JRPG-Aktion mit dem Gesang der Idols

Jung, talentiert und stets am Lächeln – Idols sind aus der japanischen Popkultur überhaupt nicht mehr wegzudenken. Wenn in Japan etwas Interesse weckt, dann erscheint es in so vielen Medien wie möglich. Idols finden sich nicht nur auf Bühnen oder anderen Live-Events. Anime und auch diverse Spiele beschäftigen sich mit den wahrscheinlich hübschesten Sängerinnen der Welt. The Caligula Effect wurde 2016 durch das japanische Entwicklerstudio Aquria, welches sich besonders durch seine Arbeiten an vielen „Sword Art Online”-Videospielen einen Namen gemacht hat, entwickelt. Nun, gute 5 Jahre später, dürfen wir uns hierzulande über den zweiten Teil freuen. Mit dem Titel The Caligula Effect 2 beginnt ein neues Kapitel in der Welt der Idols einer gefälschten Realität. Das Studio historia ist dieses Mal verantwortlich für die Produktion und verspricht frischen Wind für das Franchise.


The Caligula Effect 2 beschäftigt sich mit den Ereignissen nach dem ersten Teil. Nachdem μ's Welt vernichtet wurde, hat ein neues Idol namens Regret eine neue, virtuelle Welt namens Redo erschaffen. In dieser Welt befinden sich Menschen, die sich in Redo ihren innigsten Träumen in Form eines Lebens eines Hochschülers hingeben können. Gefangen in dieser Illusion, leben sie Tag um Tag, während Regret als Göttin über dieses Reich herrscht und verehrt wird. Eines schicksalhaften Tages bricht jedoch etwas in diese scheinbar perfekte Welt ein und versucht, Regret zu stürzen. Die Tochter von μ, x (gesprochen: chi), verbindet sich mit euch, dem Protagonisten und versucht, die gefangenen Menschen zu retten und zurück in die echte Welt zu führen. Gemeinsam mit anderen Freunden, die ebenfalls aus dieser Illusion erwachen und klare Gedanken fassen können, macht ihr euch auf in ein gefährliches aber humorvoll ausgearbeitetes Abenteuer in Redo.


Die Handlung des Spiels ist für Neueinsteiger sehr eigenartig. Von Anfang an scheinen die Ereignisse direkt in der Handlung verankert zu sein. Nur langsam lösen sich auftauchende Fragezeichen auf. Es ist zwar nicht zwingend notwendig, den Vorgänger gespielt zu haben, empfehlenswert ist es aber trotzdem, da so die Handlungszusammenhänge schneller klar werden. Die Charaktere sind alle sehr individuell. Sie zeigen sich in ihrem wünschenswerten Selbst, welches im Laufe des Abenteuers langsam zerbröselt wie ein alter Keks. Nach etwa einer Stunde Spielzeit fühlt man sich im Spiel angekommen. Aus den vielen Fragezeichen entwickeln sich Antworten, die über längere, erklärende Dialoge gebildet werden. Je länger ihr euch mit der Welt von Redo beschäftigt, desto tiefer werdet ihr in den Bann dieser falschen Welt gezogen.


Kämpft mit besonderen Gameplay-Elementen


The Caligula Effect 2 bedient sich klassischen, rundenbasierten Kampfelementen. Ihr könnt wahlweise im normalen oder im Autopiloten-Modus kämpfen. Beim normalen Modus entscheidet ihr selbst, welche Attacken welcher Charakter ausführen muss. Euer Team besteht hierbei aus maximal vier verschiedenen Charakteren. Wenn ihr den Autopiloten nutzt, müsst ihr nur für euren Hauptcharakter die Attacke auswählen. Die anderen Charaktere nutzen dann eine vom Computer gewählte Attacke.


Über längere, synchronisierte Dialoge gibt es erstmal eine Zusammenfassung der Ereignisse und deren Folgen des ersten Teils.

© FURYU Corporation

Interessant ist, dass ihr vor der endgültigen Auswahl der Attacke zunächst schauen könnt, wie sie funktionieren wird. Hier wird euch in einer Art Vorschau gezeigt, wie sich die Gegner bewegen und wie die Attacken mit denen der anderen harmonieren werden. Ihr könnt dann den Beginn eurer Attacken über das Steuerkreuz abändern. So könnt ihr eine bessere Harmonie und bessere Trefferwahrscheinlichkeit hervorbringen und mehr Schaden verursachen. Ähnlich wie in anderen Spielen, die dieses Kampfprinzip nutzen, gibt es Angriffe, die offensiv Schaden verursachen, Angriffe, die defensiv arbeiten oder Unterstützungsaktionen, welche die Werte der Truppe zeitweilig erhöhen.


Jeder Angriff verbraucht Angriffspunkte. Wenn diese leer sind, könnt ihr keine Angriffe ausführen und müsst einige Zeit warten. Zeit, welche die Gegner nutzen, um ihre Angriffe zu landen. Habt ihr im Laufe der Kämpfe genügend Energie gesammelt, könnt ihr x's Spezialfähigkeit aktivieren. Wenn dies geschieht, wird ein Lied von x gesungen und das Team bekommt einen wertvollen Buff, welcher je nach eigener Auswahl im Menü Angriff, Verteidigung oder andere Werte erhöhen kann.


Insgesamt bietet The Caligula Effect 2 ein sehr interessantes Kampfprinzip, welches nach einer gewissen Eingewöhnungszeit auch leichter von der Hand geht. Je nach ausgewählter Ausrüstung oder ausgewählten Angriffen ist es möglich, den Gegner mit teils imposanten Kampfmanövern zu besiegen. Positiv hervorzuheben ist an dieser Stelle wohl der am Anfang wählbare Schwierigkeitsgrad. Es lässt sich zwischen leicht, schwer oder (wahrscheinlich) unmöglich wählen. Demnach gibt es sowohl für Anfänger als auch für Experten etwas zu erleben. Spieler, die lieber die Handlung genießen und nicht zu tief in die Kampfmechanik eintauchen möchten, sind mit dem leichtesten Schwierigkeitsgrad gut bedient.


Ein Fest für die Ohren und ein leichtes Stechen in den Augen


The Caligula Effect 2 hat, wie auch sein Vorgänger, die Idols im Fokus. Diese singen und deshalb dreht sich in diesem Spiel auch eigentlich alles um Musik. Diese Musik kann je nach Geschmack sehr positiv oder eher als nervenaufreibend empfunden werden. Während man durch die verschiedenen Teile der Welt von Redo streift und auf Erkundungstour geht, hört man ein Lied, welches dauerhaft aber ohne Gesang vor sich hin spielt. Wenn ein Kampf getriggert wird, wird das Lied zwar weitergespielt, erhält aber zusätzlich den Stimmgesang dazu, welcher dem Lied mehr Emotionen verleiht und die Kämpfe in ein Konzert verwandeln. Dieses Zusammenspiel von Musik ist fließend im Übergang, wie die Kämpfe, welche ohne Wartezeit starten.


Strategisches Vorgehen ist zentral. Während der Kampfausführungen kann es nämlich schnell unübersichtlich werden.

© FURYU Corporation

Grafisch lässt das Spiel ein wenig zu wünschen übrig. Zwar hat das Produktionsteam sich große Mühe gegeben, ein authentisches Bild abzugeben, aber an vielen Stellen wirkt die Grafik etwas unkreativ, kühl und minimalistisch. Anstrengend anzusehen ist die Laufbewegung, welche sehr hölzern und wie von Robotern ausgeführt wirkt. Gerettet wird die Bewegung durch die episch anmutenden Nahkampfangriffe.


In der Spielumgebung geht es darum, dass man von einem Punkt zum nächsten kommt. Dabei finden sich auf der Karte verteilt verschiedene Items, die es einzusammeln gilt. Verschiedene Kristalle, welche als Kristallisierung der Macht der virtuellen Welt gelten, müssen zum Beispiel gekickt werden, um sie zu zersplittert. Um es in x’s Worte auszudrücken: Machen wir einfach ein wenig Stress in Redo. Je weiter ihr auf der Karte vorankommt, desto höher sind die Level der Gegner. Da euer Level auch nach einem erfolgreichen Sieg steigt, ist dies eine natürliche Entwicklung. An manchen Stellen der Karte werdet ihr auch Gegner finden, die manchmal 10-20 Level über eurem sein könnten. Diese speziellen Gegner bewachen meist ein seltenes Item. Hin und wieder findet ihr auch spezielle Punkte. Wenn man von diesen genügend sammelt, kann man x's Fähigkeiten verbessern und so das Maximum aus ihrer Gesangsfähigkeit herausholen. Das Besiegen solcher Gegner bringt nicht nur einen Haufen Erfahrungspunkte und Yen, sondern auch wertvolle Gegenstände. Am Ende solcher Bereiche befinden sich meist die Endgegner, die direkten Untergebenen von Regret, dem bereits erwähnten göttlichen Idol dieser Welt.


Die Handlung wird humoristisch erzählt, benötigt aber etwas Zeit zum Aufwärmen. Besonders auffällig ist, dass neben viel lauter Musik auch eine vollständige, japanische Synchronisation gegeben ist. Untertitel sind wie gewohnt auf Englisch. Diese Art von Titel zeigt sich eher unspektakulär und unattraktiv für deutsche Neueinsteiger in diesem Bereich. Insgesamt ist das Spiel für Fans des Franchise oder des Genres gut geeignet.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Simon Münch

Musik, Kämpfe, und Hochschüler – eine interessante Mischung, die insgesamt durchaus funktionieren kann. The Caligula Effect 2 versucht an dem vergangenen Erfolg anzuknüpfen und mit humorvollen Inhalten tiefgründige Gedanken zu vermitteln. Die vielen verschiedenen Dialoge sind lang und teils unangenehm zu lesen, da alles auf Englisch ist. Das kann im Laufe der Zeit anstrengend werden, wenn entsprechendes Vokabular fehlt. Das Kampfsystem ist der spannendsten Teil des Spiels. Nicht nur könnt ihr mit verschiedenen Charakteren kämpfen. Ihr könnt auch über eine integrierte Vorschau-Option eure Angriffe optimieren und eure Fähigkeiten ausgestalten. Ein schickes Schmankerl ist die Jukebox in eurer fahrenden Basis, eine U-Bahn, welche von x kontrolliert wird. Hier könnt ihr Musikstücke aus der bereits erlebten Handlung neu erleben. Übrigens kann x auch bei weiteren Fortschritten die verschiedenen Songs der bereits besiegten Feinde singen. Dies ist ein nettes Detail, da die verschiedenen Kampfstücke sich durchaus als Ohrwürmer entpuppen können. Fans der Reihe oder Genreliebhaber werden es nicht bereuen, Regret herauszufordern und Redo zu zerstören. Neueinsteiger sollten jedoch genau abwägen, ob eine Investition in dieses Spiel Sinn macht.
Mein persönliches Highlight: Der fließende Übergang zwischen Umgebungs- und Kampfmusik.

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Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 1

  • Lockenvogel

    Dumm aber klug!

    Ich hab' den Vorgänger schon zwei, dreimal begonnen, dann aber auch schnell wieder zur Seite gelegt. Irgendwie bin ich damit nicht ganz warm geworden. Ich werde mir erst nochmal ein paar Video-Reviews auf Youtube anschauen und dann entscheiden, ob Teil zwei was für mich ist...