Ein Airball auf der Nintendo Switch?

Wer ntower regelmäßig verfolgt, kann sich jedes Jahr im September auf einen Test von uns zur berühmten NBA 2K-Spielereihe freuen. So durften wir auch in diesem Jahr den neuesten Teil NBA 2K22 ausgiebig spielen und uns nicht nur ein eigenes Alter Ego erstellen, sondern uns auch mit den größten Legenden der NBA-Geschichte auf dem virtuellen Court austoben. Was die Nintendo Switch-Version dabei zu bieten hat und warum ich wehmütig in Richtung Xbox Series X|S und PlayStation 5 schaue, verraten euch die nachfolgenden Zeilen.


Alles beim Alten bei der Nintendo Switch-Version


Normalerweise beginne ich meine Tests damit, über die Story der Spiele zu schreiben. Heute möchte ich jedoch mit dieser Gewohnheit brechen und zuerst über die Inhalte informieren, die NBA 2K22 zu bieten hat und welche, im Detail erklärt, wohl den Rahmen des Tests sprengen würden. Daher lasst mich die wichtigsten Spielmodi kurz zusammenfassen, bevor ich auf den Meine Karriere-Modus zu sprechen komme, welcher für mich das Hauptargument für die jährliche Neuauflage ist.


Auch die Mannschaften der WNBA haben es wieder ins Spiel geschafft.

© Take-Two Interactive Software, Inc. / NBA Properties, Inc.

Freuen dürft ihr euch erneut unter anderem auf MyTeam. Dieser äußerst reizvolle Spielmodus besticht durch die Möglichkeit, ein Team mit den bekanntesten Spielern der NBA-Geschichte kreieren zu können. Dieses Konzept beruht dabei jedoch auf dem Öffnen von virtuellen Kartenpacks, sodass hier ein gehöriges Quäntchen Glück vonnöten ist, um auch nur annähernd ein zufriedenstellendes Team zu erlangen. Bei Bedarf könnt ihr jedoch echtes Geld investieren, um den Ausbau zu vereinfachen. Der Aspekt des Glücksspiels ist jedoch weiterhin allgegenwärtig, sodass die mitunter größte Kritik an den Vorgängern von NBA 2K weiterhin bestehen bleibt. Solltet ihr hingegen lieber von der Seitenlinie des Courts arbeiten wollen, könnt ihr euch in Meine Liga ausprobieren. Hier dürft ihr nämlich nicht nur die Saison und die Playoffs der NBA und WNBA nachspielen, sondern auch in die Rolle des Managers schlüpfen.


Gerade Neulinge werden sich jedoch im Jetzt Spielen-Modus wiederfinden. Hier könnt ihr schnelle Spiele allein, mit Freunden oder gegen echte Kontrahenten austragen. Zudem erhaltet ihr die Möglichkeit, die Grundlagen von NBA 2K22 zu erlernen, was dank des doch komplexen Spielsystems bitter nötig ist. Gerade für das Kennenlernen der Stärken der einzelnen Spielpositionen eignet sich jedoch der Modus Blacktop hervorragend, da hier auch Spiele von 1 vs. 1 bis hin zu 5 vs. 5 absolviert werden dürfen. Ein Herantasten zum normalen Spiel ist somit sehr gut möglich.


Doch kommen wir zum Herzstück des Spiels, dem Meine Karriere-Modus. In diesem übernehmt ihr in diesem Jahr die Rolle von MP, welcher als YouTuber beginnt und sich relativ schnell in der NBA wiederfindet. Er wird zu Beginn von euch im umfangreichen Editor entworfen und ihr folgt anschließend seinem Werdegang in der NBA. Dabei konnte mich die Geschichte leider überhaupt nicht abholen. So gefiel mir gerade bei NBA 2K21, dass man als Spieler sich erst in die NBA hocharbeiten musste und sich zu Spielbeginn in der College-League wiederfand. Dieser Aspekt wurde nun gänzlich bei der Nintendo Switch-Fassung gestrichen, was dem Erzähltempo nicht gut tut. Ebenso wird das YouTuber-Leben nicht wirklich eingeführt, sodass auch dieser Aspekt hinkt. Doch auch fernab davon begeistert das Leben von MP nur wenig. Zwar bekommt ihr in den Zwischensequenzen immer wieder unterschiedliche Handlungsoptionen, diese waren für mich aber häufig so uninteressant, dass ich mir über meine Entscheidungen nur wenig Gedanken gemacht habe. Ein Beispiel wäre dabei, dass MP anfangs Probleme mit seinem Trainer hat und er sich diesbezüglich positionieren muss. Da ich als Spieler jedoch bis dahin gar keinen Kontakt zu eben jenem Trainer hatte, war mir egal, ob er mich mag oder nicht. Da das virtuelle Gehalt so oder so fließt, habe ich eben auf etwas Spielzeit verzichtet und mich bei ihm unbeliebt gemacht.


Tagsüber besticht das Kreuzfahrtschiff vor allem durch gähnende Leere.

© Take-Two Interactive Software, Inc. / NBA Properties, Inc.

Fernab von der Geschichte findet ihr euch entweder in eurer Trainingsstätte oder bei einem der Liga-Spiele wieder. Ersteres wird immer wieder eingestreut und ermöglicht euch, an den individuellen Stärken eures Charakters zu arbeiten. Unter anderem könnt ihr so eure Fähigkeiten beim Zug zum Korb verbessern, um auch im Liga-Spiel zu glänzen. Diese spielen sich im Übrigen wieder tadellos, fordern aber eine Menge von euch ab. So wird ein solides Wissen über die Regeln des Basketballspiels vorausgesetzt. Anfänger werden daher einige Zeit brauchen, um sich einzufinden. Dies ist vor allem dahingehend ärgerlich, da eine gute Leistung auf dem Court mit zusätzlichem Geld belohnt wird. Da nur durch dieses euer Charakter sukzessive verbessert werden kann, ist die Lernkurve für Neulinge extrem steil und wenig motivierend. Wie bereits im Spielmodus Mein Team dürft ihr aber auch hier echtes Geld investieren, um MP in dem Ausbau seiner Fertigkeiten zu verbessern.


Solltet ihr hingegen auf der Suche nach Herausforderungen gegen echte Spieler sein, ist das Viertel der perfekte Ort für euch. War dieses in den vergangenen beiden Jahren in der Stadt bzw. am Strand verortet, stecht ihr mit NBA 2K22 in See. Das Viertel ist dieses Jahr nämlich ein Kreuzfahrtschiff, welches aus mehreren Decks besteht. Jedes der Decks besticht dabei durch individuelle Möglichkeiten. So gibt es das Einkaufszentrum, in welchem ihr neue Kleidungsstücke erwerben könnt oder ihr trefft euch auf den virtuellen Courts mit echten Spielern und liefert euch Matches, die von 2 vs. 2 bis hin zu 5 vs. 5 reichen. Neu dabei ist, dass euch viele der NPCs Missionen geben, die entweder direkt im Viertel oder in den Spielen gemeistert werden müssen. Als Lohn erhaltet ihr dafür einige Münzen der virtuellen Währung oder auch weitere Accessoires für euren Charakter.


Problematisch sind beim diesjährigen Viertel gleich mehrere Aspekte. Zum einen ist das Matchmaking gar nicht so einfach, da gerade tagsüber nur eine Handvoll Leute auf dem Schiffchen unterwegs sind. Wenn es dann jedoch dazu kommt, dass genug Spieler da sind, werden Anfänger gemieden. Da diese in den Spielen auf dem Deck zu Beginn nur wenig ausrichten können, ist das absolvieren der Liga-Spiele bitter nötig, um die eigenen Werte etwas anzuheben. Kleinere Spiele gegen echte Kontrahenten entfallen dadurch zumindest anfangs sehr häufig. Darüber hinaus findet aber auch in diesem Jahr keine wirkliche Korrelation zwischen der Story von MP und dem Kreuzfahrtschiff statt. Versprechen die Versionen für Xbox Series X|S und PlayStation 5 eine enge Verzahnung von dem erzählerischen Aspekt des Meine Karriere-Modus und dem Leben von MP mitsamt einer eigens für Next-Gen entwickelten Stadt, gucken Besitzer der alten Generationen und der Nintendo Switch in die Röhre. Zwar bekommen auch wir ein tolles Spielerlebnis, aber gerade die Story muss den Titel tragen, um zum jährlichen Neukauf bewogen zu werden und das schafft NBA 2K22, wie bereits sein Vorgänger im letzten Jahr, nicht.


Die Charakterentwicklung macht Spaß, ist ohne reales Geld aber sehr mühselig.

© Take-Two Interactive Software, Inc. / NBA Properties, Inc.

Das für mich persönlich größte Manko ist jedoch die Technik. Die Charaktere sehen ordentlich aus und machen sich auch auf dem Spielfeld wirklich gut. Zwar flackern ab und zu die Haare mancher Spieler, dies schadet dem Spielfluss jedoch nicht. Dafür kann über das matschige Publikum in der Halle ebenso wenig hinweggesehen werden wie über die unendlich langen Ladezeiten. Konnte ich mich mit Ersterem noch arrangieren, stören die Ladebildschirme im Meine Karriere-Modus sehr, da sich diese durch die stetige Internetverbindung, die der Modus voraussetzt, in die Länge ziehen. Ebenso kam es immer wieder zu Spielabbrüchen, da die Verbindung zum Server verloren ging. Am gravierendsten war jedoch, dass meine Konsole beim Start des Spiels einmal so abstürzte, dass laut Fehlercode die Platine der Nintendo Switch in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Insgesamt ist NBA 2K22 somit technisch alles andere als eine runde Sache. Zu Gute halten muss ich jedoch, dass die Abstürze in der letzten Testphase überhaupt nicht mehr auftraten. Entsprechend wurde vermutlich an den Servern geschraubt. Zudem wurden die Wurfanzeige und die Defense nochmals überarbeitet, was sich im Spiel wieder angenehmer anfühlt als die Jahre zuvor.


Wenn denn alles läuft und funktioniert, ist NBA 2K22 das wohl beste Sportspiel für die Nintendo Switch. Durch die etlichen Spielmodi und individuellen Möglichkeiten kann sich jeder genau das herauspicken, was er möchte und damit über Monate das Spiel genießen. Seien es einige Saisons in der WNBA oder bei der Erstellung des eigenen Traum-Teams im Mein Team-Modus. Ich persönliche investiere die meiste Zeit in den Ausbau von MP im Meine Karriere-Modus, da mich vor allem die virtuellen Courts und das Spielen in kleineren Teams gegen echte Gegner begeistert. Somit könnt ihr durchaus den Blick auf NBA 2K22 wagen, die Probleme sollten euch jedoch bewusst sein.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Maik Styppa-Braun

Habe ich in den beiden letzten Jahren ohne zögern den Award des Spiele-Hits gerne vergeben, kann ich dies in diesem Jahr nicht. Ich weiß, dass wir im Kern wohl das beste Basketball- und vermutlich auch Sport-Videospiel erhalten. Gerade die Technik hat mich jedoch so sehr gestört, dass ich keine uneingeschränkte Empfehlung geben kann. Dass es bei einer hohen Anzahl von echten Spielern zu Abbrüchen bei der Verbindung zum Server kommt, ist ja verständlich. Da ihr jedoch auch für jedes reguläre Training und Liga-Spiel im Meine Karriere-Modus eine konstante Internetverbindung benötigt, kostet euch jeder Abbruch kostbare Spielzeit. Gepaart mit den ewig langen Ladebildschirmen bleibt das Spielen auf dem Court am Ende auf der Strecke. Sofern sich diese Probleme etwas lichten und euch die Mikrotransaktionen nicht stören, dürft ihr gerne zuschlagen. Solltet ihr hingegen auf den neuesten Meine Karriere-Modus verzichten können, lohnt sich der Blick auf einen der Vorgänger.
Mein persönliches Highlight: Die Präsentation der einzelnen NBA-Spiele.

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Awards

Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

3 User haben bereits bewertet

Kommentare 5

  • Philipp_Watch

    Turmheld

    Darauf habe ich gewartet 👌🏻 Danke für den Bericht. Ich werde auch dieses Jahr (leider) die Finger davon lassen. NBA2K21 war technisch schon einfach kein Hingucker…. Ob ich’s mir für die Series S holen werde? Wohl kaum…. Auf der Konsole sieht NBA zwar super aus, aber ich würde mir lieber ein neues NBA Live wünschen, da die Spieler und deren Bewegung nicht so künstlich/ steif wirken.

  • Tabby

    Turmbaron

    Danke für den Test, hatte tatsächlich mit einem Kauf geliebäugelt.

  • kirby7eleven

    Turmbaron

    Philipp_Watch

    Ich bin großer Fan aller Basketballspiele. Jam, Playgrounds, Live, 2k, sogar sowas wie bei Olympia 2020.

    Ich spiele live 2019 sogar heute noch auf meiner Box. Aber ganz ehrlich, auch bevor 2k dieses Jahr bei den Animationen nochmal einen deutlichen Sprung gemacht hat (next Gen) waren sie in dieser Disziplin Live Lichtjahre vorraus. Spiel das nochmal. Mehr steif und hakelig als bei live geht doch kaum...

  • Tomek2000

    Meister des Turms

    Was will man machen… Selten wurden in der Vergangenheit Sportspiele ordentlich für eine Nintendo Konsole umgesetzt…



    Das ist leider eine unangenehme Tradition geworden:thumbdown:

  • Philipp_Watch

    Turmheld

    Philipp_Watch

    Ich bin großer Fan aller Basketballspiele. Jam, Playgrounds, Live, 2k, sogar sowas wie bei Olympia 2020.

    Ich spiele live 2019 sogar heute noch auf meiner Box. Aber ganz ehrlich, auch bevor 2k dieses Jahr bei den Animationen nochmal einen deutlichen Sprung gemacht hat (next Gen) waren sie in dieser Disziplin Live Lichtjahre vorraus. Spiel das nochmal. Mehr steif und hakelig als bei live geht doch kaum...

    Echt, findest du? 🤔 Fand Live wirklich flüssiger und authentischer. War für mich wie PES gegen FiFa. Beide sind gut 👍


    Was will man machen… Selten wurden in der Vergangenheit Sportspiele ordentlich für eine Nintendo Konsole umgesetzt…



    Das ist leider eine unangenehme Tradition geworden:thumbdown:

    Fand FiFa 20 ziemlich ok auf der Switch. Auch NBA2019/20 lief flüssig (ja…. ein paar Abstriche in Sachen Publikum und Karriere gab es) und hat Spaß gemacht. 2021 sah richtig schick aus, aber was bringt mir das wenn die FPS ständig in die Knie geht ^^