Neue Veröffentlichung, gleiches Tanzparkett

Und täglich grüßt der Tanzbär. Die jährliche Veröffentlichung mancher Spielereihen ist mittlerweile nicht mehr wegzudenken, weswegen Ubisoft uns ein weiteres Mal mit Just Dance 2022 aufs Tanzparkett lockt. 40 brandneue Songs sowie alte Klassiker sorgen erneut für Stimmung und mit optionalen Modi, die entweder kindgerecht sind oder eure kompetitive Natur auf die Probe stellen, ist augenscheinlich genug Abwechslung geboten, um einen weiteren Kauf zu rechtfertigen. Wie jedes Jahr stellen wir uns jedoch die allgegenwärtige Frage: Bringt Just Dance 2022 genug Neuheiten ins Spiel und inwiefern lohnt sich der Erwerb sowohl für Fans als auch für Neueinsteiger?


Ob Profitänzer oder Anfänger: Zusammen macht das Gameplay immer noch am meisten Spaß.

© Ubisoft

Auf die Gefahr hin, den eingangs erwähnten Dreh- und Angelpunkt bereits in den ersten Zeilen vorwegzunehmen: Just Dance 2022 bleibt Just Dance. Wie zuvor folgt ihr den Bewegungen der Tänzer auf dem Spielbildschirm und werdet für eure Genauigkeit sowie das Timing am Ende bewertet. Dabei fungiert ein Joy-Con als Vermittler zwischen Spieler und Spiel und ist die essenzielle Einheit, wenn es darum geht, eure Manöver zu lesen. Selbstverständlich könnt ihr somit auch das Gameplay etwas austricksen und lediglich einfache Handbewegungen ausführen – inwiefern das aber überhaupt noch Spaß macht und den Reiz der Reihe akkurat vermittelt ist Geschmackssache.


Damit verbunden sollte betont werden, dass es nicht möglich ist, im regulären Handheldmodus mit befestigten Joy-Con das Tanzbein zu schwingen. Stattdessen müsst ihr unterwegs auf die Tabletop-Position zurückgreifen, was in Anbetracht der verlangten Bewegungen aber mehr als nachvollziehbar ist. Alternativ kann auch das Smartphone in die Hand genommen werden, sofern die passende App auf eurem Gerät installiert ist.


Doch hier fängt der Spaß erst richtig an. Auf dem Papier steht euch mit 40 neuen Songs – darunter „Nails, Hair, Hips, Heels“ von Todrick Hall oder „Run the World (Girls)“ von Beyoncé – eine abwechslungsreiche Auswahl an melodisch unterschiedlichen Musikstücken zur Verfügung. Wem das jedoch nicht genug ist, kann ein kostenpflichtiges Abonnement abschließen und sich auf unfassbare 700 Songs stürzen. Auch wenn ein kostenfreier Probe-Monat integriert ist, bleibt es dennoch ein wenig anrüchig, den Kunden für eine größere Auswahl erneut zur Kasse zu bitten. Selbst wenn euch dieses Angebot nicht interessiert, gibt sich das Spiel leider stets die Mühe, euch auf ein Abonnement hinzuweisen, was auf Dauer nicht nur nervig werden kann, sondern gewissermaßen mit bestimmten Charakterschwächen mancher Menschen spielt. Dass es auch anders geht, beweisen Spiele wie Super Kirby Clash, wo der zusätzliche, kostenpflichtige Erwerb der spieleigenen Währung diskret behandelt und zu keinem Zeitpunkt unter die Nase gehalten wird.


Never change a running system... oder?


Glücklicherweise hält sich dieses Modell vom Kids-Modus fern, der erneut seine Rückkehr feiert und angehende Tänzer mit kindlichen Liedern begeistert. Was zunächst wie eine gute Idee wirkt, auch ein jüngeres Publikum anzusprechen, ist leider nur sehr zweckdienlich umgesetzt. Weder werden irgendwelche Leistungen verzeichnet noch hilfreiche Piktogramme dargestellt, wodurch es keinen Reiz gibt, sich zu verbessern. Es mag zwar stimmen, dass man sich nach ein wenig Übung jederzeit an reguläre Tanzpartien wagen kann, allerdings sind Optionen hier das Stichwort. Es wirkt widersprüchlich, dem Spieler im normalen Spielverlauf Anpassungsmöglichkeiten zu geben, die im Kids-Modus jedoch völlig außen vor bleiben. Weiterhin fällt die Auswahl an kindgerechten Liedern dieses Mal mit nur acht Songs sogar noch spärlicher als im Vorgänger aus, was in einem Nachfolger einfach nicht passieren darf. Wie wäre es beispielsweise mit kleinen Tutorials, die jungen Tänzern die Grundlagen näherbringen und wie Lektionen zu verstehen sind. Natürlich lassen sich endlos Wünsche äußern, doch zeigt gerade Just Dance unverbrauchtes Potenzial, obwohl das Spielprinzip so viel mehr hergibt.


Wer keine Tanzpartner an seiner Seite hat, kann online gegen andere Spieler antreten.

© Ubisoft

Der Sweat-Modus eignet sich hervorragend für alle, die es auf die athletische Komponente des Ausdauersports abgesehen haben. Während sich am Gameplay nicht wirklich viel ändert, verfolgt ein Kalorienzähler euren Energieverbrauch, weswegen ihr hier die ideale Gelegenheit bekommt, die bevorstehende Weihnachtszeit besser zu meistern. Wer mit seiner Figur aber mehr als zufrieden ist, kann im Quick-Play-Modus ohne Verzögerungen in einen zufälligen Song starten und augenblicklich loslegen. Selbst individuelle Playlists lassen sich anlegen und können jederzeit eure favorisierten Lieder oder Tänze griffbereit abspeichern. Wenn es um Selbstentfaltung geht, ist die Dancer-Card das ideale Mittel, um eure Online-Präsenz klarer zu definieren.


Mit der Zeit schaltet ihr immer wieder Punkte frei, die sich wiederum in speziellen Automaten ausgeben lassen und kleine, aber feine Belohnungen freischalten. Ob es nun ein aussagekräftiger Titel oder ein keckes Profilbild ist – eure Karte spiegelt euren Charakter wider und wird anderen Spielern bei besonderen Leistungen online angezeigt. Sehr viel spannender wird es, wenn ihr gewisse Erfolge freischalten müsst, die unterschiedliche Aufgaben bereithalten und an die jeweiligen Songs gebunden sind. Dies setzt zum Beispiel das Absolvieren eines kniffligen Schwierigkeitsgrads voraus, wodurch gewissermaßen auch Solotänzer ihren Ansporn im Spiel finden, das bestmögliche aus sich herauszuholen.


Leider findet der All-Star-Modus erneut nicht seinen Einzug ins Geschehen und verdeutlicht ein Problem, das ohnehin schon ersichtlich genug hervorsticht: die mangelnden Neuerungen. Mir ist bewusst, dass es ein simples Gesellschaftsspiel wie Just Dance nicht darauf abgesehen hat, das Genre neu zu definieren – immerhin erhält man, was man erwartet: ein einfaches Tanzspiel. Wenn allerdings Modi von vorherigen Teilen fehlen oder teilweise magerer ausfallen als im Vorgänger und die ganze Aufmachung generell fast identisch wirkt, ist es bedenklich, ob sich ein erneuter Kauf tatsächlich auszahlt. Die neuen Songs besitzen sicherlich ihren Reiz und das grundsätzliche Gameplay funktioniert gerade auf Partys selbstverständlich nach wie vor, doch wirkt gerade dieser Ableger besonders einfach gehalten.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Kevin Becker

Wie bereits in den vergangenen Jahren funktioniert das Grundprinzip von Just Dance 2022 weiterhin und kann von Menschen aller Altersgruppen genossen werden. Im Kids-Modus kommen gerade jüngere Tänzer voll auf ihre Kosten und können in vereinfachten Bewegungen und kinderfreundlichen Animationen ihre ersten Schritte wagen. Leider bedeutet dies gleichzeitig, dass jegliche Art von Herausforderung verloren geht, da weder die Leistung noch sonstige Errungenschaften festgehalten werden. Des Weiteren fehlen die hilfreichen Piktogramme und, allen voran, neue Songs, wodurch dieser Modus leider im Vergleich zum Vorgänger unverändert, schlechter und hinter seinem Potenzial bleibt. Anders sieht es in herkömmlichen Tanzpartien aus, wo gemeinsame Runden mit Freunden noch immer für Stimmung sorgen und keine großen Innovationen benötigen. Hat euch erst mal der Ehrgeiz gepackt, könnt ihr in Online-Partien gegen andere Tänzer auf der Welt antreten und werdet je nach eurem Level in einem passenden Raum platziert. Hier könnt ihr einen der 40 neuen Songs erleben und alternativ ein kostenpflichtiges Abonnement abschließen, um auf ganze 700 Lieder zurückzugreifen. Wie ihr zu diesem Modell steht, liegt ganz bei euch, doch auch bei Just Dance 2022 gilt: Wer Fan ist, macht mit diesem Ableger wahrscheinlich nicht viel falsch. Wer allerdings den Vorgänger (oder auch einen der letzten drei Teile) bereits besitzt, sollte womöglich zweimal darüber nachdenken, ob sich das fast identische Gesamtpaket wirklich lohnt.

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Kommentare 1

  • Zettes

    Turmheld

    Was mich bei Just Dance schon seit langem nervt ist die massiv lästige Einbindung des Abos. Es werden wirklich überall Songs angezeigt die man garnicht spielen kann ohne Abo.