Im Weltraum sind mir eindeutig zu viele zynische KIs

Der Weltraum, unendliche Weiten. Irgendwo dort draußen könnte es weiteres intelligentes Leben geben und häufig malen wir uns die außerirdischen Besucher als hochtechnologiesiertes und kulturelles Volk aus. Tja, schlechte Neuigkeiten: Die Aliens, von denen es eine ganze Menge da draußen gibt, sind auch nicht besser als wir. Sie hinterlassen überall ihren Dreck, sind glücksspielsüchtig, meckern viel, und wenn jemand Ungeliebtes ihre Station betritt, wird er pulverisiert. Natürlich gilt dieselbe Regel wie auf der Erde und nicht jedes Alien ist gleich schlimm, doch die Spezies aus Spacebase Startopia brauchen zumindest uns Menschen keine Moralpredigt halten. In dem neu aufgelegten Aufbauspiel des Entwicklers Realmforge und Publisher Kalypso sollt ihr eine der namensgebenden Sternenbasen übernehmen und verwalten. Das macht durchaus Spaß und motiviert über weite Strecken, wieso es dann aber letztendlich doch nicht zum Hit reicht, wollen wir euch in diesem Test verraten.


Arbeit, Spaß und Entspannung


Ihr seid der Commander, das neueste Mitglied einer Behörde, die sich um die titelgebenden Startopia Raumstationen kümmert, auf denen die verschiedensten Alien-Spezies zusammen beheimatet werden sollen. Dass es dabei das eine oder andere Problem geben könnte, liegt klar auf der Hand und deswegen wird euch auch die Künstliche Intelligenz VAL an die Hand gegeben, die euch in den ersten paar Missionen fit und tauglich für die Administration machen soll. Eine richtige Geschichte besitzt Spacebase Startopia nicht, vielmehr wird in kleinen, in Comiclook gehaltenen, Zwischensequenzen die Hintergrundgeschichte eurer Organisation erzählt und wie es gelingen konnte, dass das Startopia Projekt überhaupt starten konnte. Dazwischen erlernt ihr erst das allgemeine Handwerk eines Raumstation-Kommandeurs und stürzt euch dann in verschiedene Missionen in der Kampagne oder wagt euch direkt ins freie Spiel.


Auf dem Sub-Deck herrscht reges Treiben.

© Kalypso Media Group GmbH

Bei Spacebase Startopia handelt es sich um ein klassisches Aufbauspiel, in dem ihr den Auftrag bekommt, eine Raumstation funktionstüchtig zu halten und florieren zu lassen. Dabei müsst ihr stets die Zufriedenheit und Bedürfnisse eurer Bewohner im Blick behalten, neue Touristen anlocken, stetig neue Einnahmequellen generieren und natürlich für Recht und Ordnung auf der Station sorgen. Das Besondere an eurer Raumstation ist die Tatsache, dass sie in drei Ebenen untergliedert ist: Dem Sub-Deck, dem Fun-Deck sowie dem Biotop, die jeweils eigene Gebiete darstellen, zwischen denen ihr hin und herschalten könnt. Zu Beginn verbringt ihr einen nicht unerheblichen Teil auf dem Sub-Deck, wo ihr euren Besuchern eine Bleibe sowie Hygienemöglichkeiten bietet, Kommunikation mit dem Rest der Galaxis betreibt, forscht, kranke Aliens heilt oder auch ein Sicherheitscenter baut, welches die Kriminalität auf eurer Raumstation stets im Auge behält. Dafür benötigt ihr einiges an Gebäuden, von denen jedes ein bestimmtes Alien-Volk zur Instandhaltung benötigt sowie entsprechenden Platz. Doch hier beginnt schon das erste Problem. Denn zu Beginn ist euer Bauplatz noch ziemlich limitiert, ihr könnt diesen jedoch erweitern, indem ihr verschlossene Bereiche eurer Station gegen Energie, der gängigen Währung auf Startopia, öffnen lasst und diese nun bebauen könnt. Doch je größer eure Station mit der Zeit wird, umso größer werden die anfangs kleinen, alltäglichen Probleme: Aliens lassen ihren Müll liegen, die Kriminalität steigt und der Wunsch nach Unterhaltung wächst, da man ja nicht nur den ganzen Tag arbeiten möchte. Während ihr ersteres Problem mit Müllrobotern und einer Recycling-Anlage, die euren Müll praktischerweise gleich in Energie umwandelt, lösen könnt, müssen für Recht und Ordnung bereits Sicherheitsdrohnen gebaut werden. Und wer nach Spaß sucht, der ist auf dem Sub-Deck eh falsch.


Denn die wahre Unterhaltungsmeile findet sich auf dem Fun-Deck, auf dem ihr ausschließlich Gebäude bauen könnt, die sich dem Spaß und dem schnellen verdienen (und verlieren) von Energie verschrieben haben. Und auch hier sind die Unterschiede zu unserer Kultur gar nicht so groß, denn auch mürrische Aliens lieben es, in den Arcade-Hallen abzuhängen, sich in einem interstellaren Katzen-Café zu entspannen oder im Freien Fall-ähnlichen Schwarzen Loch die Seele aus dem Leib zu schreien. Und damit ihr selbst auch noch ein wenig an der ganzen Geschichte mitverdient, gibt es auch noch die Lootbox-Lotterien, die euch einiges an Energie in die Kasse spülen – wen interessiert es da schon, ob der eine oder andere Besucher der Glücksspielsucht verfällt? Wer daraufhin etwas entspannen möchte, kann sich auch gerne in einem Schlafkapsel-Hotel zu einem Power-Nap zurückziehen, nur um sich dann gleich wieder in den Spaß zu stürzen.


Für die ultimative Erholung gibt es dann jedoch auch noch die Biotope, das letzte der drei Decks, die Startopia zu bieten hat. Wie der Name schon vermuten lässt, wachsen hier alle Arten von Pflanzen und ihr könnt euch auch dank Terraforming frei austoben und die natürlichen Landschaften ganz nach den Vorstellungen eurer Bewohner anpassen. Damit das ruhigste Deck am Ende aber auch einen Mehrwert für den fleißigen Sternbasisbauer bietet, könnt ihr Dryaden anstellen, die sich um die dort wachsenden Pflanzen kümmern und diese ernten. Das wiederum bringt euch Rohstoffe, die ihr für zukünftige Produktionen benötigt.


Auf dem Biodeck können sich die vielen Aliens entspannen.

© Kalypso Media Group GmbH

Denn so sehr Spacebase Startopia seinen Fokus auf die Bedürfnisse eurer Bewohner richtet, darf auch die wirtschaftliche Seite nicht außer Acht gelassen werden. Denn die Energie fließt nicht nur über euer Fun-Deck auf euer Konto, sondern auch über Handel und Forschung. Hier beginnt das Spielprinzip dann auch etwas komplexer zu werden, denn um Waren herzustellen benötigt ihr einiges an Ressourcen, die sich mal durch Handel, mal durch Fabriken herstellen lassen, die wiederum auf die Erzeugnisse eures Bio-Decks angewiesen sind. Und als ob das noch nicht genug wäre, müsst ihr euch auch noch sogenannte Prestigepunkte verdienen. Von denen erhaltet ihr mehr, je glücklicher die Aliens auf eurer Station sind und mit ihnen schaltet ihr neue Gebäude in einem separaten Technologiebaum frei. Der gesamte Kreislauf aus Credits, Ressourcen, Produkten und dem Verdienen von Prestigepunkten sorgt letztendlich dafür, dass ihr immer etwas zu tun habt und theoretisch kein Leerlauf aufkommt. In der Praxis kam es jedoch immer wieder vor, dass ich zwischenzeitlich darauf warten musste, dass meine Prestigepunkte steigen, damit ich weitere Gebäude freischalten kann, da ich ansonsten entweder bestimmte Missionsziele nicht erfüllen konnte oder schlicht und ergreifend das nächste Produktionsglied nicht verfügbar war. Zum Glück sind solche Leerlaufphasen eher eine Seltenheit, auch wenn ich gerne noch eine zusätzliche schnelle Geschwindigkeitsstufe nicht verkehrt gefunden hätte. Allerdings muss ich gestehen, dass ich solche Momente auch einfach dazu genutzt habe, mir meine Basis genauer anzuschauen. Denn eure Sternenbasis strotzt nur so vor Leben und das macht sich auch in den einzelnen Gebäuden bemerkbar. Überall kann man den Aliens bei ihrem Alltag zusehen, die Doktoren dabei beobachten, wie sie ihre Patienten heilen oder wie Sicherheitsdrohnen potenzielle Verbrecher in die Brig eskortieren und diese dort im Hof ihre Runden drehen. Es gibt ständig was zu sehen und all diese Aktivitäten verhelfen dem Spiel zu einem angenehmen Wuselfaktor, den ich lange nicht mehr so intensiv erlebt habe.


Apropos Missionen: Von denen gibt es in der Kampagne einige und dem Spiel gelingt es recht gut, eine langsam steigende Lernkurve einzubringen. Während die ersten Missionen abseits des separaten Tutorials euch noch sehr einfache und überschaubare Ziele zumuten, steigt das Niveau von Mission zu Mission. Während ihr anfangs bereits das eine oder andere vorgefertigte Gebäude bereits stehen habt, müsst ihr in späteren Missionen jederzeit von Grund auf neu beginnen und auch alle Technologien einzeln freischalten. Dabei dienen die ersten sechs Missionen dazu, euch Stück für Stück an alle wichtigen Mechaniken und Gebäude heranzuführen, ehe es dann an eher allgemeine Ziele geht. Die einzelnen Aufträge stechen dabei zwar selten aus dem Standard-Einerlei hervor, können jedoch mit interessanten kleinen Mini-Events punkten, die das Spielgeschehen auflockern. So kann es in manchen Missionen passieren, dass zum Beispiel Anti-Spaß-Aktivisten Bomben auf eurem Fun-Deck verteilen, um die Tanzflächen zu sabotieren oder Müll-Terroristen verteilen Unrat quer über eure Station. In solchen Fällen könnt ihr dann auch selbst als Kommandeur tätig werden und den gefährlichen Sprengstoff aufsammeln und in den Recycler werfen. Im schlimmsten Fall kann es zudem passieren, dass ihr von Piraten oder anderem üblen Gesocks angegriffen werdet. In solchen Momenten habt ihr die Möglichkeit, die Angreifer mit Mechs in die Flucht zu schlagen. Diese Echtzeitstrategie-Einlagen funktionieren erstaunlicherweise gut. Über all diese Aktivitäten informiert euch stets eure KI-Assistentin VAL, die leider Teil eines meiner Meinung nach weniger gelungenen Parts von Startopia ist: der Humor.


Was die japanischen Arcades können, können wir schon lange!

© Kalypso Media Group GmbH

Die Entwickler geben sich viel Mühe, möglichst viele Popkultur-Referenzen („You’re breathtaking!“) ins Spiel einzubauen und schießen dabei allzu häufig übers Ziel hinaus. Der generelle Humor kommt mit einer radikalen Holzhammer-Methode daher und wirkt mehr bemüht, als dass er wirklich lustig wäre. Dem setzt VAL die Krone auf, die eindeutig die KI GLaDOS aus dem Spiel Portal als Vorbild hatte. Wem der Name nichts sagt, dem empfehle ich das eine oder andere YouTube-Video zur absoluten Meister-Performance von Synchronsprecherin Ellen McLain. Das Dumme ist nur: die Synchronsprecherin von VAL kommt zu keinem Zeitpunkt an diese Qualität heran und ihre Dialoge sind fast durchweg nur zynisch und sarkastisch, dass es zumindest mich irgendwann nur noch genervt hat. Ist es anfangs noch witzig, dass ihr von ihr auf eine längere Spielzeit oder Fehler aufmerksam gemacht werdet, schlägt dies spätestens nach der dritten Mission in Folge ins totale Gegenteil um. Zwar kann die KI-Assistentin auch loben, das ist jedoch meist ein kurzer Einzeiler und das wars dann.


Aufbauspiele assoziiere ich persönlich meistens mit Maus und Tastatur und umso skeptischer bin ich immer, wenn ein Titel dieses Genres seinen Weg auf die Konsole findet. Wurden alle Funktionen ausreichend auf die einzelnen Knöpfe der Controller gelegt, ist die Kamera gut bedienbar und wie lange braucht man, um sich in die Steuerung hineinzufuchsen? Die gute Nachricht: Spacebase Startopia gelingt dieses Kunststück im Endeffekt sehr gut. Die schlechte Nachricht: Ihr werdet mindestens das komplette Tutorial und vielleicht noch die ersten ein, zwei Missionen brauchen, bis ihr die Steuerung wirklich im Blut habt. Zwar könnt ihr jederzeit per Knopfdruck eine Übersicht aufrufen, doch die einzelnen Button-Kombinationen wollen erst einmal verinnerlicht werden. Danach hatte ich jedoch keinerlei Probleme mehr und konnte ohne größere Umschweife innerhalb meiner Raumstation navigieren, Gebäude punktgenau setzen und sogar Mechs von A nach B lotsen.


Die allgemeine Performance während des Spiels lief ebenfalls flüssig und es kam kaum zu Rucklern oder Einbrüchen in der Bildrate. Womit Spacebase Startopia kurioserweise Probleme hat, sind die Menüs. Ganz gleich ob Hauptmenü oder eines der vielen Spielemenüs inklusive Untermenüs; wollte ich eines davon öffnen, hatte ich eine bis zu 7-sekündige Verzögerung. Das ist vor allem in der Alien-Übersicht mehr als anstrengend, wenn man jedes Mal mehrere Sekunden warten muss, bis man durch die einzelnen Spezies geschaltet hat. Wieso es gerade hier zu solchen starken Rucklern und Verzögerungen kommt, ist mir nicht bekannt, es bleibt jedoch zu hoffen, dass die Entwickler noch einen Patch nachliefern, der dieses leidige Problem behebt. Grafisch reißt das Aufbauspiel keine Bäume aus und es muss nun einmal mit den üblichen Limitierungen der Nintendo Switch gelebt werden Spacebase Startopia gewinnt also keinen Schönheitspreis, ist aber gleichzeitig auch kein häßliches Entlein, vor allem nicht in Bewegung. Dadurch, dass die Raumstationen allesamt gleich aussehen, ist leider, abgesehen von den Biomen, nicht allzu viel Abwechslung geboten. Das Spiel wurde übrigens vollständig ins Deutsche übersetzt, die Synchronsprecherin von VAL … nun ja, das hatten wir ja bereits.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Florian McHugh

Da ist ein im Grunde genommen sehr spaßiges und solides Aufbauspiel aufgrund von ärgerlichen Details am Hit vorbeigeschrammt. Denn an und für sich macht Spacebase Startopia vieles richtig, kann mit einer sehr belebten und wuseligen Spielwelt und motivierenden Mechaniken punkten. Zu schade, dass in Sachen Technik vor allem die nervigen Ruckler in den einzelnen Menüs sowie der etwas sehr stumpfe und leider oft sehr erzwungene Humor doch ziemlich hineingrätschen. Allen voran die KI-Assistentin VAL ging zumindest mir mit ihrer übertrieben sarkastisch und zynischen Ader irgendwann nur noch auf die Nerven – und eigentlich liebe ich diese beiden Stilmittel in jedem Spiel. Wer jedoch ein gutes und gelungenes Aufbauspiel sucht und auch keine allzu großen Experimente eingehen möchte, der wird mit Spacebase Startopia mehr als zufrieden sein.
Mein persönliches Highlight: Der Wuselfaktor der vielen Aliens auf meiner Station

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Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 1

  • SilencerOne

    Turmheld

    ich habe mich sehr auf das Spiel gefreut und konnte kurz vorm Switch release eine sehr günstige PS5 Fassung bekommen. Leider ist das Spiel echt nix für mich. Da warte ich lieber auf Jurassic World Evo 2 und freue mich umso mehr auf Two Point Campus. Ich will mein eigenes Hogwarts bauen