Wenn's mal sehr schnell gehen muss

Manchmal muss es im Leben auch mal schnell gehen: Wenn man gerade auf dem Weg zur Arbeit ist und an der Kasse der Bäckerei warten muss, wenn einem plötzlich einfällt, dass der Ofen doch nicht aus ist oder wenn interdimensionale Energiekerne dabei sind, eine ganze Stadt auszulöschen – das Übliche eben. Letzteres ist jedoch eher das Problem von Jack, der Protagonistin des Spiels Aeon Drive, das euch mit einem knappen Zeitlimit und einer erbarmungslosen Speedrunner-Mechanik begeistern möchte. Ob das auch gelingt, das erfahrt ihr im folgenden Test.


Jack weiß sich im Falle des Falles zu wehren.

© Critical Reflex

Captain Jackelyne, oder auch kurz: Jack, ist nicht zu beneiden. Erst flieht sie vor einem intergalaktischen Krieg und dann stürzt sie bei ihrer Ankunft in einem neuen System auch noch ab und legt in der Stadt Neo-Barcelona eine Bruchlandung hin. Das Dumme dabei: Während des Sturzes lösen sich die Antriebskerne ihres Raumschiffs und verteilen sich quer über die Metropole – und als ob das noch nicht genug wäre, drohen besagte Kerne in die Luft zu fliegen und somit die ganze Stadt zu zerstören. Also gilt es, die instabile Gefahr schnellstens zu bergen, das Raumschiff zu reparieren und vom Planeten, dessen Bewohner nicht gut auf Jack zu sprechen sind, zu fliehen – und das alles innerhalb von 30 Sekunden. Ja, ihr habt richtig gelesen, das ganze Spiel ist an sich 30 Sekunden kurz und dann wiederum doch nicht, denn ein so kurzes Spiel würde sich auch eher schlecht verkaufen.


Der Grund, weswegen euch das Zeitlimit nicht gleich den Kopf kostet, nennt sich VERA und ist die künstliche Intelligenz eures Schiffs. Durch nicht näher erklärbare Umstände, über die sich das Spiel sogar selbst lustig macht, ist VERA nämlich in der Lage, euch in eine Zeitschleife zu versetzen, welche das Explodieren der Kerne bis ins Unendliche hinauszögert; vorausgesetzt ihr sammelt genug Energie. Doch fangen wir erst einmal bei den Grundlagen an: Aeon Drive kann man am ehesten als Speedrun-Platformer bezeichnen, denn es geht darum, möglichst schnell durch eher kleine und kompaktere Level zu kommen, während das Zeitlimit von 30 Sekunden erbarmungslos im Hintergrund hinunterzählt. Während das in den ersten paar Leveln vielleicht noch ohne Probleme machbar wäre, wird es später unmöglich, in der festgelegten Zeit zum rettenden Ausgang zu kommen. Entsprechend müsst ihr kleine Energie-Kanister aufsammeln, von denen euch je vier Stück auf Knopfdruck fünf weitere und ziemlich wertvolle Sekunden verschaffen. Somit seid ihr auch in der Lage, euer Ziel zu erreichen, ehe die Antriebskerne in die Luft fliegen und euch und alles Leben in Neo-Barcelona auslöschen.


Es gilt, Neo-Barcelona vor der Zerstörung zu bewahren.

© Critical Reflex

Natürlich stellen sich euch auf eurem Weg auch Gegner in den Weg. Dabei handelt es sich meistens um Roboter oder Fallen, denen ihr entweder ausweichen oder die ihr mit eurem Schwert in kleine Teile zerstückeln könnt. Zudem gilt es stets, sowohl den schnellsten Weg zum Levelausgang zu finden als auch genug Energie aufzusammeln, damit euch die Zeit nicht abläuft. Zwar starten die 30 Sekunden in jedem Level von neuem, jedoch sind die wertvollen Extra-Sekunden essenziell für euer Gelingen. Dabei führen stets mehrere Routen zum Sieg und wer einen kleinen Umweg in Kauf nimmt, kann auch spezielle Sammel-Items mitnehmen, die euch mehr Punkte verleihen. Eingebettet wird all dies in eine Rahmenhandlung, die zwischen den einzelnen Distrikten von Barcelona weitererzählt wird und die vollständig auf Englisch vertont wurde. Der Schwierigkeitsgrad steigt im Laufe des Spiels stetig an und während ihr anfangs noch problemlos durch die Level rast, kommen mit der Zeit immer neue Gefahren und Hindernisse auf, die es zu überwinden gilt. So zum Beispiel Energiebarrieren, die erst undurchdringbar erscheinen. Doch dank VERA seid ihr in der Lage, euch über eine kurze Distanz zu teleportieren, was, wenn ihr die Mechanik erst einmal beherrscht, zu einem ziemlichen Tempoaufbau beitragen kann.


Bei einem Platformer ist die Steuerung an sich schon wichtig, doch bei einem Spiel, bei dem jede Sekunde zählt, ist sie umso wichtiger. Hier macht Aeon Drive fast alles richtig. Jack lässt sich als Figur auf dem Bildschirm sehr gut lesen und ihre Sprünge lassen sich mit etwas Übung stets voraussagen und planen. Was mir jedoch ab und an einfach nicht gelingen wollte, waren die Wall-Jumps, die manchmal arg verzögert reagiert haben – bei einem Spiel, dass sich ganz dem Thema Zeit und Tempo verschrieben hat, kann das ziemlich störend sein oder euch im schlimmsten Fall ein virtuelles Leben kosten. Zum Glück müsst ihr bei einem möglichen Ableben nicht lange warten, bis das Level neu geladen wurde und ihr könnt gleich den nächsten Versuch wagen. In Sachen Grafik kommt Aeon Drive mit einem typischen Pixel-Look daher und auch die treibende Musik wurde gut auf das cyberpunkige Setting abgestimmt.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Florian McHugh

Aeon Drive ist eines dieser Spiele, die für eine ganz spezielle Zielgruppe gedacht sind: Es richtet sich nämlich an all diejenigen, denen Zeitdruck nichts ausmacht und die dem Speedrun nicht abgeneigt sind. Denn hier tickt die Uhr gnadenlos hinab und auch wenn ihr euch immer wieder wertvolle Sekunden ergattern könnt, bleibt der Platformer hektisch und schnell. Wer auf solche Titel steht, der wird eine Herausforderung samt gut vertonter Hintergrundgeschichte bekommen, in deren Mechaniken man sich nach und nach einleben kann. Leider weist die Steuerung, die über weite Strecken sehr präzise funktioniert, gelegentlich ein paar kleine Makel auf, die in einem solchen Spiel dann leider schnell den virtuellen Tod bedeuten können. Aber wer nach dieser Beschreibung noch nicht aufgehört hat zu lesen und dessen Interesse geweckt wurde: Zugreifen! Alle anderen sollten jedoch tunlichst die Finger davon lassen.
Mein persönliches Highlight: VERAs zynische Kommentare.

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