Schwert und Sichel in die Tatzen und auf ins Abenteuer!

Was passiert, wenn niedliche Katzen und andere Tiere auf Rune Factory treffen? Dieser Frage ist wohl das Entwicklerteam Twin Hearts aus Indonesien nachgegangen. Nach etwa zweieinhalb Jahre Entwicklung war es dann endlich soweit. Kitaria Fables erblickt das Licht der Welt. Heute haben wir einen genauen Blick auf das Spektakel für die Nintendo Switch geworfen und eine Antwort auf die Frage, ob dieses Experiment gelungen ist.


Eine alte Legende besagt, dass vor Äonen das Land von Canoidera durch eine mysteriöse Kalamität heimgesucht wurde. Monster und andere finstere Kreaturen suchten das Land und ihre Bewohner heim, bis das Königreich unter gemeinsamer Kraftanstrengung mit Magiern diese Finsternis verbannen konnte. Längst gelöscht aus dem Gedächtnis der arglosen Bewohner, sucht die Kalamität ein weiteres Mal das Land heim. Wieder mischt das Reich sich ein und versucht, die Bewohner zu schützen. Ihr steuert die junge Heldin Nyan, welche ein Nachkomme eines mächtigen Magiers ist. Gemeinsam mit dem redefreudigen Marcaron seid ihr als Soldat des Landes in Pfotendorf stationiert und dürft dort die Bewohner schützen, unterstützen und zur eigenen Zerstreuung die kleine eigene Farm bewirtschaften.


Morgens geht es erst mal auf das Feld. Der eigene Hof bietet großartige Ablenkung von den Tumulten vor den Stadttoren.

© PQube Games

Wie eingangs erwähnt, orientiert sich das Spiel wie Rune Factory auf zwei wesentliche Elemente: Pflanzen und Kämpfen. Die Welt von Canoidera ist in verschiedene kleine Abschnitte eingeteilt. In jedem Bereich findet man eigene, interessante Monster und Gegebenheiten, welche es zu erkunden gilt. Schätze findet ihr schlecht versteckt in Ecken, dafür sind die Monster wesentlich spannender im Kampf. Nyan schwingt ihr Schwert, spannt ihren Bogen oder nutzt mächtige Magie in der Third-Person-Perspektive, um den Monstern richtig Feuer unter dem Hintern zu machen. Über Gegenstände, welche die Monster verlieren oder die Umgebung hergibt, lassen sich Waffen, Fähigkeiten und Farmwerkzeuge verbessern. In welcher Geschwindigkeit und Reihenfolge obliegt euch.


Weitere Kartenabschnitte werden geöffnet, wenn ihr entsprechend die Handlung weiterspielt oder eigene kleine Erkundungen anstellt. Neben Wäldern und Feldern könnt ihr auch Wüsten und verschneite Gipfel erkunden. Dunkle Höhlen mit gefährlichen Monstern bieten die gehörige Würze an Herausforderung. Monster bereiten innerhalb von bestimmten Zeitabständen Angriffe vor, welche auf dem Boden markiert werden. Durch die B-Taste könnt ihr ausweichen und eure nächsten Angriffe landen. Herausforderung entsteht besonders dann, wenn mehrere Monster auf einmal angreifen und ihr aus dem Ausweichen nicht mehr herauskommt.


Bis jetzt hört sich das Spiel doch sehr actiongeladen an, oder? Zum Ausgleich zu der ewigen Kämpferei mit bösartigen Kreaturen ist das Bestellen der eigenen kleinen Farm ein wichtiges Gameplay-Element. Anders als andere Spielereihen wie Harvest Moon oder Stardew Valley ist das Farming-System weniger ausgereift. Im Prinzip ist diese Simulation auf Bestellen, Pflanzen, Gießen und Ernten beschränkt. Letztlich könnt ihr viele Stunden nur damit verbringen, Pflanzen zu pflanzen und Geld zu verdienen. Dieses Geld lässt sich ebenfalls zur Verbesserung von Werkzeugen und Fähigkeiten nutzen. Im Dorf gibt es Händler, die verschiedenen Produkte anbieten. Erweitert werden diese Angebote durch Quests, die man erfüllen kann. Ein simples Crafting-System ist ebenfalls über die Händler implementiert. Wenn ihr die richtigen Ressourcen zu den richtigen Personen bringt, könnt ihr verschiedene Produkte bauen oder verbessern lassen.


Ein Katzenspiel, das immer auf vier Pfoten landet


So herausfordernd das Spiel ist, so viel Gnade zeigt es im Falle eines Todes. Ressourcen bleiben in der Tasche und der Verlust wirkt vergleichsweise niedrig. Selbstverständlich kratzt es aber am Ego und motiviert, besser zu werden. Durch ein fehlendes Levelsystem ist plumpes Grinden nicht zielführend. Hier werden Skills und Vielseitigkeit gleichermaßen gefordert ohne zu überfordern.


Zwischenbosse erscheinen täglich neu. So könnt ihr eure Taschen füllen und eure Fähigkeiten immer wieder auf die Probe stellen.

© PQube Games

Zentral ist jedoch die Handlung. Sie wirft einen interessanten Blick auf die aktuellen Gegebenheiten und einfachen Problemen der Bewohner. Sie haben den Kampf vergessen und sind verwöhnt von Frieden und guter Ernte. Nun, da Monster Tür und Tor einreißen, macht sich Verunsicherung breit. Das Reich wirkt zwar hilfsbereit, scheint aber selbst nur auf seine eigenen, machtbesessenen Ziele fixiert zu sein. Liebevoll erzählt wird diese Geschichte durch die vielen, sehr spannenden Dialoge. Zur Freude aller ist dieses Spiel vollständig auf Deutsch verfügbar und bietet sich daher für Jung und Alt gleichermaßen an.


Kennt ihr den Anblick einer Katze, die sich gemütlich auf dem Boden in der Sonne wälzt? Dieses Gefühl wird sich bei euch einstellen, wenn ihr den ambitionierten Klängen des Spiels lauscht. Lebhafte Momente, dunkle Dungeons und Widrigkeiten der Natur werden pointiert durch die musikalische Arbeit wiedergegeben. An der Seite der musikalischen Untermalung zeigt auch die Grafik, was sie kann, auch wenn man bei der Nintendo Switch im Vergleich zu anderen Konsolen kleinere grafische Abstriche hinnehmen muss. Trotzdem ist ein insgesamt stimmiges und malerisches Bild gegeben. Die Bildrate ist nicht immer stabil – ist die Umgebung sehr voll mit Bäumen, Pflanzen und Monstern, macht sich das in der Bildrate hin und wieder bemerkbar. Mir fiel dies besonders auf, als ich das gesamte Feld mit Ananaspflanzen bestückt hatte – eine kleine Überforderung für das Spiel.


Zusätzlich zu dem einfachen Einzelspielermodus ist auch ein lokaler Koop-Modus gegeben. Für mich persönlich ist dieser Modus nicht unbedingt eine Notwendigkeit oder Bereicherung, da ich normalerweise alleine spiele. Bei diesem Test habe ich mich aber aufgerafft, um mit dem Küken meiner Familie zu spielen. Hat es uns Spaß gemacht? Definitiv! Jüngere Spieler werden gleichermaßen vom Gameplay angesprochen wie hart gesottene, schwertnutzende Farmer. Im lokalen Modus teilen sich beide Spieler das gleiche Sichtfeld und können gemeinsam die verschiedenen, bereits vorgestellten Aktivitäten nutzen. Insgesamt ist der lokale Mehrspieler-Modus eine nette Ergänzung, die aber nicht unbedingt bahnbrechend ist oder das Spiel von Grund auf neu erfindet.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Simon Münch

Kitaria Fables ist ein Indie-Spiel der besonderen Art. Entsprungen aus den Köpfen hinter Twin Hearts aus Indonesien, fasziniert diese Produktion in vielerlei Hinsicht. Die Handlung fesselt selbst schnelle Spieler für mindestens acht Stunden. Die Farming-Komponente vervielfacht diese Stundenzahl mehrfach. Gerade wenn ein Moment der Ruhe gesucht wird, schafft es Kitaria Fables zu liefern. Besonders zu empfehlen ist das Spiel für jüngere Spieler. Das Kampfsystem ist nicht kompliziert und sehr intuitiv. Das Pflanzen und pflegen der Ernte ist ebenfalls keine gedankliche Herausforderung. Die große Schwäche ist wohl das sehr vereinfachte Gameplay bei der Feldarbeit. So fühlt es sich sehr befremdlich an, dass es keine Jahreszeitenwechsel gibt, obwohl das bei dieser Art von Spielen schon fast eine Tradition ist. Hier wäre mehr Tiefe nicht schlecht gewesen und würde aus dem einfachen Geldfarmen ein echt blumiges Erlebnis machen. Letztlich finden dadurch vor allem jüngere Spieler einen guten Einstieg in das Genre des Action-und Farmsimulationsspiels. Kitaria Fables glänzt besonders durch die Grafik, welche auch auf der Nintendo Switch ein Blickfang ist und durchaus Konkurrenten vor Neid erblassen lassen könnte. Gut abgemischt ist die musikalische Arbeit, welche ohne langweilig zu wirken, Farmarbeit und Kämpfe gleichermaßen geschickt zu unterstützen weiß. Der lokale Koop-Modus ist eine nette Ergänzung, die wahrscheinlich besonders bei Familien Anklang finden wird. Wirklich ausgereift wirkt dieser Modus aber nicht und hätte auch einfach weggelassen werden können. Die Verbindung zweier Genres, die selten verbunden werden, ist gelungen. Kitaria Fables hat es erfolgreich geschafft, sich an der namhaften Rune-Factory-Reihe zu orientieren, ohne eine billige Kopie zu sein. Jeder Fan von Farmsimulationsspielen wird dieses Spiel mit viel Freude genießen und die Liebe hinter diesem Projekt spüren. Als Indie-Produktion macht Kitaria Fables viele Dinge, die man sich von einer solchen Art von Titel qualitativ wünschen kann, sehr gut und authentisch.
Mein persönliches Highlight: Die vielseitige Welt von Canoidera.

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Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 8

  • AlexWoppi

    Turmbaron

    Ich habe das Spiel nach 20 Std beendet, aber ob sich die 20€ gelohnt haben? Teils teils. Daher ist meine persönliche Wertung nur eine 7.

  • Simon Münch

    Inselsprecher

    Das Spiel hat noch viele Fehler, Bossgegener verschwinden auf einmal, so das man gezwungen ist, den Spielstand neu zu laden. Auch die langen Ladezeiten nerven gewaltig.

    Mir sind diese Art von Fehler nicht untergekommen. Solche Erlebnisse können natürlich das gesamte Erlebnis sehr trüben. Die Ladezeiten können durchaus stören, da sie häufig auftreten und in der Summe viel Zeit fressen.

  • Tomokoto

    Turmknappe

    Liebe das Spiel auch wenn es für die Leistung recht viel ruckelt… und ich seit dem ich das Game mal ausgemacht habe meinen Spielstand nicht mehr spielen kann….

    Deswegen noch nicht durchgerungen neu an zu fangen und ich war gerade in das Schnee Gebiet rein gekommen…

  • Lillyth

    <3

    AlexWoppi

    Danke für den Spoiler. ;(



    Also bei mir zieht sich das Spiel wie Kaugummi. Items sammeln geht ja, aber ich habe so viel Geldmangel, dass ich meine Farm jetzt erstmal komplett bearbeite und dann geht die Story weiter. Bin bei 12 Stunden und hab 1 Relikt. Hut ab an die, die es in 8 schaffen. :D

  • YamiCola

    Turmheld

    Lillyth

    Das mit dem Spoiler habe ich mir auch gedacht.:|


    Ich werde es mir kaufen, wenn es im Angebot ist. Es klingt eigentlich ganz schön, ich mag Farmsimulationen und bis dahin sind hoffentlich Fehler durch updates verbessert. :)

  • AlexWoppi

    Turmbaron

    YamiCola Lillyth ist kein Spoiler, weil es von Anfang an klar war. Ist aber nicht so wie ihr jetzt denkt, nicht das Ende des Spieles. ;)

  • YamiCola

    Turmheld

    AlexWoppi

    Aber wenn es kein Spoiler ist, wieso hast du es jetzt nachträglich als Spoiler gekennzeichnet?

  • Simon Münch

    Inselsprecher

    YamiCola die Spoilerkennzeichnung stammt vom Moderationsteam.:D Auch wenn etwas vielleicht vorhersehbar ist, ist es letztlich trotzdem ein Spoiler. Jetzt sind zumindest die zukünftigen User vor diesem Spoiler geschützt.