Hier stehen Kämpfe und Gemüse auf dem Menü

Beliebte Farming-Simulatoren à la Story of Seasons oder Stardew Valley entführen uns in entspannte Welten, in denen wir immer wieder aufs Neue die virtuelle Landwirtschaft für uns entdecken und die trotz des vorhandenen Zeitdrucks eine Ruhe ausstrahlen, wodurch diese Titel für viele Sinnbild entspannender Zocker-Abende auf dem Sofa, oder kurzer Ausflüge aufs Feld für zwischendurch sind. Dabei weiß dieses Genre auch mir der Spielzeit nicht zu geizen und fesselt eifrige Farmer für etliche Stunden an den Bildschirm. Einige Vertreter dieser Kategorie versuchen zudem, mit neuen Ansätzen ein erweitertes Spielerlebnis zu liefern, oder zumindest eigene Einzigartigkeiten hervorzuheben. Hierzu zählt auch Monster Harvest von Entwickler Maple Powered Games und Publisher Merge Games. Dreht sich sonst alles um das Aufziehen von Tieren und dem säen von Feldfrüchten, verschwimmen hier die Grenzen zwischen beiden und sorgen mit kuriosen Mischungen für einen neuen Twist bei den Farming-Simulatoren. Ob dieses Experiment geglückt ist, oder einem doch eher die Ernte verhagelt wird, erfahrt ihr in unserem Test.


Feldarbeit mit einer Prise Rollenspiel


Vom Titel des Spiels einmal abgesehen, macht Monster Harvest zunächst den Eindruck eines üblichen Farming-Simulators, wie man ihn von Stardew Valley oder auch Harvest Moon seit vielen Jahren kennt. Und das beginnt schon mit dem Start. Ein lang vergessener Verwandter lädt euch ein, eine verlassene Farm in der Nähe einer ruhigen Ortschaft zu übernehmen und diese wieder auf Hochglanz zu bringen. Eure Figur stimmt dem willkommenen Neustart zu und macht sich sogleich ans Werk.

Wer Wind sät erntet hier im positiven Sinne Sturm. Die treuen Pflanztiere sind das Highlight des Spiels, doch auch normale Feldarbeit muss erledigt werden.

© Merge Games

Euch erwartet ein tristes Feld voller Steine, Geäst und Bäume, denen ihr mit eurem treuen Werkzeug erst einmal Herr werden müsst. Ist eine Fläche für den Start zufriedenstellend freigelegt, geht es ab in den Ort, um die erste Saat zu beschaffen. Angeleitet durch euren ortsansässigen Onkel, der als Wissenschaftler tätig ist, werdet ihr in die Grundlagen des Spiels eingeführt und erste Gespräche mit den zahlreichen Charakteren sind möglich, von denen einige auch zu Lebenspartnern werden können. Der große Unterschied zu anderen Genre-Vertretern: Hier schlagen die Feldfrüchte wortwörtlich auf den Magen, denn mit einer neuen Entdeckung ist es möglich, Angebautes mit Schleimen in Pflanztiere zu verwandeln. Diese kleinen Kumpane begleiten unsere fleißige Figur bei ihrem Alltag und nehmen, je nach verwendetem Schleim, unterschiedliche Funktionen ein.

Gewöhnliche Tiere gibt es keine und so hat man die Wahl zwischen Nutzpflanztieren, Reitpflanztieren oder Pflanztieren, die für den Kampf geeignet sind. Denn Monster Harvest fügt der altbekannten Formel einige RPG-Elemente hinzu, wie man sie auch aus Stardew Valley oder Rune Factory kennt. Neben der Ausrüstung für die Farm gibt es nämlich ein Schwert obendrauf, welches für Kämpfe gegen wilde Pflanztiere im nördlichen Dungeon, Monster Harvests Äquivalent zur Mine, wichtig ist. Selbst gekämpft wird mit der Figur allerdings nicht, lediglich wer im Kampf zuerst starten darf, entscheidet ein gezielter Schwerthieb. Die Kämpfe an sich nutzen ein Runden-System wie man es aus Pokémon kennt und die Pflanztiere greifen abwechselnd an, bis alle KP verloren sind. Je nach Level, das ein Pflanztier erreicht, können weitere Attacken eingesetzt werden.

Gewöhnen solltet ihr euch an eure Wesen allerdings nicht zu sehr, denn das Ableben von Pflanztieren ist ebenso ein ständiger Begleiter. Die so erhaltenen Herzen lassen sich auf der Farm in fruchtbareren Boden investieren. Gepaart mit herkömmlichen Alltagsaufgaben durch das Anbauen normaler Feldfrüchte oder wertvollerer Kreuzungen, vereint Monster Harvest also klassisches Farming-Gameplay mit rundenbasiertem RPG-Kämpfen. Durch das Abbauen von Gehölz und Steinen und viele weitere Aktionen erhaltet ihr Erfahrungspunkte, durch die bei einem Level-Up neue Herstellungsrezepte hinzukommen, seien diese praktischer oder auch nur dekorativer Natur. Auch im Dorf gibt es einiges zu tun, denn mit dem nötigen Kleingeld lassen sich neue Bereiche freischalten und auch Pflanztier-Turniere werden im örtlichen Gemeindezentrum ausgetragen. Sogar eine kleine Story rund um eine kürzlich eröffnete Firma findet sich, wenngleich dieser keine große Bedeutung beizumessen ist.


Nahrhaft und gefährlich: Die Pflanztiere sind nicht bloß auf der Farm nützlich, sondern auch im Kampf.

© Merge Games

Für Langzeitmotivation sorgen längerfristige Aufträge des exzentrischen Onkels, für die so einige Materialien der verschiedenen Jahreszeiten gesammelt werden müssen, um spezielle Belohnungen zu kassieren. Auch hier geht Monster Harvest einen anderen Weg, denn statt gewöhnlicher Jahreszeiten gibt es Trocken- sowie Regentage und eine dunkle Jahreszeit, in der sich wiederum ganz andere Pflanztiere züchten lassen. Wirft man einen Blick auf den technischen Zustand des Spiels, lassen sich zumindest für die Nintendo Switch-Version von Monster Harvest kaum gute Worte finden. Vieles wirkt grob zusammengeschustert, was sich bereits im Hauptmenü bemerkbar macht.

Oft reagieren Eingaben nicht korrekt oder so verzögert, dass man versehentlich wieder zwei Fenster zurückspringt. Auch die Steuerung während des Spielens gestaltet sich zu oft unpräzise und hakelig. Das genaue Rangieren von Items durch die verschiedenen Inventare ist mit dem Control-Stick eine mehr nervige Aufgabe statt Nebensächlichkeit, stets begleitet von einem penetranten Soundeffekt beim Hovern über jeden einzelnen Inventarplatz. Hinzu kommen deutsche Textboxen, die zwar übersetzt, aber in Sachen Rechtschreibung und grundlegendem Satzbau fernab von gut und böse sind und so einen negativen Beigeschmack bei Interaktionen mit anderen Charakteren hinterlassen. Die Ladezeiten sind besonders beim Starten des Spiels enorm lang und erinnern in dieser Hinsicht an Animal Crossing: New Horizons. Grundsätzlich läuft das Spiel flüssig, weist aber besonders während Attacken-Animationen im Handheld-Modus Probleme auf und hat mit Frameskips zu kämpfen. Zu guter Letzt gestaltet sich der Soundtrack zwar in keiner Weise als störend, fällt allerdings auch nicht besonders auf und hinterlässt keinen bleibenden Eindruck.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Robin Jung

Monster Harvest ist ein Farming-Spiel, das seine Wurzeln genau kennt und diese einzusetzen weiß, aber auch durch frische Ideen, wie Monster-Collecting-Aspekte und RPG-Elemente, ein erweitertes Erlebnis bieten will. Mit Blick auf das Gameplay lässt sich sagen, dass das Grundgerüst solide ist und die erdachten Elemente gut zu den üblichen Farming-Aufgaben passen. Dennoch bieten diese nicht genug Unterschiede, um sich besonders von anderen prominenten Genre-Vertretern abzuheben. Hier hätte gerne noch mehr gewagt werden dürfen. Einen großen Minuspunkt muss der Titel leider durch seinen mangelhaften technischen Zustand hinnehmen, der zumindest auf Nintendos Hybrid-Konsole verbesserungsbedürftig ist. Hoffentlich schafft hier ein Update noch Abhilfe. Wer generell etwas mit Spielen wie Story of Seasons oder Stardew Valley anfangen kann, wird auch mit Monster Harvest Spaß haben, muss aber mit den angesprochenen Problemen leben.
Mein persönliches Highlight: Die verschiedenen Pflanztiere zu entdecken und mit ihnen den Dungeon zu erkunden.

Die durchschnittliche Leserwertung

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