Wenn Minecraft und Harvest Moon ein Kind bekommen

Sandbox-Spiele sind insbesondere seit dem Erscheinen von Minecraft ein unfassbar populäres Genre geworden und bieten ein quasi unendliches Spielvergnügen. Vorausgesetzt man lässt sich auf das Konzept des fehlenden roten Fadens hinsichtlich einer gewissen Struktur und Hintergrundgeschichte ein. Verständlich, dass dies nicht für jeden ein befriedigendes Spielprinzip ist, jedoch könnte Staxel für diesen Personenkreis – zudem ich mich übrigens selber zähle – genau dort für Abhilfe sorgen. Hier wird man nicht einfach auf einer zufallsbasierten Insel abgesetzt und darf loslegen, sondern ein verfallener Bauernhof samt verwildertem Gelände wartet darauf, wieder auf Vordermann gebracht zu werden. Insbesondere Spiele wie Stardew Valley haben dem angestaubten Genre der Farmingsimulationen einen neuen Frühling beschert und Staxel bietet eine ähnliche Erfahrung, die auch ein jedes Harvest Moon oder Story of Seasons immer wieder aufs Neue bietet – inklusive einer ähnlich aufgebauten Geschichte.


Willkommen in Staxel!


Bevor ihr euren Hof umbauen und in das beschauliche Dörfchen Staxel stapfen dürft, habt ihr noch die Möglichkeit, eure Spielfigur anzupassen. Verschiedene Gesichter, Frisuren sowie Kleider sind möglich und selbst die Rasse dürft ihr einstellen – denn neben der klassischen Menschenform stehen noch Elf und „Kaitze“, eine Art Katzenrasse, zur Auswahl. Einfluss auf das Spielgeschehen oder wie Bewohner auf euch reagieren, hat eure Wahl keine bzw. sind mir beim Testen nicht aufgefallen. Die Wahl der Rasse ist also nur kosmetischer Natur, wie alle anderen Anpassungen auch. Wenn ihr wollt, dürft ihr euer Aussehen auch später noch jederzeit verändern.


Das beschauliche Dörfchen Staxel bietet alles Nötige für den Aufbau und das Gedeihen eurer Farm.

© Plukit BV

Just in die Welt von Staxel entlassen, werdet ihr von Farm-Fan begrüßt (ja, die Person heißt wirklich so), die euch fortan mit Rat und Tat zur Seite steht – das personifizierte Tutorial, sozusagen. Die ersten Botengänge zum örtlichen Wirt oder auch zum Händler Leif werden fällig und ihr lernt somit nach und nach die Spielmechanik sowie die Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner kennen. Das Örtchen Staxel ist zum Glück nur einige Gehsekunden von eurem Hof entfernt. Falls also mal Saatgut oder Baumaterialien Mangelware sind, wird euch hier schnell geholfen – vorausgesetzt ihr habt das nötige Kleingeld in Form von „Blütenblättern“ parat. Verdienen könnt ihr diese beispielsweise durch den Verkauf eurer herangezüchteten Feldfrüchte, durch gesammelte Rohstoffe oder auch den Verkauf von Fischen, die ihr beim Angeln fangen könnt.


Prinzipiell lässt euch Staxel von Anfang an freie Hand darüber, was ihr tun und lassen wollt. Einen Stall bauen? Fische angeln und diese dann in der selbst gebauten Küche zu einer leckeren Mahlzeit verwandeln? In einer dunklen Mine nach wertvollen Bodenschätzen graben? Alles das und noch viel mehr ist möglich. Ähnlich wie bei anderen Genre-Vertretern könnt ihr dabei mit dem Anbau diverser Feldfrüchte oder auch mit der Zucht von Tieren eure Brötchen verdienen. Das Sammeln von in der Welt verstreuten Sammelobjekten oder auch das Erledigen kleinerer Nebenquest, die euch die Bewohner vermitteln, hilft ebenfalls dabei, euren Geldsäckel schnell zu füllen. Da hat beispielsweise eine Bewohnerin ihr geliebtes blaues Smartphone verloren und verspricht eine Belohnung bei Fund. Neben Geld springen da auch mal neue Gegenstände oder auch Blaupausen für die Herstellung selbiger für euch heraus. Hin und wieder ziehen zudem auch neue Bewohner in das Dorf und ihr dürft euch als Handwerker verdingen und das entsprechende neue Eigenheim hochziehen und einrichten. Die dafür nötigen Baustoffe und Einrichtungsgegenstände bekommt ihr, wie bereits erwähnt, bei den örtlichen Händlerinnen und Händlern. Natürlich könnt ihr auch alles Nötige selbst zusammentragen, verarbeiten und veredeln. Je nach Rohstoff ist aber auch immer das entsprechende Werkzeug oder sogar eine Werkbank bzw. Maschine notwendig, um eine weiterverarbeitete Variante des jeweiligen Baustoffes zu erhalten.

Beim Bau einer Behausung haben einige Dorfbewohner eigene Vorstellungen über ihr Traumhaus.

© Plukit BV


Generell dürft ihr euch nach Lust und Laune kreativ in der Welt austoben und eure Baukünste nach eigenem Gusto ausleben. Hin und wieder werden aber auch spezifische Bauvorhaben verlangt und ihr müsst teilweise nach Blaupause arbeiten. Anhand eines Schildes vor dem beliebig wählbaren Bauplatz, könnt ihr jederzeit erkennen, was alles für den Baufortschritt benötigt wird. So will beispielsweise eine zugezogene Bewohnerin exakt ihr Traumhaus gebaut haben und die Anlegestelle zum Angeln am Meer muss den Vorstellungen von Farm-Fan entsprechen. Unendlich groß dürfen die gewünschten Gebäude aber leider nicht werden und ein Rahmen visualisiert die maximale Baugröße. Kreiert ihr euer eigenes Heim, sind euch aber keinelei Grenzen gesetzt – bis auf die der ausreichend großen Welt von Staxel. Später erweitert sich das quadratische Eiland auch noch auf weitere Inseln und Sehenswürdigkeiten, die ihr besuchen könnt. Je nach Kalendertag und Jahreszeit finden im Dorf hin und wieder auch Feste statt, bei denen ihr besondere Gegenstände abgreifen könnt. Es lohnt sich zudem auch, sich mit den Bewohnern gut zu stellen, indem man mit ihnen ein Pläuschchen hält und ihnen auch hin und wieder Geschenke überreicht. Dadurch eröffnen sich euch weitere Möglichkeiten im Spiel. Und falls ihr kein Interesse an der Progression und den monetären Limitierungen habt, dann bleibt euch auch noch der „Kreativ“-Modus im Spiel. Dort verfügt ihr nicht nur über unendliche Geldmittel, sondern könnt auch fliegen und genießt weitere Vorteile.


Der unermüdliche (Er-)Bauer


Ein erfreulicher Gameplay-Unterschied zu anderen Farming-Simulationen ist, dass eure Spielfigur ein unermüdliches Arbeitstier ist. Keinerlei Ausdauerbalken oder Ähnliches begrenzt euer Streben nach dem perfekten Farmerglück. Zwar gibt es einen Tag- und Nachtzyklus sowie Jahreszeitenwechsel, allerdings könnt ihr zu jeder Tageszeit arbeiten und die Geschäfte im Dorf haben rund um die Uhr geöffnet. Schlafen könnt ihr zwar, aber das dient nur dazu, die Nacht zu überbrücken, um nicht im Dunklen arbeiten zu müssen. Auch die anfallenden Arbeiten auf eurem Hof, wie das Bewässern eurer Feldfrüchte oder auch das Füttern der Tiere, gehen schnell, sind unkompliziert und benötigen weniger Aufmerksamkeit als bei anderen Vertretern des Genres. Seid ihr mit mehreren online oder lokal im Spiel unterwegs, geht das Ganze noch zügiger vonstatten. Hier merkt man auch, dass der Fokus eher auf dem Ausbauen eures Domizils und des Dorfes liegt, weniger auf die eigentliche Feldarbeit und Viehzucht.


Die Umgebung rund um das Dorf ist vielseitig und bietet viel Platz zum Bebauen.

© Plukit BV

Leider geht das Farmleben aber nicht immer ganz so einfach von der Hand und es werden euch hier und da Steine in den Weg gelegt. Gestellte Aufgaben sind etwas unverständlich formuliert und die Bauanweisungen ebenso. So manches Mal konnte ich nur durch Rumprobieren herausfinden, wie ein Teil des Gebäudes konstruiert oder der Boden zum Bebauen bearbeitet werden muss. Hier wird man vom Spiel etwas zu wenig an die Hand genommen. Auch bei der Menüführung gibt es noch Optimierungsbedarf. So ist die Bedienung mit dem Controller teils etwas fummelig, man erkennt nicht so recht, welcher Button in einem Menü gerade angewählt ist und in der Schnellauswahl wird nicht angezeigt, um was für einen Gegenstand es sich handelt, der gerade ausgewählt ist. Insbesondere im portablen Modus sind die kleinen dreidimensionalen Symbole so nur schwer zu erkennen. Mit etwas Eingewöhnung geht die Steuerung aber letztlich doch recht gut von der Hand.


Sollte euch die Klötzchengrafik eines Minecraft generell abschrecken, dann wird euch auch Staxel visuell nicht unbedingt abholen. Die Voxel-basierte Grafik hat einen ganz ähnlichen Charme wie die des erwähnten Sandbox-Abenteuers, ist stimmig, teils verspielt und im Rahmen der Möglichkeiten recht detailliert. So lassen sich in eurem Haus Spinnweben entdecken, es gibt verschiedene Blumen, Insekten und Untergründe zu bestaunen und das gemütliche Dorf Staxel ist wie auch dessen Umgebung ansprechend gestaltet. Überall könnt ihr etwas entdecken und es macht Spaß durch das immer wechselnde Angebot der Händlerregale zu stöbern. Und falls ihr mal unbedingt einen TV euer Eigen nennen wollt, aber das nötige Kleingeld gerade nicht parat habt, dann kann der auch schnell mal vom Nachbarn gemopst und zu Hause aufgestellt werden. Generell lobenswert hervorzuheben ist die Performance. Während der gesamten Testzeit konnte ich keine Ruckler oder einen Einbruch der Bildrate bemerken – weder im portablen noch im stationären Modus. Auch von Bugs und Abstürzen blieb ich verschont und die wenigen Ladezeiten sind angenehm kurz. Insgesamt wurde an dem Detailgrad des Spiels gegenüber anderen Plattformen nur wenig geschraubt. Einzig die Kantenglättung hätte etwas höher ausfallen dürfen. Euer Streifzug über die Insel ist untermalt von einer seichten Musik, die entspannt im Hintergrund vor sich hindudelt und für ein gemütliches Erkunden und Bauen sorgt.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von David Kuhlgert

Ich muss gestehen, ich bin kein riesiger Fan von Sandbox-Spielen wie Minecraft. Zu viele Möglichkeiten, zu wenig Struktur. Glücklicherweise bietet Staxel einen roten Faden, an dem ich mich entlanghangeln kann. In den ersten Stunden werden einem alle Grundlagen beigebracht und die Lust geweckt, sich selbst zu verwirklichen. Die Inspirationen von Spielen wie Harvest Moon oder Story of Seasons – Videospielreihen, an denen ich durchaus interessiert bin – sind meiner Ansicht nach ein hervorzuhebender Pluspunkt, denn Staxel setzt die Stärken der Genre-Vertreter sehr gut um. Es gibt unfassbar viel zu entdecken und zu erleben, seien es interessante Gegenstände zum Verschönern des Eigenheims, neue Werkzeuge zum Rohstoffabbau oder immer mal wieder stattfindende Events im Dorf. Die Fülle an Features kann einen zunächst erschlagen, aber wenn man sich erst einmal eingelebt hat, dann hat man jeden Tag etwas anderes zu tun. Abwechslung wird groß geschrieben, ohne dass sich ein Gefühl von Ziellosigkeit breitmacht und das ist für mich eins der positivsten Aspekte des Spiels. Langeweile kommt dadurch keine auf. Wer Farming-Spiele mag, sollte sich Staxel also nicht entgehen lassen.
Mein persönliches Highlight: Mein Haustier, das bei Heimkehr immer fröhlich auf mich wartet.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 3

  • AlexWoppi

    Turmbaron

    Ich mein mal gelesen zu haben, weiß nicht mehr wo, das der Umfang des Spieles nicht so dolle ist und nach 20Std. isses vorbei.

    Stimmt das oder nicht?

  • Lillyth

    <3

    Schöne Wertung. Habe es damals direkt im Early Access gekauft, aber schnell Interesse verloren. Wird wohl Zeit, es endlich wieder anzuwerfen. :D

  • David Kuhlgert

    Redakteur

    AlexWoppi Das hängt von vielen Faktoren ab, z. B. wieviel Zeit du dir allgemein für alles lässt, ob du Nachts schläfst oder im Spiel durchmachst usw. Später kommen auch noch weitere Areale hinzu und der Kreativ-Modus bietet quasi ein Endlosspiel. Ich persönlich hab kein Ende gesehen und es sind mehr als 20 Stunden drin! Gemessen an dem Preis von knapp 20 Euro also ein guter Deal, wie ich finde :)