Eingelocht auf einem einst strahlenden Planeten

Stellt euch vor, die Erde wird in einigen Jahren so zerstört und verseucht sein, dass unser Leben hier nicht mehr sicher wäre. Also fliegen wir zum Mars, bauen unsere Zivilisation auf ein Neues auf und besuchen unseren ehemaligen Heimatplaneten nur noch für ein paar lockere Runden Golf. So ungefähr könnt ihr euch das Setting zu Golf Club: Wasteland vorstellen, welches ich in den vergangen Tagen testen durfte.


Egal ob im Vorder- oder Hintergrund: Das Setting überzeugt.

© Untold Tales / Demagog Studio

Die Geschehnisse rund um das neueste Golfspiel für die Nintendo Switch habe ich mit diesen eingangs verfassten Worten schon grob umrissen. Als anfangs unbekannter Protagonist findet ihr euch auf der mittlerweile zerstörten Erde wieder und spielt dabei eines von insgesamt 35 Löchern. Recht schnell bemerkt ihr als Spieler jedoch, dass immer wieder die Silhouette einer unbekannten Kreatur den Bildschirm ziert und die Bildschirmtexte zwischen den Löchern geben Einblicke in die Gedanken dieser. Während ihr also die unterschiedlichen Level bereist und die Golfparcours absolviert, erfahrt ihr sukzessive immer mehr darüber, wen ihr da eigentlich spielt, wer euch beobachtet und wie es zum Abzug der Menschheit von der Erde gekommen ist. Erzählerisch wird dies noch durch den Radiosender des Mars unterstützt, welcher nicht nur sanfte Klänge auf die Ohren schallt, sondern auch weitere Details zu den Geschehnissen verrät.


Auch wenn die Story nach einem klassischen Open World-Adventure klingen mag, erhaltet ihr im Kern ein reines Sportspiel. Per Stick könnt ihr bestimmen, in welche Richtung und mit welcher Kraft euer Spieler den Schläger schwingt und per Tastendruck wird letztlich der Schlag ausgeführt. Ziel ist es dabei stets, das Loch zu erreichen, auch wenn bei eurem ersten Spieldurchgang die Anzahl eurer Versuche eine eher untergeordnete Rolle spielt. Solltet ihr jedoch Interesse an vielen spannenden Hintergrundinformationen zur Geschichte haben, könnt ihr versuchen, die Level mit möglichst wenig Versuchen zu meistern. Dadurch schaltet ihr nämlich weitere Informationen frei. So richtig entfaltet sich die Story dadurch auch erst beim zweiten Durchspielen des etwa dreistündigen Titels. Da die Ziele aber nicht allzu schwer sind, bleibt man gerne am Ball. Leider fehlt dadurch eine wirkliche Herausforderung.


Auf dem Weg zum Ball nutzt unser Protagonist sein Jetpack.

© Untold Tales / Demagog Studio

Handelt es sich bei meiner Beschreibung bislang um ein doch sehr austauschbares Konzept, werdet ihr wohl spätestens nach den ersten Leveln den Reiz des Titels erkennen. Die einzelnen Löcher sind nicht nur detailgetreu gestaltet, sondern überzeugen vor allem durch das Setting selbst. So findet ihr euch zu Beginn auf zerstörten Wiesen wieder, spielt zwischen klaffenden Abgründen, schlagt den Ball durch allerlei unbewohnte Häuser und sogar ein ehemaliger Flughafen samt Gepäckband erwartet euch. Die Abwechslung ist dabei wirklich enorm. Grund hierfür sind aber nicht nur die einzelnen Szenerien, sondern auch allerlei neue Elemente, die in den einzelnen Leveln eingeführt werden. Hierzu zählen beispielsweise Eichhörnchen, die euren Ball klauen oder auch Windböen, die den Ball weiter vorantreiben.


Untermalt wird das Setting dann auch noch mit einem fantastischen Soundtrack, welcher irgendwo zwischen melancholisch und unterhaltsam einzuordnen ist. Dieser geht bereits nach wenigen Minuten ins Ohr und es macht eine Heidenfreude, zwischenzeitig innezuhalten, um diesem zu lauschen. Einige Stücke sorgen sogar für ein freudiges Wippen mit den Beinen, während ihr die Parcours meistert. Golf Club: Wasteland kann darüber hinaus auch dadurch überzeugen, dass eben jener Soundtrack Käufern zur Verfügung gestellt wird. Zudem findet ihr im Spiel eine 55-seitige Graphic Novel zur Geschichte, welche euch noch tiefer in das Abenteuer eintauchen lässt. Doch auch viele Kleinigkeiten finden sich im Spiel wieder, welche erst bei genauerem Hinsehen auffallen. So ist eines der schönsten Details für mich, wie sich unser Spieler ärgert und den Kopf schüttelt, wenn der Ball kurz vor dem Loch zum Liegen kommt. Solche Feinheiten zeigen sehr gut, wie viel Freude in die Entwicklung geflossen ist.


Kritik üben muss man schlussendlich an der Steuerung und an einigen Leveln. Zum einen konnte ich mich auch nach meinem zweiten Durchgang nicht mit der Steuerung anfreunden. Die Justierung von Stärke und Flugbahn war mir etwas zu schwammig, sodass es immer wieder zu Fehlversuchen kam. Dies ist vor allem dahingehend ärgerlich, dass manche Kurse alternative Abkürzungen beherbergen. Diese lassen sich durch die Steuerung aber meist nur schwer erreichen. Darüber hinaus sind die Level allesamt abwechslungsreich, jedoch fehlte mir eine wirkliche Herausforderung. Beispielsweise werden einige Spielelemente nur ein einziges Mal verwendet und eine Kombination dieser findet auch nur seltenst statt. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen, um auch erfahreneren Spielern etwas abzufordern.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Maik Styppa-Braun

Golf Club: Wasteland hat mich voll und ganz überzeugt. Das tolle Setting auf der zerstörten und verseuchten Erde funktioniert wunderbar und es macht, trotz der Melancholie in der Luft, eine Menge Spaß. Die einzelnen Kurse sind abwechslungsreich und zeichnen sich durch individuelle Mechaniken aus, jedoch wäre hier deutlich mehr drin gewesen. Dass die einzelnen Spielelemente nicht sinnig miteinander kombiniert werden, um auch erfahrenere Spieler herauszufordern, ist etwas enttäuschend. Dafür dürfen die sich über einen genialen Soundtrack und ein tolles Artbook freuen, wodurch die gesamte Geschichte noch mehr in die Tiefe geht. Ich drücke die Daumen, dass zukünftig vielleicht weitere Level das Spiel bereichern, einen DLC würde ich nämlich ohne zu überlegen erwerben, auch wenn die Steuerung mir noch immer etwas zu unpräzise ist.
Mein persönliches Highlight: Das gesamte Setting des Spiels.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 3

  • Marq

    Anime-Spiele ohne Chibis!

    Damit hätte ich nicht gerechnet. Das Spiel hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm. Danke für den Tipp und den guten Test!

  • Deny

    Turmheld

    Selten war ein spiel so chillig und so beängstigend gleichzeitg.


    Ich hab letzte Woche das Spiel auf Steam ausprobiert und war von allem begeistert, bis auf die Steuerung.


    Doch allein für die Radiosendung lohnen sich die sieben Euro die es gerade noch im eshop kostet.

    Gerade der Radiosprecher macht einen echt guten Job. Er ist echt gut geschrieben und bleibt sachlich.... aber bei manchen Dingen die er erzählt musste ich echt schlucken.


    Selten ein Spiel gespielt, das so chillig und gleichzeitig so beängstigend ist.

  • nailujx

    Hollow Knight Fanatic

    Vielen Dank für den Test! Sieht nach einem super stimmigen Titel aus der definitiv bald im Warenkorb landet. :)