebenquests von den Dorfbewohnern erhaltet, wird dieses Prinzip recht schnell über Bord geworfen und ihr folgt hauptsächlich der Hauptmission. Dadurch bekommt das anfangs sehr offen wirkende Spiel schnell einen doch überraschend linearen Charakter aufgedrückt. Lediglich kleine Bonusgegenstände, die zum Beispiel die Lebenspunkte der drei Geschwister erhöhen oder euch einen Aufladeangriff ausführen lassen, findet ihr abseits des normalen Weges. Ansonsten habt ihr noch die Möglichkeit, euch mit nützlichen Heilgegenständen einzudecken. Diese könnt ihr entweder kaufen oder selbst kochen, indem ihr Zutaten findet und diese in einen von vielen bereitstehenden Kochtöpfen schmeißt, um zu schauen, was dabei herauskommt. Manche Zutaten können ach roh verzehrt werden, füllen dabei jedoch eure Lebenspunkte nur minimal auf.


Fiese Falle: Der Anführer der feindlichen Späher will Greak an den Kragen.

© Navegante Entertainment / Team17

Oftmals besteht eure Aufgabe hauptsächlich darin, einen vorgegebenen Zielpunkt mit allen Charakteren zu erreichen. Hierfür gibt es zwei verschiedene Ansätze. Per Knopfdruck bestimmt ihr, welchen Charakter ihr steuert. Dabei werden die Geschwister jedoch nicht ausgewechselt, sondern sind stets gleichzeitig in der Spielwelt präsent. Ihr habt entweder die Möglichkeit, die Charaktere abwechselnd zu bewegen, was dazu führt, dass ihr gut überlegen müsst, wo ihr wen abstellt, damit dieser Charakter nicht von den ständig respawnenden Feinden angegriffen wird. Alternativ könnt ihr aber auch alle Charaktere gleichzeitig bewegen. Haltet ihr ZR, bewegen sich die inaktiven Charaktere zu eurem aktiven. Haltet ihr ZL, imitieren die inaktiven Charaktere eure Bewegungen, sofern sie direkt neben euch stehen. Das klingt nicht nur äußerst umständlich, der Gedanke dahinter geht auch in Platforming-Abschnitten nicht wirklich auf, da die Charaktere wie bereits beschrieben über unterschiedliche Fähigkeiten verfügen. Vor allem der fehlende Doppelsprung von Adara lässt sie immer wieder hinter den anderen beiden zurückfallen und bringt sie dadurch ungewollt in Gefahr. Ihr müsst euch also zwischen zwei gleichsam unattraktiven Szenarien entscheiden: Entweder ihr lauft denselben Weg mehrmals mit jedem Charakter einzeln oder ihr ärgert euch mit der umständlichen Steuerung und mehreren Charakteren gleichzeitig herum.


Optisch überzeugt Greak: Memories of Azur durch einen äußerst hübschen handgezeichneten Stil, der den 2D-Umgebungen und Figuren Leben einhaucht. Dazu wird das Gameplay stets durch einen stimmigen Soundtrack untermalt, der sowohl bei Erkunden der Gebiete als auch bei einem hitzigen Bosskampf für ordentlich Atmosphäre sorgt. Auch leistungstechnisch kann der Titel überzeugen und wurde toll für die Nintendo Switch optimiert. Sämtliche Spieltexte wurden außerdem in die deutsche Sprache übersetzt, was vielen Spielern hierzulande gefallen dürfte.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Philipp Pöhlmann

Mit seinem Drei-Charaktere-Gameplay ist Greak: Memories of Azur gewiss ein außergewöhnlicher Action-Platformer. Der handgezeichnete Grafikstil und ein stimmiger Soundtrack laden euch ein in die Welt von Azur, aus der Titelheld Greak mit seinen beiden Geschwistern zu fliehen versucht. Obwohl die Welt anfangs einen recht offenen Eindruck macht, erwartet euch doch ein meist lineares Abenteuer, was aber nicht weiter schlimm ist. Während die drei Charaktere, die allesamt über unterschiedliche Fähigkeiten verfügen, aufgrund der dadurch entstehenden, äußerst gelungenen Rätsel-Platforming-Passagen die größte Stärke des Spiels darstellen, stellen sie gleichzeitig, auch durch die oftmals ungewohnte und nicht in jeder Situation ausführbare Steuerung, die größte Schwäche dar. Wer sich nicht sicher ist, ob er damit zurecht kommt, kann aber dank der kostenlosen Demoversion zumindest das Gameplay mit zwei Charakteren schon einmal ausprobieren.
Mein persönliches Highlight: Die liebevoll animierten Zwischensequenzen fügen sich nahtlos in die handgezeichnete Optik ein.

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Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 4

  • Animaniac

    Turmbaron

    Sieht auf jeden Fall super aus.

    Werde die Demo gleich morgen mal ausprobieren.

  • Darkmariopanther

    Nintendo Freak

    Hab es mir Day1 geholt und muss sagen, ich bereue den Kauf null. Hab jetzt noch ein anderes Spiel was ich fertig zocke und dann setz ich mich wieder daran.

  • Boo

    Turmheld

    Schön geschriebener Test, danke dafür!

    Das klingt wirklich interessant und sieht schon sehr schick aus. Das man den einen Char teilweise im Team hinter sich her ziehen muss klingt aber tatsächlich sehr ärgerlich. Wie sehr das den Spielfluss dann stört kann dank Demo ja jeder selbst testen. Demo lädt jetzt bei mir,auch wenn ich nicht direkt Zeit habe es anzutesten.

  • Darkmariopanther

    Nintendo Freak

    Boo

    Ich sehe es mal als eine andere Spielart. Nicht nur immer das gleiche. :ddd: