Ein fotografisches Abenteuer in schwarz-weiß

Das Indie-Spiel TOEM wirkt zunächst unscheinbar in seiner schwarz-weißen Grafik und mit dem simplen Spielziel, Fotos von Dingen, Tieren und Menschen zu schießen. Doch hinter dem humorvollen Puzzler steckt einiges mehr und vor allem jede Menge Herz seitens der Entwickler. Foto-Spiele scheinen derzeit jedoch aus dem Boden zu sprießen wie Unkraut, wobei sich ein genauer Blick stets lohnt. Ich habe mich daher ein paar Abende hingesetzt und geschaut, ob und warum man dieses unscheinbare Spiel vielleicht doch auf seine Wunschliste packen sollte.


Die verschiedenen Umgebungen sind liebevoll ausgearbeitet.

© Something We Made

In den ersten Minuten wird man durchaus an ein klassisches Pokémon-Abenteuer erinnert, denn TOEM beginnt damit, dass unser Held sich auf ein Abenteuer begibt, das sein Leben verändern wird. Doch statt eines Pokéballs bekommt unser Protagonist von seiner liebenswerten Oma eine Kamera geschenkt, die das Hauptwerkzeug des ganzen Spiels darstellt. Direkt im Wohnzimmer eures Hauses könnt ihr bereits die ersten Bilder knipsen und euch mit der Mechanik der Kamera vertraut machen. Die bietet nämlich jede Menge Möglichkeiten und neben einem dynamischen Zoom sogar die Möglichkeit, Selfies zu schießen. Klingt albern? Möglich, aber diese Funktion werdet ihr durchaus brauchen. Darüber hinaus sammelt ihr im Laufe eures Abenteuers weitere Gegenstände und Funktionen, über die sich jeder Profi-Fotograf freuen aber auch wundern würde. Jede einzelne Zusatzfunktion bringt euch letztendlich weiter auf eurer besonderen Reise.


Wenn ihr euch nun endlich zu eurem Abenteuer aufmacht, begegnen euch schon im Heimatdorf die ersten Charaktere, die eine Aufgabe für euch parat haben. Während man in anderen Spielen nun zehn Karotten sammeln muss oder 6 Monster töten soll, sind hier die meisten Quests nur mit der Kamera zu lösen. Dabei gilt es jedoch nicht immer nur darum, ein Foto zu schießen, denn manchmal müsst ihr auch ein kaputtes Fernglas oder eine Lupe ersetzen. Hier hilft es, herum zu probieren und den Charakteren genau zuzuhören. Denn der Puzzle-Anteil des Spiels kann recht simpel ausfallen, jedoch auch etwas kniffliger werden. Da lohnt sich manchmal auch das Hinsetzen auf eine der unzähligen Sitzgelegenheiten, um der Natur zu lauschen und um versteckte Dinge hinter Büschen, Bäumen oder an Wänden zu erspähen.


Die Gemeinschaftskarte gibt euch immer einen aktuellen Überblick.

© Something We Made

Schnell stellt man fest, dass es im eigenen Dorf nicht mehr viel zu erledigen gibt und da kommt der Reise-Faktor ins Spiel. Denn ihr könnt von Ort zu Ort mittels eines Bus gelangen, der euch jeweils in ein neues Gebiet bringt. So geht es von eurem Dorf in die Wälder, an die Küste oder aber in die große Stadt. Doch eine Busfahrt kostet Geld, wobei es keine Währung in TOEM gibt. Der freundliche Affe, der am Busbahnhof arbeitet, erklärt euch aber, dass ihr pro erledigter Aufgabe einen Stempel bekommt. Wenn ihr eure Stempelkarte also gefüllt habt, ist die Busfahrt umsonst und ihr könnt einen neuen Ort besuchen. Die Mindestanzahl an Stempeln bekommt man meist ohne Probleme zusammen, doch es gibt immer mehr Aufgaben zu erledigen, als man eigentlich benötigt. Der Perfektionist will natürlich alle Aufgaben abschließen, doch das dauert oft länger und man muss eventuell an einen anderen Ort zurückreisen, um die dortigen Aufgaben zu lösen. Jeder Ort besteht zudem aus mehreren kleineren Ortsteilen, wodurch sich der Aufenthalt durchaus länger gestaltet als es zunächst den Anschein macht.


Die Fotos selbst können von Charakteren, Tieren oder Gegenständen sein und nicht jedes Motiv ist sofort zugänglich. Oft muss eine Aufgabe nach der anderen gelöst werden, wodurch sich auch der Ort verändert und man mit der Erkundung von vorne beginnen sollte. Auch gibt es Unterschiede bei den Tieren, denn die meisten sind nicht Teil normaler Quests, sondern vervollständigen euer Kompendium an Wildtieren. Diese besonderen Tiere sind durch die Kamera mit einem kleinen Schnecken-Icon gekennzeichnet, sodass ihr direkt Bescheid wisst und sie unterscheiden könnt. Besondere Fotos könnt ihr zudem von Charakteren machen, die glücklich und zufrieden sind. Die erkennt man an einer glitzernden Aura und wenn ihr im richtigen Moment ein Foto von ihnen macht, erhaltet ihr, im Vergleich zu den anderen Bilder, ein realistischeres Foto für eure Sammlung.


Die Kamera ist euer wichtigstes Werkzeug in TOEM.

© Something We Made

Mancher Schnappschuss bringt euch auch einen Erfolg mit sich, weswegen es immer lohnt, mehr Bilder als nötig zu machen. Hier solltet ihr nur stets den Platz in eurem Fotoalbum im Blick haben, da dieser nicht unbegrenzt ist. Darüber hinaus könnt ihr auch euren Helden dem Abenteuer anpassen und diverse Kleidungsstücke sammeln. Manche davon lassen euch schneller laufen oder mit Geistern kommunizieren, andere dienen einfach nur dazu, schicker auszusehen. Zudem könnt ihr euren Wanderwoman, die coolere Art des Walkmans, mit verschiedenen Kassetten und Musikstücken füttern, wodurch sich der Soundtrack immer mehr erweitert.


Die einzigartige Grafik von TOEM ist natürlich das Erste, was ins Auge sticht, denn sie ist nicht nur in schwarz-weiß gehalten, sondern liebevoll gezeichnet. Dadurch erscheinen die Tiere und Charaktere mehr in 2D als in 3D, was jedoch erst auffällt, wenn man sich mit der Kamera umschaut. Aber die relativ simple Grafik macht das Spiel zu etwas besonderem, da man sich wie in einem Comic vorkommt und nach schönen und schiefen Motiven sucht. Auch der Humor der verschiedenen Charaktere ist unverkennbar und nicht selten muss man über die gesagten Dinge schmunzeln. Die Steuerung der Kamera sowie der Spielfigur selbst ist ebenso selbsterklärend und geht einfach von der Hand. Auch die Menüführung ist klar strukturiert und vor allem die Übersicht der Quests ist immer wieder hilfreich. Zudem könnt ihr auch außerhalb des Kameramodus hinaus und hinein zoomen, was manchmal sehr hilfreich sein kann. Bugs oder andere Fehler sind mir nicht untergekommen und auch die Ladezeiten sind sehr kurz, wodurch alles flüssig läuft. Ein erneutes Durchspielen gestaltet sich zwar schwierig, da man viele Geheimnisse schon kennt, doch das Perfektionieren der Fotos und das Sammeln von Erfolgen und Outfits hält einen durchaus länger bei der Stange. Da es zudem sehr kinderfreundlich ist, lohnt sich auch ein Durchlauf mit den Kleinen.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Kerstin Steiner

TOEM ist eines dieser Spiele, die einem einfach ein gutes Gefühl geben. Sie sind leicht, sorgenfrei, unglaublich herzlich und lassen die Zeit wie im Fluge vergehen. Dabei scheinen sie einen in einen Zen-artigen Zustand zu versetzen und wenn man die Nintendo Switch ausschaltet, atmet man wohlig tief ein und aus. Ungefähr so kam ich mir nach jeder Session vor, die ich in diesem kleinen, fiktionalen Skandinavien verbracht habe. Es ist ein schönes Gesamtpaket aus liebenswerten Charakteren, witzigen Situationen und einfach einer unendlichen Ruhe, die einen komplett nullt. Dadurch ist TOEM wieder so ein Spiel, was nicht jedermanns Sache ist, jedoch zu jedermanns Sache werden sollte, da solche Indie-Perlen viel zu schnell unter den Teppich gekehrt werden.
Mein persönliches Highlight: Die Grafik, der Humor und natürlich der großartige Wanderwoman

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • Zarathustra

    (-)

    Kerstin Steiner Schade dass ein Test durch die vielen direct Beiträge so unterging scheinbar,kein kommentar.ist aber schön geschrieben,das Spiel steht auf meiner Liste wenn ich das nächste Spiel friedlich freundlicher Machart brauche. Um Weihnachten Rum irgendwann.