Gewohnte Kost schmeckt immer noch am besten

Obwohl Shoot' em ups ein Relikt aus den Arcade-Zeiten sind und heutzutage immer weniger Spieler etwas mit dem oftmals herausfordernden Genre anfangen können, hat das kurzweilige Spielprinzip noch immer einen Platz im heutigen Zeitgeist und wird gerade durch Indie-Szene am Leben gehalten. Angelehnt an Spiele des ehemaligen Studios Toaplan, entführt euch Crisis Wing in die Vergangenheit und lockt mit actionreichen Luftgefechten aus der Vogelperspektive. So simpel die Umsetzung eines einfachen Shoot' em ups auch wirken mag, gilt es dennoch einige Feinheiten zu beachten, da gerade die kurze Spiellänge häufig unbedachte Fehltritte umso mehr offenbart. Ob Crisis Wing in dieses Schema fällt oder eine geeignete Empfehlung für Fans des schnelllebigen Gameplays darstellt, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.


Jeder Bosskampf stellt ein kleines HIghlight dar.

© Pieslice Productions

Ganz klassisch betrachtet ihr die Geschehnisse aus der Draufsicht und jeder Gegentreffer wird mit dem Verlust eines Lebens bestraft. Anders als bei anderen Genrevertretern müsst ihr allerdings nach einem Game Over nicht von vorne beginnen und könnt an festgesetzten Speicherpunkten einen erneuten Versuch starten. Wann das Spiel diese Zwischenstopps setzt, wird euch jedoch nicht verraten, sodass ihr euch niemals sicher sein könnt, wie viel Fortschritt letztendlich verloren geht. Was zunächst frustrierend erscheint, macht in Anbetracht der Verhaltensweisen mancher Spieler durchaus Sinn. Häufige, offensichtliche Speicherpunkte geben dem Spieler ein Gefühl der Sicherheit, weshalb die darauf folgenden Hindernisse an Gefahr verlieren, da ihr nach einem Tod augenblicklich wieder direkt davor landet - dennoch kann Crisis Wing diese Problematik zumindest beim ersten Durchlauf umgehen.


Damit ihr aber gar nicht erst am Speicherpunkt landet, seid ihr in der Lage, die Geschosse eures Raumschiffs mit Power-ups zu verbessern und entweder mit zusätzlichen Projektilen oder flächendeckenden Schüssen auszustatten. Dabei lässt sich jedes Upgrade weiter aufwerten und sobald ihr das maximale Potenzial erreicht habt, entsteht das zufriedenstellende, übermächtige Gefühl, welches das Genre so erfüllend macht. Doch aufgepasst: schon ein einzelne Gegentreffer setzt euch wieder auf euren ursprünglichen Zustand zurück, was öfter passiert als einem lieb sein mag, den Schwierigkeitsgrad aber auf diese Weise passend ausbalanciert. Besondere Ausweichmanöver sind nicht möglich, euch steht lediglich eine Totenkopfbombe zur Verfügung, die den Spielbildschirm von sämtlichen Gegnern säubert und euch obendrein einen kurzen Moment der Unverwundbarkeit verleiht.


Wie in alten Zeiten


Mit insgesamt sieben Level fällt das Abenteuer recht kurz aus, doch weitere Modi sollen euch für eine kurze Runde zwischendurch motivieren. Getreu dem Motto: Alles oder nichts, seid ihr in allen restlichen Modi dazu verpflichtet, ohne ein einziges Game Over das Ende zu erreichen. Während dies im Boss-Rush-Modus durchaus eine Herausforderung darstellt, sind alle anderen Modi, wie Time-Attack, genau auf diesen Aspekt ausgelegt und sollen euch so dazu animieren, stets euren Highscore knacken zu wollen. Als Vorbereitung darauf eignet sich der Practice-Mode hervorragend dazu, bereits absolvierte Level unter einfacheren Umständen erneut zu spielen und die einzelnen Sequenzen besser zu verinnerlichen. Hier hätte es sich angeboten, Online-Ranglisten im Spiel zu verzeichnen, wodurch man sich stets mit anderen Spielern messen könnte und so immer einen Grund hätte, eine neue Bestleistung zu erhalten. Es ist nachvollziehbar, dass auf ein möglichst nostalgisches Erlebnis gesetzt wurde, allerdings ist das Gameplay mehr als Arcade-lastig, wodurch sich gewisse Modernisierungen sicherlich rechtfertigen lassen würden.


Wie ihr den Bildschirm ausrichtet liegt ganz bei euch.

© Pieslice Productions

Dass es auch anders geht, beweisen die anpassungsfähige Optionen, die es euch wahlweise erlauben, die Darstellung des Bildschirms ganz nach eurem Belieben zu verändern. Was hier besonders positiv hervorsticht, ist die Möglichkeit, auf eine bestimmte Ausrichtung zu wechseln, sodass jeder Spieler voll auf seine Kosten kommen dürfte. Dazu gehören leider auch unschöne, schwarze Balken und obwohl es mit Sicherheit schön gewesen wäre, optisch ansehnliche Rahmen zu erstellen, ist dieses Makel nur ein kleiner Tropfen auf einem heißen Stein. Für zusätzliche Action sorgt der Zweispielermodus, der sich auf einen lokalen Mehrspieler begrenzt und genauso funktioniert, wie man es erwarten würde. Anders hingegen sieht es in Sachen Steuerung aus, bei der euch nicht erlaubt wird, das Raumschiff mit dem Steuerkreuz zu bewegen. In einem Genre, in dem präzise Bewegungen der Dreh- und Angelpunkt des Gameplays sind, ist es mehr als unverständlich, wieso diese banale Option einfach weggelassen wurde. Weiterhin ist es nicht möglich, den Einzelspieler zwischendurch zu speichern. Entweder ihr spielt alle sieben Level an einem Stück durch oder ihr startet von vorne, was demotivierend sein kann.


Es ist euch zwar erlaubt, im Practice-Mode einzelne Missionen auszuwählen, jedoch laufen diese nicht unter denselben Umständen wie im Einzelspieler-Modus ab und spiegeln somit nicht dessen Schwierigkeitsgrad wieder. Weiterhin neigen manche Level dazu, uninspiriert die immer gleichen Gegnertypen einzusetzen. Häufig hatte ich sogar das Gefühl, fünf Mal das gleiche Bewegungsmuster hintereinander zu sehen, wodurch keinerlei Gefühl dafür entsteht, wie weit man fortgeschritten ist. Glücklicherweise heitert einen der Soundtrack in solchen repetitiven Passagen etwas auf und auch wenn es sicherlich fantastisch gewesen wäre, pro Level jeweils ein neues Musikstück zu hören, ist die vorhandene Musik zufriedenstellend. Ebenso überzeugend fällt die Grafik aus, die sich an einem gewohnten Pixel-Look orientiert. Und auch wenn dieser Stil nun wirklich niemanden mehr aus den Socken haut, gelingt Crisis Wing auf der visuellen Ebene wenigstens der Umstand, dass die Hintergründe sichtbar von zentralen Elementen unterscheidbar sind. Zudem weist das Spiel mehr als genug Liebe zum Detail auf: so zeigen die Bossgegner ihre Lebensenergie nicht in Form einer Leiste am oberen Bildschirmrand, sondern erhalten im Verlauf des Kampfes immer mehr optische Schäden, was ein immersiver Indikator dafür ist, dass ihr euch eurem Sieg stetig nähert.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Kevin Becker

Crisis Wing setzt keine neuen Maßstäbe, wenn es um das traditionelle Gameplay eines Shoot' em ups geht. Noch immer tragt ihr herausfordernde Gefechte gegen unzählige Gegner aus und erlebt selbst bei den kleinsten Gegentreffern eine Niederlage. Während diese Tatsache für manche frustrierend sein mag, hält sich der Schwierigkeitsgrad aufgrund unsichtbarer Speicherpunkte innerhalb der Level in Grenzen. Zusätzliche Power-ups und spezielle Bomben erleichtern zudem das Spielerlebnis und wurden ausreichend angepasst, wodurch sie das Gameplay nicht dominieren. Obwohl sich die Bildschirmdarstellungen an die eigenen Bedürfnisse anpassen lassen, ist es nicht möglich, euer Raumschiff mit dem Steuerkreuz zu manövrieren, was in Anbetracht der allgemeinen Anpassungsmöglichkeiten des Spiels unverhältnismäßig wirkt. Des Weiteren häufen sich gewisse Gegnerverhaltensweisen viel zu sehr und fallen aufgrund der kurzen Spielzeit und erneuter Durchläufe umso mehr auf. Crisis Wing kommt nicht ganz ohne Fehltritte aus, setzt sein Genre aber gelungen um und macht in Anbetracht der optischen Liebe zum Detail in Kombination mit dem eingängigen Spielfluss eine saubere Figur.
Mein persönliches Highlight: Die optische Liebe zum Detail.

Die durchschnittliche Leserwertung

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