Die Welt der Maschinen ist in Gefahr!

Der epische Kampf Mensch gegen Maschine – ein Konflikt, der bereits in zahlreichen Medien auf unterschiedlichste Weisen beleuchtet wurde. Meistens schlüpft ihr als Leser, Hörer, Zuschauer oder Spieler dabei in die für uns naheliegende Rolle der Menschen, die sich gegen grausame Maschinen zur Wehr setzen müssen. Humble Games und das Studio Pixel Punk drehen in ihrem Action-RPG Unsighted den Spieß um und erzählen die schreckliche Geschichte von einst friedlichen Maschinen, die von der Menschheit an den Rand der vollständigen Zerstörung gebracht wurden. Wie viel Empathie für die mechanischen Gesellen die Entwickler in mir wecken und ob mich Gameplay und Handlung überzeugen konnten, verrate ich euch in den folgenden Zeilen.


Was um alles in der Welt ist das für ein grässliches Scheusal? Hier solltet ihr die Beine in die Hand nehmen ...

© Humble Bundle, Inc.

In einem unterirdischen Laborkomplex erwacht ihr im Körper eines Androiden ohne jegliche Erinnerungen an vergangene Ereignisse. Bei der Suche nach dem Ausweg überrumpelt euch plötzlich eine groteske, riesige schwarze Gestalt, deren Körper mit grün leuchtenden Augen übersät ist. Ihr ergreift die Flucht, entkommt aus der Einrichtung und werft einen Blick auf die völlig zerstörte Stadt Arcadia. Ihr rettet die Roboter-Fee Iris und verbündet euch mit ihr, um nach anderen Maschinen, den sogenannten Automatons, zu suchen, die euch zur Seite stehen. Auf dem Weg dorthin erlangt Alma, die sich mittlerweile wieder an ihren Namen erinnern kann, nach und nach weitere Fetzen ihrer Erinnerung zurück. Kurz bevor ihr jedoch den bedrohlich in die Höhe ragenden Kraterturm erreicht, werdet ihr von einem der schwarzen Ungetüme gestellt und vernichtet.


Alma erwacht erneut, nachdem sie von freundlich gesinnten Automatons gefunden, in deren Dorf gebracht und repariert wurde. Wie sich herausstellt, fiel vor einigen Jahren ein Meteor auf die Stadt Arcadia, der eine mysteriöse Energie namens Anima in sich trägt. Diese Energie ließ alle Maschinen ein Bewusstsein entwickeln und erweckte sie somit zum Leben. Dies verängstigte die meisten Menschen so sehr, dass sie aus der Stadt flohen, woraufhin sich die Automatons überall niederlassen konnten. Fünf mächtige Vertreter unter ihnen wurden mit fünf einzigartigen Splittern des Meteors betraut, über die sie wachen sollten. Doch bereits zu diesem Zeitpunkt ahnten die Maschinen, dass die Menschheit die Stadt nicht einfach kampflos aufgeben würde. Alma und ihre Freundin Raquel trainierten gemeinsam für den Tag, an dem die Menschen zurückkehren sollten. Doch die Rückkehr übertraf ihre Vorstellungen: Ein gigantischer Turm fuhr vom Himmel herab, um den Meteor zu versiegeln. Das Anima begann zu schwinden und nach und nach verwandelten sich die Maschinen in Unsighted, abtrünnige Automatons, die willenlos alles und jeden angreifen, um deren Anima zu stehlen. Von den fünf Wächtern fehlt seither jedes Lebenszeichen, die Unsighted lauern in der gesamten Stadt und von Raquel fehlt auch jede Spur. Somit macht sich Alma auf, um nach ihrer Freundin, den Wächtern und den Meteorsplittern zu suchen.


Die Ruhe vor dem Sturm: Alma und Raquel genießen ihre gemeinsame Zeit, bevor die Menschheit um sich schlägt.

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Für den Kampf gegen die Unsighted stehen Alma zwei Waffen zur Verfügung, die beliebig ausgetauscht werden können und die ihr mit ZL und ZR verwendet. Zur Auswahl stehen neben einem Schwert oder einer Axt auch Fernkampfwaffen wie Pistolen, ein Granatwerfer oder ein Enterhaken, der nicht nur Gegner zu euch zieht, sondern auch bei der Erkundung der Welt äußerst hilfreich ist. Der Einsatz von Nahkampfwaffen kostet Ausdauer, die in Form einer Leiste dargestellt wird, die sich selbstständig wieder auffüllt, während der Einsatz von Projektilwaffen Munition kostet, von der ihr zwar unbegrenzt habt, nach einer gewissen Schusszahl müsst ihr jedoch nachladen. Außerdem kann Alma springen, um dadurch gegnerischen Angriffen auszuweichen oder blocken – beides kostet ebenfalls Ausdauer. Blockt ihr im richtigen Moment, werdet ihr gleich doppelt belohnt: Gegner sind kurzzeitig gelähmt und ihr könnt währenddessen einen kritischen Treffer bei ihnen erzielen. Ihr müsst also die ganze Zeit mit eurer Ausdauer haushalten, um zwischen den Angriffen, Sprüngen und Blockaktionen nicht ohne Ausdauer schutzlos dazustehen. Mit einer Plasmaspritze könnt ihr eure Gesundheit im Kampf vollständig regenerieren, allerdings müsst ihr Angriffe austeilen, um diese wieder aufzufüllen.


Im Laufe eures Abenteuers wird Alma auf verschiedene Weise stärker. Zum einen findet ihr im Metroidvania-Stil diverse nützliche Gegenstände wie eine Gefrierpistole, mit der ihr Eisplattformen auf dem Wasser erschaffen könnt, oder einen Shuriken-Bumerang, mit dem ihr weit entfernte Schalter betätigen könnt. Zum anderen könnt ihr Almas Statuswerte auf zwei Arten verbessern: Chips bringen permanente Upgrades wie mehr Gesundheit oder spezielle Fähigkeiten, zum Beispiel dass ihr beim Rennen keine Ausdauer mehr verbraucht, was äußerst nützlich sein kann. Am Anfang eures Abenteuers habt ihr jedoch nur wenige Chipslots, die ihr gegen Bolzen, die Währung im Spiel, ausbauen könnt. Zahnräder hingegen können angelegt werden, um euch temporäre Buffs zu verleihen, zum Beispiel einen Angriffsboost für 20 Schläge oder eine einmalige Wiederbelebung im Sterbefall. Verteilt in der Spielwelt oder im Shop erwarten euch noch elementare Waffen, die bei Angriffen Statuseffekte bei euren Gegnern hervorrufen können.


Nicht so wirklich überzeugen konnte mich das Crafting-System, welches euch die Herstellung von Gegenständen ermöglicht. Gegner sowie die Umgebung halten diverse Materialien für euch bereit, die ihr nutzen könnt, um an einer Werkbank Dinge herzustellen. Theoretisch könnt ihr mit den Materialien herumexperimentieren, allerdings könnt ihr auch Baupläne finden oder kaufen, die euch genau verraten, wie ihr einen Gegenstand herstellt. Unter den Gegenständen befinden sich neben Chips, Zahnrädern und Einweg-Plasmaspritzen auch zusätzliche Waffen oder die elementaren Varianten bereits verfügbarer Waffen. Sicherlich ist das Craften eine nette Nebenbeschäftigung, ich habe es aber nur einmal wirklich verwendet.


Die einzelnen Dungeons orientieren sich an einem bestimmten Thema. Im Aquarium warten zum Beispiel Wasser- und Eisrätsel.

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Gelungener hingegen ist das Anima-System, welches euch unter Umständen auch zu schwierigen Entscheidungen bewegen kann. Wie bereits erwähnt, geht von allen Automatons die Kraft des Anima aus, wodurch sie drohen, zu Unsighted zu werden. Dieses Schicksal ereilt im Übrigen auch Alma, wenn ihr für euren Spieldurchlauf zu lange brauchen solltet, sowie sämtliche NPCs, denen ihr auf eurer Reise begegnet. Im Logbuch wird verzeichnet, wie lange welcher NPCs noch zu „leben“ hat, bevor sie zu Unsighted werden. Dadurch verliert ihr permanent den Zugang zu deren Angeboten – sei es ein Verbündeter, ein Händler oder ein anderer Nebencharakter. Überall in der Spielwelt könnt ihr Meteorstaub finden, der die Lebensdauer eines Automatons um einige Stunden verlängern kann. Nutzt ihr den Staub für euch selbst oder schenkt ihr ihn einem NPC? Wer weiß, vielleicht haben die NPCs ja eine Belohung für euch, wenn ihr ihre Freundschaft mit ein paar Geschenken gewinnen könnt.


Ein großer Pluspunkt ist die offen gestaltete Spielwelt. Wie bereits erwähnt, macht sich Alma auf, um die fünf Wächter ausfindig zu machen und deren Meteorsplitter zu bergen. Daraus kann eine mächtige Waffe geschmiedet werden, mit der ihr die schwarzen Kreaturen bezwingen und euch in den Kraterturm begeben könnt. Das Spiel lässt euch jedoch völlige Freiheit, in welcher Reihenfolge ihr nach den Splittern sucht. Zwar bietet es euch eine empfohlene Reihenfolge an, jedoch könnt ihr von dieser abweichen. Auch könnt ihr schon vor dem Erlangen aller Meteorsplitter versuchen, die schwarzen Ungetüme zu besiegen. Einfach machen werden sie es euch sicherlich nicht, doch vielleicht bewachen sie auch einen Schatz, der euch im weiteren Spielverlauf nützlich sein könnte. Zusätzlich dazu gibt es auch noch einige optionale Inhalte wie Hunde, die ihr retten könnt, damit sie euch dann auf eurer Reise begleiten und sogar im Kampf unterstützen, oder optionale Bossgegner, die euch zu einem Duell herausfordern. Ein NPC vertraut euch darüber hinaus beispielsweise eine Angel an, mit der ihr Bolzen, Materialien oder andere Dinge aus vielen Gewässern fischen könnt, ein anderer wiederum eine Schaufel, mit der ihr auf Schatzsuche gehen könnt. Es lohnt sich definitiv, jeden Winkel der Spielwelt zu erkunden, wobei euch die Karte eine große Hilfe sein wird. Auf dieser könnt ihr auch Pins platzieren, um auffällige Stellen, an denen ihr noch nicht weiterkommt, für später zu markieren.


Es war so klar: Natürlich sind die fünf Wächter mittlerweile Unsighted geworden und stellen eure Kampffähigkeiten gehörig auf die Probe.

© Humble Bundle, Inc.

Der Schwierigkeitsgrad ist übrigens ganz schön fordernd, was vielleicht den ein oder anderen abschrecken könnte. Doch hierfür bietet euch Unsighted den Explorer-Modus, in dem ihr einige Anpassungen nach eurem Geschmack vornehmen könnt. Ihr könnt einerseits den knallhart herunterzählenden Anima-Timer verlangsamen, den erlittenen Schaden verringern (oder für diejenigen, die nur die Story erleben wollen, sogar komplett deaktivieren) oder weitere Anpassungen vornehmen. Ein Mitspieler kann euch zudem im lokalen Koop zur Hand gehen. Wem das Ganze andersherum aber zu einfach ist, der kann sich dem Schwierigkeitsgrad Roboter-Apokalypse stellen, in dem das Zeitlimit sogar noch strenger ist und euch die Gegner geradezu vernichten. Speedrunner freuen sich bestimmt über den Timer, den ihr einblenden könnt. Wer nach dem abgeschlossenen Spiel gerne in Erinnerungen an die Highlights schwelgt, kann sich den Bossrush-Modus oder den Dungeon-Überfall, in dem ihr alle Dungeons noch einmal spielen könnt, ansehen. Wer gerne Achievements jagt, kann sich über diverse Ingame-Erfolge freuen, darunter sogar mehrere, die euch für das Brechen der Sequenz belohnen.


Wie ihr seht, macht das Spiel so einiges richtig und bietet euch zudem eine Menge an Inhalten. Die 2D-Optik mag nach den zahlreichen Spielen, die diese in den letzten Jahren regelrecht gemolken haben, für den ein oder anderen recht ausgelaugt wirken, macht aber in Unsighted dennoch eine sehr gute Figur. Vor allem die animierten Charaktermodelle bei Gesprächen oder in Sequenzen sehen durch die Überlagerungen mehrerer 2D-Schichten wirklich toll aus. Begleitet wird das Spiel von einem Soundtrack, der die Stimmung der einzelnen Areale gelungen untermalt und eure Erfahrung abrundet. Einzig eine Designentscheidung ging mir während meines Spieldurchlaufs regelmäßig auf die Nerven: das Wechseln der Waffen. Zwei Waffenslots und eine zweistellige Auswahl an Nah- und Fernkampfwaffen – hier ist definitiv eine bessere Methode zum Waffenwechsel gefragt als jedes Mal das Menü zu öffnen, den Waffenslot auszuwählen und dann die Waffen aus einer Liste auszusuchen, die nach der letzten Verwendung sortiert ist, vor allem da die L3- und R3-Tasten beide ungenutzt sind. Bei einem Spiel, bei dem ein Großteil der Waffen nicht nur im Kampf, sondern auch bei der Erkundung der Welt gebraucht wird, vermisse ich eine angenehmere Steuerungsoption sehr.

Unser Fazit

9

Geniales Spiel

Meinung von Philipp Pöhlmann

Unsighted ist definitiv eine der Überraschungen des Jahres für mich. Nach einem holprigen Test-Start mit einem Spielcode, der sich nicht hat einlösen lassen, hätten wir diesen Titel beinahe aufgegeben – zum Glück ist es dazu nicht gekommen. Das 2D-Action-RPG aus dem Hause Humble Games, das vom Studio Pixel Punk entwickelt wurde, zeigt klare Einflüsse von großen Serien wie The Legend of Zelda oder Metroid und schafft daraus eine Spielerfahrung, in der von Anfang bis Ende fast alles stimmt. Ein eingängiges, aber nicht überforderndes Kampfsystem, eine einfache, wenngleich packende Handlung, die im Breath of the Wild-Stil über NPC-Dialoge und Erinnerungen erzählt wird, sowie ein tolles Weltdesign mit individuell gestalteten und klar voneinander unterscheidbaren Arealen bieten ein wirklich tolles Spielerlebnis. Hinzu kommen diverse Optionen, mit denen ihr das Spiel ganz an eure Vorlieben sowie eure Videospielerfahrung anpassen könnt. Der einzige Wermutstropfen ist das umständliche Wechseln der Waffen, welches nicht nur ständig den Spielfluss unterbricht, sondern mich auch meist immer nur dieselben Waffen hat einsetzen lassen. Hier hätten sich die Entwickler sicherlich etwas besseres einfallen lassen können. Zu guter Letzt punktet Unsighted dann auch noch mit einer ganzen Menge Inhalt, die sowohl Gelegenheitsspielern, Spielern, denen es nach einer ordentlichen Herausforderung durstet, als auch Speedrunnern gefallen dürfte. Wer trotzdem noch nicht von einem Kauf überzeugt ist, kann sich zudem über eine kostenlose Demo im Nintendo eShop freuen – worauf wartet ihr also noch?!
Mein persönliches Highlight: Gleich vier putzige Haustierbeglieter warten darauf, von euch gerettet zu werden. Gelingt euch dies, könnt ihr sie füttern, streicheln, ein Nickerchen machen und euch von ihnen im Kampf unterstützen lassen.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 3

  • dennisplayyys

    Turmknappe

    Hört sich toll an! Ich lade gerade die Demo, werde es am Wochenende antesten... soooo viele Spiele warten auf mich, hab doch erst mit Ikenfell angefagen (das übrigens echt super ist!)

  • Schdadia

    Turmheld

    Das hört sich fett an😎 ich teste es mal. Und kauf es bestimmt auch 😅

  • Brommel

    Turmheld

    Die Demo probiere ich gerne aus. Liest sich jedenfalls vielversprechend :)
    Danke für den Test.