Mit den Händen in der Tasche locker zum Spielehit

Wie verschmitzt das Logo von Chucklefish grinst. Zurecht, wenn man bedenkt, dass der Publisher ein heiß begehrtes Spiel an Land ziehen konnte. Nach den Spitzenerfolgen von Starbound und Stardew Valley hat sich Chucklefish einen Namen gemacht, der für Vertrieb von qualitativ hochwertigen Spielen steht. Der große aktuelle Fang ist hierbei die neueste Produktion des Entwicklerstudios Pixpil. Mit dem Titel Eastward lädt uns das Entwicklerteam in ein Feuerwerk voller Emotionen und Spannung ein. Bereit für ein weiteres 2D-Pixelabenteuer der Extraklasse? Dann viel Spaß beim Lesen.


Eine quirlige Welt mit verrückten Charakteren wartet in Eastward auf Entdeckung.

© Chucklefish

In einer postapokalyptischen Welt findet ein älterer Mann namens John ein junges Mädchen mit gar mysteriösen Fähigkeiten. Da sie keine Familie hat und die Welt schon für Erwachsene sehr hart ist, sorgt er sich nun um sie. Sam, das energiegeladene und liebevolle junge Mädchen, unterstützt John fortan in seinem sehr tristen Alltag und bringt etwas Farbe in die Dunkelheit der Höhlen – dort leben sie nämlich. Gemeinsam mit anderen Menschen aus der Gemeinde hausen sie in einem unterirdischen Höhlensystem. Abgeschnitten vom Rest der Welt fristen sie ihr Dasein dort in Dunkelheit, stickiger Luft und wenig Freude. Sam will dieses Schicksal nicht auf sich sitzen lassen. Während der Bürgermeister das größte Unheil beschwört, welches in der Oberwelt seinen Wahnsinn treiben soll, ist sich Sam sicher zu wissen, dass die Oberwelt wunderschön ist. Woher dieses Wissen jedoch stammt, bleibt im Dunkeln. Und so kommt alles Schlag auf Schlag. Durch überstürzte Handlungen von Sam werden sie und John aus dem Dorf verbannt und dem Charon zum Fraß vorgeworfen. Doch mit diesem Moment beginnt erst die Handlung, denn in Wirklichkeit finden sie einen Weg zur Oberwelt und reisen nun mit der Bahn von Siedlung zu Siedlung durch eine wundersame Welt. Neue Freunde, furchterregende Geheimnisse und viele Emotionen warten auf die beiden Helden. Ständig im Fokus steht jedoch Sam und ihre Rolle bei der Verteilung des todbringenden Miasmas und der Menschenfabriken. Woher stammen nur ihre übermenschlichen Fähigkeiten und was hat es mit der Ernte auf sich?


In Eastward steuert ihr John und die kleine Sam durch verschiedene Dungeons. In diesen Dungeons finden sich kleine Umgebungsrätsel, Schatzkisten und Kreaturen, mit denen nicht gut Kirschen essen ist. Zu Beginn des Spiels steht euch nur die Signaturwaffe von John zur Verfügung: eine alte, rostige Gusseisenpfanne. Diese Pfanne könnt ihr nutzen, um Monstern ordentlich eins überzubraten. Sie hat eine geringe Reichweite, was schnell zu ungünstigen Momenten führen kann. Kommt es dazu, dass Monster oder deren Angriffe euch treffen, verliert ihr Herzen. Dieses Prinzip kennen wir alle wahrscheinlich am besten von The Legend of Zelda. Sind alle Herzen weg, heißt es „Game Over!“. Über den weiteren Verlauf der Handlung werden auch neue Waffen und Möglichkeiten mit der Umgebung zu interagieren freigeschaltet. So lernt ihr unterschiedliche spezielle Fähigkeiten von Sam kennen oder sprengt euch mit Bomben durch dunkle Gänge. Auch Fernwaffen wie Pistolen oder Flammenwerfer finden ihren Weg in das Waffenarsenal.


Kämpfen ist jedoch nur ein Puzzleteil vom Gameplay. Die Umgebung selbst stellt euch regelmäßig vor leichte und teils auch knifflige Rätsel. Bei diesen geht es oft darum, mit der Umgebung zu interagieren, die Reaktion zu beobachten und entsprechend die Lösung zu finden. Besonders interessant sind Rätsel, bei denen Sam und John getrennt werden. Normalerweise laufen sie zusammen herum und können sich gegenseitig als Anführer mittels Tastendruck auswechseln. Manche Gebiete trennen die beiden voneinander und zwingt sie dazu, ihre Fähigkeiten in der richtigen Weise ergänzend zu nutzen. Es ist immer wieder herzzerreißend, wenn die kleine Sam nach einer kleinen Solorunde endlich ihren John in die Arme schließen kann.


Das Charisma von Eastward entfaltet sich vielfältig


Die Handlung besteht aus einer Abfolge von verschiedenen Quests, Cutscenes und Text, den es zu lesen gilt. Die Quests sind dabei sehr unterschiedlich gestaltet, meist geht es aber darum, von einem Punkt zum anderen zu kommen und ein Item einzusammeln oder ein bestimmtes Monster zu töten. Geschickt verpackt wird diese eigentlich recht einfache Spielweise über die sehr einnehmende Art des Erzählens. Die Charaktere sind teils stark überzeichnet dargestellt und zeigen eine starke Tiefe, auch wenn sie manchmal nur kurzzeitig auftreten. Sie vermitteln das Gefühl, real zu sein. Real in ihren Gefühle und vor allem real in ihren Handlungen. Diese Art der Realität verleiht dem Spiel nicht nur mehr Tiefe, sondern euch als Spieler die Möglichkeit, empathisch die Geschichte nachzuempfinden. Permanent werden die verschiedensten Gefühle gezeigt und wechseln innerhalb von Momenten die gesamte Stimmung. In einer Sekunde war die Welt noch in Ordnung, der Friede scheint sich bei John und Sam endlich eingestellt zu haben und in der nächsten Sekunde schlägt ihnen eine neue Situation unschön ins Gesicht. Die Protagonisten sind tragische Helden, die von Anfang an nur die Finsternis gewöhnt sind. Endlich draußen verfolgt sie aber noch immer das Schicksal in Form von Miasma, welches die Welt aus mysteriösen Gründen heimsucht. Alles, was John und Sam sich immer wieder erarbeiten, ist vergänglich und zerrinnt zwischen ihren Fingern wie staubtrockener Sand. Immer weiter geht es. Immer weiter bringt sie die Reise gen Osten – nur um in jeder neuen Örtlichkeit ein weiteres Mal mit euch ein emotionales Feuerwerk zu erleben.


Gerade wenn die beiden getrennt agieren, ist größte Vorsicht geboten. Allein ist vor allem Sam leicht zu verwunden.

© Chucklefish

Die Geschichte könnte ein Stoff aus einem gut erzählten Anime sein. Entsprechend aufwendig ist auch die grafische Darstellung ausgearbeitet. Pixpil hat zwar eine pixelartige 2D-Grafik genutzt, schafft es aber, das gesamte Potenzial auszuschöpfen. Ähnlich gelungene Werke wie Stardew Valley dürfen hinten anstehen, Eastward setzt einen eigenen Meilenstein. Jeder Teil der großen und vielseitigen Welt ist mit einem sehr starken Auge für Details entworfen worden. Auch hier kann man von einer Art realitätsnahen Kunst sprechen. Diese unzähligen Details machen die Handlung glaubhaft und setzen die Schauspieler nicht auf eine lieblose Bühne – sie werden auf der Nintendo Switch auf magische Weise mit ihrer Welt lebendig. Durch die Kombination von Natur und Steampunk-Elementen wird euch ein stimmiges und doch sehr kontrastreiches Bild geboten, welches so nur selten zu finden ist.


Die große Liebe zu ihrem Projekt hat Pixpil zusätzlich mit dem Spiel Earth Born gezeigt. Innerhalb von Eastward findet ihr Spielautomaten, auf denen sich dieses Abenteuer genießen lässt. Dabei erinnert das Spiel vom Prinzip her sehr an Spiele wie die alten Final-Fantasy-Urgesteine. Auf einer epischen Quest versucht der Ritter mit Mitstreitern den Dämonenfürsten zu stürzen. Ein lustiges Gameplay-Element sind die Automaten daneben. Wenn ihr spezielle Spielmünzen gesammelt habt, könnt ihr diese nutzen, um an diesen Automaten kleine Plastikeier zu bekommen, in denen dann Figuren aus dem Spiel Earth Born zu finden sind. Bekannt ist dies besonders bei de Gacha-Automaten aus Japan. Diese Figuren lassen sich übrigens sogar als Items in Earth Born nutzen und bringen einen so weiter im Fortschritt. Ob ihr Earth Born spielt oder nicht, liegt dabei ganz bei euch. Für die Haupthandlung ist das Spiel nur bedingt relevant. Es bietet in erster Linie eine angenehme Zerstreuung vom stressigen Alltag von Sam und John. Manchmal werden auch lustige Referenzen aus dem Spiel in den Dialogen gemacht, weshalb ein kurzer Blick sich definitiv rentieren kann.


Die Grafik und das Storytelling sind demnach also qualitativ sehr hochwertig. Doch wie sieht es mit der musikalischen Arbeit aus? Hier dürft ihr mindestens genauso viel erwarten. In erster Linie trifft man bei Eastward auf sehr energiegeladene Musik, welche die verschiedenen actionbasierten Situation gekonnt unterstreicht. Emotionale Momente sind durch lebhaft fröhliche oder melancholisch trübsinnige Melodien geprägt. Hierbei wird ein gelungener Sound geboten, der das Textlesen, Monster vernichten und Rätsellösen durchdacht zu unterstützen weiß.


Zusätzlicher Schnickschnack und diese eine furchtbare Pleite


Wie bereits ausführlich erwähnt, gibt es eine große Bandbreite an Details, die das Spiel spielens- und liebenswert machen. Ähnliche Detailliebe zeigt sich auch in den Dungeons. Diese werden regelmäßig durch kleine Minispieleinlagen aufgelockert. Auch das Kochen wird über ein kleines Minispiel gestaltet und bietet so weitere interessante und teils sehr humorvolle Elemente. Obendrauf kommen noch die verschiedenen Stufenbosse, die nach größeren Questreihen warten. Einfach mit der Pfanne draufzuhauen, bis es blutet, reicht nicht. Die verschiedenen Bosse interagieren mit der Umgebung und machen so die Kämpfe für euch kräftezehrender und herausfordernder. Dabei sind diese nicht gleich schwer. Die Schwierigkeit schwankt von Endgegner zu Endgegner. Meiner persönlichen Auffassung nach kommt es auf den Spieler an. Je nachdem welche Spiel- oder Kampfweise abgefragt wird, kann es sein, dass ihr bei einem Boss besser seid als bei einem anderen. Herausfordernd sind trotzdem alle Endgegner! Mit einer Gesamtspielzeit von ungefähr 30 Stunden werdet ihr außerdem definitiv eine Weile gut beschäftigt sein.


Die Herzen werden knapp und die Gänge sind gespenstisch ruhig. Action und unbehagliche Ruhe gehen Hand in Hand in Eastward.

© Chucklefish

Jetzt kommt es zu einer unschönen Abrechnung. In meinem ersten Spieldurchlauf wurde ich Opfer eines sehr fiesen Bugs. In einer Mission stürzte ohne Vorwarnung das Spiel während einer Cutscene einfach ab und warf mich zurück ins Home-Menü der Nintendo Switch. Nach Neustarten des Spiels ging die Mission mitsamt Cutscene von vorne los. Während der Cutscene wird man an einen anderen Ort gebracht. Aus irgendeinem Grund ging die Cutscene dann an diesem anderen Ort nicht mehr weiter, obwohl dort die Cutscene automatisch weitergehen sollte. Wenn ich nun wieder an den ursprünglichen Ort zurückkehre, ist dort nichts, was die Cutscene erneut auslöst, obwohl auf der Karte noch der alte Standort dieser Mission angezeigt wird. Dieser Zustand ist permanent, da das Spiel regelmäßig zwischenspeichert. Trotz löschen und neu laden des Spiels und diversen Interaktionen im Spiel ist es für mich nicht mehr möglich, diesen Spielstand weiterzuverfolgen. Über 10 Stunden wanderten so in die Tonne, was sehr ärgerlich ist bei einem Spiel, dass komplett handlungsbezogen ist. Ich möchte glauben, dass es nur eine Ausnahme ist – ein ungewöhnlicher Spielfehler, der so selten sind, dass er kaum auftaucht. In meinem neuen Spielaccount tauchte dieser Fehler nicht mehr auf, was aber keine Garantie ist, dass so etwas nicht wieder geschehen kann.


Eine weitere Trübung kommt durch die Sprachausgabe zustande. Wie so oft bei dieser Art von Indietiteln ist Deutsch keine Selbstverständlichkeit. Auch bei Eastward ist eine deutsche Textausgabe nicht vorhanden. Dies sollte jedoch nicht aufhalten, das Spiel trotzdem zu spielen. Die Sprache ist nicht sehr kompliziert aufgebaut und bietet sehr interessanten Charme. So gibt es verschiedene englische Dialekte zu beobachten und spannende Witze zu entdecken. Englisch ist für deutsche Spieler oft eine Unannehmlichkeit. In diesem Fall lohnt es sich aber, diese in Kauf zu nehmen!

Unser Fazit

9

Geniales Spiel

Meinung von Simon Münch

Chucklefish hat mit Pixpils Produktion Eastward genau ins Schwarze getroffen. Eine packende Handlung trifft auf einen bunten Cast aus charismatischen und liebevoll gezeichneten Charakteren. Die Umgebung ist in der 2D-Pixelgrafik eine detaillierte Augenweide und fasziniert in jedem Abschnitt seiner Welt. Emotionale Höhen und Tiefen sind genauso häufig zu finden wie Herausforderungen kämpferischer oder rätselhafter Natur. Es macht einfach Spaß, den Charakteren in ihren Handlungen zuzusehen und die Geschichte weiter zu verfolgen. Eastward ist ein Sog, der euch immer tiefer hineinzieht und nicht mehr loslässt. Für mich macht ein perfektes Spiel aus, dass es mich stundenlang an die Flimmerkiste fesselt und selbst nach widerwilligem Ausschalten weiter innerlich beschäftigt. Tage und Nächte hat Eastward mich teils sieben Stunden am Stück unterhalten können ohne zu langweilen. Auch wenn das Absterben meines ersten Spieldurchlaufs tief schmerzt, ist das Spiel auf jeder Ebene qualitativ anspruchsvoll und liebevoll umgesetzt. Gerade wegen all dieser positiven Auffälligkeiten verdient Eastward eine entsprechende hohe Punktzahl. Ich empfehle das Spiel allen Spielern, die packende Handlungen lieben, einen Tauchgang durch eine Vielzahl von Emotionen unternehmen wollen und ein großartiges Gesamtprodukt genießen möchten.
Mein persönliches Highlight: Sam, die süßeste und tiefsinnigste Protagonistin der Postapokalypse.

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Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 13

  • playersdestiny

    DestinysPlayer

    Eine weitere Perle für die Switch. Steht auf meiner Wunschliste. Danke für den Test!


    :)

  • Pascal Hartmann

    I'm not a cat

    Cool, hinter der geilen Optik steckt also auch ein geiles Spiel. Danke für den Test :iwata:

  • *GHost*

    Turmbaron

    Definitiv kommt dieses Spiel auf meine Liste, vielen Dank für den Test :)

  • Footy

    Turmheld

    Mit so einer hohen Wertung hätte ich nicht gerechnet. Allgemein kommt das Spiel ziemlich gut an. Ich denke die Chancen auf eine Übersetzung in mehreren Sprachen stehen somit ganz gut, also warte ich noch ein bisschen ab. Wird aber definitiv noch gezockt!

    Danke für den Test.

  • _Mallymkun_

    Turmheld

    Gott sei Dank schneidet das Spiel in vielen Reviews wirklich sehr gut ab. Nachdem ich so lange auf den Release gewartet habe, wäre ich sehr enttäuscht gewesen, wenn es den Hype nicht hätte rechtfertigen können. Aber so wird es natürlich sobald es geht gezockt. <3


    Falls noch eine Handelsversion erscheint, darf es hierzu gerne ein Gewinnspiel geben, liebes ntower-Team. ;)

  • 5cool3me

    High Tech, Low Life

    Kauf ich mal für 2,99 im sale. Vollpreis ist mir English only nicht wert.

  • Murasaki

    Turmfürst

    Bin sehr vom Look angetan und bin daher froh, dass es auch insgesamt ein geniales Spiel geworden ist.

  • Rotbart93

    - Eldenfürst -

    Es gibt einfach im Moment zu viele gute Spiele, Eastward hatte ich schon ganz vergessen. Danke für den Test :thumbup:

  • Brommel

    Turmheld

    Cooler Test. Das Cartridge habe ich mir bei Play-Asia vorbestellt. Bis dahin muss ich mich etwas gedulden, habe aber noch genug andere Games im Backlog :D

  • Fang

    Turmbaron

    Ich hoffe es kommt noch eine reguläre physische Version.

  • Krispin Berndt

    Redaktionsleiter

    Ich hoffe es kommt noch eine reguläre physische Version.

    Dann solltest du unbedingt um 19:00 Uhr unsere Startseite im Auge behalten. :S

  • Brommel

    Turmheld

    Na dann kann ich ja meine Vorbestellung bei Play-Asia stornieren wenn sich etwas vor dem 25.11. tut 🤘👾😊 und es nicht aus den USA importiert werden muss.

  • zocker-hias

    Turmfürst

    Also bin ich der einzige der das game echt überhyped findet?

    Grafik und Charaktere sind echt traumhaft aber die langweiligen „Dungeons“ mit schwachen Rätseln und nem noch schwächeren kampfsystem das echt einfach keinen Spaß macht da verbringt man zu viel Zeit damit und die liebevollen Dialoge sind toll aber alles auch echt langatmig… kann hier wenn man sich mal von der Grafik und den tollen Charakteren nicht blenden lässt echt eher n 7 als ne 9 sehen…