Das Comeback der Superhelden

Teile des nachfolgenden Textes werden wohl manche von euch bereits im Jahr 2013 gelesen haben. Zum damaligen Zeitpunkt hat unser ehemaliger Redakteur Pascal nämlich LEGO Marvel Super Heroes für die Wii U testen dürfen. Mittlerweile ist der Titel auch für die Nintendo Switch verfügbar, weshalb wir uns erneut ins Abenteuer gestürzt haben, um zu prüfen, ob das Spielkonzept auch heute noch funktioniert. Das und noch viel mehr verraten euch die nachfolgenden Zeilen.


Wir retten die Welt auf ein Neues.


Die Geschichte des Abenteuers ist schnell erzählt: Dr. Doom bekommt von einem mysteriösen Informanten den Tipp, dass er mit kosmischen Steinen eine starke Waffe bauen kann, die der Doktor mit Hilfe anderer Superschurken versucht zu erlangen. Daher tun sich die Avengers mit anderen Superhelden des Marvel-Universums zusammen, um gegen die um Dr. Doom versammelten Superschurken zu kämpfen. Wer sich auch nur ein bisschen in dem Helden-Universum auskennt, kann aber bereits zu Beginn erahnen, welcher Feind einen am Ende erwartet. Daher gibt es zum Schluss lediglich eine kleine Überraschung, ansonsten bleibt die Story auf Sparflamme und dient nur dazu, so viele Helden und Schurken wie nur möglich zusammenzufassen. Insgesamt kann die Story auf der Nintendo Switch nicht mehr wirklich fesseln, was vor allem auf die doch etwas holprigen Sequenzen zurückzuführen ist.


Aus luftiger Höhe startet ihr in eure Abenteuer.

© TT Games Publishing / The LEGO Group / Warner Bros. Entertainment

Solltet ihr hingegen ohnehin nur auf der Suche nach Helden und Widersachern des Marvel-Universums sein, seid ihr hier genau richtig. Von beiden Seiten gibt es nämlich reichlich. Da hätten wir auf der Seite der Guten unter anderem Captain America, Spider-Man, Wolverine, Mr. Fantastic, Thor oder Black Widow. Die Bösen hingegen werden unter anderem von Venom, Dr. Octopus, Loki, Magneto, Abomination und Sandman repräsentiert. Die Bandbreite ist somit wirklich riesig, wobei es bei einem gewaltigen Universum wie dem von Marvel sicherlich Figuren gibt, die nicht im Spiel vorkommen. Viele der Charaktere finden sich leider auch gar nicht in der Story wieder, sondern müssen erst freigespielt werden. Hier hätte man mit ein bisschen mehr Mühe sicherlich auch weitere Superhelden in die Geschichte einbinden können, indem man sie als Extra-Missionen für die Nintendo Switch-Fassung implementiert hätte.


Wie in den LEGO-Spielen mittlerweile üblich, gibt es eine offene Oberwelt zu erkunden, welche sich jedoch erst nach Abschluss der Geschichte vollends offenbart. Diesmal handelt es sich dabei um Manhattan sowie die fliegende Basis von SHIELD. Besonders spannend ist, dass ihr oftmals auf der SHIELD-Basis startet und an einen der Absprungpunkte lauft, um von dort im freien Fall auf die Stadt zuzufliegen. Dabei wird eine epische Musik abgespielt, die einem als Spieler das Gefühl vermittelt, tatsächlich über Superkräfte zu verfügen. Wenn ihr die Kontrolle über einen Charakter übernommen habt, der fliegen kann (beispielsweise Iron-Man oder Thor), könnt ihr auch einfach nach unten fliegen bzw. von unten nach oben. Allgemein macht das Fliegen durch die Häuserschluchten von Manhattan sehr viel Spaß, wenn ihr erst einmal die Steuerung raus habt.


Der geteilte Bildschirm im Mehrspieler-Modus funktioniert trotz Einschränkungen gut.

© TT Games Publishing / The LEGO Group / Warner Bros. Entertainment

Fernab der Fähigkeiten eurer Charaktere könnt ihr euch in der Stadt aber auch einen fahrbaren Untersatz schnappen. Leider ist die Steuerung eben dieser sehr sensibel, was den Fahrspaß durchaus schmälert. Im Prinzip könnt ihr aber auch laufen, denn Manhattan ist im Vergleich mit anderen Spielen, die offene Welten aufweisen, nicht gerade groß. Doch auch der Wuselfaktor ist in LEGO Marvel Super Heroes geringer als beispielsweise bei LEGO City Undercover. So fahren zum Beispiel deutlich weniger Autos herum, was schade ist. Dies schmälert aber nicht den Spaß, den ihr in der frei begehbaren Welt haben könnt. So erwarten euch Wettrennen, ihr müsst Stan Lees aus misslichen Lagen befreien, Bürgern helfen oder goldene Steine sammeln.


Daher könnt ihr problemlos die einzelnen Level und die große Oberwelt ganz nach euren Wünschen erkunden. Betretet ihr eines der Level, die über Manhattan verstreut sind bzw. über bestimmte Punkte in der Stadt automatisch angesteuert werden, erkundet ihr unter anderem den Turm der Fantastischen Vier, Dr. Dooms Schloss, Asgard, die Schule der X-Men oder ein U-Boot auf dem Grund des Meeres. Für Abwechslung ist also gesorgt, wobei das typische LEGO-Prinzip zum Tragen kommt. Die verschiedenen Charaktere nutzen ihre individuellen Fähigkeiten, mit deren Hilfe ihr vorankommt. So kann Wolverine bestimmte Schalter betätigen, der Hulk an grünen Griffen ziehen, Spider-Man seine Netzstränge an dafür vorgesehenen Stellen festhaften und daran ziehen oder Mr. Fantastic zwängt sich durch Lüftungsschlitze.


Allerdings ist die Anzahl an verschiedenen Fähigkeiten überschaubar. So gibt es selbst unter den Hauptcharakteren der Geschichte viele, die dieselben Fähigkeiten besitzen. Spider-Man zum Beispiel kann mit seinem Netz Dinge heranziehen, Hawkeye benutzt dafür einen Seilpfeil und Mr. Fantastic seine langen Arme. Der Spinnensinn von Spidey wird bei Wolverine zur Intuition, funktioniert allerdings exakt gleich. Wenn Die menschliche Fackel goldene Objekte mit seiner Feuerkraft zertrümmert, benutzt Cyclops dafür seinen Laser. Somit fallen auch die Rätsel einfacher aus, da es eben weniger Fähigkeiten gibt, die ihr einsetzen müsst. LEGO Marvel Super Heroes ist dazu noch unglaublich penetrant, wenn es darum geht, euch Hinweise zu geben. So wird bei jedem Krallen-Schalter der Hinweis erwähnt, dass man dafür Krallen benötigen würde. Und wenn der Spinnensinn gefragt ist, wird man gleich dreifach darauf hingewiesen, dass Spideys Spinnen-Sinn sich meldet.


Spidey ist dank eines Glitches unterhalb der Spielwelt gefangen und stirbt bei jeder Bewegung...

© TT Games Publishing / The LEGO Group / Warner Bros. Entertainment

Natürlich dürfen die vielen Kämpfe nicht vergessen werden. Denn wie es sich für einen Schurken gehört, hat Dr. Doom unzählige Schläger/Roboter unter seinem Kommando vereint, die ihr verkloppen müsst. Dabei ist das Kampfsystem wieder einmal nur rudimentär ausgefallen. Ihr hämmert die ganze Zeit auf den Angriffsknopf und erledigt so einen Feind nach dem anderen. Die KI steht die meiste Zeit daneben und guckt zu und wenn sie einmal eingreift, braucht sie zum Erledigen eines Gegners so viele Angriffe, dass ich das lieber gleich selbst übernommen habe. Sogar der Hulk benötigt dann mehrere Schläge, obwohl ihr selbst in der Rolle nur einmal treffen müsst, um einen Standard-Gegner auszuschalten. Viele Charaktere haben zudem einen Fernkampfangriff, sodass es teilweise reicht, einfach auf der Stelle stehenzubleiben und das Auto-Aim den Rest machen zu lassen, während ihr drauflos ballert.


Die Kämpfe gegen die Endgegner bestehen zumeist darin, ihren Angriffen auszuweichen, nebenbei normale Feinde zu verprügeln und darauf zu warten, dass bestimmte LEGO-Teile nach euch geworfen werden, die ihr zusammenbaut und mit dem Ergebnis trefft ihr dann den Obermotz. Habt ihr also erst einmal raus, was ihr machen müsst, war es das in Sachen Spannung. Immerhin gibt es Ausnahmen, in denen immer wieder etwas Neues hinzu kommt und ihr euch in den Kämpfen neu anpassen müsst.


Doch ob nun gegen Venom, Dr. Octopus und Co. oder ihre Handlanger, mehr Spaß macht auch LEGO Marvel Super Heroes, wenn ihr einen Mitspieler/eine Mitspielerin dazu holt. Der dynamische Splitscreen sorgt auch heute gerne noch für Verwirrung, aber immerhin seid ihr nicht darauf angewiesen, zusammen an einem Ort zu bleiben. Viele Rätsel in den Levels sind auch darauf ausgelegt, anderen Charakteren weiterzuhelfen. So müsst ihr beispielsweise einen Aufzug zum Laufen bringen, damit auch der Hulk nach oben kommt. Dann können sich beide Spieler absprechen, was den Teamplay-Gedanken in den Vordergrund rückt. Dies funktioniert vor allem auf der Nintendo Switch tadellos, da lediglich ein Joy-Con zum Steuern benötigt wird, sodass ein schnelles Spielen im Team jederzeit gelingt.


Der Erkundungsdrang wird erst zum Schluss gestillt.


War es in den anderen LEGO-Spielen auch während der Haupthandlung noch möglich, ziemlich viel in der offenen Welt zu entdecken, solange man die über die benötigten Fähigkeiten bzw. Figuren verfügt hat, wird euer Erkundungsdrang hier bis zum Abschluss der Geschichte eingeschränkt. Es ist nämlich erst nach dem Abspann möglich, frei zwischen den Figuren zu wechseln. Damit seid ihr bis dahin auf die Charaktere angewiesen, die euch das Spiel gerade zugeteilt hat. Es macht also Sinn, erst einmal brav alle Hauptmissionen nacheinander abzuklappern und sich erst dann in der Stadt umzuschauen. Für das Abschließen der Story werdet ihr ca. zehn bis elf Stunden benötigen, für die 100% dürften noch ein paar Stunden draufkommen. Insgesamt handelt es sich hier aber eher um einen der kürzeren LEGO-Titel.


Technisch gefällt mir LEGO Marvel Super Heroes noch immer sehr gut. Zwar sind die Sequenzen szenisch ein Graus, dafür machen die Spielwelten und die Helden und Bösewichte äußerlich eine klasse Figur. Dies setzt sich bei den Unterhaltungen der Charaktere jedoch nicht fort. Viele Sprecher klingen gelangweilt und Lippensynchronität war bei den Aufnahmen anscheinend ein absolutes Fremdwort. Die Witze laufen zudem die meiste Zeit auf Slapstick hinaus und begeistern die angestrebte Zielgruppe nur wenig. Dafür läuft alles flüssig und ohne große Ladezeiten, was dem Spielfluss gut tut. Zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass die Nintendo Switch-Fassung in unserer Testphase ebenso Bugs aufwies, wie die frühere Wii U-Version. Konnte das Original damals bereits mit allerlei Spielfehlern glänzen, zeigte sich Ähnliches auch in unserem Test. Also befand ich mich gleich mehrmals außerhalb der spielbaren Bereichs, was einen Neustart des Spielabschnitts nötig machte. Hier hätte ich mir mehr Feinarbeit bei der Portierung gewünscht, da wir bereits damals über ähnliche Probleme berichten konnten.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Maik Styppa-Braun

LEGO Marvel Super Heroes bietet Kennern des Originals nichts Neues. Dafür funktioniert das Spielprinzip aber weiterhin tadellos und sorgt vor allem im Multiplayer für unterhaltsame Stunden. Gerade nach dem Ende der Story ist es unheimlich spaßig, gemeinsam mit einem Spielpartner Manhattan zu erkunden und auf die Fähigkeiten der einzelnen Helden und Schurken zurückzugreifen. Dabei ist vor allem die Nintendo Switch wie gemacht für das gemeinsame Spielen. Mit jeweils nur einem Joy-Con steigt ihr dem Spiel schnell bei und die Steuerung geht super von der Hand. Zuschlagen dürfen daher vor allem Neulinge oder auch Kenner der Wii U-Vorlage, die nach dem nächsten Mehrspieler-Hit suchen. Diesen verdient LEGO Marvel Super Heroes meiner Meinung nach nämlich, auch wenn Story und Kameraführung nicht wirklich glänzen können. Einzelspieler sollten sich jedoch ganz genau überlegen, ob sie zuschlagen, da Altlasten wie nervige Bugs auch in die Portierung übernommen wurden.
Mein persönliches Highlight: Die tolle Auswahl an Helden und Schurken.

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Awards

Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 4

  • Tomberry

    Minish Mage

    Hmm.. leider hilft mir dieser Test kein bisschen weiter bei der Kaufentscheidung.. :/

  • Maik Styppa-Braun

    Redakteur

    Tomberrydu darfst gerne auch noch eine persönliche Frage stellen. Ich helfe gerne bei der Entscheidung weiter :)

  • Mighty Wings

    Sony for Life

    Eines der schlechtesten lego Spiele.

    Besonders die Flugsteuerung ist ne Katastrophe.

  • Matchet1984

    The Musician

    Tomberry

    Falls es hilft nimm besser Lego City Undercover, das ist meiner Meinung nach deutlich besser programmiert und die Flugsteuerung in Lego Marvel nervt manchmal und manche Level waren bei mir fehlerhaft und ich blieb im Level hängen.