Altbekanntes Spielprinzip trifft auf dankbare Neuerungen

Nicht nur Spelunky erschien Ende des letzten Monats für die Nintendo Switch, sondern auch dessen Sequel mit dem schlichten Namen Spelunky 2, welches erstmals im Spätsommer des letzten Jahres für PlayStation 4 und PC veröffentlicht wurde. Der Nachfolger verspricht, ein gutes Stück umfangreicher als der Erstling zu sein, ohne dabei den Fokus auf das Spielprinzip zu verlieren. Ob der zweite Teil die hohen Erwartungen erfüllen kann, möchten wir euch in den nachfolgenden Zeilen verraten.


Wie der Vater, so die Tochter


Spelunky 2 beginnt schon mal charmant. In der Rolle der Tochter des Spelunky Guys, seinerseits Held des ersten Teils, reist ihr zum Mond, um nach euren verschollenen Eltern zu suchen, die euch grobe Notizen ihres rätselhaften Verbleibs zurückließen. Wieder einmal steht ein mysteriöser Komplex im Vordergrund, dessen Räumlichkeiten sich stets zu verändern scheinen. Damit tritt Spelunky 2 in die Fußstapfen des Vorgängers. Die Geschichte ist nettes Beiwerk und dient vornehmlich als Mörtel, der die verschiedenen Gameplay-Mechaniken zusammenhält – nicht mehr und nicht weniger. Fans des Erstlings werden dem keine allzu große Bedeutung beimessen. Seid ihr jedoch auf der Suche nach einem komplexen Plot, werdet ihr vermutlich enttäuscht.


Sprengt ihr dieses Lavabecken, benetzt die zähflüssige, tödliche Substanz das darunterliegende Areal.

© Mossmouth

Wie schon davor dürft ihr in Spelunky 2 wahlweise alleine oder mit drei weiteren Mitspielerinnen und Mitspielern losziehen. Der Mehrspielermodus unterscheidet sich dabei kaum vom Vorgänger, solltet ihr an einem Gerät spielen wollen. Zockt ihr jedoch mit mehreren Konsolen über das Internet, genießt jeder den Luxus eines eigenen Bildschirms, womit die dauerhafte Absprache wegfällt und man sich besser auf das Geschehen konzentrieren kann. Abseits des kooperativen Spielmodus gibt es im Sequel nun auch die kompetitive Arena, in der ihr gegen eure Mitspielerinnen und Mitspieler antreten könnt.


Auch im zweiten Teil dürft ihr vor jedem Spielstart euren Charakter auswählen, um dessen Erscheinungsbild euren Bedürfnissen anzupassen. Dasselbe gilt für die Haustiere, welche die adretten Blondinen aus dem Erstling ablösen und euch Lebensenergie schenken, solltet ihr sie retten. Doch bevor es mit der auserkorenen Spielfigur in die Ruinen hinuntergeht, steht erst einmal ein Tutorial an, welches euch das grundlegende Spielprinzip näherbringt.


Dieses unterscheidet sich kaum merklich vom vorherigen Ableger, einzig in der Steuerung und Darstellung gibt es kleinere Unterschiede zu beobachten. Während ihr euren Durchlauf wie üblich mit vier Bomben, Enterhaken und Lebenspunkten startet, bewegt sich die Tochter des Indiana Jones-Verschnitts standardmäßig schneller als ihr Vater. Das liegt daran, dass der Sprint nun stets aktiv ist und per Knopfdruck auf ein gemächliches Lauftempo abgebremst werden kann. Auch werden etwaige Bildschirmanzeigen viel kleiner sowie mit einer leichten Transparenz dargestellt und verdecken dadurch nicht länger Teile der gefährlichen Spielwelt. Ansonsten bleibt alles wie gewohnt. Mit dem Analogstick bewegt ihr euch von links nach rechts und umgekehrt. Die rechte Knopfpartie ist für die Aktionen zuständig, darunter der Sprung, die Verwendung von Ausrüstung und das Schwingen eurer Peitsche.


Mit solchen Schaltern lassen sich nun bestimmte Passagen öffnen.

© Mossmouth

Statt die Hürde für Einsteiger zu senken, erhält Spelunky 2 den knallharten Schwierigkeitsgrad aufrecht. Aufgrund der zusätzlichen Komplexität der zufallsgenerierten Höhlensysteme und der neu hinzugekommenen Entscheidungsfreiheit, zwischen zwei Wegen wählen zu dürfen, könnte man sogar behaupten, man hätte noch eine kleine Schippe oben draufgepackt. Zudem dürft ihr euch am Ende eines jeden Bioms einem besonderen Gegner stellen. Hierbei handelt es sich nicht etwa um Zwischenbosse, sondern vielmehr um starke Feinde, deren leicht zu erlernendes Angriffsmuster ausgenutzt werden muss, um den Weg zum nächsten Abschnitt zu räumen.


Nach wie vor gilt, solltet ihr sterben, verliert ihr eure gesamte Ausrüstung und eure gesammelten Schätze – einzig die strapaziös freizuschaltenden Abkürzungen bleiben euch erhalten. Und wieder einmal geht die Formel komplett auf. Trotz des unverzeihlichen Schwierigkeitsgrads schafft es Spelunky 2, euch vor den Bildschirm zu fesseln. Die teils nur wenige Minuten andauernden Durchgänge laden immer wieder zum erneuten Versuch ein und geschwind vergehen einige Spielstunden, ehe ihr die Nintendo Switch zwar glücklich ob eures heutigen Fortschritts, doch auch stets ein bisschen frustriert wegpackt.


Auch hier spielen der allgemeine Charme sowie die abwechslungsreiche Spielwelt keine unerhebliche Rolle. Spelunky 2 schraubt die Anzahl der veschiedenen Szenarien ordentlich nach oben. Jedes der größtenteils zerstörbaren Biome kommt mit eigenen Gegnern, Herausforderungen und gut versteckten Geheimnissen daher. Bis ihr alles entdeckt habt, geht ordentlich Spielzeit ins Land. Solltet ihr einen Faible für Abenteuer und Erkundung sowie eine gewisse Frusttoleranz haben, werdet ihr keine Sekunde davon bereuen.


Trotz neuer Optik weiterhin gelungene Technik


Denn auch optisch übertrifft das Sequel seinen knapp zehn Jahre alten Vorgänger, ohne dabei an technischen Hürden zu scheitern. Sowohl Charaktere als auch Umgebung werden angenehm detailliert dargestellt und die Wiedergabe erfolgt in einer flotten Bildrate, was einen angenehmen Spielfluss gewährleistet. Auch der Soundtrack weiß erneut zu gefallen und glänzt mit üppiger Varianz. Die musikalische Untermalung trägt stets zum Gesamterlebnis bei und lädt gelegentlich zum Kopfnicken ein.

Unser Fazit

9

Geniales Spiel

Meinung von Felix Kraus

Spelunky 2 nutzt das potente Fundament des Vorgängers und baut darauf auf. Trotz des unverzeihlichen Schwierigkeitsgrads stellt sich nach wenigen Durchgängen die typische Sogwirkung ein, was schnell dazu führt, eine dreistellige Anzahl an Durchgängen anzuhäufen. Nebst wiederverwerteter Elemente aus dem vorherigen Teil bietet der Nachfolger zahlreiche neue Umgebungen, frische Geheimnisse und eine detailliertere 2D-Optik mit geschmeidiger Bildrate. Dank der Mobilität der Nintendo Switch könnt ihr den Titel nun auch unterwegs zocken. Wer den Erstling bereits mochte, kann mit dem Sequel nichts falsch machen. Doch auch ein Einstieg in die Reihe ist mit Spelunky 2 problemlos möglich, insofern ihr die nötige Geduld, Ausdauer und Freude am Abenteuer mitbringt.
Mein persönliches Highlight: Die vertraute Spielmechanik in Kombination mit den zahlreichen Neuerungen.

Awards

Spiele-Hit Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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