Doppelte Action, doppelter Spaß

Kaum ein Franchise ist so stark vertreten und für viele Spieler doch so unbekannt wie Metal Slug. Über 15 Titel zählt die klassische Run-'n'-Gun-Reihe mittlerweile und macht sich auf diversen Plattformen gemütlich. Wirklich heimisch fühlt sich die Marke aber auf alteingesessen Arcade-Automaten und funktioniert aufgrund des eingängigen Gamplays damals wie auch heute. Mit der Aussicht auf einen völlig neuen Ableger in Form von Metal Slug Tactics schauen wir uns heute jedoch den ersten Ausflug auf einen Handheld an und ergründen, ob Metal Slug 1st & 2nd Mission: Double Pack nach wie vor eine gelungene Reise in die portable Welt ist.


Werdet ihr in der Luft abgeschossen ...

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Wie es der Name bereits vermuten lässt, besteht das Doppelpaket aus zwei Titeln, die in den Jahren 1999 und 2000 ursprünglich für das NeoGeo Pocket Color erschienen. Der Erstling Metal Slug 1st Mission entführt euch in eine Welt aus mehreren Missionen und besticht durch einen flexiblen Spielverlauf, der sich etwas von der Norm unterscheidet. Anders als in vergangenen Spielen der Reihe durchlauft ihr unterschiedliche Level, die je nach eurem Ergebnis verschiedene Ausgänge bereithalten. In der Praxis bedeutet dies lediglich, dass ein Tod unter anderem nicht unbedingt mit einem Game Over verbunden ist und stattdessen eine Alternative darstellt.


Spezielle Hubschrauber-Level, wo ihr die Kontrolle des Luftvehikels übernehmt, sind ein Paradebeispiel dafür und versetzen euch in einen freien Fall, sollte eure Lebensenergie zur Neige gehen. Schafft ihr es sicher auf dem Boden zu landen, ohne von Hindernissen in der Luft erwischt zu werden, beschreitet ihr einen neuen Pfad und schlagt somit eine Route ein, die so normalerweise nicht zugänglich gewesen wäre. Absolviert ihr aber stattdessen das Level tadellos, führt das Ergebnis selbstredend zu einem abweichenden Ende und führt den Spielverlauf regulär fort. Welcher Weg nun der richtige ist und ob dieses System konfus wirkt, ist zu keinem Zeitpunkt eine Frage, die man sich stellen sollte.


Das Spiel ist darauf ausgelegt, das Finale auf eure ganz eigene Weise zu erreichen und solltet ihr zum Abschluss gelangen, ohne alle Welten des Spiels gesehen zu haben, ist dies Grund genug, unerforschte Pfade zu erkunden. Da das Hauptabenteuer mit einer Spielzeit von etwa fünf Stunden nicht besonders lang ausfällt, fügt sich diese Struktur der Kurzlebigkeit unheimlich gut ein und regt euch immer wieder an, einen neuen Durchlauf zu starten. Dabei sollte betont werden, wie überraschend unterhaltsam diese Funktion abschneidet und immer wieder für Überraschungen sorgt. Mein Highlight war der plötzliche Aufenthalt sowie die anschließende Flucht aus einem Gefängnis, nachdem ich in einem herkömmlichen Level von einem einfachen Gegner niedergeschlagen wurde. Für eine simple Handheld-Umsetzung aus dieser Zeit ist eine solche Innovation alles andere als selbstverständlich und beweist, wie viele Gedanken man sich machte, die technischen Restriktionen der Konsole auf die beste Weise nicht zurückhaltend erscheinen zu lassen.


... kann das Spielgeschehen auf eine andere Weise weitergehen.

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Sehr viel unkomplizierter fällt die Steuerung aus. Noch immer bewegt ihr euch in zweidimensionalen Leveln meist von links nach rechts und beschießt auf dem Weg jeden Gegner, der sich euch in den Weg stellt. Kommt euch ein Feind zu nahe, führt euer Charakter automatisch einen Messerangriff aus, was ein nettes Detail ist. Alternativ zur Schusswaffe lassen sich mit begrenzt zur Verfügung stehenden Granaten größere Maschinen oder Bosse schneller auseinandernehmen, können allerdings nicht weit geworfen werden. Auch wenn es dem Spiel etwas an Abwechslung in Sachen Waffenvielfalt mangelt, kommt nur selten das Gefühl einer Unvollständigkeit auf, da die einfache Kanone für jede Situation geeignet ist. Im Falle eines richtigen Todes könnt ihr mit speziellen Münzen, die sich zuhauf in den Leveln finden lassen, einen weiteren Versuch wagen und müsst nicht wieder von vorne starten.


Damit verbunden, funktionieren die Münzen gewissermaßen als Leben und Sammelgegenstand zugleich und sollten stets ein Bestandteil eurer Ausrüstung sein. Wer nun Angst hat, das Spiel könne zu schwierig sein, bekommt mit Metal Slug 1st Mission einen der Einsteiger-freundlichsten Ableger der Reihe vorgesetzt. Zum Teil liegt dies an der erweiterten Lebensenergie, die euch nicht nach einem Gegentreffer sterben lässt und für eine gesunde Vitalität sorgt. Des Weiteren ist die Steuerung in Anbetracht des Alters des Spiels noch immer angenehm und macht gerade während spezieller Fahrzeugpassagen eine gute Figur. Die Rede ist von mächtigen Panzern, die ein wenig Tempo ins Spielgeschehen bringen und eure Mobilität sowie Angriffskraft stark erhöhen. Dazu gibt es aber auch etwas ruhigere Level, die einen verstärkten Fokus auf Erkundungen setzen und etwas trickreicher ablaufen. Diese Art von Level mag zwar durchaus mehr Abwechslung reinbringen, passt aber nicht so recht ins eigentliche Gameplay und wirkt im schlimmsten Fall wie ein unübersichtliches Labyrinth.


Ob und wie ihr den Rahmen anpasst, liegt ganz an euch.

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Metal Slug 2nd Mission orientiert sich als Nachfolger grundsätzlich stark an seinem Vorgänger und wertet das Erlebnis durch ein verfeinertes Gameplay, mehr Inhalt und grafischen Verbesserungen auf. Unabhängig davon, welchen Teil ihr spielt, sehen die Spiele gerade mit Blick auf ihre ursprüngliche Veröffentlichungszeit überraschend detailreich aus. Zum Teil wird dies erreicht, indem Charaktermodelle einfach gehalten sind, während Hintergründe mindestens doppelt so ausgearbeitet erscheinen. Gleichermaßen trennt sich das Spielgeschehen hierbei ein wenig von der Kulisse und ergibt ein technisch überlegtes Gesamtpaket.


Leider konnte diese Errungenschaft nicht ganz ohne Abstriche erreicht werden, was sich in auffälligen Performance-Problemen widerspiegelt. Gerade der Erstling leidet unter immer wieder zurückkehrenden Framerate-Einbrüchen, die einem mit der Zeit auf die Nerven gehen können. Auf der Ursprungsplattform mag dieser Makel zwar seine berechtigten Gründe gehabt haben, in der vorliegenden Fassung für die Nintendo Switch wäre es aber kein Problem gewesen, die Fehler der Vergangenheit wieder auszubügeln. Abseits davon unterstreicht der Soundtrack die Action durchgehend angemessen, wobei ihr hier auf gewisse Audiosignale, wie schmerzhafte Todesschreie der Gegner, verzichten müsst.


Für die positive Art der Nostalgie sorgt zudem ein spezieller Rahmen, der die eingeengten Seitenverhältnisse immersiv verpackt und sich nach Belieben verändern lässt. Hier hören aber die vielfältigen Anpassungsmöglichkeiten noch lange nicht auf. So seid ihr in der Lage, die Tastenbelegung ganz nach euren Vorstellungen zu verändern, die Zeit ein wenig zurückzuspulen oder das Spielgeschehen etwas heranzuzoomen. Selbst das originale Handbuch zum Spiel ist in den Optionen integriert und gibt euch zum Beispiel eine detailliertere Auskunft über die Handlung. Und falls sich jemand bei einem Spiel wie diesem dafür interessieren sollte: Die Geschichte ist so banal, dass ihr euch lieber darüber Sorgen machen solltet, wann ihr endlich in den nächsten Panzer steigen könnt.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Kevin Becker

Metal Slug 1st & 2nd Mission: Double Pack ist eine kleine Reise in die Vergangenheit des Handheld-Debüts der Reihe und spielt sich genau so wie damals. Das Gameplay ist deutlich vereinfacht und aufgrund flexibler Levelausgänge habt ihr immer wieder einen Grund, nach unentdeckten Geheimnissen zu suchen. Dadurch könnte das ohnehin schon simple Spielprinzip für manche etwas zu anspruchslos sein – betrachtet man aber die technischen Limitierungen der Ursprungsplattform, so ist diese Vereinfachung schon sehr viel nachvollziehbarer. Weniger verständlich ist die noch immer schwache Framerate, welche öfter in die Knie geht als euch lieb ist, im zweiten Ableger aber deutlich weniger schlimm ausfällt. Andere Faktoren wie die veralteten Seitenverhältnisse wurden clever im Spiel umgangen und passen sich mithilfe nostalgischer Rahmen an. Weitere Optionen wie eine veränderbare Tastenbelegung oder die Möglichkeit, die Zeit zurückzuspulen, führen zudem zu einem zeitgemäßen Erlebnis, ohne das eigentliche Spielgefühl zu hintergehen. Obwohl die Spielzeiten beider Titel voneinander getrennt nicht besonders umfangreich sind, ergeben sie gemeinsam eine angenehme Länge und passen gerade durch die Schnelllebigkeit der Level wunderbar zur Nintendo Switch. Auf den ersten Blick wirkt Metal Slug 1st & 2nd Mission: Double Pack wie eine einfache Zusammenstellung veralteter Titel, Fans der Reihe erhalten aber ein absolut gelungenes nostalgisches Gesamtpaket, während Neulinge den Grundsatz des Franchise in vereinfachter Form kennenlernen können.
Mein persönliches Highlight: Das flexible Leveldesign.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • Tabby

    Turmbaron

    Schönes Doppelpack.

    Ich würde aber wenn, dann gleich die Neogeo Pocket Color Selection Vol. 1 empfehlen.

    Die Retail-Version gibt es aktuell bei Coolshop.de für 31,95 €.